Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Sonnabend, 22. Februar 1878

86

xni. Jahrgang.

(Olicrljcffifdir ji'itimij

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

gsprWdersuchen eingegriffen hat, so ist eS in diplomatischen

kein Geheimniß mehr, daß eben Deutschland vor

ft.

-vbert zwischen Alice und Bertram!" flüsterte Karl

Ni

>rk oti to sein wird. Und wenn der Reichskanzler in seinen lasse. - tinandersetzungen auch nicht dargelegt hat, in wie Retoi « Maße die deutsche Regierung in diesen Vermitte-

Dlitt

U> ir ll

i die

ifffa ach

Dam ssagi päisc il-Ag •nag [31

sehr fraglich erscheinen, ob er an seinem französischen Col- legen Unterstützung findet. Daß auch in Rußland sich die hochgehenden Wogen immer mehr und mehr beruhigen, dafür liefert eine Bemerkung den Beweis, welche der „Golos" in Bezug auf das veröffentlichte Protokoll über die An­nahme der Friedenspräliminarbasen und der Waffensüll­standsbedingungen macht. Das genannte offiziöse russische Blatt schreibt nämlich: „In diesem Protokoll findet sich Nichts, was nicht bereits aus den früheren Mittheilungen über die in Rede stehenden Bedingungen bekannt wäre; nichtsdestoweniger bildet die Veröffentlichung derselben auf offiziellem Wege ein Faktum von großer politischer Be­deutung. Jetzt sind keine Mißverständnisse mehr möglich, keine Kniffe der Rußland Mißgünstigen, die in den letzten Tagen alle ihre Ränke auf das Unbekanntsein der russischen Bedingungen bastrten. Im englischen Parlament werden sich nicht mehr jene Scenen der aufregenden Heuchelei wiederholen, in welchen die konservativen Minister und ihre Anhänger sich des Angriffs ihrer Gegner durch den Hinweis auf die Unsicherheit der vorhandenen Nachrichten über diesen Gegenstand erwehrten. Vor den Augen En- ropa's ist jetzt der offizielle Text des Programms, auf dessen Basis Rußland sich fest und unabwendbar ent­schlossen hat, allen Schwierigkeiten der alten orientalischen Frage ein Ende zu machen. Europa weiß, daß die rus­sische Negierung in keinem Falle von diesem Programm lassen wird, daß sie die Verwirklichung desselben mit allen Mitteln, über welche sie verfügt, erstreben wird. Von jetzt ab muß die westliche Diplomatie mit offenen Karten spielen und endlich darthun, was hinter den mehr oder weniger offenen Anstrengungen einiger westlichen Cabinete, Rußland an der Vollendung der von ihm begonnenen Sache zu verhindern, steckt."

das Verdienst zufällt, in den gegenwärtigen Verwicke- a den Frieden erhalten zu haben, und daß auch jetzt leitender Staatsmann mit eben so großer Energie euch mit allbekannter Vorsicht die Vermittlerrolle führt und voraussichtlich auch zu einem guten Ende wird. Bon ganz besonderem Einfluß ist diese ver­öde THLÜgkeit aus die Erhaltung des guten Einver- s zwischen Rußland und Oesterreich gewesen, und auch die Versuche Englands, die Politik des Grafen »ssy in andere Bahnen zu lenken, sich wiederhott ge- haben, so verstand eS der Fürst Reichskanzler, diesen ungen stets ein Paroli zu bieten. Englands Diplo- i hat in den letzten Wochen ihre Unfähigkeit so klar jan, daß jetzt die angeblichen Flottenrüstungen nur ein mitteidiges Lächeln bei allen verständigen Leuten

feit kann. Es wird dem Lord Beaconsfield eben * anderes übrig bleiben, als sich auf der von Oester­beantragten Conferenz einzufinden und gewissermaßen ne in den zweiten Rang zurückgedrückte Macht an verathungen Theil zu nehmen. Bon der Klugheit Mischen Premiers wird eS abhängen, daß er mit l Ansicht nicht vereinzelt dafteht; denn es dürste noch

Ein Stefidenzdermiigen.

Erzählung von Johann Gram.

asser autorifirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.

(Fortsetzung.)

Tagesbericht.

Verschiedene Zeitungen durchlief in den letzten Tagen die Nachricht, daß der Plan, Hr. v. Bennigsen zum Vice­kanzler des deutschen Reiches zu machen, in neuester Zeit eine gewalüge Erschütterung erfahren habe, und daß nun­mehr der Finanzminister Camphausen, welcher bereits im preußischen Staatsministerium den Minister vertritt, nun auch zum Stellvertreter des Reichkanzlers in Aussicht ge­nommen sei. Wir glauben gut unterrichtet zu sein, wenn wir den ersten Theil dieser Nachricht als einen Beweis erachten, für die Haltlosigkeit der Meinung, daß Hr. v. Bennigsen für die Stellvertretung des Reichskanzlers in Aussicht genommen sei. Was aber die Nachricht anbetrifft, Hr. Camphausen werde nun zum Dice-Kanzler avanciren, so glauben wir derselben noch mehr widersprechen zu sollen,

eW itfl Ml!

1 bet

3 unb ‘fügen 400.) [4631

lS,

[IA.

rz.

1.

„O ja, wie es Ihnen beliebt!" antwortete Mols, die Nase rümpfend.

De Grootens verließ mit seiner Frau und Anton das Zimmer und Karl theilte dem Bäckermeister mit, daß eS ihm ein besonderes Vergnügen gewährt habe, bft Bekannt­schaft seines Sohnes zu machen, „eines Jungen, der in Indien gewiß schnell sein Glück machen würde." Das klang dem alten Mols sehr angenehm in den Ohren. Gerechtes und verdientes Lob eines Kindes Hingt den Eltern immer wunderbar süß.

„Der Apfel fällt nicht weit vont Baum, he?" sagte Karl lachend.

Mols verbeugte sich geschmeichelt und versicherte dem Redner, daß seine Worte ihm nach all dem genossenen Bittern wie Curacao vorkämen.

„Schade," fuhr Karl fort, „daß der Junge keinen Blitz­ableiter auf sein Herz gesetzt hat. Es scheint, daß er sterb­lich verliebt in mein Nichtchen ist, hc?"

„In seinen Jahren ist das epidemisch und seine Wahl verdient alle Anerkennung. Juffrouw Marianne ist ein allerliebstes Mädchen, die den Standesdünkel ihrer Eltern durchaus nicht theilt."

„Sie würden also Ihre Zusümmung geben, ja?"

„Ohne Zweifel, aber das würde dem armen Jungen wenig helfen. Mynheer de Grootens leuchtete ihm unlängst, als er eine etwas allzu starke Probe seines Unternehmungs­geistes gegeben hatte, so tüchüg heim, daß mein Sohn an der Bekehrung der Eltern vollkommen zweifett."

Karl lachte geheirnnihvoll und sagte dann: „Und die Bekehrung ist doch sehr leicht möglich. Wenn Sie übrigens die Verbindung so gerne wünschen, dann greifen Sie doch nur zu und hatten Sie nach Abmachung des Geschäfts ein­mal förmlich um die Hand meiner Nichte für Ihren Sohn an, he!"

Wons Öhr.

Wchnheer Mols", sagte Mevrouw, welche sich besser Wn konnte, „um Ihnen die Wahrheit zu sagen, wir M gerade einen Familienrath und würden sie uns sehr weim Sie morgen —" einmal hören kämen," fuhr Mols, heftig wer»

Jl°rt, „um zu vernehmen, wann ich aus's Neue er- Jr** soll, um noch einmal wieder bestellt zu werden. Wnke sehr, Mevrouw! DaS Geschäft muß jetzt abge- M werden."'

W GrvotenS fühlte, daß eS galt, einen Entschluß zu T, Er gab seiner Frau und Anton einen Wink und bebendem Tone zu MolS:

erlauben mir wohl, daß meine Frau und ich eine M Angelegenheit, die keinen Anffchub duldet, und wor- pt eben mit meinem Bruder sprachen, vorher abmachen?"

Ile Postämter und auf dem Lande die Land- l postboten nehmen für den Monat März Mnngen auf die Aberhessische Zeitung und deren Gratisbeilage

luffrirtcd Sonntagsblatt

MN.

«gen nimmt entgegen: läeMtiMt d.Blatte», iid-Ännoncen-Bureaur fj;. Dietrich & Co. in u und Hannover; Tb. pch in Frankfurt a.M.; Jtiifiein & Vogler in iftat a. M., Berlin, aig, Mn ic.; Rudolf |( in Berlin, Frank- furt a. M. ic

ab ju! verzeihen Sie mir Mevrouw und meine Herren," । et in kühlem Tone, „wenn ich unangemeldet eintrete, ks ist hier keine Zeit zu verlieren. Sie sind in Ihrer Üie, Mynheer de Grootens, ich habe mich also nicht küren. Die drei Stunden sind vorbei und meine ft ebenfalls. Darf ich fragen, ob Sie geneigt sind, k<ls Legat zurückzugeben?"

eitzkk' tzie Pistole wurde de Grootens also auf die Brust ge- inb in seiner Verwirrung ersuchte er Mols, Platz tschäsl Wen, und murmelte etwas wie:

eich 6 Ä, Mynheer Mols — ich —"

nut licht»

| I« der orientalischen Frage

rwgenblicklich der Zeitpunkt eingetreten, wo die Ver- ■ung zwischen unvereinbar scheinenden Faktoren im Msteu Gange ist, und die, weil es sich eben hier um Ätie Dinge der verschiedenen Nationen handelt, wenn 6m wirksam sein soll, sich der Oeffeutlichkeit so viel möglich entziehen muß. Fürst Bismarck hat in der isiag-Sitzung des Reichstages in allgemeinen Umrissen Politik gezeichnet, welche für die deutsche Diplomatie iieser Frage maßgebend gewesen und auch ferner maß-

•«5 teinem erbat Weigel ihren Sengen habe.

gen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- 8. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; C- Schlotte in

Bremen

scheint täglich außer an den Wecktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jtuftrirteö LvnntaaSblatt" durch die Srvedition tKnck'lcke Buchdruckerei) bezogen Ü ^^rk, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). -- Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

Für in der Expedition zu erthetleude Auskunft und Annahme von Adreffeu werden 25 Pfg. berechnet.

■.......——i ii ... ■ - ■ ii । ।

als der ersteren. Wer am Dienstag mitangesehen, in wel­cher Weise Fürst Bismarck bei seinem Eintritt in den Sitzungssaal des Reichstage- den dort schon anwesenden Vice-Präsidenten begrüßte, der mußte von der Eigenthüm- lichkeit dieser Begegnung ftappirt sein. Jedenfalls war dieselbe nicht dazu angethan, als Beweis für die warmen Sympathien des Fürsten Bismarck für Herrn Camphausen zu dienen. Die morgen beginnende Steuerdebatte dürfte übrigens in diese Angelegenheit noch weiter manches Licht bringen, da, wie es in gut unterrichteten Kreisen heißt, Herr Camphausen mit manchen in den neuen Steuergesetzen ausgesprochenen Principien nicht einverstanden sein soll.

Die Commission des Reichstags, welcher der Gesetzent­wurf, betreffend die Rechtsanwaltsordnung zur Vorberathung Überwiesen worden, hat gestern die Berathung dieser Vor­lage begonnen und dieselbe heute fortgesetzt. Nach einer kurzen Generaldebatte begann man sofort mit der Special­diskussion der Vorlage. Bei derselben pmrden zunächst die §§. 12 und 13 erledigt und hierbei in §.12 der von der Verweigerung der Zulassung des sich Meldenden bei dem im Antrag bezeichneten Gerichte handelt, die Nr. 2, welche die Verweigerung dieser Zulassung gestattet, wenn nach dem Gutachten des Vorstandes der Anwaltkammer durch die Zulassung des Antragsteller die gedeihliche Ausübung der Rechtspflege würde gefährdet werden — gestrichen. Der §. 13 der von der Versagung der Zulassung eines Rechts­anwalts bei einem anderen Gerichte handelt, wurde geneh­migt. Dann begann die Berathung der ersteren Para­graphen. Die §§. 1 und 2 wurden ohne Abänderung ge­nehmigt. Die Berathung des §. 9 wurde ausgesetzt, und soll derselbe gemeinschaftlich mit §. 14 diskutirl werden. Bei §. 4, welcher diejenige Fälle enthält, in welchen die Zulassung eines Rechtsanwalts versagt werden muß, wurde eine Einfügung dahin gemacht, daß dem Abgewiesenen ge­stattet ist, den Rechtsweg bei dem Ehrengericht der AuwattS- kammer zu beschreiten, eventuell Berufung beim Reichs­gericht einzulegen. Die Debatte über §. 5 konnte nicht zu Ende geführt werden. Hierzu lagen Anträge vor, welche die Versagung der Zulaffung nur dann gestatten wollen, wenn der Antragsteller länger als 5 Jahre aus dem Rich­teramt ober ans dem Reichsdienst, oder dem Dienste in einem Bundesstaate, oder dem Amte einer Communalver- waltnng (Bürgermeister u. s. w.) entfernt gewesen ist.

AuS Berlin von gestern wird gemeldet: Die von über 500 Firmen besuchte Generalversammlung des Central- Verbandes der deutschen Industriellen beschloß, eine Petition an den Bundesrath und Reichstag zu richten betreffs An­nahme eines von der Industrie aufgestellten autonomen . Erstaunt blickte Mols den Indier an und meinte, das wäre doch eine etwas starke Zumuthuug. Mynheer und Mevrouw de Grootens für seinen Willem um die Hand ihrer Tochter zu fragen. Welch eine beleidigende Antwort würde er wohl darauf empfangen? Nach all dem, was in den letzten Tagen zwischen de Grootens und ihm vorge­fallen sei, würde die Frage noch schwieriger, wie sie sonst wohl gewesen wäre.

Der Indier legte zutraulich seine Linke auf MolS Schulter und sagte voll Ueberzeuguug:

„Glauben Sie mir, Mynheer MolS, glauben Sie mir, ich spreche sowohl für das Glück Ihres Sohnes wie für das Glück meiner lieben Nichte; laufen Sie nur, wenn Ihre Geschäftssache in Ordnung gebracht ist, einmal Sturm auf die Festung. Für das Sprengen der Laufgräben haben schon Andere gesorgt. Sie werden den ersten Stein zum Glück eines Menschenpaares legen. Ich glaube bestimmt, daß mein Bruder Sie nicht abschlägig bescheiden wird."

Mols schüttelte ungläubig den Kopf und fand es un­begreiflich. AuS welchen Motiven sollte dieser stolze Myn­heer denn so plötzlich umgewandelt sein?

Obgleich Karl ihm versicherte, daß dafür ja allerlei Gründe vorliegen tonnten, blieb Mols ein ungläubiger Thomas. Lange zwar nicht, denn jetzt traten de Grootens, seine Frau und Anton wieder ins Zimmer.

Gemessen und würdevoll schritt der Generalsekretär auf MolS zu und sagte: „Mynheer Mols, mit vielen Entschul­digungen händige ich Ihnen hier das Legat aus."

Er zählte ihm das Geld auf den Tisch, fünfzig Bank­noten zu hundert Gulden.

Wie ein guter Kaufmann sah Mols die Summe vor­sichtig nach, fand sie in Ordnung und schrieb eine Quit­tung darüber. (Forts, felgt)

unb?