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Marburg, Freitag, 22. Februar 1878

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nicht im Interesse Europas, namentlich nicht im Interesse Deutschlands. Bisher schon war dies nicht der Fall. Nach­dem aber die Türkei nunmehr ihren Schwerpunkt in Europa verloren hat, wird sie in Zukunft noch mehr den Charakter eines astatischen Reiches annehmen, das durch seine Religion, seine Sitte, seine Cultur, seine Rechtsanschauungen und sein ganzes Interesse von den europäischen Mächten auf's Tiefste geschieden ist. Es liegt jedoch offenbar nicht im Interesse von Europa, daß eine solche asiatische Macht noch so wichtige Puntte in Europa, wie Konstantinopel und die angrenzenden Meerengen, in Besitz hätte und dort seine eigenen Interessen den europäischen gegenüber geltend machen könnte. Deutschland wird sich deshalb gewiß nicht für eine Aufrechthaltung der türkischen Herrschaft am Goldenen Horn ereifern, aber seine Interessen sind doch auch nicht so dabei enga- gitt, daß es eine gänzliche Beseittgung der Türkenherrschast aus Europa gebieterisch fordern müßte. Deutschland wird sich des­halb wahrscheinlich, wie auch der Reichskanzler andeutete, dar­auf beschränken, zu verlangen, daß die Verhältnisse dort nur so geordnet werden, daß die Handelsinteressen gewahrt bleiben und keine Macht, welche es auch sei, in deren Hände der Schlüssel der Dardanellen käme, diesen Schlüssel willkürlich zum Auf- und Zuschließen dieser wichtigen Handelsstraßen handhaben kann. Gleichwohl sind wir überzeugt, daß die Balkanhalbinsel nicht eher zur Ruhe kommt, bis die Türkenherrschaft ganz aus Europa entfernt ist. Bleibt Rumelien, Thessalien und Epirus noch unter- türkischer Herrschaft, so wird höchst wahrscheinlich auch dort sich bald das Streben nach völliger Abschüttelung des tür­kischen Joches regen. In Griechenland wird in Zukunft lebhafter das Streben erwachen, Thessalien, Epirus und Madedonien zu annettiren und das neu geschaffene Bul­garien wird, ebenso wie bisher Rumänien und Serbien, danach ringen, das türkische Vasallenthum abzuschütteln, um ganz selbstständig zu werden. Die Freiheitsbewegungen, welche bisher nördlich vom Balkan herrschten, werden dann südlich vom Balkan hervortreten, und wie jene zu dem jetzigen Kriege geführt haben, so werden diese dann in we­nigen Jahren zu einem neuen Kriege führen. Voraussicht­lich würde jedoch auch dann Rußland in einem solchen Kriege wieder eine hervorragende Rolle spielen. Ob dann aber Europa es noch so in seiner Hand hat, ihm Mäßi­gung aufzuerlegen, das dürfte vielleicht staglich erscheinen. Denn jedenfalls wird Rußland mit einem Machtzuwachs aus dem jetzigen Kriege hervorgehen, von dessen Boden aus eS dann in einen neuen Krieg eintreten könnte, bei dem ihm bei Weitem keine so großen Schwierigkeiten mehr im Wege ständen als bei Beginn des jetzigen. Es will uns deshalb scheinen, daß es mehr im Interesse des übrigen Euro­pas wäre, wenn jetzt die Neugestaltung der Balkanhalbinsel mit

stachel unangenehm empfinden, daß sie ihr Loos aus mächtigen Hand einer anderen Macht empfangen hätte. iEhre der Nationen würde es nicht ertragen, wenn i Macht sich die Rolle eines Schiedsrichters anmaßte, he ihnen allen ihre Politik vorschreiben wollte. Be­glich suchte Frankreich unter Napoleon eine solche Rolle Wen. Aber es ist von dieser Höhe, gewissermaßen Lvrsehung Europas spielen zu wollen, jählings herab- ttjt. Eine solche Politik wäre nicht deutsch. Wir Deutsche

m; wir beanspruchen nur, bei den europäischen Ange- ititen unfern Rath in einer unserer Macht entsprechen- Veise zur Geltung bringen zu können, ohne daß wir n irgend einem Volke aufdrängen wollen. Deshalb wir es aber auck nicht dulden, wenn irgend eine Macht sich erlauben wollte, in europäischen Ange- iten rücksichtslos schalten und walten zu wollen. In die orientalische Frage allgemeine europäische In­en, an denen auch Deutschland Theil hat, berührt, die deutsche Politik auch verlangen, gehött zu werden, solchen Jntereffen gehört es, daß die Umgestaltung der misse auf der Balkanhalbinsel so gemacht werde, daß

Lie werden wir das jemals wett machen können?" |te Mevrouw aus tiefstem Herzen.

btcn verhielt sich all diesen leidenschaftlichen Er­ogen gegenüber sehr reservirt und wies die warmen ^Sbetheuerungen mit den kurzen Worten ab:

>D, das kann gleich geschehen."

»Gleich?« war die ungläubige Frage.

3a, gleich. Ihr habt ja meine Bedingungen noch gar gehört." Mann und Frau sahen ihn erstaunt an. >Äenn ich Euch augenblicklich 45,000 Gulden vor- £ fuhr er langsam und besttmmt fort,so ist daran Bedingung gebunden, daß Ihr, wenn der Sohn vom ^neifter Mols um die Hand von Marianne bei Euch *1 ihm Eure Einwilligung gebt."

Ei, SteftdeazterNige«.

Srzühlung von Johann Gram.

Verfasser antorisirte Uebertragung au» dem Holländischen von Joseph Schrattenhol».

Fottsetzun.)

ich 1N vi die freien Herren in unserem eigenen Reiche sein, §tahlk rc'r wollen diese Freiheit auch den anderen Nationen

Der Sprechende hielt einen Augenblick inne, um die Wirkung seiner Worte auf das Ehepaar zu beobachten.

Willem Mols ist, den eingehenden Erkundigungen zu­folge, die wir Beide anstellten, ein tüchtiger, braver junger Mensch. Durch die von ihm gegründete Kattundruckerei wird er einen Industriezweig beleben, welcher in dieser Provinz noch im Schlummern ist. Sein Vater ist ein Mann, der alles sich selbst verdantt, eine Verwandtschaft also, auf die Ihr Beide stolz werdet sein können . . ."

Mevrouw schlug ihre Häiwe vor Entrüstung über dem Kopf zusammen.Aber Anton!" rief fit leidenschaftlich aus,ich erkenne Dich in diesen Worten! Erst willst Du ims in so nobler uneigenütziger Weise aus der Noth retten, Du, den wir so hartherzig empfingen, und nun knüpfft Du diese unmögliche Bedingung daran."

De GrootenS war plötzlich ein ganz anderer Mann geworden. Alles gerieth bei ihm in Aufruhr.

Wie kannst Du nur verlangen, Anton", sagte er so überzeugend, wie möglich,daß Marianne, wenn Du sie wirklich lieb hast, sich mit einem Bäckerssohn, der in Kat­tunen macht, mesalliiren soll . . . sie, die Tochter eines höheren Beamten. Wir verkehren hier mit den ersten Fa­milien und haben diese Beziehungen nur deshalb ange­knüpft, um Marianne in die besseren Kreise einzuführen. Sollen wir' diese Vortheile sämmtlich aufopfern und uns obendrein durch einen Eidam, welcher der Sohn eines Bäckers ist, dem Fluch der Lächerlichkeit preisgeben? Anton, Anton, wie kannst Du so ettvas verlangen!"

Nun konnte Karl sich nicht länger zurückhatten und bedeutete seinem Bruder, daß doch gewöhnlich den Eltern für das Glück ihres Kindes kein Opfer zu groß sei. Dazu leuchte ihm der unaussprechliche Wbstand zwischen einem Fabrikanten und Ingenieur mit einem höheren Beamten durchaus nicht ein.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte», sowie d Annoncen-Bnreaux von ®. L. Daube L So. in Frankfurt a. M.; JägeLiche Buchdandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. TdieneS in Elberfeld: E. Schlotte in

Bremen

A wurde einen Augenblick lang stille. Anton war jt in sein Büchelchen. Die anderen blickten schweigend fich hin. Endlich schaute Anton auf und sagte: wollen alles zusammen auf 45,000 Gulden schätzen. stn bereit, Dir dieselben auf unbestimmte Zeit und * s Zinsen ru leiben"

Die deutsche vrteal-olittk.

Durch die nun vollständig bekannt gewordene Antwort \ Reichskanzlers auf die Orient-Interpellation haben wir \ Mch Neues nicht erfahren, und es ist gut, daß der

Kanzler lediglich bestätigen konnte, was man bereits je: daß die deutsche Politik in der Orientfrage ihre gäbe darin sieht, zwischen Rußland und Oesterreich im ne friedlichen Ausgleiches der beiderseitigen Interessen tt uns gleich befreundeten Staaten zu vermitteln. Mit 4 ft wies der Reichskanzler das Ansinnen mancher Heiß- Ä me zurück, daß Deutschland den Schiedsrichter Europas b solle, der die übrigen Mächte unter seine Richter- \ J «he beuge. Denn es könnte keine verhängnißvollere 4 t für Deutschland geben, als diese, welche Deutschland J allen Völkern verhaßt machen würde. Nicht bloß die : kr, gegen deren Interesse ein solcher Richterspruch aus- würden Deutschland Feindschaft schwören, sondern auch t! 1 Ration, zu deren Gunsten der Spruch ausfiele, würde

5 Ibe nicht den Frieden Enropas gefährdet, daß die iliche Bevölkerung Freiheit und Sicherheit von der tür- 0« Willkürherrschaft erhält, daß eine friedliche Cultur- mkelung in diesem Lande angebahnt, die Machtstellung brreichö durch jene Neugestaltung nicht alterirt und der i del an d r Donau und im Marmora-Meer nicht ge- J ttt werden.

die Erhaltung der Pfortenherrschaft in Europa liegt

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nimmt entgegen: toelttien ».Blatte», grd.Annomen-Buream , in. Dietrich & Co. is u und Hannover; Th Mm Frankfurt a.M. «fenftein & Vogler ir Jfart a. M.. Berlin m Mn re.; Rudols

in Berlin, Frank­furt a. M. re.

tzrscheint täglich außer an den Werk'agen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes TonutagSblatt" durch die Expedition lKoch'sche Buchdruckereil bezogen 21 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr». Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

« GrootenS flog auf ihn zu und Mevrouw wurde tt ged« I die Nachricht so erschüttert, daß sie ihre Hände auf'S i8er*N s preßte, um sein ungestümes Klopfen zu beschwichtigen, q- 3.g 4ßie ist es möglich!" rief de GrootenS leidenschaftlich |artjL tDu willst wirklich böses mit gutem vergelten?

»Bruder!"

Ausschluß der Türkenherrschaft geordnet, nicht bloß Bul­garien, sondern auch Rumelien zu einem selbstständigen neutralen Staate, ähnlich wie Belgien, gemacht, Thessalien und Epirus aber zu Griechenland geschlagen und Bosnien und die Herzegowina mit Oesterreich vereinigt würden. Der Reichskanzler sagte sehr richtig, er könne es sich nicht denken, daß wegen der größeren oder geringeren Ausdeh­nung eines tributären Landes ein großer Krieg zwischen Oesterreich und Rußland entstehen sollte. Aber es will uns scheinen, als wären selbstständige Staaten noch mehr im Interesse Oesterreichs, als unselbstständige Halbstaaten. Was Oesterreich zu fürchten hat, ist die Ausbreitung der Macht Rußlands auf der Balkanhalbinsel. Versteht eS Oesterreich, solche Staaten in freundnachbarlicher Weise zu behandeln und ihr Interesse mit dem seinigen zu verflech­ten, so kann es in folchen selbstständigen Staaten viel eher eine Förderung, als ein Hinderniß seiner Macht finden. Versteht das Oesterreich freilich nicht und sucht es eigen­sinnig darauf zu bestehen, daß jene Länder unter der Tür­kenherrschaft bleiben, nur damit nicht ihm unliebsame Ver­bindungen eintreten könnten, so wird keine Macht Oester­reich helfen können. Denn damit verlangte es Unmög­liches. Die bisherigen Zustände in der Türkei können nicht wieder hergestellt werden und jene Völkerschaften haben das Recht, daß ihr Schicksal nach ihrem Interesse und nicht nach dem ihrer Nachbarländer geregelt werde. Bleibt aber die Türkenherrschaft auch in beschränkter Weise erhalten, so wird sie in Zukunft nicht mehr einen Gegner, sondern einen Bundesgenossen Rußlands bilden, und somit würde gerade durch die Erhaltung der Türkei die Macht Rußlands auf der Balkanhalbinsel vermehrt. Eine solche europäische Türkei wäre nur ein Vasallenstaat von Ruß­land. Im Interesse Oesterreichs dürfte es deshalb liegen, wenn die Türkenherrschaft ganz beseitigt und dafür ein lebensfähiges mächttgeres Griechenland, welches ein sicherer Bundesgenosse Oesterreichs sein würde, und einige andere selbststständige Staaten geschafft würden. Wenn es Ruß­land mit seiner Absicht, die Christen vom Joche der Türken zu befreien, wirklich Ernst ist, so müßte auch ihm eine gänzliche Befreiung ein besserer Lohn seines Krieges er­scheinen, als eine halbe Befreiung für die Bulgaren und eine Scheinbefreiung für die nach wie vor unter der Tür­kenherrschaft verbleibenden Christen südlich des Balkan. Deutschland wird hierin keine Vorschriften machen, seine Politik wird, wie der Reichskanzler sagte, ihre Aus­gabe nicht darin sehen, die Karte Deutschlands auf den Tisch aus zu spielen, sondern ehrlich zu vermitteln zwischen Rußland, dessen alte Allianz man erhalten, und zwischen Oesterreich, zu dem wir wie ein treuer Freund zum Freunde stehen wollen. Das Schwert Deutschlands aber zu ziehen

»BEä»fiHag

Ein Fabrikant", sprach er mit Wärme,ist in un­gleich höherem Grade ein Mann von Kopf und Gewicht als ein Beamter, der nur nach festen Regeln und zahllosen trockenen Vorschriften arbeitet, he? Ein Beamter ist nur ein Sclave der Routine; ein Fabrikant muß immer vor­wärts und nach etwas Besserem streben; ein Beamter wagt nie etwas, ein Fabrikant ost Alles. Daß der Vater dieses Mynheer Mols einfacher Bäckergeselle gewesen ist, muß Dir Bürgschaft dafür gewähren, daß in seinem Blute Geisteskraft und Talent wohnt, he!"

De GrootenS schüttelte abwehrend den Kopf, als ob es ihm unmöglich sei, solch' thörichtes Geschwätz zu be­greifen. Seine Frau sah ihn höchst ärgerlich an. Nach diesem Ausfall Karls konnte sie sich nicht länger be­zwingen und zu Karl und Anton gewandt, schoß sie hef- tig los:

3Bie könnt Ihr nur so sprechen! Dafür haben de GrootenS und ich es doch zu weit gebracht. Wissen die Brüder wohl, daß ein sehr vornehmer Herr uns sehr deut­lich zu verstehen gegeben hat, er sei sterblich in Marianne verliebt und werde bald offiziell um ihre Hand werben?"

Nun wurde auch Anton aus seinem Gleichmuth auf- gerüttelt und in scharfem Tone entgegnete er:

DaS würde ich für diesen vornehmen Herrn äußerst angenehm finden, aber wie bentt die am vornehmsten Zn- teressirte darüber?"

Was können Mädchm von kaum 18 Jahren darüber zu denken wagen?" fmg de GrootenS hochfahrend.Ein Herz von Wachs, das man nach Belieben kneten kann."

Nein, Menschen!" rief Karl,Ihr beherrscht Marian- nenS Herz ebenso schlecht, wie ihr die einstige Aussteuer des Endes beherrschtet! Kassian!"

Antons Gemüthsruhe war total verschwunden mid in bestimmten Tone sprach er: