JRarßlirg, Dienstag, 19. Februar 1878
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und auch in allen anderen Ländern ist der Tabak viel höher besteuert als in Deutschland. In Oesterreich fallen auf den Kopf der Bevölkerung 4,85 Mk., in Amerika 4,52, in Frankreich 6,96, in England 4,96 Mk. Tabakssteuer. Es ist also nichts so Ungeheuerliches, wenn in Deutschland der Tabak höher besteuert werden soll, sondern es ist ganz berechtigt, wenn man bei nothwendiger Vermehrung der Einnahmen des Reiches vorzugsweise an den Tabak denkt. Die Hauptsache ist nur, daß die Sache so eingerichtet wird, daß der deutsche Tabaksbau und die Tabaksindustrie möglichst wenig dabei leiden. Die Vorlage der Reichs-Regierung löst die Schwierigkeiten nicht; der Reichstag wird sich zu entscheiden haben zwischen Tabaksmonopol oder Erhebung einer Tabakssteuer im Znlande vom Fabrikat und von dem aus dem Auslande kommenden Tabak nach dem Werth statt nach dem Gewicht. Von großer Bedeutung wird aber auch sein, in welchen Zusammenhang die Tabäks- steuer mit einer umfassenden Steuerreform zu stehen kommt, und darüber werden hoffentlich die Erklärungen, welche der Reichskanzler über seine Steuerreformpläne geben wird, von welchen soviel geredet wird, ohne daß sie bis jetzt näher bekannt geworden sind, Aufschluß geben.
«n wenigsten Beifall scheint die Tabaksvorlage zu finden. Erträge sind verhältnißmäßig gering und doch bett man von ihr eine Schädigung der Tabaksindustrie,
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U6B nimmt entgegen: Edition d.Blattes, d.Lnnoncen-Bureaux ii. Dietrich & Go. in j lliw Hannover; Th. Hin Frankfurt a.M.; tjjhin & Bögler in
Die Steuervorlage«.
)ie neuen Steuervorlagen zur Vermehrung der Ein- itn des Reiches sind nunmehr dem Reichstage vorge- Wrden. Mer es fragt sich noch sehr, ob der Reichs-
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R dann und wann war der Oberst bei Besinnung aber nur in gewissen Zwischenräumen. In einem vieren Augenblicke hatte sie plötzlich ein feuriges Ver- 1 darnach empfunden, daß er noch einmal die Uhr, .dem Uhrständer hing, aufziehen möchte. Es war Achtes, kindisches, unerklärliches Verlangen von ihr das erkannte sie, aber sie wünschte, daß er die ^ch einmal mit seiner Hand anrühren möge. Viel- ^ch wohl darum, weil sie dadurch den Beweis ge- "dekäme, daß er noch nicht so arg krank war? Ach
i i noch ihren Anspruch aus Berücksichtigung. Die Ge- Ps. zkeit aber verlangt, daß der Mann, der eine Quittung 1000 Thaler ausstellt, einen höheren Stempel abzu- : hat als der, welcher 50 oder 100 Thlr. einnimmt. —
ttnselben zustimmen wird. Die Börsensteuer, welche i niedrigen Stempel für alle Schlußscheine der Börsen- 50 fte vorschlägt, findet unter den Freunden der Börse
Ein Refidenzvermiigen.
Erzählung von Johann Gram.
Perfaffer autorisirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.
(Fortsetzung.)
$8 ist Alles wie ein Traum, Mevrouw. Ich kam * in der Voraussetzung, ein Fest zu finden — ich 1 ton nichts —>eö ist entsetzlich!"
Dir aren immer zusammen, Mynheer Felman, ?■ Ich hatte ihn meines kränklichen Zustandes wegen ^ig. Wie wenige Tage hat er mich gesund gekannt, tte ein Seufzer, nie eine Klage, nie — ewig dieselbe dstunte Stimmung. Wie hat er mich gepflegt, der Me Oberst. Jetzt, wo er nicht mchr ist, fühle ich, Rfet Glück eigentlich am größten war, als ich mich femften befand. Seine Sorge, seine unbegreifliche e hat mir damals schon bewiesen, wie lieb er mich wie er mir das Leben so herrlich und theuer machte." 1 war herzzerreißend, den wiederholten Schmerzens- zu sehen. Doch Felman richtete aufs Reue eine
1 »n sie, welche sie zum Sprechen zwang, und das
Gegner, welchen diese Steuer überhaupt ein Dorn im ist. Andere sagen sich, daß diese Steuer anders ein- üt werden muß, wenn sie überhaupt nennenswerthe ige liefern und der Gerechtigkeit annähernd entsprechen Denn es liegt aus der Hand, daß es eine Schädi- ber kleinen Kapitalsumsätze an der Börse ist, wenn tat demselben Stempel unterworfen sein sollen, wie großen Kapitalumsätze, und man wird deshalb von her Seite wohl Anträge stellen, welche darauf gerichtet werden, von einer bestimmten Grenze ab für große Rgeschäfte einen höheren Stempel einzuführen, als für re Geschäfte. Aehnlich verhält es sich mit der Quit- üteuer. Die Vorlage setzt hier für alle Quittungen, eine kleine oder große toumma quittiren, einen Stempel 10 Pfennigen für jede Quittung fest. Auch diese Vor- würde die kleinen Geschäfte wieder ungleich härter be- l als die großen ; zumal die Quittungen über kleinere »sie in viel größerer Menge vorkommen, als die L Der Großbetrieb hat aber ohnehin schon soviel Helle vor dem Kleinbetrieb voraus und ist auch durch eieren einheitlichen Portosätze der Post schon so schr sägt, daß es um so weniger rathsam ist, ihn auch efer Quittungssteuer wieder zu begünstigen, als es größte Interesse des Staats und der Gesellschaft ist, Keinbetrieb zu entlasten, zu stärken und lebensfähig halten. Es dürste sich deshalb empfehlen, diese Dörnach diesen Gesichtöpuntten noch abzuändern, indem die kleinen Quittungen bis zu' einem gewissen Betrage stempelsrei läßt und dann für gewisse Kapital-Rayons Quittungen verschiedene Stempel festsetzt. Man kann h nicht für jede Summe einen anberät Stempel fest- , aber immerhin lasten sich doch einige Rayons fest- s für welche verschiedene Stempel einzuführen wären, kl Rücksicht auch auf die Vereinfachung des Geschästs- des zu nehmen ist, so hat denn doch auch die Gerech-
firtjetgen nimmt entgegen: die Expedition b.Blatte#, sowie d Annoncen- Bureaux von ®. L. Daube & Go. in Frankfurt a. M.; Jägertsche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhanbl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tdienes in Elberfeld: E. Schlotte in
Bremen
welche zu jenen geringen Erträgen in keinem Verhältniß steht. Sodann schädigt sie den inländischen Tabaksbau gegenüber dem ausländischen, indem sie durch die neuen Zollsätze den letzteren nur noch 1'2 mal so hoch besteuert als den ersteren, während er bisher sechsmal so hoc^ besteuert war. Aber zu einem noch höheren Zoll auf den ausländischen Tabak, namentlich zu einer Umwandlung des Gewichtszolles in den Werthzoll, will man sich auch nicht entschließen, obgleich der letztere, wenn man überhaupt die Mehreinnahmen auf dem Wege der Zollerhöhung herbeiführen will, der gerechteste wäre; denn wenn der Zoll nur nach dem Gewicht erhoben, ob der Tabak gut oder schlecht, theuer oder billig ist, so wird wieder die geringe Volksklasse, welche den billigen Tabak raucht, schwerer belastet, als die reichen Leute, welche die guten Havanna-Cigarren rauchen.
Ein allzu hoher Zoll würde aber auf den Reichsgrenzen den Schmuggel und im Jnlande die Tabaksfälschung befördern. Die Runkelrübenblätter werden jetzt schon massenweise in die Deckblätter der billigen Cigarren eingewickelt und unter den billigen Rauchtabak hineingemischt. Viele neigen deshalb, wenn doch einmal die Einnahmen des Reiches aus dem Tabak vermehrt werden sollen, am meisten der Einführung des Tabaksmonopols zu. Aber auch das hat feine großen Schwierigkeiten und würde ohne Schädigung der Tabaksiudustriellen, namentlich der kleinen Fabrikanten und Arbeiter wie der kleinen Tabakshändler, nicht abgehen. Der Staat müßte freilich die Tabaksiudustriellen entschädigen, wenn er sie zum Auf geben ihrer Geschäfte nöthigt, allein diese Entschädigung wird nicht hinreichend sein, daß die Leute davon leben können. Bis sie die Schulden, welche auf ihren Geschäften lasten, abgetragen hätten, wird Vielen nicht viel mehr übrig bleiben, und andere Geschäfte haben die Leute nicht gelernt, was sollten sie also treiben, zumal in einer so geschäftslosen Zeit wie die unsere.
Aber auch der Tabakshandel, die Einfuhr ausländischen Tabccks nach Deutschland und die Ausfuhr deutscher TabcckS- fabrikate nach dem Auslande, welcher namentlich einen bedeutenden Theil des Bremischen Handels ausmacht, würde durch das Monopol aufs Schwerste geschädigt. In unsere wirthschaftlichen Rothstände jetzt noch die Auflösung eines ganzen großen Industriezweiges, wie die Tabaksindustrie, hineinzuwerfen, ist doch auch sehr bedenklich. Nichts desto weniger, steht es aber auch wiederum fest, daß der Tabak, der doch ein bloßes Genußmittel ist, und noch dazu ein solches — welches der Gesundheit eher schädlich als nützlich ist — im Vergleich zu anderen Genuß- und Lebensmitteln viel zu gering besteuert ist und eine viel höhere Steuer vertragen kann. Die Tabakssteuer beträgt in Deutschland auf den Kopf der Bevölkerung 0,30 Mark, die Kaffeesteuer 0,83, für Bier 0,59, für Branntwein 1,56 Mark nein, sie fühlte wohl, daß er die Uhr zum letzten Male in die Hand nehmen würde. Als der gute Oberst ihrer Bitte nachgekommen war, hatte sie die Taschenuhr still ans seiner Hand genommen und niebergelegt; noch immer klangen ihr die abgebrochenen Worte des Theuern in den Ohren: „Kind, Kind, kannst Du das doch nicht!"--
Rührend waren sie, diese ungekünstelten Erzählungen. Der armen Wittwe thaten sie gut und Felman, der sich von dem unerwarteten Schrecken noch nicht erholt hatte, ließ seinen Thränen freien Lauf. Das war echte, wahre, ehrliche Liebe. Wie viel Heller traten, ihm nun die Worte des Obersten vor die Seele, welche dieser einmal anwandte um ihm sein eheliches Glück zu beschreiben. „GS gibt Häuser" — hatte er einmal gesagt — „worin man einmal in der Woche ein splendides Gastmahl bereitet und sich die übrigen sechs Tage mit Ueberresten behilft. Ein gewöhnlicher Mittagstisch hat aber auch seinen Werth und die tägliche Mahlzeit des Herzens ist eine geliebte liebenswürdige Gefährtin, die man nicht mehr entbehren kann, der man innig und und treu anhängt und womit es Ihnen ein Bedürfniß ist, zusammen zu sein." So hatte der Oberst das eheliche Glück aufgesaßt und in Folge dessen hatte er seiner Frau bas Leben so glücklich unb lebenswerth gemacht, daß sie, die Hülfsbedürftige, die nicht auf eigenen Füßen stehen gelernt hatte, sich nun unbeschreiblich verlassen sühtte.
„Das ist der erste Schmerz, den Du mir anthust!" murmelte sie, einen Blick der innigsten Liebe auf bas Portrait werfend, welches ihr mit ewig gleichem aufrichtigem Ange entgegenschaute.
Felman beklagte sie nicht — er empfanb, baß bavon feine Rede sein könne — aber er rühmte ben edlen, braven Obersten und erzählte chr einige Ereignisse aus seinem Leben, die dem Charatter des Theureu zu Ehre gereichten.
Tagesbericht.
Der Reichskanzler hat dem BunbeSrathe eine Vorlage über ben Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln unb Gebranchs-Gegenstänben zugestellt. Der Entwurf bezweckt bie Schaffung einer Gesundheits - Polizei als Organ beS Gesunbheitsamts und specialisirt diejenigen Fälle, in welchen wegen Fälschungen Geld-, resp. Gefängniß-Strafen eintreten. Die Vorlage hat 17 Paragraphen und ausführliche Mottve.
Aus Anlaß der bevorstehenden Papftwahl dürste an folgende Stelle eines verttanlichen Rundschreibens des Reichskanzlers an die Vertreter des deutschen Reichs im Auslande, d. d. 14. Mai 1872 zu erinnern fein: „Der Papst übt nicht mehr, wie bisher, einzelne bestimmte Reservatrechte aus, sondern die ganze Fülle der bischöflichen Rechte ruht in seiner Hand; er ist im Prinzip an die Stelle jedes einzelnen Bischofs getreten und es hängt nur von ihm ab, sich auch in der Praxis in jedem einzelnen Augenblick an die Stelle desselben gegenüber den Regierungen zu setzen, die Bischöfe sind nur noch feine Werkzeuge, seine Beamten ohne eigene Verantwortlichkeit, sie sind den Regierungen gegenüber Beamte eines Hemden Souveräns geworden und zwar eines Souveräns, der vermöge seiner Unfehlbarkeit ein vollkommen absoluter ist — mehr als irgend ein absoluter Monarch in der Welt. Ehe die Regierungen irgend-einem neuen Papste eine solche Und sie starrte vor sich hin, nickte, als ob sie ihre Zustimmung zu dem Gesagten ausdrücken wollte und warf dann wieder einen langen Blick auf das vor ihr stehende Bildniß.
Als ich fühlte, daß er . . . gestorben war, habe ich den Trauring von seinem Finger genommen und an den meinen gesteckt . . ." Und ihre Hand, die den Ring trug wurde an ihre Lippen geführt.
Das Bildniß da, so sprechend ähnlich, daß die Magd darüber erschrocken war, blieb nun ihr großer Trost. ' Sie konnte Felman nicht genug dafür danken, daß er ihr denselben durch fein Talent verschafft hatte. Lange noch ver- weflte der Künsller bei der Frau, bereu Lebensglück ein zarter Epheu, losgerissen von ber starken, plötzlich entwurzelten Eiche, für immer vernichtet war.
Endlich staub er auf, brückte ihr stillschweigenb die Hanb unb versprach, halb wieder zu kommen. Im Hausgang schüttelte die alte Magd traurig ben Kopf unb sagte:
„Ach Mynheer sie ist so schrecklich niebergeschlagen; ich habe so viel Mitteiben mit bem zarten Geschöpfchen. Sie wirb wohl nicht mehr in bie Höhe kommen. Aber baS Portrait ist ihr ein Trost, ein wahrer Trost."
Ties betrübt verließ Felman bas HauS. Er hatte kein Auge mehr für das, was um ihn her geschah; er sah nichts als bie verlassene Frau vor bem Potrait ihres in- niggeliebten Mannes. Doch durch alf bas Dunkel und all' ben Schmerz trat seine Kunst wie ein leuchtenber Stern hervor. Er als Maler hatte keine Befriedigung durch das Portrait gehabt und nun bildete es doch den Trost und die einzige Zuflucht der armen Frau. Er war dem Geschick dankbar dafür unb hurtig schritt er in feiner melancholischen Stimmung fürbaß, um so schnell als möglich nach Hause zu kommen. Aber in ben lebhaften Stra-
Srscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckrrei) bezogen 2) Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnfertivnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet.
Kurt a. M., Berlin, i» ESln rc.; Rudolf ichsl (jn Berlin, Frank-