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XIII. Jahrgang.

Marburg, Sonnabend, 16. Februar 1878

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AnWHc jritmig

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition t .Blatte*, sowie d.Annomen-Bureaux von G L. Daube & 6o- in Frankfurt a. M.; Jäger'lche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. TdieneS in Elberfeld; E- Schlotte in Bremen

Ma-W., Berlin, k Köln ic.; Rudolf * in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

«ni nimmt entgegen: Mkition d.DlatteS, tzMnoncen-Bureaur q. Dietrich & Co. in j and Hannover; Th.

scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirtes Sountas»blatt" durch die Expedition lKoch'sche m Buchdruckerei, bezogen 2\ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl Bestellgebühr». Jnsertwnsgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Demonstration, um dem englischen Nationalgefühl eine kleine Genugthuung zu geben, nicht erblicken.Wie weit sich eine solche Entsendung militärisch rechtfertigen läßt, wie sich eine solche Flotten-Abtheilung Rückweg oder Unter­stützung sichert, um nicht wie in einer Mausefalle zu sitzen dafür können wir die englische Admiralität sorgen lassen. Aber die militärische Beherrschung Konstantinopels, welche eben thatsächlich durch Rußland ausgeübt wird, wäre durch die Gegenwart englischer Schiffe im Bosporus nicht ge­schmälert. Die unmittelbare Besetzung von Konstantinopel durch russische Truppen würde diese Herrschaft nicht ver­stärken. Das Einrücken russischer Truppen bei der Ankunft britischer Schiffe wäre nur die eine Demonstration gegen die andere gesetzt. Der Charakter dieser beiden Demon­strationen wäre jedoch ein durchaus verschiedener, gerade so verschieden, wie die thatsächliche Machtstellung beider Reiche gegenüber der Türkei eben ist." Es wird weiter die Befürchtung ausgesprochen, daß auf russischer Seite eine Tendenz sich geltend mache, die es übersehe, wie nutzlos und wie gefährlich es sei, sich der Vortheile der Position ohne Rücksicht auf die Gefühle Englands zu bedienen, und dann fortgefahren:Es liegen zu viel ernste Punkte im Augenblick zwischen diesen beiden großen Reichen, als daß es nothwendig wäre, die Bitterkeit noch durch formelle Differenzen zu vermehren. Es wird ohnehin der ange­strengten Thätigkeit aller vermittelnden Elemente bedürfen, um die Dinge zu einem leidlichen Ende zu führen. Um so mehr muß es der Wunsch aller Friedensfreunde in Europa sein, daß alle betheiligten Staaten, daß namentlich das siegreiche Rußland die Haltung zu bewahren verstehe, welche die möglichen Verständigungen nicht von vornherein durch Schaffung neuer Konflikte verhindert. Die Sicher­heit, daß eine solche Gesinnung allseitig vorliege, wäre eine der werthvollsten Friedensbürgschaften, die überhaupt im Augenblick zu erlangen sein könnten. Diese Sicherheit wird aber, wenn wir die öffentliche Meinung Europa'S recht beurcheilen, zur Zeit keineswegs allseitig getheilt."

Neueste Orient-Nachrichten:

Petersburg, 14. Febr. Russische Blätter erinnern an die vorjährigen Worte des Fürsten Bismarck, daß Deutschland bei der Orient-Krisis für die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens wirken werde, und fügen hinzu, daß die Rolle eines Schiedsrichters Deutschland um so mehr znkomme, als es durch sein militärisches Uebergewicht und durch das Nichtinteressirtsein an der Orientfrage die einzige Macht sei, welche diese Rolle wirksam durchführen könne, indem es sich gegen Denjenigen entschiede, welcher den ersten Kanonenschuß abgeben würde.

Paris, 14. Febr. DieAgence Havas" meldet aus

Wien: der Sultan habe die Königin Victoria gebeten, auf die Sendung der Flotte nach Konstantinopel zu verzichten, worauf die Königin erwidert habe: die Einfahrt der Flotte in die Gewäsfer von Konstantinopel habe einen friedlichen Zweck,

London, 14. Febr. Die in einer Spezial-Ausgabe erschieneneTimes" meldet aus Petersburg vom Heutigen: der.russischen Regierung sei bereits die Nachricht von der Ankunft der britischen Flotte vor Konstantinopel zugegangen.

London, 14. Febr. DerDaily Telegraph" bringt in einer Spezial-Ausgabe ein Telegramm aus Pera, 13. Februar, wonach die britische Flotte gestern Nachmittag 3 Uhr die Dardanellen passirte und die Pforte sich mit einem einfachen Proteste dagegen begnügte.

Deutsches Reich.

* Berlin, 14. Febr. Nach Nachrichten, welche heute Morgen von Varzin eingetroffen sind, ist die Ankunft des Fürsten Bismarck heute Nachmittag oder Abend zu erwar­ten. Damit erledigt sich der von derVossischen Zeitung" mit hämischem Vergnügen ausgestoßene Ruf, daß anderswo die leitenden Staatsmänner an den Sitz der Regierung eilen, wenn die Situation sich kritisch gestaltet, während in Deutschland die umgekchrte Weltordnung herrsche. Jedoch wäre es gutem Vernehmen nach unrichtig, aus der Ankunft des Fürsten Bismarck auf eine akute Verschlimmerung der auswärtigen Lage zu schließen. Heuttge Telegramme aus Petersburg berichten von dorttgen Zeitungssttmmen, welche verlangen, Deutschland solle den ersten Kanonenschuß ver­bieten, indem es sich im Voraus als Feind dessen erkläre, der ihn abfeuere. Daraus geht zur Genüge hervor, von welchem Gewichte die Stellung Deutschlands nicht nur that­sächlich ist, sondern wie auch die Geltendmachung desselben allseittg gewünscht wird. Man darf annehmen, daß das Einvernehmen der drei Kaifermächte von seiner Intimität und dem gegenseitigen Vertrauen nichts verloren hat. Die Reichstagsmehrheit wird nach erfolgter Rückkehr des Reichskanzlers selbstverständlich die Einbringung der In­terpellation über die auswärtige Politik nicht länger ver­zögern, allein, wenn auch die Feststellung des Tages, an welchem die Jnterpellatton verlesen werden soll, nunmehr bald erfolgen dürfte, so ist damit doch nicht gesagt, daß die Regierung die Frage unmittelbar nachdem sie verlesen be­antworten wird. Formell sicht der Regierung das Recht zu, sich zunächst zu erklären, ob sie antworten wolle, und darauf den ihr eventuell geeignetst erscheinenden Tag zu bezeichnen. Die soforttge Beantwortung der Jnterpellatton wäre nur dann möglich, wenn die Abklärung der Situation in den nächsten Tagen und Stunden sich vollziehen sollte,

Tagesbericht.

aut.

Kuchen, daß auf die bestehenden Hülfs-Kranken-Jnva- uu g rc. Kassen bezügliche, die Krankheits,-Jnvaliditäts-

t zu geben.

77.

> Sterblichkeits-Statistik, sowie die Mitglieder-Beiträge > Kassenleistungen betreffende Material, soweit dasselbe ^lich ist, durch geeignete Sachverständige bearbeiten die Ergebnisse veröffentlichen zu lassen. Der Bundes­hat jetzt dem Reichstage die Mittheilung zugehen l daß er beschlossen habe, dieser Resolution nicht

L Gelegenheit der Berathung des Gesetzes betreffend lllWkLnderung des Titel Vllt. der Gewerbeordnung und

* »die eingeschriebenen HülfSkassen beschloß der Reichstag Wer Sitzung vom 9. FÄruar 1876 den Reichskanzler

ja* Berlin vom 14. wird gemeldet:

ch « Ler Reichskanzler Fürst Bismarck ist heute Abend 5 ßaati 49 M. nebst Familie mit dem über Stettin kommenden . (aus Varzin hier eingetroffen. Der Fürst sah ziem- Whl aus, wenngleich scheinbar von der Reise etwas pari, und begab sich vom Bahnhöfe aus direkt in Hotel.

Än den Protest der Pforte hat sich England nicht ge- t, sondern seine Flotte die Dardanellen passiren lassen. . : wird bereits vor Konstantinopel erschienen sein. Gleich- ,or! g sollte einer Petersburger Nachricht zufolge Großfürst N »lrus mit einer Gardedivision in Konstantinopel ein-

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tter «tri un$ Palast Dolma-Bagdsche als Gast des Sultans Mer nehmen. Aus Pola wird gemeldet:Der Eom-

des österreichischen Levantegeschwaders, Contre- «tal Barry, ist mit dem Flaggenschiff, der Panzerfre- ceutl tHabsburg", am 13. d. nach dem Orient abgegangen. n ; i weiteren Schiffsausrüstungen ist nichts bekannt." Die [em fahren fort, nach Krieg zu schreien. Aus Pest (von gestern gemeldet:Im Unterhause wurden von ft Simvnyi und Ignaz Helfy Interpellationen begrün- welche ziemlich identisch in den Fragen culminiren, ob dheü Regierung die Friedensgrundlagen kenne und dieselben rkui ; für die Interessen der Monarchie, insbesondere Un- llur- 6 als schädlich erachte und was sie zur Abwendung der Monarchie drohenden Gefahr zu chun gedenke." Antwort wird voraussichtlich lauten wie alle vorherigen, österreichische Regierung denkt nicht an kriegerische Vor- idmgen, von denen jetzt selbst dieNene fr. Pr." nichts [ 33 r wissen will.

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achtungsvoll

Dein...

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Die Nationalzeitung kann in dem Einlaufen der eng- Schiffe in den Bosporus etwas Anderes als eine

I. van der Hage."

Als de GrootenS den Brief hastig und mitihebender Stimme gelesen hatte, ließ er ihn achtlos aus den'Fingern

Nichts, ganz und gar nichts; aber lies denn doch!" Marianne, die sich fortwährend hinter der Gardine gehalten hatte, preßte die Hand auf ihr He^, aus Angst, daß sein ungestümes Pochen sie verrathen könne. Sie be­fand sich in einer zweideutigen Lage, aber nun konnte sie nicht mehr zurück.

De Grootens suchte unter all den Banknoten den Brief hervor und fand ihn endlich. Als er aber die Anrede erblickte, wurde er todtenblaß und sagte klanglos:Es ist für meinen Bruder Anton!

Für Bruder Anton!" wiederholte Mevrouw tief ent­täuscht.Lies ihn, Adolf, dann können wir beschließen, was wir zu thun haben."

De Grootens nahm den Brief und las das Folgende: Sehr geehrter Anton!

Du wirst über dieses Schreiben sehr erstaunt sän. Als ich vor einigen Jahren mit allem Gelde der Firma heimlich nach Amerika auswanderte und Dich in der größ­ten-Verlegenheit zurückließ, haft Du mich gewiß für den ersten Schelm im ganzen Lande gehalten. Ich war auch sehr schuldig, obschon ich schon damals mir ernstlich vor­genommen hatte, alle Kräfte anzustrengen, um Dir früher oder später das Geld zurück zu geben. Durch ein beson­deres Glück in meinen Unternehmungen bin ich jetzt dazu in der Lage; ich beeile mich deßhalb, Dir hierbei 100,000 Dollars zu übersenden, welche die zur Zeit entwendete Summe mit Zinsen und Zinseszinsen repräsenttren. In der Hoffnung, daß diese Handlungsweise Dein Urtheil über meine Person günstiger stimmen möge, verbleib- ich

der Diener abgegangen war, versicherte de Groo- toi ; das Couvert betrachtend, daß er nicht begreifen könm, 'hm einen Brief aus Amerika senden sollte.

Äevrouw begriff ebensowenig davon und war darum neugieriger auf den Inhalt.

. Mme Bedenken riß de Grootens das große und dicke

95 auf und verschiedene Papiere fielen auf den V Schnell nahm er sie auf und sah zu seinem un-

5$ jl Hcn Erstaunen, daß es 1000-Dollars-Banknoten und 'M waren.

18# rief er in größter Verwunderung aus,Greta $«nfnotett! Soll mein Glücksstern mir wirklich aufs itt ' ^strahlen? Frau! Frau! Begreifft Du etwas davon?" !lb.§ Mevrouw war noch heftiger gerührt als er. Kaum

k sie herausbringen:

gleiten', griff gierig mit beiden Händen nach den Bank­noten und flüsterte:Wir find gerettet!"

Marianne steckte den Kopf aus der Gardine; sie war in solch' einer Spannung, daß sie alle Vorsicht vergaß.

Mevrouw blickte ihren Mann gerührt an.

WaS!" murmelte sie,gerettet? Aber Adolf, wo denkst Du hin? Du willst Dir das Geld von Anton aneignen ? Das kann, das darf doch nicht ..."

Warum nicht?" stieß er aufgeregt hervor.Wer von uns dreien, Anton, Karl oder ich hat eS denn au­genblicklich am Nöthigsten? Ich. Anton ist durch Karl ins Schlepptau genommen worden und hat an nichts Mangel; ich bin der Einzige, der in der Tinte sitzt. Ich kann, ja ebenso wie der Briefschreiber thun, und mich verpflichten, es ihm später wieder zurück zu geben..."

Adolf, Adolf, das darf nicht fein! Laß uns keine Hand an dies Geld legen! Wir fitzen in schrecklicher Noch, e8, ift wahr, aber den armen Anton seines Geldes berauben das dürfen wir nicht . . . nein ..."

Beruhige Dich! beruhige Dich!" sagte er in der hef­tigsten Aufregung.Es ift ja nur eine augenblickliche Ent­ziehung. Der Zweck heiligt hier die Mittel!" Gierig nahm er einige Banknoten in die Hand.Ich mache ja nur vorübergehenden Gebrauch von der unerwarteten Hllfe und später gebe ich Anton alles wieder zurück . . . eS ist also nichts anderes als eine Anleihe ohne Anfrage!"

In seiner Einbildung sah er bereits seine gefährdete Ehre gerettet, seine Verpflichtungen gelöst, selbst van (Saal« deren Hilfe geleistet, kurz, alle seine Illusionen verwirklichen.

Ja! ja!" wiederholte Mevrouw, durch die überreden­den Worte halb beschwichtigt,eine Anleihe, und später könnten wir alles zurückgeben."

Die Banknoten wurden eben durch die hereinscheinende

Klü Erzählung von Johann Gram.

" t Verfasser autorifirte Uebertragunz aus dem Holländischen von Joseph Schratten holz.

t (Fortsetzung.»

,3a, sehen1 Sie, Mynheer, ich kann wohl lesen, aber . k Augen chun mir heute so weh, daß ich die Buch- nicht unterscheiden kann . . ."

De Grootens wurde immer heftiger.

.Gib einmal her!" Er warf einen Blick auf die m»1 dsie und las:An Herrn A. de Grootens, Zevenbergen, Ä Md, durchgestrichen und s'Gravenhaage an die Stelle, _ Hempel Chicago. Ja, der Brief ist für mich. Die- - | Adresse stand auch auf dem Aushändigungsschein des 96ij, ^mtes. Ich begreife nicht, von wem er kommt, aber Hi für mich fein. Es ist in Ordnung. Du kannst