Marburg, Donnerstag, 14. Februar 1878
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und Staat durch die im Laufe des Kampfes
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muß es bleiben als hochgeachtete, ehrwürdige, vom Staate geschützte und gepflegte Institution, nicht als eine Vereinigung, um die sich der Staat nicht kümmert. Eine wahrhaft konservative Partei kann sich nimmer zum dienstbaren Werkzeug ultramontaner Interessen machen — aber sie würde ihren Beruf verfehlen, wollte sie nicht in diesem Kampfe unbekümmert um den Beifall der Masse gegen Alles eintreten, was die Achtung vor der Kirche erschüttert und den religiösen Sinn des Volkes untergräbt." — Die Erscheinungen, die unser Volksleben, nicht nur in der Entwickelung der Sozialdemokratte — die es für den aufmerksamen Beobachter überall bietet — mahnen, wie uns scheint, sehr ernst an die Bedeutung dieser Worte. — Nur an leitender Stelle- jedoch vermag man mit voller Sicherheit zu beurtheilen, ob, wann und welche Schritte zum Frieden zu thun sind. Eine Partei kann in dieser Lage des Con- flictes zwischen dem Reiche und einer auswärttgen Macht nicht füglich bestimmte einzelne Maßnahmen fordern — aber sie ist wohl berechttgt, das Ziel zu bezeichnen, welches nach ihrer Auffassung zu erstreben ist, zu dessen Erreichung man im geeigneten Augenblick auf ihre Unterstützung rechnen kann. Möge das Bewußtsein der großen Culturaufgaben, die der Staat und die Kirche gemeinsam haben — auf beiden Seiten zum Frieden führen. —
wird der Katafalk beräuchert und besprengt. Vom Todestage des Papstes angefangen tragen die Cardinale Trauer, sie gehen violett mit offenem Chorrocke, ohne Mäntelchen; die von dem verstorbenen Papste ernannten sind mit einer licht-violetten Sarsche mit eben solchen Auffchlägen bekleidet. Die Prälaten tragen Schwarz. Während der Tage der Exequien halten die Cardinäle zehn Versammlungen ab. In der ersten, die in der „Kammer der Kirchenräthe" stattfindet, werden die Statuten Gregor's X. über das Conclave, jene Julius' II über erschlichene Wahlen, dann die von Pius 1V. und Gregor XV über das Ceremoniale des Conclaves vorgelesen und beschworen und auch die Cardinäle bestimmt, welche dasselbe vorzubereiten haben. Der aus massivem Silber gearbeitete Fischerring (100 Scudi werth) wird zerbrochen und der päpstliche Kanzlei-Direktor, der Archivar und Secretär geben die von ihnen verwahrten Documente ab. Bei der zweiten Versammlung werden nach altem Brauche die öffentlichen Beamten und Diener Roms bestätigt und die Sicherheit des Conclaves dem Gouverneur von Rom anvertraut — so will es das Ceremoniale, das in dieser Richtung wohl eine Modifikation erfahren dürfte; — bisweilen übernahm auch ein ausländischer Gesandter dieses Amt. Endlich werden in dieser Versammlung auch die Prälaten ernannt, welche das Conclave zu beaufsichtigen haben. Bei der dritten Versammlung — am Begräbniß- tage des Papstes — wählt sich das Conclave seinen Beichtvater. In der vierten werden die Aerzte und der Chirurg, in der fünften der Barbier und Apotheker des Conclaves ernannt. In der sechsten Versammlung lost der jüngste Cardinal die Zellen im Conclave aus und überreichen die Ceremonienmeister jedem Cardinal das ihn zum Eintritt in das Conclave berechtigende Breve. Am achten Versammlungstage werden zwei Cardinäle ernannt, welche alle Personen, die in das Conclave eingeschlossen sind, contrv- liren, wobei diese „Cvnclavisten" (dienende Cleriker u. s. w.) ihren Namm, ihr Geburtsland und den Cardinal, dem sie zugehören, angeben müssen. Am neunten Tage werden in geheimer Abstimmung drei Cardinäle gewählt, welche die vorgeschriebene Abschließung des Couclaves aufrecht zu erhalten haben; am zehnten und letzten Tage endlich empfangen jene Cardinäle, welche noch nicht den Rang des Diaconats erlangt haben, den Dispens, kraft welches ihnen daö Recht verliehen wird, in das Conclave einzutreten. Schon am sechsten Tage sind die Räumlichkeiten des Conclave vollständig hergerichtet. In unserem Jahrhundert wurden särnrnt- liche Conclaven im Quirinal, wo Pius Vll verstorben war, abgehalten, und zwar — wie Bonghi in seinem bekannten Werke „Pius 1X. und der zukünftige Papst" bemerkt — nicht so sehr, weil die Statuten als Wahlort jenen Palast, in dem der Papst gestorben ist, in Aussicht
» wegrückte und erregt sagte:
ür die Dame, die mir gleicht, würde das gewiß eine Ghre sein, für mich aber nicht. Ich gehe nicht
flüchtigen Blick umher, um sich zu überzeugen, daß er allein sei nnb las dann:
„Theure Marianne!" — Puh! wir befinden uns auf einem zarten Terrain! Entschleierung von Geheimnissen! Das wird interessant! Setzen wir also alle falsche Scham und Schüchternheit bei unseren Absichten zur Seite und nun — alle Dinge untersncht und das Gute davon behalten!
„Thenre Marianne!
Sieh, daß Dn mich einen Augenblick sprechen kannst. Es hängt ein Unglück über den Häuptern Deiner Eltern. Was aber auch geschehe — rechne auf mich. Eine Geldangelegmheit zwischen Deinem und meinem Papa droht eine schlechte Wendung für Deine Eltern zu nehmen. Dein Papa scheint in großer Geldverlegenheit zu sein, und ich glaube ein Mittel gefunden zu haben, ihn daraus zu retten. Komm' heute Abend um Acht zu dem Kirschbaum im Garten. Ich werde bann an der anderen Seite des Zaunes sein und Dich zu sprechen suchen. Alles dieses ttefftes Geheirnniß. Zweifle nie an der aufrichtigen und feurigen Liebe Deines
Dich zärtlich umarmenden
Willem."
Ban Gaalderen sah beinahe so bleich aus, wie das Papier, das er nach dem Durchlesen zerknitterte. Er wollte feinen Augen nicht trauen. Welch eine Enthüllung! Das Liebesgeheimniß der „Schüchternen" entdeckt, und was noch mehr bedeutete, der reichen Familie hinter die Karten geguckt ! Himmel, welch ein Glück!
Wie sehr zu Dank verpflichtet war er diesem Willem. Willem? Laß doch einmal sehen. Warte, da oben stebt sein Name: Willem Mols!
_ "Der aufgeschossene Junge also, den ich einmal am Dttand gesehen habe," murmelte van Gaalderen. „Herz-
von Joseph Schratten holz. «Fortsetzung.)
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(Spüler jungen Dame, die Ihnen gleicht, würde man zuflüstern können, wie herzlich gerne man ihr
zE&itter sein mochte."
pi Fauteuil war nun dem Sopha so nahe gerückt, ^^r Herr Baron gerade seine Hand auf das glatte, Händchen Mariannens legen wollte, als diese mit 1 Gesichte, das dem Zudringlichen wenig Gutes ver-
azeugung oder kirchlichem Gehorsam mit ihren poli- « Anschauungen und nationalen Pflichten gedrängt btr auch für die evangelische Kirche Deutschlands nicht i bcklagenswerthe Folgen geblieben ist. Von konserva-
Der Tod des Papstes
S unzweifelhaft vielfache Erörterungen über den Einfluß 8 wichttgen Ereignisses auf den weiteren Verlauf des Mrkampfes" anregen. Man wird gut thun, von dem ßtl in der Person des Papstes an sich, für die Be- M oder Milderung des Conflictes zwischen der Kurie btt Staatsgewalt nicht allzu große Hoffnungen zu 8. — Es hat sich noch jeder Zeit erwiesen, daß die ßt, die in ben hierarchischen Institutionen ihren Aus- t finden, mächtiger sind, als die Personen, — und Wt Pius des Neunten Wandlungen und Schicksale legen k Betrachtung nahe. — Alle wahrhaft patriotischen wer »erben ben Wunsch theilen, daß es gelingen möge, »Kriegszustand zu beseitigen, der den weitaus größten i der deutschen Katholiken in eine feindlicke Stellung ta Institutionen des Reiches und ihrer naturgemäßen
mehr nach dem Strande und halte von intimen Gesprächen mit treuen Rittern in Windstühlen nur . . ."
„Hartherziges Kind!" rief van Gaalderen vorwurfsvoll ans, während seine häßlichen grauen Augen Alles aufboten, um die Zärtlichkeit feiner Gefühle auszudrücken. „Wie oft habe ich Ihnen schon ^durch meine Blicke die Tiefe meiner Liebe gezeigt, lassen Sie mich Ihnen nun in Worten sagen..."
Während er so sprach, war sie aufgeftanben, aber van Gaalberen hielt sie beim Kleibe fest. Gerade wie er, ungeachtet ihres Widerstrebens, seinen Arm um ihren Hals schlingen wollte, wurde in dem Garten laut gezischt. Der Baron erschrak, ließ sie los und blickte zornig umher. Marianne machte von dieser Gelegenheit Gebrauch und lief, so schnell sie konnte, fort
Van Gaalderen war wüthend. Solch ein dummes, unbedeutendes Mädchen sollte so mit ihm spielen dürfen?
„Sonderbar scheues Geschöpfchen!" murmelte er. Es wird Mühe kosten, dieses Kino zu zähmen — daS schöne, bildschöne Kind. Vater und Mutter sind so zahm wie ein Pudel. Sie apportiren mir ihre Marianne förmlich, aber sie ist so scheu wie ein Eichhörnchen . . ."
So raijonnirenb, blieb er-nachdenklich vor der Thüre der Veranda stehen. „Sie mag mich nicht leiden, das ist klar. Aber das macht die Eroberung noch verlockender ... mehr wie je schmachte ich jetzt nach ihrem Besitz ... ich habe auch ihr Vermögen nöthig ... Wenn das liebe Kind vielleicht wüßte, daß es mich mit seinem Gelbe retten könnte, würde es mir dann nicht am Ende seine Hand gleich dar- reichen? Es ist ein Tauschhandel: mein Adel gegen ihre Schönheit und ihr Geld. Eine Mesalliance um einer gefüllten Geldkiste willen ..."
Da fiel sein Auge auf das Briefchen, welches Marianne vergessen hatte. Sofort hob er es auf, warf einen
p, wirklich zum Stehlen aus.
£ie lieben die Lectüre gewiß sehr?" fuhr van Gaal- •fort, langsam auf einem Fauteuil Platz nehmend, Marianne ihm anwies. „Ich bin auch ein leid etlicher Leser. Gestern noch habe ich auf dem Strande 1 ganzen Roman von Dumas verschlungen. Es ist \ daß man Sie da so wenig sieht. Es ist so wunder- k zwanglos da. . ." Der Fauteuil rutschte auf- I dem Sopha zu, auf dem Marianne saß.
>®lan kann in den großen Windstühlen so gemüthlich, das Ange der bösen Welt befürchten zu müssen, zn- Plaudern."
ihs Neue wurde der Fauteuil stark von dem Sopha Wrt.
Staat nur möglich sei, — wenn das Recht des «es auf dem Wege der Gesetzgebung das Verhältniß ^Krche zu regeln thatsächlich anerkannt wird. — Daß die Art, wie diese Verhältnisse, wie das Grenzgebiet
LTrnen Gesetze geregelt worden — der Revision bedürftig 8« —-Es wird keinem Vernünftigen einfallen, die Par- verantwortlich zu machen für jedes Wort, welches tat im Kampfe der Debatte gesprochen — für jede ; welche die Tagespresse gebracht hat. — Zieht man •» wrurtheilSfrei das Resultat ans der Gesammthcit der
mnigen, welche Kammerverhandlungen und Presse in letzten Monaten gebracht haben — so wird man fin- daß die Richtigkeit jener Sätze, welche die Dentsch- ttven feiner Zeit ausgesprochen, in stets wachsen- eisen erkannt — daß die Revisionsbedürstigkeit der tgesetze von ruhig nrtheilenden Männern auch anderer ' n nicht mehr in Abrede gestellt wird. — Ein fast zwei Jahren erschienenes konservatives Flugblatt »Ein wirklicher Austrag des jetzt schwebenden Streites denkbar, wenn die Grenzen, die der Staat dem der Kirche setzt, gerecht und maßvoll, wenn sie mit
ng gezogen werden, die der großen Cultur-Auf- der historischen Stellung der Kirche gebührt — Die die katholische nicht minder wie die evangelische, ist ger des religiösen Lebens unseres Volkes, und sie
näss Erzählung von Johann Gram.
*0 krfaffer au risirte Uedertragung aus dem Holländischen
Tagesbericht.
~ Wie schon berichtet, empfing am vergangenen Sonntag Se. Majestät der Kaiser das Präsidium des Reichstages. Der Kaiser äußerte sich (nach einem Bericht der Nat.-Ztg.) mit Rücksicht auf die Ereignisse der letzten Tage u. a. dahin: Die Lage sei allerdings ernst, nichts desto weniger hoffe er noch immer, daß es möglich bleibe, den Frieden zu erhalten.
Der Leichnam des Papstes wird drei Tage hindurch in der Peterskirche in der Kapelle der heil. Sacramente ausgestellt, hierauf in Gegenwart der Cardinäle, die er bei Lebzeiten ernannt hat, in einen dreifachen Sarg, aus Cy- pressenholz, Blei und gewöhnlichem Holze übertragen und sodann in der Peterskirche beigesetzt. Die Exercitten für den Papst werden vom hl. Collegium selbst vollzogen. In der Mitte der Peterskirche wird ein prachtvolles Mausoleum errichtet, rings herum brennen zahllose Wachskerzen. Au das Voll werden viele Kerzen ans gelbem Wachs ver- cheilt. Täglich wird in der Kapelle gegenüber dem Chore ih Gegenwart der Cardinäle eine feierliche Seelenmesse celebrirt Am neunten Tage findet die größte Feierlichkeit statt. Ein Cardinal-Bischof lieft die Messe; zwei Cardinalpriester, die Mitra auf dem Haupte, asststiren ihm. Dann
M, : Seite ist es wiederholt und unzweifelhaft ausgesprochen to, daß ein Friedensschluß zwischen der Kurie und
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Marianne sah in ihrem lichtblauen Morgenkleidchen, kren Schwanenhals nur zum Theil bedeckte und die idiz Eheit ihrer edlen Figur so vortheilhaft zur Geltung
Anzeigen nimmt entgegen: Mr @n?f bttion b.Blattri, sowie d Annoneen-Bureaux von ®. L. Daube <& Co in Frankfurt a. M.; Jäger') che Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buch Handl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Tdienes in Elberfeld- C- Schlotte in Bremen.
„».Annoneen-Bureaux , 2;, Dietrich & Co. in bi ynd Hannover; Th. ^chinKankfurta.M.; ntnflein & Vogler in Jhtrt a. M., Berlin, r68ln 2C.; Rudolf in Berlin, Frank- tiitt a. M. ic
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