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ftmden, sondern den haben sie gelernt aus den Schriften und namentlich aus den Zeitungen, welche seit Jahrzehnten in unserem Volke zu vielen Tausenden die Kirche und das Christenthum bekämpft, verleumdet, geschmäht und die pan- theistisch-materialistischen Jrrthümer als Aufklärung und Wissenschaft gepriesen haben, die noch heute Tag für Tag das Volk gegen Kirche und Christenthum aufhetzen und ihnen auch den letzten Rest von Einfluß auf das Volks­leben durch die Umgestaltung unserer christlichen Schulen in confessionslose zu entziehen suchen I Wenn der Mensch nicht mehr an einen heiligen persönlichen Gott und ein göttliches sittliches Gesetz glaubt, so muß er folgerichtig auch die Sünde läugnen. Denn unter Sünde versteht man eben das, was gegen die über dem Menschen schwebende sittliche Ordnung Gottes handelt. Wenn es aber, wie eine moderne Philosophie und Naturwissenschaft lehrt, kein solches über dem Menschen mit göttlicher Autorität waltendes sitt­liches Gesetz giebt, sondern der Mensch Alles in seiner Natur trägt, so kann der Mensch auch für Alles, was in seiner Natur liegt, die Berechtigung forbem, sich auszu­wirken, und jede Beschränkung der Natur und ihrer Triebe für ein Unrecht erklären!

Wenn die „Nat. - Ztg." vor einiger Zeit es als das eigentliche Ziel des Culturkampfes hinstellte, den Anspruch der Kirche, daß es eine göttliche Offenbarung, d. h. also ein göttliches Gesetz und ein göttliches Evangelium gibt, zu vernichten, so ist es nur die ganz natürliche Folge, wenn diese Arbeitermaffen nun rufen: Gibt's kein wirklich göttliches Gesetz, so gibt's auch keine Uebertretung dieses Gesetzes, keine Sünde! Unsere laisser lrüre-Theorie, welche so großen Einfluß auf unser soziales und wirthschaftliches Leben gehabt, hat mit hochmüthiger Verachtung vom hohen Roß eurer falschen Sozialwissenschaft herab die Geltend­machung sittlicher Gebote vom wirthschaftlichen Leben zurück­gewiesen und gckhrt, daß hier das Naturgesetz und der Nutzen, der Gewinn, die allein berechtigten Factoren seien. In welch frevelhafter Weise hat man diese abscheulichen Grundsätze in der Gründerperiode praktisch zur Anwendung gebracht! Nachdem da erst die Reichens, die Gründer nach dem Grundsatz gehandelt haben: es gibt keine Sünde, außer der Dummheit, welche sich betrügen läßt und ihren Vor- theil nicht versteht, — darf man sich da jetzt wundem, wenn die Arbeiter dieser Herren es ihnen abgelernt haben und nun nifen: Wohl, es gibt keine Sünde, dmm nieder mit Allem, was besteht!

Es ist in diesen sozialdemokratischen Versammlungen die Leugnung und Verachtung aller göttlichen und mensch­lichen Autorität proclamirt worden. Man ist darüber ent­rüstet. Aber konnte denn das ausbleiben, nachdem man so lange das Volk gelehrt hat, daß es keinen Gott gibt, Wittwer höchst mitleidig an. Vielleicht vermuthete sie, daß er in dem vaterländischen Elixir ein Ermunterungsmittel suche.

„Und nun, wenn Sie es für gut finden, Ihre Gedichte, mein gnädiges Fräulein!" versetzte der Dichter in flotterem, lauterem Tone.

„Gerne," antwortete sie, mit vor Freude strahlendem Gesichte. Schnell holte sie aus dem vor ihr stehenden Schreibpüttchen ein Päckchen hervor und händigte es dem Poeten ein. Dieser murmelte ein verschämtes: „Darf ich fo frei fein?" und fchentte sich noch ein Gläschen rin. Ma­genschmerzen können oft sehr lästig werden.

Das Päckchen wurde geöffnet und das Auge des Dich­ters begegnete zuerst dem Jnhaltsvei^eichniß. Halb für sich las er:

„An den König."

„An die Königin."

„An den Kronprinzm."

„An die Prinzen des königlichen Hauses."

„An den Präsidenten der ersten Kammer."

„An dm Präsidenten der zweiten Kammer . . ."

„Politische Poesie, gnädiges Fräulein? Das ist ganz etwas NeneS, durchaus originell. Haben Sie vielleicht auch die Landesgesetze poetisch verwerthet?"

„Nein," antwortete daS Fräulein etwas piquirt. „WaS die genannten Obrigkeiten betrifft, so habe ich dieselben nur aus purer Vaterlandsliebe besungm."

Der Herr van der Moolen fing nun mit dem ersten besten Gedichte an, stieß aber auf unreine Sprache und fehlerhaftes Versmaß. Unwillkürlich schüttelte er jedesmal den Kopf. „Das geht so nicht!" murmette er, „dieser VerS ist zu kurz, jener zu lang . . . der Rhythmus, der RhychmuS, gnädiges Fräulein!"

„Nun ja, so streng habe ich es damit nicht genommen, sagte das Fräulein begüttgend, während chre Augen den

und wenn'« einen gibt, daß er nicht in die Menschenwelt eingreifen könne, weil da Alles nach festen Naturgesetzen gehe? Ein solcher Gott, der sich nicht offenbarm, nicht be­zeugen, kein sittliches Gesetz geben und aufrecht halten kann, kann auch keine Autorität sein. Und wenn es keine höhere sittliche Weltordnung gibt, welche die Obrigkeit im Staate und die Eltern in der Familie zu vertreten und aufrecht zu hatten hat, dann können dieselben auch keine Autorität für sich in Anspruch nehmen, vor der man sich beugen müsse. Dann ist die Obrigkeit eine Verwaltungsbehörde, die man heute so und morgen anders einrichtet, der das Parlament heute diese und morgen jene Polittk vorschreibt, aber sie ist dann keine Autorität, vor der matt sich aus innerer sittlicher Nöthigung beugen müsse! Die Sozial­demokraten ziehen also lediglich das Resums dieser liberalen rationalistischen religiösen und politischen Anschauungen, welche seit 30 Jahren alle liberalen Blätter predigen, wenn sie jetzt aller göttlichen und menschlichen Autorität Hohn sprechen!

Selbst bis auf evangelische Kanzeln hat man neuer­dings die sogenannte modeme rattonalistisch-naturalistische Weltanschauung hinaufgetragen, und sie gegenüber der christlichen Weltanschauung gepriesen. Darf man sich da wundern, wenn die Sozialdemokraten ihre liberalen Lehr­meister beim Wort fassen und sagen: Ist es so, wie ihr behauptet, daß die christliche Weltanschauung falsch und die naturalistische Wahrheit sei, dann muß auch unsere ganze Weltordnung, welche auf der christlichen Weltanschauung ruht, nach der naturalistischen umgestaltet werden. Mr müssen dann die menschliche Gesellschaft, ohne Rücksicht auf Gott und eine göttliche sittliche Weltordnung, lediglich nach den Naturgesetzen, Naturtrieben und unserem den Gewinn und Genuß berechnenden Verstände einrichten. Und wenn die moderne Weltanschauung Wahrheit ist, wer darf sich bann noch länger ber Umgestaltung der Wett nach ihren Grundsätzen wibersetzen? Dann haben die Sozialdemokra­ten recht, wenn sie so stürmisch die Umgestaltung der Welt verlangen!

Wenn man jetzt erschrickt vor den Abgründen, welche die letzten Berliner sozialdemokratischen Versammlungen und insbesondere die Frauenversammlung vor unfern Augen enthüllt haben, dann möge man nicht bloß über diese, in so schauerliche Jrrthümer geführten armen Arbeiter raison- niren, sondern vor Allem daran denken, welches dir Quellen dieser Strömung sind! Diese Quellen aber liegen in dem rationalistischen und naturalistischen kirchlichen und poli- tischen Liberalismus der höheren Gesellschaftsklassen! Soll es besser werden, so müssen in diesen Klassen wieder die verschütteten Quellen der christlichen Wahrheit aufgegraben und jene Giftquellen zugeworfen werden! Hoffenttich fang* Dichter scharf fixirten, um den Eindruck zu ergründm, den die Poesien auf ihn machten.

„Es wird viel daran gefeilt werden müssen", sagte van der Moolen, sich auf unästhetische Weise hinter dem Ohre krabbelnd.

„Aber", frug das Fräulein dringend während ihr Stuhl sich wie von selbst näher zu dem seinen schob, „aber Sie finden doch Talent darin?"

„Gewiß, gewiß, gnädiges Fräulein, unverkennbar — Sie erlauben, nicht wahr?" Die Hand wurde wieder nach der Flasche ausgeftreckt, um die hartnäckigen Magenschmer­zen zu vertreiben.

„Finden Sie es beisallswerthl" frug sie erfreut.

„Lecker von Geschmack, gnädiges Fräulein! Mrkttch krampfftillend."

„Die Gedichte?"

„Pardon, den Bitteren. Ich dachte, daß Sie — aber wirklich, die Gedichte zeigen Talent, doch sie müffen genau durchgesehen werden ..."

„Nun", sagte das Fräulein schmeichelnd, sie sind in guten Händen, sie sind in guten Händen. Sie werden sie schon umformen, nicht wahr?"

„Verehrtes Fräulein, ich möchte Ihnen gewiß gern einen Dienst erzeigen aber das Corriziren all dieser Ge­dichts das Ausmerzen und Hinzufügen. . ."

„Ist in guten Händen und ich schenke Ihnen mein ganzes Vertrauen darin, vollständig . .

„Ja, aber ich fürchte, daß es eine große Arbeit wer­den wird!

„Ich bezweifle keinen Augenbtck, daß ein Poet wie Sie sich mit Geschick derselben entledigen wird . .

„Das kann wohl sein, aber die Pflicht, die ich über­nehmen soll . . ."

„Ueberschreitet ihre Kräfte durchaus nicht!*

JRarßurg, Dienstag, 12. Februar 1878.

xni Jahrgang.

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»i, «hin Frankfurta.M.; jastein & Vogler in i fett »tat a. M., Berlin, en 5h, kj, Eöln rc.; Rudolf

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Denn die Umstände gekommen sein werden, welche sie

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f gehen bnrch meine Hände. Ich versichere Ihnen, H viel zu thun habe; es gibt Tage von 150 Akten- BloS Abends und Sonntags widme ich mich der Haben Sie nie meine Ode „An den Kirchhof"

Die sociale Bewegung.

sociale Bewegung geht jetzt in Berlin in hohen und wer eS bisher noch hat läugnen wollen, daß jciale Frage die größte und wichtigste Frage der Zett sieht nun diese Frage in Riesengröße tatsächlich stehen und wird gezwungen, sich mit derselben aus- r zu setzen. Lange hat die Socialdemokratie ihr ;m der Arbeiterwelt gethan und was sie gearbeitet ist erst jetzt für alle Augen, die sehen wollen, offenbar seit mit der Fackel des Christenthums in dieses hinein geleuchtet worden ist. Die liberale Presse tritt darüber, daß das geschehen ist. Und das ist islich; denn was dort offenbar geworden, das sind ja ils die Früchte des Samens, der von der liberalen seit langer Zeit ausgestreut worden ist. Die Social- tie ist nicht vom Monde gefallen, sondern ist auf fier Erde, aus unseren Verhältnissen herausgewachsen, ße hat eine Gestalt angenommen, vor der man er- muß. Welche Abgründe haben die letzten social- attschen Versammlungen mitten in unfern Volks­enthüllt! „Es giebt keinen Gott, es giebt feine Sünde; mit dem Christenthum, nieder mit unserer staatlichen,

,».Lnnoncen-Bureaux

Dietrich & Co. in d unö Hannover; Th.

UNg d, sga!--u

—- . oder „Auf meine Unvergeßliche?"

meiner Schande muß ich bekennen, sie nicht ge- .'j® haben."

ran^l^pitt ist der Bittere, gnädiges Fräulein," sagte die üt lautem, griesgrämigem Tone. Sie frugen mich Laden, ob ich bei einem Husarenoffizier biente?“ Ard bie Gläser unb bas Präsentirbrett!" gebet bas

tt-lj b.y1--

1 den Worten zu Thaten fortreißen werden! Wem diese Meinungen nicht die Augen öffnen, was soll dem noch Linde von den Augen lösen?

Iber diese socialdemokratischeu Arbeitermassen sind nur ’ verführten, irregeleiteten Menschen, über die man mehr atmen als Zorn empfinden muß. Ihre Führer laben 3 furchtbare Verantwortung auf sich, welche in ihren j]»e6 dwgen unb Volksversammlungen das Volk in solche ab- । ® £ Mi^e Jrrthümer hinein zerren! Allein auch diese Führer zumeist nur verführte, irre geleitete Menschen. Den drialismus, Atheismus und den Abfall von Christen- Wl * tob Kirche, welche sie prebigen, haben nicht sie er- ilernA fc~rr’ ’ -

L-.-kurr «b.

ylu" k 'Mer ober ein Gläschen?"

"Mer und die Portweincaraffe!"

3” gut!" brummte die Herrschsüchtige.

alles auf dem Tische geordnet war und die alte ! bösem Gesicht eingeschenkt hatte, griff der Dichter Ziffer Gier nach dem Glas und trank es auf einen Die Alte kniff ihre Lippen zusammen und be- C diese Geste mit einem Kopfnicken, welches deutlich p -»Der versteht es!" DaS Fräulein sah den poettschen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.lvlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von @. L. Staube & So. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidrndank in Berlin; 8B. TbieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

senM n. m

t. er

sM Erzählung von Johann Gram.

ZZl* Verfasser autorifirte Uebertragung auS dem Holländischen :»W l von Joseph Schrattenholz.

(Fortsetzung.)

[3^ ..toet Sie wohnen doch hier in der Stadt, nicht wahr?"

* die neugierige Dame ihre Untersuchung fort.

j wohl, gnädiges Fräulein!"

’M beschäftigen Sie sich ausschließlich mit Dichten?“ ’’ Dardon, gnädiges Fräulein! Alle einkommenden und

e ' ten Akten des Ministeriums der öffenttichen Ar-

Krscheim täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis -für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirtes Lonnta,»Klatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruck,reij bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). — ftnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

en unb wirthschaftlichen Ordnung!" Das ist in öffent- Vottsversammlungen aus tausenden von Kehlen gr­ünd gebrüllt worden! „Massenaustritt aus der Kirche, ittzum Materialismus dersocialdemokrattschenFührer," __i lift als die Parole ausgegeben worden. „Die Pfaffen MM i man hängen, braten!" Solche Rufe sind erschallt. Acht man ba noch auf bie Revolution zu warten, stehen i wenn solches in öffentlichen Volksversammlungen 1 sicht — nicht mitten in ber Revolution barm? Der j f; „Es giebt keinen Gott, Alles ist Natur", ist schreck- - i aber schauerlicher ist noch ber Rus, welcher freilich \ . t eine Folge bes ersteren ist: „es giebt keine Sünde I f Welche sittliche Abgründe rnchüllt dieser Rus! / Vl K sind solche Menschen fähig, welche bie Sünde läng-