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JRarBurg, Sonntag, 10. Februar 1878.
XIII. ZlthkMg.
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a- M., Berlin.
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Isbrrz, SrscheiM täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jluktrirte» Sonntagrdlatt" durch die Srvedition (flo<b,f<be Buchdruckerei, bezogen Mark. durch die Postämter des Deutschen Reicke« S 50 «f».JKS! w
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*» um dem gnädigen Fräulein ein Paar Stiefeletten ^ffsen oder irgend eine Bestellung zu empfangen. Das aber fand in seiner Erscheinung sofort etwas ^ffe-Erweckendes, Ungewöhnliches, und knixte so ver- und ceremoniell, als ob sie Dante oder Göthe vor Der Dichter war bleich und trug einen langen
*■ Auch sein Kopfhaar hatte eine artistische Länge, ganzes Auftreten bekundete nur Steifheit und Ver-
Justizausführungsgesetzes entschieden ist. Wie sich darnach die gesammte parlamentarische Lage gestalten wird, ist zur Zeit noch nicht abzusehen. Jedenfalls wird der Reichstag seine Arbeiten bis zum Osterfeste nicht bewälttgen können, und es wird sich die parlamentarische Saison bis in den Mai ausdehnen.
Im englischen Unterhause find die Debatten über die Creditforderung fortgesetzt worden. Am Dienstag eröffnete die Verhandlung von ministerieller Seite der Schahamtssekretär M. F. A. Sionley (ein jüngerer Bruder des Earls v. Derby). Er versicherte, daß da« Vertrauen des Landes in die Regierung trotz gegenseitiger Behauptungen sich täglich steigere. Wenn in 1870 ein außerordentlicher Credit nöthig war, so sei er es jetzt um so mehr. Damals war die Stärke der Armee sehr rebucirt; jetzt seien Reserven vorhanden, zu bereit Equipirung Mittel erforderlich wären Der Redner vertheidigte sodann die Polittk der Regierung, welche, wie er behauptete, durchaus Lord Der- by's Depesche vom 6. Mai entsprochen hätte. Wäre der Krieg nicht dazwischen gekommen, würden die Zugeständnisse der Pforte, sowie die von ihr eingeführten Reformen den Bedürfnissen^ Europa's ohne die Vernichtung der Türkei und die Berührung der Interessen anderer Mächte vielleicht genügt haben. Die noch immer so ungewissen Friedensbedingungen, sowie die zweifelhaften Aussichten rechtferttgten die Forderung der Regierung, und er hoffe, die gesunde Vernunft des Landes werde derselben nachkommen. Die Regierung sympathisire nicht mit der türkischen Mißwirth- schaft, aber sie sei nicht vorbereitet, in der gegenwärtigen Krisis ohne die Versicherung der Unterstützung und des Vertrauens des Landes an dem Gongreffe der europäischen Mächte theilzunehmen.
Nobelgarden, der Großmeister des Malteser-Ordens, Senatoren strömten zum Vatican und sammelten sich vor dem Sterbezimmer. Bilio und Martinelli assistirten am Sterbelager und Cardinäle zu zwei und zwei abwechselnd, traten mit ein. In dem Gemach herrschte eine drückende Atmosphäre. Die Rührung war groß und viele Thränen flössen. Man kann wohl sagm, daß Pius in seiner Sterbestunde mehr geehrt wurde, als irgend welche früheren Päpste, von denen so viele einsam starben. Als mein Gewährsmann um 1 Uhr Mittags eintrat, erhob Pius seinen Arm und versuchte den Namen zu stottern. Das Gesicht des Sterbenden war unverzerrt. Um 3 Uhr zeigte er noch Besinnung. Auf die Frage, ob er viel leide, aitt- wottete er: „Ja"; sonst äußerte er nichts mehr. Um 4 Uhr trat ein Lungenschlag ein. Um 5 Uhr 47 Minuten that Papst PiuS IX. seinen letzten Athemzug. Auf morgen 10 /> Uhr sind die Cardinäle in den Vatican berufen. Man erwartet einem „coup de theatre“, der mittels letztwilliger päpstlicher Verfügung in Scene gesetzt werden soll. — 7 Uhr 45 Minuten Abends. Nachdem noch gestern Abend medicinische Autoritäten versichert, der Papst könne noch vier Jahre leben, überbrachte mir mein Agent im Vatican heute Morgen 12 /4 Uhr die Nachricht, daß Pius seit 8'/? Uhr mit dem Tode ringe und die letzten Trö- .stungen der Religion empfangen habe. Ich suchte einen mir bekannten Cardinal auf; derselbe war um 12 4 Uhr hastig in den Vatican gefahren. Es war bereits ruchbar, daß das Ende des Papstes herannahe und daß alle Cardinäle in den Vatican citirt worden seien. Ich fuhr zum Vatican. Der Zutritt zum Cortile Damaso war geschlossen, aber eS waren gewöhnliche Wachen aufgestellt, und vor dem Eingänge auf die Piazza Pietro waren nur die gewohnten zwei italenischen Polizisten. Der Zutritt zu den vatikanischen Galerieen, die Scala Regia hinaus war dem Publicum freigelaffen. Ich nahm einen Cicerone mit Eintrittskarte und stieg die Loggien Rafaels hinauf, wo man freie Aussicht auf den vor der päpstlichen Wohnung liegenden Cortile Damaso hat. Von dort aus sah ich 13 CardinalSwagen und eben langte noch eine Eminenz an. ©egen 3 Uhr sah ich die Cardinäle wegfahren. Bei Rückkehr über die Engelsbrücke begegneten mir viele Equipagen der römischen Aristokraten und Leute in, Trauerkleidern. Zch erfuhr, daß die Eminenzen nach Hause geschickt feien, um Anordnungen wegen des Conclave zu treffen, und daß Principe Chigi als Marschall des Conclave in den Vatican berufen fei, um die Ueberaiachung des Conclave zu übernehmen. Bllio und Martinelli leisteten dem Sterbenden Beistand. Das Ministerium des Innern ist in Permanenz ; eS sind Truppen nach dem Petersplatze beordert.
Rom, 7. Februar. Die Sterbesacramente sind dem
, die Türkei fei durch das Versprechen englischer ätzung irregeleitet und ermuntert worden, den Kampf etzen. Namentlich hätten Lord Beaconsfield und Layard Worte in jenem falschen Glauben bestärkt. Er (Server cha) werde die hierauf bezüglichen BeweiSdocumente ver-
gyig, Köln ic.; Rudolf St in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Ei» Rkstdrnzßerwiigk».
Erzählung von Johann Gram.
Strfofftt autorifirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.
k Fortsetzung.)
«antn nimmt entgegen: UxPtdttiou dvlattes, m d.Annoncen-Bureaur
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conbenirt Mynheer de Grootens wünschte, daß ich jetzt zu Ihnen ginge, und ich habe also vollkommen Zeit .r. ."
„pij gewiß, o gewiß, ich werde Ihnen gern einige vorlesen. Darf ich Ihnen ein Glas Portwein anbieten?"
„Ein GlaS Portwein, gnädiges Fräulein? DaS darf ich Ihnen nicht abschlagen .... obschon ich lieber ein Gläschen Bittern .... ich leide am Magen, wissen Sie 9"
„Wie Sie befehlen, Mynheer?" sagte das Fräulein und augenblicklich wurde der alten Magd geklingelt, ihr aufgetragen Bittern zu holen.
„Bittern! Bittern! Fräulein?" rief die Alle, ihr mageres Gesicht vorftreckend, „du lieber Himmel, der ist ja noch nie hier im Haufe gewesen." Darauf schüttelte sie ihren Kopf verwundert hin und her und murmelte: „Wo soll das hinaus! wo soll das hinaus! Wo doch die Verse einen nicht hineinbringen!"
Das Fräulein gerielh über die Unverschärnthett der cllten Magd in Verlegenheit und befahl ihr gelassen, zu thun, was sie ihr aufgetragen. Einen Kratzfuß machend ging die Alte weg, nachdem sie den Dichter und die Dichterin bedenklich angesehen hatte.
, „In welchem Genre der Poesie wirten Sie denn eigentlich, mein gnädiges Fräulein?" frag bet Herr van der Moolen, welcher enffchieden mutiger wurde, als er bemerkte, welch' ein Uebergewicht die Dienstmagd über die Herrin besaß.
„Wie meinen Sie das, frag sie naiv.
„Sind ihre Verse komisch, didaktisch, ernsthaft?*
„Meistens ernst."
„DaS ist schön. Daö ist auch mein liebstes Genre. Zumal nach dem Tode meiner Frau haben meine Gedichte euw trübe Färbung bekommen." Ein empfindsamer Blick auf die braunen, baumwollenen Handschuhe rührte des Fräuleins Herz.
»hÄliche Strömung der öffentlichen Meinung zu erzielen. W» fe ist übrigens nicht unwahrscheinlich, daß den Englän- ** eine derartige Überraschung droht. Der Korrespon-
g^'W't^en sich, Mynheer, nehmen Sie Platz!" sagte * X a^tin lebendig und mit Ausdruck.
ist -«M'bchr gerne, Mevrouw," war die Antwort und Myn- auf dem ihm angewiesenen Stuhl so steif und x^Ezlich Platz wie eine Pagode.
Politische Wocheu-Ueberficht.
Zwei wichtige Ereignisse, die einen Wendepunkt in der Wichte der alten Welt bezeichnen, müssen an die Spitze iftrer heutigen Uebersicht gestellt werden. Der Papst ist t DaS Wolfssche Bureau hatte ursprünglich die Stunde I Todes auf Donnerstag Nachmittag 3 Uhr angegeben, rß steht heute eine Meldung der Agenzia Stefani im iderspruch; darnach war um 5 Uhr 25 Minuten der oeÄampf noch nicht beendigt. Das Ereigniß war seit maten vorausgesehen, die Folgen desselben sind längst tr Wahrscheinlichkeits-Berechnung unterworfen. Sein Tod igelt die neue Ordnung der Dinge in Italien. Von t Krone des Königs Victor Emanuel ging „jeder Flecken r Erlangung" mit ihm zu Grabe, mit dem Tode des verschwindet der „Depossedirte." Welchen Einfluß i Ereigniß auf den deutschen Kirchenstreit haben wird, st abzuwarten.
Das andere Ereigniß ist der Einzug der Russen in tinopel, von dem die gestrigen Londoner Morgen- zu erzählen wußten. Von St. Petersburg aus irb die Thatsache energisch bestritten, und es ist daher ich, daß die Nachricht nur erfunden und verbreitet de, um die Leidenschaft des englischen Volkes aufs Höchste »chen und in Bezug auf die orientalische Frage eine
der „Daily News" in Ädrianopel hat am 28. Januar ,eiL .,DsUnterredung mit Server Pascha gehabt, in der letzterer
s 8or diesem Necessaire saß das Fräulein. Mit einer rW*. in der Hand überlas sie einzelne Gedichte, lächelte Zufriedenheit, fchaute dann wieder in die Runde und • das Vorderzimmer.
südlich kam die Magd und brachte eine Visitenkarte, A die Herrin in nervöser Aufregung las und dann den Befehl ertheilte, den Herrn gleich herauf zu lassen.
’ *lte Toni schüttelte den Kopf. Sie, welche die erha-
ti 4»Welchen. Schließlich erklärte Server Pascha, er acceptire r £|p die russische Politik und Allianz. Das allerdings wäre v ** Rettung für die Türkei und eine entsetzliche Nieder- für England! Um den Preis einer Allianz oder wenn
,T Will Protektorats über die Türkei, würde Rußland cheinlich auf jeden Gebietszuwachs verzichten. Aber würbe zugleich ber Einfluß Englands gründlich Htet werden. Sämmtliche Mächte haben die Einla- । Oesterreichs, die Regelung der orientalischen Frage titter Conferenz zu berathen, angenommen.
Der deutsche Reichstag hat sich in der einfachsten Weise Wiederwahl des Vorstandes der vorigen Session per ation constituirt. Das preußische Abgeordnetenhaus dem Mnisterium den Entschluß abgerungen, daß der nicht geschlossen werden soll, ehe das Schicksal des
Injetgen nimmt entgegen: die EWedttton d.vlatteS, somie b.Ännoncen-äuteoui von ®. L. Daube & So- in Frankfurt a. M.; Jäger'lche Buchdandlung daselbst; Hermann'schc Buchhandl. daselbst; Jnvalidenbank in Berlin; W. Ldienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Tagesbericht.
Utber den Tod des Papstes bringt die Kölnische Zeitung noch folgende Telegraphische Depeschen:
Rom, 7. Februar, Abends 7 Uhr. So eben wirb mir von einem Augenzeugen, ber im Sterbezimmer anwesend war, über die letzten Augenblicke des Papstes berichtet: Pius hatte bei der Rede, die er am 2. Februar gehalten, die Lunge überangestrengt. Seit zwei Tagen war er unwohl und nahm fast keine Nahrung zu sich. Gestern Abend noch empfing er die gewohnten Besuche. Dann sich übel fühlend, nahm er gegen Mitternacht Chinin. Gegen 4 Uhr Morgens sagte er: „sono finto“ (mir wird schwach) und seiner Umgebung bemächtigte sich große Be- forguiß. Bald verbreitete sich das Gerücht, daß der Papst in bedenklichem Zustande sich befinde, übet den Vatican hinaus in die Stadt. Cardinäle, Aristokratie, Diplomaten,
Das Fräulein, welches gegenüber dem Spiegel saß, warf noch einen flüchtigen Blick auf ihr vis-a-vis, um sich zu überzeugen, daß Kopfputz und Tollette tadellos waren und blickte bann bem Dichter voll Erwartung ins Antlitz. Dieser aber schien entweber keine passende Einleitung finben zu können, oder das Wort dem gnädigen Fräulein über- lassm zu wollen. Er betrachtete seine braunen baumwollenen Handschuhe und sprach kein Wort.
Die Ungeduld der Dichterin kam seinem Berlegensein zu Hülfe. Ihn freundlich anschauend, sagte sie mit einer gewissen Hast: „Und Sie wollen so gut sein, Mynheer van ber Moolen, meine dichterischen' Versuche einmal einzusehen."
„Gerne, Mevrouw," lautete die verbindliche Antwort; „Mynheer de Grootens, unser Generalsekretär, welcher weiß, daß ich meine freien Stunden der Literatur widme, hat mir aufgetragen, Ihre Mauuscripte einmal zu lesen —"
„Ja, Mynheer," unterbrach ihn das Fräulein, Sie würden mir einen unsäglichen Dienst damit erweisen. Sie können sich wohl vorstellen, was es heißt, eine Sammlung Manuskripte in seinem Schreibpult liegen zu haben und sie nicht an die Oeffenttichkeit bringen zu können, weil man Niemanden kennt, der . einmal ein Unheil darüber fällt. Es sind gefangene Vögel, die nach Licht und Freiheit schmachten. Darf ich Ihnen vorlesen? Oder wollen Sie den Band vielleicht mttnehmen, um ihn zu Hause in Ruhe durchzusehen?"
Der Herr van der Moolen kam nach und nach in fein richtiges Fahrwasser. Die Oranienkatzen strichen mit ihrem Rücken an seinen Beinen vorbei, die dicke Lady starrte chm wohlwollend in die Augen und der Kakadu ließ bann unb wann ein so gemüthlicheS „Süße Frau!" hören, baß ber Dichter seine Verlegenheit immer mehr verlor.
»Ei, gnädiges Fräulein, ggnz wie es Ihnen am Besten
Dietrich & So. in „ »ße> unb Hannover; Td.