XIII Jahrgang.
Zllarkurg, Sonnabend, 9. Februar 1878.
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«^ffrfAeint täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JInftrtrteS Sonnta,Kblatt" durch die Erpedltion lKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 2» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lkkcb Bestellgebühr). —^nserNonsgebühr für btt gespaltene Zecke 10 Psg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Psg- berechnet.
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7. Febr. Der Papst ist Nachmittags 3 Uhr '‘""'Wen. Das Conclave wird sogleich zusammentreten.
Wien, 7. Febr. Das hiesige „Telegraphen-Correspon- -Bureau" meldet aus Rom vom Heutigen: Der Zu- des Papstes hat sich während der letzten Nacht sehr —Mmrnert; derselbe empfing bereits die Sterbe-Sacra- Mt Der Cardinal-Vicar wurde in den Vatican be- Der Eintritt in die Appartements des Papstes der Austritt der im Vatican befindlichen Personen
Neueste Orient-Nachrichten:
Ueber den gestern gemeldeten Einzug der Ruflen in Konstanünopel wird weiter telegraphisch gemeldet:
London, 7. Febr. Die „Times" glaubt, die russische Besetzung Konstantinopels habe nur einen dem Einzug der deutschen Armee in Paris analogen Charakter; sie warnt vor Aufregung und Alarm und setzt das größte Vertrauen in die friedlichen Versicherungen der Rede des deutschen Kaisers. — „Daily Telegraph" und „Morning Post" publiziren geharnischte Artikel, und fordern Genug- thung für die gekräntte Ehre Englands. — Heute ist Ca- binetsrath und werden heute Abend wichtige Erklärungen der Regierung im Parlamente ermattet.
Londn, 7. Febr. Laut Mittheilung des Reuterschen Bureaus war hinsichtlich der Nachricht hiesiger Morgenblätter von dem Einmarsch der russischen Truppen in Konstantinopel weder dem russischen, noch dem türkischen Botschafter bis heute Vormittag 11 Uhr irgend welche Bestätigung zugegarrgen.
Wien, 7. Febr. Die „Presse meldet aus Athen: Die Pforte rief die Intervention der Mächte an, damit Griechenland seine Truppen zurückziehe, und gab das Versprechen ab, die Interessen ihrer griechischen Provinzen selbst zu schützen.
Die .Agenzia Stefani" bringt folgenoe Depeschen: Rom, 7. Febr. Bei dem Papst ist Nachmittags gegen ),Uhr der Todeskampf eingetteten; man erwartet jeden .»Mick seinen Tod.
. . „ Palaste ist verboten. Die Cardinäle sind tele- DttMhisch nach Rom berufen. In den Kirchen der Stadt drs Allerheiligste ausgesetzt.
Mus IX. seit 1846 Papst, vorher Joh. Maria Graf Mastai-Ferretti, geb. 13. Mai 1792 zu Sinigaglia, nacheinander Erzbischof von Spoleto und Imola, e 1840 Cardinal und am 16. Juli 1846 zum Papst ft.)
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) Der Entwurf der Rechtsanwaltsordnung, welcher hmte j «liegt, faßt in den ersten vier Abschnitten die Verhältst der Rechtsanwaltschaft bei dem Reichsgerichte für sich e an* (ein im fünften Abschnitte. Bei Aufstellung des Entwurfs legte von den durch das Gerichtsverfassungsgesetz und die ßordnungen gegebenen Grundlagen ausgegangen roer= Zuvörderst war daran festzuhalten, daß die Civil-
ßordnung für das Verfahren vor den Kollegialgerichten Anwaltszwang aufgestellt. In diesem Anwattsprozesst nicht blos die Vertretung der Partei in der mündlichen dlung durch einen Anwalt verlangt, sondern es wird esetzt, daß schon die Klage durch die von der kla- Partei bestellten Anwalt erhoben wird. Für die Aerscheidnng zwischen Prokuratur und Advokatur ist hier- dch kein Raum. Die Rechtsanwaltschaft im Sinne des ^Wurfes umfaßt darum die Prokuratur und Advokatur, hierbei befindet sich der Entwurf mit der Kommission des kichstages, sowie mit dem deutschen Anwaltstag in Neber- __| «chimmung. Eben so wenig bedarf es einer besonderen e Re. Gründung, daß die Rechtsanwaltschaft kein Staatsamt ün und daß der Rechtsanwalt weder die Rechte noch die Achten der Staatsbeamten haben soll. Der Entwurf iviangt dieselbe Befähigung für die Zulassung zur Rechts- «waltschaft, wie sie für das Richteramt gefordett wird. Erstellt teilte geringeren, aber auch keine weitergehenden Forderungen. Der Entwurf befindet sich hierin mit dem % größten Theile von Deutschland bestehenden Rechtszu-
Anzeiam nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d Annoncen-Bureaux von L Daube & Co in Frankfurt a. M.; JSger'tche Buckrbandlung daselbst; Herrnann'sche BuLhandl. ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; SB. TbieneS in
Ekdettekd; C Scblotte in
Bremen
Ein Refidenzvermigrn.
Erzählung von Johann Gram.
M Perfaffer autorisirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenhokz.
(Fortsetzung.)
i Felman stand in Gedanken versunken hinter ihr. An- Wenb überlegte: er irgend eine Idee, denn schließlich W er sich selbst zu, als ob er den auftauchenden Plan St hieße.
„Darf ich eine Fräße an Sie richten, Mevrouw?" kam Mich heraus.
„Mit Vergnügen, Mynheer Felman," lautete die höf- M Antwott.
„Sind Sie sehr intim mit der Familie de Grootens ^mnt?"
Teutsches Reich.
*« Berlin, 7. Febr. Eine Berliner Correspondenz von verschiedenen Blättern berichtet, der Kaiser habe auf die anfänglich gehegte Absicht, den Reichstag in Person zu eröffnen, ans wichtigen politischen Erwägnngen verzichtet. Glaubwürdige Berichte versichern dagegen, daß eine solche Absicht des Kaisers überhaupt nicht bestanden, habe. Unsererseits ist schon früher darauf aufmerksam gemacht worden, daß die persönliche Eröffnung durch den Kaiser jetzt nur stattfindet zu Anfang einer neuen Legislaturperiode nach Neuwahlen. 'Eine Session, die in die Legislaturperiode fällt, würde vom Kaiser nur dann eröffnet werden, wenn es darauf ankäme, einem bedeutungsvollen Gegenstände den Nachdruck bedeutender Motte aus dem kaiserlichen Munde zu geben. — 'Wie zur Genüge bekannt ist, werden die festen Bestimmungen über die Reiseabstchten des Fürsten Bismarck im Voraus nie bekannt gegeben, gleichwohl nimmt man in unterrichteten Kreisen an, daß. nunmehr die Rückkehr des Fürsten in den nächsten Tagen bevorsteht. — Die süddeutschen Blätter verweilen vielfach bei der angeblichen Probe zum Fackeltanz, welche in Anwesenheit des Kaisers und der Prinzen im Opernhause stattgefunden hat. Diese Blätter scheinen anzunehmen, daß es sich um eine Probe der Tanzenden gehandelt habe, es war aber lediglich eine
Tochter handelt; aber wenn ent junger Mann ein edles Herz, gute Aussichten, Vermögen und ein günstiges Aenßeres besitzt und der Sohn von ehrlichen Eltern ist, dann wäre es mir absolut unerklärlich, warum man einen solchen Heiraths-Candidaten abweisen sollte?"
„Und doch würde ich der Familie de Grootens Recht geben. Man wagt so viel mit einer nicht standesgemäßen Heirath. Ich wenigstens kann meine Mitwirkung nicht dazu geben. Mein lieber Mann würde es auch sehr komisch finden, denn der Oberst ist in Standesfragen sehr streng. Der Gute! Es ist, als ob er vor mir stände. Nun, Mynheer Felmann, ich darf bestimmt darauf rechnen, nicht wahr, daß es am 29. September fertig ist?"
„Ohne Zweifel, Mevrouw!" lautete die enttäuschte Antwott des Malers, der einigermaßen auf den Beistand der sanften Obristin gerechnet hatte, um das Herz der Familie de Grootens zn erweichen. Doch wagte er noch einen Versuch.
„Sie würden also keine Vermittlerin sein wollen, Mevrouw? Sie bewiesen mir wirklich einen großen Dienst damit!"
„Mynheer Felmann, wie gerne ich es auch möchte — ich darf nicht. Der Oberst würde mir es nie vergeben ..."
„Darf ich Sie dann wenigstens um Geheimhaltung des Auvettrauten ersuchen?"
„Gewiß, gewiß! außer — vor dem Oberst, wie?" „Natürlich, Mevrouw!"
Mit einer Verbeugung und freundlich grüßend, verließ fie das Zimmer, jedoch nicht ohne vorher noch einen innigen Blick nach dem Porttait geworfen zu haben.
Nachdem sie weggegangen war,, schüttelte Felmann ungeduldig den Kopf und setzte sich wieder an die Arbeit. Unten auf der Straße waren die drallen Dienstmädchen noch immer mit ihren Schellenknöpfen beschäftigt: dieselben
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stand in Uebereinstimmuug. Eine geringere Qualifikation wird nur in Oldenburg und in den beiden Großherzog- thümern Mecklenburg für ausreichend erachtet. Indem der Entwurf in § 3 bestimmt, daß die Landesjustizverwaltung die Zulassung zu ettheilen habe, befindet er sich sowohl mit der Kommission des Reichstages, als mit dem int größten Theile von Deutschland bestehenden Rechtszustand in Einklang. Die Bestimmung der oldenburgischen Anwaltsordnung, daß das Appellationsgericht die Zulassung ertheilt, bildet eine einzeln stehende Ausnahme. Uebrigens wird durch die Bestimmung des Entwurfes nicht ausgeschlossen, daß die Centralstelle der Landesjustizverwaltung die Entscheidung über die Zulassung den ihr untergeordneten Organen der Justizverwaltung überträgt. Wenn der Entwurf davon ausgeht, daß die Rechtsanwälte nicht als Beamte anzusehen sind, so folgt daraus, daß nicht von einer Anstellung int eigentlichen Sinne des Wortes, sondern nur von einer Zulassung die Rede sein kann. Vom Stand- puntte des Anwaltzwanges erscheint es ferner im Interesse des rechtsuchenden, in gewissen Sachen zu eigner Vertretung nicht berechtigten Publikums, daß ihm eine thunlichst große Auswahl ermöglicht und dem Zwange dadurch das Bedenkliche und Hemmende genommen werde. Der Entwurf hat daher den Grundsatz, die Zahl der Rechtsanwälte in einem bestimmten Gerichtsbezirk oder bei einem bestimmten Gerichte zu beschränken, nicht angenommen.
Ueber die russisch-türkischen Waffenstillstands-Bedingungen erfährt die Presse aus Tirnowo, 4. Februar: Die Uebergabe der bulgarischen Festungen gehört nicht zu den Friedensbedingungen selbst; sie wurde vom Großfürsten als unerläßliche Vorbedingung für den Eintritt in die Verhandlungen bezeichnet. Die Uebergabe der Festungen ist eine bedingungslose. und muß im Beisein der fremden Militär-Attachö's bis Mitte Februar beendet sein. Widdin wird an die Rumänen übergeben; ebenso werden sie Nikopolis besetzen und dort die Civil-Admiiiistration übernehmen. Die Dauer des Waffenstillstandes wurde nicht festgesetzt. Die beiderseitigen Kriegsschiffe muffen in den Häfen verbleiben, wo sie sich eben befinden. Die Truppen in Ru- metien verlassen ihre taktischen Positionen und rücken in ihre Cantonnements ein. In der Abtretung der Festungen ist auch die Uebergabe der türkischen Kriegsschiffe auf der Donau inbegriffen. Dieselben bestehen aus 8 Monitors und 12 Dampfern. Die Equipage, wie die Besatzungs-Artillerie wird aus Rußland erwartet. Aus Sulina und Varna haben sich die türttschen Kriegsschiffe entfernt. Die Ueberführung der abziehenden Festungsbefatzungen von Varna nach Konstantinopel erfolgt auf Transportschiffen.
„Welche Stellung bekleidet Ihr Bewerber?" „Ingenieur, Mevrouw!"
„Und seine Eltern?"
„Sein Vater gibt uns das tägliche Brod und seine Mutter ist damit vollkommen einverstanden."
„Ein Bäcker!" sagte Mevrouw, abwehrend den Kops schüttelnd. „Da wird die Familie de Grootens nie ihre Zustimmung geben. Sie würde sich ja für alle Zeiten compromittiren. Wie ist es nur möglich, daß Sie fo Etwas denken können. Eine Mesalliance in einer Familie ist das Unangenehmste, was eriftirt. Und dann — ein Bäcker! Wäre es noch ein Großhändler ohne Laden und Magazin oder ein Fabrikant, dann würde die Familie vielleicht noch zu erweichen gewesen fein, aber ein Bäcker! Pfui! Mein Vater war Attillerieoberst, aber werden Sie es wohl glauben, daß er mich einem Jnfanterieoffizier nur ungern zur Frau gegeben haben würde?"
Felman zog so heftig und verbissen an seinem großen Batt, als ob er sein Gesicht dieses Schmuckes für immer berauben wollte. Das enttäuschte ihn sehr bei diesem liebenden, gutinüthigen Frauchen; sonst so ganz Anhänglichkeit und Zättlichkeit und in diesem Puntte so unerklärlich kleinlich und exklusiv! Das konnte nur durch eine einseitige Erziehung hervorgerufen sein. Einigermaßen piquirt antwortete er:
„Es thut mir leid, Mevrouw, daß Sie so darüber denken. Ich klassifizire die Menschen ganz anders. Als Maler theile ich dieselben in zwei Kategorien ein: schöne und häßliche; als Mensch theile ich sie in vier Gruppen: gute und schlechte, unterhaltende und langwellige. Ob sie einen Ministerfrack oder einen Bäckerkittel tragen, ist mir ganz gleichgültig. Ich tarnt mir sehr gut vorstellen, daß ein Vater oder eine Mutter noch andere Bedingungen erfüllt sehen wollen, wenn es sich um einen Freier für ihre
Ü ,^ntim? Das gerade nicht. Wir besuchen sie dann und Wn und halten sie für sehr gemüthliche Menschen, aber —" „Sehen Sie, Mevrouw, ich habe auch schon ein paar All die Ehre genossen, auf einer Soiree.bei der Familie i Grootens eingeladen zu werden. Den Tisch und die ^ZangÄormen lernt man dabei allerdings kennen, aber Charakter nicht. Das Eine wie das Andere ist natür- bei de Grootens untadelhaft, aber ich möchte gern Ng mehr von den Seuten wissen. Ich habe einen 'toinb, welcher für ihre Tochter Marianne schwärmt, ein j iMtiges, allerliebstes Kind, ein herrliches Profil. Un- -«cklicherweise gehött aber bas verliebte Herrchen nicht zu f Kreisen, worin bie Familie be Grootens sich bewegt. Fernen Sie bie Familie genügenb, um zu glauben, daß r^rr Standesunterschieb im entscheidenden Augenblick fein ^wemiß bieten werde?" „ „
t Mevrouw van Lernt sah den Maler aufmettsam an trug;