Marburg, Mittwoch, 6. Februar 1878
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vor Plünderung zu retten. General Strukoff beorderte eine Abtheilung, nach Rodosto zu marschiren. Am nämlichen Tage räctte General Strukoff mit dem Vortrap von Lüle- burgas gegen Tschorlu vor. Seiner Meldung zufolge verüben die in Massen flüchtenden Muselmänner Brandstiftungen, Plünderung, Gewaltthaten und Mord. Unweit Lüleburgas holte General Strukoff 180,000 bis 200,000 Türken ein, entwaffnete dieselben und stellte ihnen die Heimkehr oder--das Weiterziehen frei.' Die Flüchtlinge zeigten sich darüber sehr verwundert und sagten aus, sie seien von den türkischen Behörden gezwungen worden, zu emigriren, da die Russen sie niedermetzeln würden. Eine Anzahl derselben kehrte heim, ein Theil zog weiter nach Rodosto. General Strukoff nahm mehrere Partien Tscherkessen und Reguläre gefangen, erbeutete einen Train und zwei Fahnen.
Petersburg, 4. Febr. Der Kaiser besichtigte gestem das 85. Wiborg'sche Regiment und sagte in seiner Ansprache an die versammelten Generäle und Offiziere: Ich beglückwünsche die Herren zu dem Waffenstillstand, dessen Bedingungen befriedigend sind. Wir verdanken ihn unseren braven Truppen, welche bewiesen haben, daß ihnen nichts unmöglich ist. Aber dies ist noch nicht zu Ende; wir muffen uns in Bereitschaft halten, bis wir einen dauerhaften, Rußlands würdigen Frieden erreicht haben, wozu Gott helfen möge.
Paris, 4. Febr. Die „Agence HavaS" meldet aus Athen, 3. d.: Die griechische Regierung hat dem hiesigen türkischen Gesandten Photiades Bey eröffnet, Griechenland beabsichtige nicht, der Türkei den Krieg zu erklären, sondern nur seine Landsleute gegen die Angriffe der Tscherkessen zu beschirmen. Ungeachtet des Waffenstillstandes sei die Ausführung dieses Programmes fest beschlossen und rücke die Armee nach Thessalien vor. — Das „Journal des Debats" enthält folgende Depesche aus Alexandrien, 3. Febr.: Eine große Versammlung sämmtlicher Interessenten der ägyptischen Staatsschuld, die in der Börse stattfand,
a- M., Berlin, » Mn ic.; Rudolf in Berlin, Frank- M a. M- re.
Ei« Refi>ee$wemi|ei.
Erzählung von Johann Gram.
Verfasser autorisirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.
(Fortsetzung)
.Gewiß!" lautete ■ Karl's schneidende Antwort, „daß sich durch den elenden Begriff des Standesunter- einander entfremden und der eine sich vor dem » schämt, das thuk mir auch leid. Wenn Anton 'Ulehrliche oder niedere Thal begangen hätte, würde 1 Hochmüthigkeit gerechtfertigt sein, aber so?"
„Sehr verbunden für diese Anttcipation meiner Edel- müthigkeit! Ist das vielleicht specifisch Haag'sch, geliehenes Geld als geschenkt anzusehen? Ich weiß nicht, was ich später gethan haben würde — aber ich habe mich nie darüber ausgelassen und im Augenblick bin ich weniger gelaunt, die Sache so aufzufaffen."
„Schön!" sagte de Grootens kurz, in der Hoffnung aus das Portefeuille von van GaalderenS Nichte, „schön, in drei Tagen sind die 8500 Gulden zu Deiner Verfügung."
Karl und Anton sahen sich verdutzt an. So etwas hatten sie nicht erwartet.
„Und wie spät?" frag Karl, „beim ich muß eben einmal nach Berlin. . ."
„Ja nächstm Dienstag um 2 Uhr z. B. Berlangst Du sonst noch Etwas?"
„Weiter nichts," sagte Karl, „und ich will Mr auch fürder keinen Augenblick von Deiner kostbaren Zett rauben. Bis auf Widersehen!"
„Auf Widersehen!" wiederholte Anton. Der trockene Abschied wurde durch de GrootenS mit einer kühlen Verbeugung beantwortet. Aber als sich die Thür geschloffen hatte, war auch seine Ruhe und Selbstbeherschung dahin und malte sich auf seinem Gesichte eine stille Verzweiflung. Er würde sicher nichts von dem hereinrauschenden Kleide gehört haben, wenn nicht Mevrouw, welche aus der gebogenen Haltung des Mannes vor seinem Schreibputt schloß daß er irgend eine Bureauarbeit nachsah, ihre Ankunft laut angekündigt hätte.
De Grootens sah flüchtig auf und nickte ihr zu.
„Ist das aber ermüdend, dieses Aussuchen und Wählen!" rief Mevrouw aus, auf einen Stuhl niederfallend. „Ach Gott! Aber ich bin ausgezeichnet zufrieden, Mann, ausgezeichnet! Ich habe für Marianne und mich ganz
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Deutsches Reich.
»* Berti«, 4. Febr. Die Eröffnung des Reichstags erfolgt am 6. Februar Nachmittags 2 Uhr im weißen Saale des Schlosses, die Eröffnungsrede wird der Vicepräsident des preußischen Staatsministeriums Camphausen verlesen. — Nach verschiedenen hiesigen Blättern sollen zur Berathung der Stellvertretungs-Vorlage in den beiden Ausschüssen des Bundesraths für Verfassung und Justizwesen die leitenden Minister der Mittelstaaten hier erwartet werden. In unterrichteten Kreisen erwartet man mit Bestimmtheit nur die Ankunft des bayerischen StaatSminifterS von Pfretzschner und zwar Ende dieser Woche, da derselbe über diese Vorlage das Correferat übernommen hat. Anfang nächster Woche dürften dann die Sitzungen der beiden Ausschüsse beginnen, in denen als Vorsitzende im Verfassungsausschuß Staatsminister Hofmann und im Justizausschuß Staatssekretär Friedberg fungiren. Der Herzog!. Braunschweigische Bundesraths-Bevollmächtigte Dr. v. Liebe ist in dieser Sache Referent. Sobald die genannten Ausschüsse ihren Bericht erstattet haben werden, wird die Berathung der Vorlage im Plenum des BundeSraths erfolgen. — Wie wir hören, hat der evangelische Oberkirchenrath aus Anlaß der in letzter Zeit einschreitenden Agitatton der Socialdemokratie zum Massenaustritt aus der Landeskirche einen Strafantrag gegen die Führer der Partei Most, Dmtler und Andere wegen Beleidigung und Beschimpfung der Geistlichkeit der evangelischen Landeskirche bei der hiesigen Staatsanwaltschaft gestellt. — Eine durch viele Blätter gehende Notiz, daß der beurlaubte Minister des Innern Graf Eulenburg gegen den Ablauf seines Urlaubes eine Verlängerung desselben erbitten werde, erledigt sich durch die Thatsache, daß Graf Eulenburg von vornherein keinen Urlaub, sondern seinen Abschied erbeten hat. In unterrichteten Kreisen herrscht kein Zweifel, daß bei Ablauf des Urlaubes die definitive Regelung der Personenfrage im Ministerium des Innern erfolgen wird. — Das Kriegsminifterium hat unter Bezugnahme auf §2 1. der Rekrutirungsordre festgesetzt, daß Stabsoffiziere des Gardekorps dem diesjährigen Aushebungsgeschäft folgender Infanterie-Brigaden: 1, 6, 11, 13, 19, 22, 27, 30, 36, 37, 42, 61 beizuwohnen haben, soweit dasselbe in preußischen Gebietstheileir erfolgt. Ferner ist nach dem Armee-Verordnungsblatt durch Cabinetsordre vom 25. Januar die Entlassung der diesjährigen Reserven spätestens auf den 28. September d. I. festgesetzt, die Einstellung der Rekruten auf die Zeit vom 4. bis 9. November. — Im Anschluß an die Cabinetsordre vom 31. Mai 1877 die JnformativnSkurse für Stabsoffiziere der Infanterie bei der Milttärschießschule in Spandau betreffend ist durch eilte neue Cabinetsordre genehmigt, daß zwei weitere gleichartige
chatten haben.
Waffensüllstand ist abgeschloffen, die Friedensprä- ien sind unterzeichnet, die Conferenz kann zusammen- Die Ruffen stehen in nächster Umgebung von inopel und haben die Linie Tschorlu-Rodosto inne über diese hinausgehen werden, ist eine noch nicht ntwortende Frage. H. T. B. erfährt, Serbien er- H durch den Waffenstillstand der Russen nicht gründ werde aus eigene Faust weiter operiren.
nd beginnt feine Operationen. Aus Pora, 1. wird gemeldet: Baker und Hobart gingen gestern sultan, um ihn für die Vertheidigung Konstantinopel« innen, und verbürgten sich für den Erfolg. Su- hat in Bulair und Tschadaldja 30,000 Mann und t 70,000 Mann zu sammeln. Da der Sultan um jeden Preis will und aus Furcht stets ein i zur Flucht nach Asien bereit hält, so ist er der jeidigung der Hauptstadt abgeneigt. In der Kriegszeigen sich Gelüste, ihn zu enthronen.
Neueste Orient-Nachrichten:
etersburg, 3.Febr. Officiell. Adrianopel, 29. Jan. Strukoff erhielt heute von dem Vicekonsul in die schriftliche Bitte, dorthin zu eilen, um die Stadt
geborgt und das wünschte ich mm zurück zu haben; das ist die ganze Sache!"
„Gut, aber ich habe dir Papiere nicht zur Hand . . . ich werde ste zusammensuchen und den Betrag zusammenzählen."
„Unnöthig, unnöthig!" war die kurze Antwort Karlch „das ist Alles fix und fertig. Hier ist die Aufftellung mit den Schuldscheinen daneben: Am 12. Mäiz 1870 sandte ich Dir 2000 Gulden für die Erziehung Deiner Tochter, den 4. Dtzember 1872 empfingst Du 1000 Gulden für Anton, am 30. Juni 1873 2000 Gulden Vorschuß, ein Wechsel über 2500 Gulden wurde Dir am 14. Januar 1874 gesandt. Einen Monat später schickte ich an Deine Adresse ein Geschenk von 1000 Gulden für Anton. Das macht zusammen 8500 Gulden. Wann ist es Dir gelegen, mir diese Summe zurückzugeben? Ich vermuthe, daß ein derartiges Sümmchen einem Mann, wie Mynheer de Grootens, der auf einem solchm Fuße lebt, große Gesellschaften gibt und das sparsame Ueberlegen nur von Ansehen kennt, keine Sorge machen wird!"
„Gewiß nicht," fügte Anton stichelnd hinzu. „Was sind 8500 Gulden für Jemand, der wohl 20,000 Gulden jährlich verzehrt. Wir hörten das gestern von einem Deiner Mitbürger, der Dich noch dazu in feiner Naivttät ein Musterblld von Solidität nannte."
De Grootens saß auf der Marterbank. Aber seine Bemühungen, sich bett Schein zu geben, als ob ihn die scharfen Spitzen nicht verwundeten, waren bewundernswerth. Ziemlich ruhig antwortete er:
„Ich bin natürlich bereit, Mr die 8500 Gulden zurückzugeben, obgleich ich die Bemerkung machen muß, daß wir das Geld für Mariannens Erziehung immer als ein Geschenk und nie als eine Anleihe von ihrem Onkel betrachtet haben ..."
es meine Schuld?" frag Anton vorwurfsvoll, ^®ein Kompagnon mit dem Gelde nach Amerika ge- ist? War's meiner Faulheit oder Unachtsamkeit igN zu legen'? Niemand wird mir das vorwerfen
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchbandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; L. Schlotte in Bremen
..^^tit hatte Karl auf seine Uhr gesehen und sich hin- und her bewegt.
einmal, Adolf!" sagte er ausstehend, „das ist . Sanz gut und leicht möglich. Darüber wollen wir A nicht ftretten, he? Das sind Gefühlsfragen und j p idj meine Menschen dafür. Es kommt hier aufs tzu ich habe Dir zu verschiedmra Terminen Geld
nimmt entgegen: ttion ».Blatte-, ^Lnnoncen-Bureaur zH. Dietrich & So. in Md Hannover; Th.
,n Frankfurt a.M.; ein & Bögler in
Jem „Berl. Tgbl." geht über die Berachuugen im bezüglich der Stellvertretungsvorlage folgende iiung zu: Von den meisten Regierungen sind schon ende Instructionen an ihre Bevollmächtigten ange- ,und die Zahl derjenigen, welche sich noch nicht erhaben, würde, auch wenn sie einen negativen Stand- Hj einnehmen wollten, nicht mehr im Stande fein, den es s zum Falle zu bringen. Es heißt, daß der Bun- 11 beschließen wird, der Entwurf involvire eine Ver- M ^ysänderang, und deshalb müsse die Bestimmung der l Mung in Anwendung kommen, wonach eine Verfassungs- ech»!li kEg für «bgelehnt gilt, wenn sich 14 Stimmen im hnvk eotirati) dagegen erklären. Aber diese 14 Stimmen l Ha8 >Mhi vorhanden, auch die Verfassungsänderung wird , pwmmen werden. Nur um kein Präjudiz zu schaffen, ienr1 Mi geneigt, bei dieser zweifelhaften Frage die Form M ® rLersassungsänderang zu wählen, und in diesem Sinne W $ ter Entwurf auch abgeändert und umgearbeitet wer- l8 i Dagegen wird anderweit gemeldet: Die Vermuthungen elluH die Stellung des Bundesraths zur Vorlage in Be- [ der Stellvertretung des Reichskanzlers sind ohne Be- l g, da die Mitglieder des Bundesraths größteutheils Regierungen noch keine Instruktion für die Ver
zierung, welches eine neue UnteMchung hinsichtlich der- Schuldverhältniffe anordnet. Gegen den. Kchedive wurde unter heftigen Angriffen die BeschiGiguna erhoben, daß er die Entscheidungen der GcrichtöPse nHt zur Ausführung bringe, obwohl ihm mehr ahS genügende Mittel zu Gebote ständen, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Eine entsprechende Petition soll ah die europäischen Mächte
. gerichtet werden.
Wien, 4.Febr. DaS hiesige „Telegraphen-Correspon- denz-Büreau" meldet: Wie wir vernehmen, ist die formelle Einladung zum Zusammentritte-der Conferenz in Wien gestern von dem Wiener Cabinet an die Cabinette der Pariser Signatarmächte abgesendet worden.
ftab^r^brr Anton, glaube mir," sagte de Grootens, alles um seine Brüder zu überzeugen, „die Kühlhett 5 Empfanges lag mehr in Deiner Einbildung, ganz - Wenn man, so wie Du, in schwierigen Verhältst, und über Geschäftsrückgang zu klagen hat, ist «i^M^^uhmal übertrieben reizbar. Man findet sich be- wenn Andere gar nichts Böses denken. Ein un- ^her Stecknadelstich wird zu einem Säbelhieb!"
Meinl täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonutagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Äh Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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