xiil Jahrgang.
Marburg, Dienstag, 5. Februar 1878
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ytn nimmt entgegen: EÄitiw d.vlatte», Mn«oncen-Bureaur m. Dietrich & To. in Hannover; Th.
^hinK-anlfurta.M.; jflftein & Vogler in Mrt a- M., Berlin, Köln ic.; Rudolf Em Berlin, Frank» furt a. M. k.
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Zur orientalischen Frage.
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duciren; danach sollen Russen und Türken heimlich im Einvernehmen mit einander handeln, um das übrige Europa zu dupiren. Unsererseits wollen wir uns vor Vermuthungen hüten und die Entscheidung lieber abwarten; zu wünschen wäre freilich, daß sie nun bald käme Vorläufig glauben wir daran sesthalten zu müssen, daß, worauf schon neulich hingewiesen wurde, bisher Nichts geschehen ist, was die Zuversicht stören könnte, daß die Auseinandersetzung zwischen Rußland und Oesterreich in dem Geiste erfolgen werde, der nunmehr seit Jahren schon die Beziehungen der beiden Kaisermächte beherrscht. Negulirt sich aber Oesterreich mit Rußland, so ist die größte Gefahr beseitigt.
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Tagesbericht.
Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Meldung verschiedener Zeitungen von einem drei Tage bauernden Zusammentreten des großen Generalstabes in Kassel als total irrthümlich. Es handle sich nur um die alljährlich wiederkehrende Konferenz zur Feststellung der sämmtlichen Milttär- Fahrpläne. Wir überhaupt nie, wohnt Feldmarschall Moltke auch in diesem Jahre dieser Conferenz nicht an.
Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Plenarsitzung unter dem Vorsitz des Staatsministers Hofmann die Gesetzentwürfe wegen Erhebung einer Reichsstempelstmer und den Antrag Preußens wegen erhöhter Besteuerung des Tabaks angenommen. Heber die Vorverhandlungen betr. das Tabakssteuergesetz verlautet nach der „Nat.-Ztg." noch, daß Baden und Baiern eine Herabsetzung des vorgeschlagenen Steuersatzes auf inländischen Tabak von 24 Mark auf 18 Mark beantragt hatten, daß dieser Vorschlag aber namentlich auf den Einspruch Preußens in der Minderheit blieb, weil ein finanzieller Ausfall von 2 Millionen Mark als Folge einer solchen Maßnahme dargestellt wurde.
Der Kultusminister hat mit dem Herzoglich Anhaltischen Staatsministerium zu Dessau ein Uebereinkommen dahin getroffen, daß die im Königreiche Preußen ans Grund der Prüfungs-Ordnung für Lehrerinnen vom 24. April 1874 ausgestellten Befähigungszeugnisse auch in dem Herzogthum Anhalt als gültig anerkannt, somit deren Inhaberinnen zum Schuldienste in diesem Herzogthum zugelassen werden, — und daß diejenigen Schulamtsbewerberinnen, welche auf Grund der von dem Herzoglichen Staatsministerium unter dem 20. December 1877 erlassenen Prüfungs-Ordnung das Zeugniß der Befähigung zu Lehrerinnenstellen an Volksschulen, sowie an mittleren und höheren Mädchenschulen erlangt haben, auch im Königreich Preußen die Anstellungsfähigkeit erhalten.
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Antwort. „Jetzt bricht das Unwetter loS!" dachte der Generalsekretär. „Ich werde zur Verantwortung gerufen. Nun all meinen Muth und Takt zusammen genommen."
Anstatt die Besucher trocken und kühl zu erwarten, lief er ihnen denn auch freundlich entgegen und streckte ihnen sogar beide Hände entgegen, die aber nicht angenommen wurden.
„Wie geht eS Euch, Anton und Karl? Es freut mich, Euch hier zu sehen. Nun können wir den gestörten Fr. . ." ~
Karl ließ ihn den schnell begonnenen Satz nicht vollenden sondern antwortete mit einem finden Kopfnicken in trockenem Tone: ,
„Wir werden Dich nicht lange aufhalten, he? Ich wünschte nur ein paar Worte mit Dir zu sprechen. Ich muß gleich einmal nach Berlin und wollte vorher die zwischen uns schwebenden Geschäfte abmachen. Um alles Uebrige kümmere ich mich nicht; da habe ich meine Menschen dafür. Dann und wann hast Du mir Geld abgeliehen und ich habe es Dir immer treulich geschickt. Ich hatte es ja, erhielt es gemächlich und gab es noch schneller fort. Drei- ober viermal hast Du mir für die Vollendung der Erziehnng Deiner Tochter eine Summe abgefordert, welche Dir gern gesandt wurde."
„Was meine Frau und ich auch gebührend geschätzt haben," entgegnete de GrootenS ruhig und würdevoll. „Du mußt Marianne sehen und beobachten, um Dich davon zu überzeugen, daß sie ihren Votthell daraus gezogen hat. Sie ist ein Mädchen geworden, das sich in den höchsten Kreisen bewegen tarnt"
„Sie ist ein liebliches Kind!" sprach Anton wie zu sich selbst, „sie gleicht ihren Ettern durchaus nicht."
De GrootenS that wohlweislich, als ob er diese Gehässigkeit nicht hörte ober nicht begriff.
jmmtr noch schwebt ein undurchdringliches Dunkel über «Stand der Verhandlungen zwischen Rußland und der Kl. Durfte man bisher annehmen, dieselben seien dem dßuß ganz nahe, weil eine thatsächliche Waffenruhe Hm den Kriegführenden eingetreten war, so kann die ichtigung dieser Annahme zweifelhaft noch immer wer- l Im englischen Parlament haben die Berathungen : tz'rrditforderung begonnen, Forster hat seinen Antrag . iKchtbewilligung vertheidigt, nach ihm nahm der Staats- !g$ Mr des Innern, Croß, das Wort, um die Politik der a j jimmg zu rechtfertigen. Derselbe betonte wiederholt, Z LZ [tüt substantieller, dauernder Friede das Ziel Englands ------ >e Regierung müsse aber unter allen Umständen, und ■i id da die Russen immer weiter vorrückten, auf chrer
Mforderung beharren.
68 wird ferner bekannt, daß das Wiener auswärtige seine Einsprüche gegen die Oesterreich berührenden der Präliminarien geltend gemacht hat; nach der Ztg." ist der Hauptpunkt in dem betreffenden Wender folgende: Alle Bestimmungen, welche die euro- Jnteressen und welche die österreichischen Sonder- berühren, sind, wenngleich zwischen der Türkei A H Rußland vereinbart, für Oesterreich ungültig; deö- alle Bestimmungen eines solchen Separatvertrages Rußland und der Türkei, wodurch bestehende euro- Verträge aufgehoben werden. Eine Aenderung Verträge steht vielmehr nur den alten Vertragenden gemeinschaftlich zu. Umgehende Rückäußerung «beten. Aehnliche Reservationen hat nach den Mit- en über die jüngste diplomatische Correspondenz England gemacht. Bei beiden Kabinetten hat das urger auswärtige Amt bereits beruhigende Erklä- abgegeben. Dasselbe erkennt nach den oorliegenben Hungen barin in bündigster Weise die Berechtigung von Oesterreich entwickelten Standpunktes an, daß der erst bann enbgüttig unb Persekt sein könne, wenn Pa gesprochen habe. Gleichzeitig gibt Gortschakoff zu, , was Oesterreich an ben Kasanlyker Vereinbarungen modificationsbebürftig bezeichnet, auch mobificationsfähig Hier faßt man Rußlands Antwort als eine principielle mmung zu einem europäischen Kongreß auf.
Hoffentlich bewahrheiten sich diese Mittheilungen, und irb wenigstens der Versuch gemacht, eine Vereinbarung eine definitive Lösung der orientalischen Frage unter europäische» Großmächten zu erzielen. Die Lage der je bringt eS indeß mit sich, daß bei der unendlichen Weppung der Entscheidung tausenderlei Gerüchte und thungen entstehe», deren bequemste die „Times" pro-
6m Nesttzmz»er»igm.
Erzählung von Johann Gram.
Verfasser auwrisirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenhölz.
(Fortsetzung.)
Als Willem weg war, sagte de GrootenS voller Ent-
Du solltest Dich schämen, Marianne, mich so zu be- und Dich so weit vergessen! Mit einem Bäckers- auf diesem Fuß zu verkehren! Eine Tochter eines amten, die eine so ausgezeichnete Partie machen u
Marianne war auf einen Stuhl gesunken schluchzte so daß die Vögel draußen davor zu verstummen schienen. »Das hätte ich nie von Dir gedacht!" seufzte de Groo- tief und ließ seine Tochter in ihrer Betrübniß zurück.
Siebentes Sapttel.
Kaum war de GrootenS in seinem Zimmer angelangt, .kr Diener ihm meldete, „daß Mynheers Brüder ihn Sechen verlangten."
• .Der Generalsekretär war gerade in der richtigen Stirn- H- : H diesen Besuch zu empfangen. Unwirsch versetzte er "5 - * Dummkopf: „Ich habe Dir doch ausdrücklich gesagt, ' ich nicht für die beiden Herren zu Hause bin!"
. »3a, Mynheer, das habe ich ihnen auch gesagt, daß
* Nicht für die Herren zu Hause wären, aber darauf hat ker» ’ der Gelbe — wie ich ihn nenne — geantwortet, daß
1 auch am Allerangenehmsten wäre, aber daß die 0«, M Sie jetzt sprechen müßten. Unb sie sahen mich <r, 1° scharf an, Mynheer, daß ..."
S-'*'' »Haß die Herren bann nur herein!" war bie kurze
Der Oberkirchenrath hat das Erkenntniß des Conststo- riums, wonach Hoßdach als Pfarrer der Jacobikirche nicht anzustellen ist, bestätigt, ohne eine Disciplinar-Untersuchung gegen Hoßbach einzuleiten.
Man schreibt der „Polit. Korresp." aus Konstantinopel, 23. Januar: Höchst interessant ist eine Aeußerung, die Prinz Reuß auf die aus einer Soiröe beim Botschafter Layard an ihn gerichtete Anfrage eines Kollegen gethan haben soll. Beftagt, ob er sich darauf gefaßt mache, die Rusfen hier zu sehen, soll Prinz Reuß gesagt haben, daß dies wohl der Fall sei; denn wenn sie nicht als Feinde kommen, werden sie als Freunde kommen. Und in der Thal, wenn Prinz Reuß, wie positiv versichert wird, sich so geäußert hätte, so würde er damit wohl das Richtige angedeutet haben. Die Russen werden, wenn der türkische Widerstand fortgesetzt wird, als Feinde hierher kommen, sie werden, wenn der Friede geschlossen wird, als Freunde hier einrücken, um sich im Bosporus zur Rückkehr nach Rußland einzuschiffen. Die russischen Militär-Autoritäten haben, unabhängig von der eventuellen Befriedigung ihrer Eigenliebe, sanitäre Gründe, um den Einmarsch in Konstantinopel der Pforte als Bedingung aufzuerlegen. Wozu sollten die Russen von Adrianopel den Rückweg über den Balkan, Bulgarien und Rumänien nach Rußland nehmen, wenn es so einfach und naheliegend ist, sich auf der kürzesten Route nach Odessa einzuschiffen. Wie die Dinge heute stehen, ist es nicht einmal allzu gewagt, anzunehmen, baß ber Seetransport ber russischen Truppen vielleicht von ben Panzerschiffen besorgt werben wirb, welche Abbul Aziz mit besonberer Vorliebe in so respektabler Zahl bauen ließ.
Neueste Kriegsnachrichten:
Lonbon, 2. Febr. Die „Morning Post" schreibt: Bis geftern spät Abends habe das auswärtige Amt noch keine Nachricht von der erfolgten Unterzeichnung der Friedensgrundlagen und Waffen-Ruhe gehabt; eö sei jedoch Grund anzunehmen, daß die Bedingungen heute unterzeichnet werden.
London, 2. Febr. Dem Schatzkanzler Northcote wurde gestern eine von 900 der angesehendsten hiesigen Kaufleute und anderen Londoner Geschäststreibenden unterzeichnete Adresse überreicht, worin dieselben ihr Vertrauen in die auswärtige Politik der Regierung aussprechen.
Paris, 2. Febr. Die „Agence Havas" meldet aus Athen vom 1. d.: Die griechische Regierung hat aus Anlaß der Vorgänge in den von Griechen bewohnten türkischen Provinzen befohlen, daß morgen die Armee in der Stärke von 12,000 Mann die Grenze überschritte und Thessalien, EpiruS und Macedonien besetze, um die Ruhe auftecht zu
„In Deinen Briefen," fuhr Karl fort, „gabst Du Dir den Anschein, als ob es Dir nicht besonders ginge. Ich komme in die Heimath, suche Dich auf unb finbe, daß Du ein Leben führst, wie ein Prinz. Das Publikum hält Deine Kasse für gefüllt. Deinen Kopf für ebenso weise, wie den von «Solen, Dein Benehmen für unnachahmlich. In feinem Auge ist die niederländische Bank nicht solider und achtbarer als Deine Person. Ich sandte Dir damals eine Summe Geldes für Anton. Er war zu stolz gewesen, mir fein Unglück mitzutheilen. Ich hatte es aber zufällig erfahren. Da hat man feine Menschen dafür. Unb was ist mit biesem Gelbe geschehen? Du hast ihn gewiß trotz allen Deinen Bemühungen nicht finben können, obschon Du ohne Zweifel alles bazu aufbotest. Von Anton vernehme ich, baß er nie etwas von Dir empfangen hat. Könnte ich wohl einmal erfahren, wie benn bie Gabel eigentlich im Stiel sitzt, he?"
„Das ist sehr einfach," antwortete be GrootenS sofort, ohne sich zu bebenfen, benn er hatte Zeit genug gehabt, um sich aus diese Frage vorzubereiten. „Ich begriff wohl, daß Du das Geld drüben nicht nöthig hattest, sonst würdest Du mir eS nicht so leicht geschickt haben. Und was Anton betrifft — er ist mir nie unter die Augen gekommen; ich hatte also keine Gelegenheit, ihm bie Summe zukommen zu lassen, sonst würbe ich natürlich . . ."
Anton stampfte beim Anhören biefer Vertheidigung vor Ungebulb mit ben Füßen unb frug herausforbernb:
„Unb als ich Dich besuchte?"
„War in dem Augenblick benn Gelegenheit, um über Gelbsachen zu sprechen?
„Gewiß nicht, benn bamalS hattest Du mit Deiner Frau Gemahlin viel zu viel zu thun, um Anton auf eine schlaue Manier wieder fort zu bekommen."
„War baS benn nicht in seinem eigenen Interesse?