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JUarßurg, Sonntag, 3. Februar 1878

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stellung erscheinen zu können, und dann bis zur Herbst­session im November vertagt werden. Am 28. wurde in Lyon der Arbeiterkongreß eröffnet; das Programm enthielt zwar wieder die Forderung der Vertretung des Proletariats im Parlament, ist im Uebrigen aber gemäßigter als man wohl erwartet hatte.

Die laufende Session der spanischen Cortes ist am 28. Januar geschlossen und der Beginn der neuen Sitzungs­periode auf den 15. Februar anberaumt worden.

Die englische Regierung gab Angesichts des Ver­zuges im Abschlüsse deö Waffenstillstandes und in Folge des unausgesetzten Vorrückens der russischen Truppen ihre bisherige zurückhaltende Stellung auf, ertheitte dem in der Levante commandirenden Admiral Hornby Befehl, in die Dardanellen einzulaufen, und kündigte im Parlamente an, daß sie eine Creditforderung von 6 Millionen für mili­tärische Zwecke stellen werde. Veranlaßt durch den an Hornby erlassenen Befehl, reichten die beiden friedfertigeren Mitglieder des Ministeriums, Derby und Carnarvon, ihre Entlassung ein. Die des letzteren wurde angenommen, Derby zog sein Gesuch zurück, nachdem der an die Flotte gegebene Befehl widerrufen war, da inzwischen die russischen Friedms- bedingungen bekannt geworden. Der Widerruf traf die Flotte allerdings erst, nachdem sie bereits in die Darda­nellen eingelaufen war; sie kehrte sofort um, verbleibt aber kreuzend vor der Meerenge. Die Creditforderung ist im Unterhause gestellt, und Northcote hat sie zu einer Ver- trauensfrage für das Cabinet gemacht; in Folge dessen wird die liberale Partei unter der diesmaligen Führung von Forster gegen dieselbe stimmen, doch rechnet die Regierung auf eine Mehrheit von 100 Stimmen. Von einem con- servattvm Mitgliede ist bereits ein Antrag angekündigt, Heer und Flotte zu mobilisiren und in eine sofortige Aktion einzutreten. An Stelle Carnarvon's wird Lord Sandon als Colonial-Minister in das Ministerium treten.

Die verflossene Woche hat uns in der orientalischen Frage mehrere Ueberraschungen gemacht, aber über keinen Punkt vollständige Klarheit gebracht. So das schon er­wähnte Erscheinen der englischen Flotte in den Dardanellen und ihre Rückkehr; sodann die von Schuwaloff in London gemachten Andeutungen über die Friedensbedingungen. In­dessen hat die Unterzeichnung des Waffenstillstandes noch immer nicht stattgefunden, und zwar angeblich, weil die Pforte der Einschiffung russischer Truppen im Hafen von Stambul nicht zustimmen wolle. Die Russen aber sind auf dem Vormarsche gegen die türkische Hauptstadt angeb­lich schon in Lüle-Burgas, Tschorlu und Rodosto angelangt. Mehemed Ali ist von Kirkilissa in südlicher Richtung ab- marschirt und Suleiman Pascha hat tatsächlich auf seinem Rückzug über das Rhodopegebirge die Küste des ägäischen

Meeres erreicht, von wo er den Rest seiner Truppen nach

Konstantinopel einschifft.

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(Fortsetzung.)

$ bin nur ein Bäckerssohn, das weiß ich, aber ist Ft Namen Mols ein Fleckchen zu finden? Ein Ge- Mtär ist gewiß ein noblerer Herr, als ein Bäcker, Pes genau erwogen,' müssen sie beide da sein, und Rillt Deines Papas bekleidet doch auch solche hohe ^zen nicht. Soll unser Glück diesen dummen Stan- Pftheilen aufgeopfert werden? Wir sind beide jung, Lander innig lieb und im Uebrigen steht unserer PUNg nichts im Wege."

Paul und Virginie nicht so aufgeregt, und von ^sdruck des Gespräches weniger beeinflußt gewesen, sie vielleicht die sich nähernden Schritte im Garten chabm. Jetzt wurde aber sogar die Thüre geöffnet, sie es merkten, und gerade als Willem mit voller

^>8ung die letzten leidenschaftlichen Worte aussprach, ^Dtynhcer de Grootens am Eingänge.

ist das?" war Alles, was er herausbrachte. Zorn war so heftig, daß er vom Kopf bis zu dm M>te. Dann warf er Willem einen Blick voll tiefer png zu und kochend vor Bosheit zischte er:Schee- stch noch nicht?"

^ffanne war todtmblaß geworden Mäzenen Augen vor ihrem Vater.

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Pappelallee herumflogen und, ohne auf Standesunterschiede zu achten, einander dir feurigsten Liebeserklärungen machten.

Das flammende Auge van de Grootens richtete sich auf Willem.

Sie erlauben sich, Mynheer, meiner Tochter den Hof zu machm und heimlich in mein Haus zu schleichm!

Was hindert mich ..."

Es ist meine Schuld, Papa", flüsterte sie, währmd reiche Thränen, durch die Sonne in klitzernde Perlen ver­wandelt, über ihre seidene Wange rollten@6 ist meine Schuld. Ich rief ihn!"

Pfui, Marianne!" fiel Willem ihr kräftig in die Rede. Nein, Mynheer, Alles kommt auf meine Schultern, ich bin der Schuldige, ich wollte ..."

Mit einer abweisenden, verächtlichen Geberde schlosi de Grootens ihm dem Mund. P

Ich verlange keine weitere Aufklärung, Mynheer. Enffernen Sie sich, wie Sie gekommen sind und bedenken Sie, daß zwischen der Tochter Mynheer de Grootens und dem Sohne des Bäckers Mols noch ein ettvas größerer Abstand als zwischen einer Gartenmauer und jenem Hause ist. . . ,

Mynheer de Grootens, lasten Sie mich .

Schnell fort, Mynheer!"

Kaum konnte Willem feinen Zorn bezwingen und nur der Blick Mariannens veraiüaßte ihn zu sagen:

Ich werde gehen, Mynheer, ich bin hier auf verbote­nem Terrain, aber die Ausdrücke, die Sie anwendcn, sind unbillig, höchst unbillig. Ein anderes Wort will ich nicht gebrauchen."

De Grootens wies ihm die Thüre:Wenn ich Sie noch einmal finde, werde ich Sie wie ein Dieb ..."

Nun konnte Willem sich nicht mehr bezwingen und wüthend platzte er heraus:

,«frms Geistesgegenwart blieb ihm sich schuldig fühlte.

schwiegen und eine Weile hörte Ditscher der Vögel, die draußen in der glänzenden

Tagesbericht.

Die am 6. d. Mts. stattfindende Eröffnungsfeier des deutschen Reichstages wird, wie wir hören, durch den Kaiser in Person erfolgen. Eingeweihte Personen sind der Mei­nung,^ daß die Thronrede diesmal nicht einen so reinen geschäftsmäßigen Charakter wie diejenige, mit welcher der letzte Reichstag eröffnet wurde, tragen wird, sondern daß dieselbe sich hervorragend mit politischen Fragen beschäftigen wird. Mit der Ausarbeitung derselben ist wiederum wie wir hören, Geheime LegationSrath Bucher beauftragt. Ehe sie in der Ministersitzung zur Feststellung gelangt, wird sie erst nach Varzin zur Begutachtung gesendet werden. Fürst Bismarck wird übrigens so weit jetzt bestimmt ist, erst gegen Ende deS Monats in Berlin eintreffen. Sein Gesundheitszustand ist noch immer nicht derart, daß er an den Arbeiten der Reichsverwaltung vollkommen Antheil nehmen kann. Jedoch hat man die beste Hoffnunq auf völlige Wiederherstellung der Gesundheit.

Vom Kriegsschauplatz mangeln heut wie gestern irgend welche definitive Nachrichten. Gerüchte schwirren in der mannigfaltigsten Form in der Luft, die sick glücklicherweise größtentheils nicht bewahrheiten. An der berliner Börse war sogar gestern das Gerücht verbreitet, Oesterreich wolle Mobil machen. ES entpuppte sich aber bald als eine Ente, welche die Baissepartei hatte schwimmen lassen, um die Er­folge der Hauste, welche die Course hinaufgetrieben hatten, abzuschwächen. Thatsache ist, daß in politischen Kreisen von einer derarttgen Maßregel ebensowenig etwas bekannt ist, als von einem Abschluß des Waffenstillstands. Jeden­falls sind alle Gerüchte, welche über derarttge Maßregeln Seitens des österreichischen Kaiserstaates zu melden wissen, mtt mehr als einfacher Vorsicht aufzunehmen, da in ein- geweihten politischen Kreisen nicht im geringsten etwas be­kannt geworden ist, daß Oesterreich von den in der Drei- ^b*nft$°nfereUä 9Ctr°ffeneu Vereinbarungen abzuweichen

Neueste Kriegsnachrichten:

London, 1. Febr. (Ausführlicher Bericht über die gestnge Oberhaussitzung.) Stanhope stellte die Anfrage, ob die Regierung vom Beschluß des Waffenstillstandes be­nachrichtigt sei oder ob irgend ein Vorschlag betreffs Be­setzung von Konstanünopel durch die Russen ausschließlich oder gemeinsam mit einer andem Großmacht vorliege? Derby bedauerte, die erste Frage verneinen zu müssen;

Die langen vergeblichen Verhandlungen der cislei- ischen Regierung mit der parlamentarischen Mehr­ten das Ergebniß gehabt, welches man schon in der Woche mit ziemlicher Bestimmtheit voraussehen : den Rücktritt des Cabinets »Auersperg. Ungarn vie es scheint, auf seinem früheren Standpunkte stehen die ganze bisherige Grundlage verwerfen und die «schäft des Zoll- und Handelsgebiets kündigen. Ueber llung, welche Graf Andrasty zu den russischen Frie- ingungen einzunehmen gedenkt, sind die verschieden- Ansichten verbreitet.

Die Session des italienischen Parlaments ist am j. geschlossen und der Beginn der neuen auf den 20. »it festgesetzt worden. König Humbert läßt seine Thron- fc|ang dm hervorragendsten der befteuudeten Mächte I besondere Abgesandte mittheilen; er selbst wird binnen sw den größeren Städten in Italien einen Besuch ^Frankreich befestigt sich dieRepublik des Herrn 6* mehr und mehr. Die Budgetverhaudlungen, in ! die Deputirtenkammer am Montag eintrat, wurden öubgetauSschusse so tüchttg vorbereitet, daß die Bewil- fast durchweg ohne Weiterungen erfolgen, so daß &ttat sich nicht über zu späte Vorlage wird beklagen

Das Gesetz über die Amnestie für die Preßver- 1vom 16. Mai bis 14. December" wird int Senat »sichtlich keine Gnade finden. Wenn Alles geht, wie I, erben bie Kammern bis Anfang Mai zusammen um in corpore bei bet Eröffnung ber Weltaus-

Änjeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte«, sowie b.llnnoncen-Sureauf von ® L. Taube 4 Co. in

Die Genesung des Fürsten Bismarck scheint gegen Er- Jerg- M langsam vorwärts zu schreitm, und man macht sich " daß die Reichstags-Eröffnung am 6. Febmar wahr- ohne seine Gegenwart wird erfolgen muff en. Ju­ist am 25. Januar durch ihn im Auftrage des beim deustchen Bundesrathe ein Gesetzentwurf wegen g der Stellvertretung des Reichskanzlers eingegangen, betreffenden Ausschüsse des deutschen Bundesrathes sind « Borberathung des Gesetzentwurfs zur Erhöhung der Steuerung eingetreten, und es scheint bereits sicher, dieselben die Annahme empfehlen werden und daß solche Seitens des Plenums erfolgen wird. Das Herren- ift dem vom Abgeordnetenhause festgestellten Budget en und verhandelte die letzten Tage in zweiter Lc- baS Gesetz über die Gerichtssitze unter Annahme von (tnutgen, so daß ein Zurückgehen an die Abgeordneten big werben wirb. Es wirb sich nicht vermeiben , daß Reichstag unb Landtag nach dem 6. Februar einige Tage neben einander arbeiten müssen.

. Erzählung von Johann Gram.

. Pfeffer autor rte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.

Wie einen Dieb mich?"

Vater, Vater!" schmeichelte Marianne.

Man bringt nicht so mir nichts bir nichts in Je- Eudes Haus ein! Merken Sie sich bas für bie Zukunft,

Geh', Willem, geh'," bettelte bas arme Kinb, ihn mit ber Haub fortbrängenb.

Unb er ging, wenn man auch auf seinem Gesichte lesen konnte, welche Ueberwinbung es ihn kostete.

Er verschwand hinter ben Blumensträuchen unb befanb sich einen Augenblick danach wieder in dem Garten Felmans.

(Fortsetzung fol.-.t)

Die seltsamen Spanier.

Vor etwa 30 Jahren lebte ein hessischer Candidat der Theologie als Erzieher in einer Familie, welche ihren Wohnsitz in dem Badeort Ems hatte. Dieses Bad ist bekanntlich die Heilquelle für brustkranke Personen, und so kam auch ein Pfarrer Namens Stein, bet im Kreise V^tzlar angestellt war, währenb ber Sommermonate nach G>us, um bort Heilung ober wenigstens Kräftigung zu fiuben. Mit biesem würbe unser Kandibat auf einem Morgenspaziergang, ben er in ben schönen Babe-Alleen machte, bekannt,unb beide schloßen sich mit jedem Tage naher an einander an. Einst unternahmen sie auf einen ganzen Tag einen Ausflug nach dem Städtchen Ober- lahnstein, welches nur wenige Stunden von Em« ent­fernt ist unb eilte reizende Lage zwischen Rhein und Lahn und in der Mitte zweier herrlichen Burgen hat. Dort kehrten sie im besten Gasthof ein unb ließen es sich an ber von munteren Gästen besetzten Mittagstafel gut schmecken. Plötzlich traten drei bis vier Frembe mit vie-

Geräusch in das Speisezimmer ein, machten viele Bestellungen in Betreff der Speisen und Getränke

tfigen nimmt entgegen: UpedMon d.»latte«, MdÄnnoncen-Bureaux lf 1 ,Ä>. Dietrich <& Co. in 11 fl chl Md Hannover; Th. * pj, in Frankfurt aM.;

etnftein & Vogler in ean«: efrrt a. M., Berlin, ttt» eie, Cöln rc.; Rudolf

Frankfurt a. M.; Jägerttche

Buchhandlung daselbst;

Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; C. Schlotte in __________, ___________________ ____________________ ____________ _____________________ - Bremen

srscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae annnfannbutf« k;. «... .

Buchdruck.rei, bezogen 21 Mark durch die Postämter des Datsche!. Reiches 2 & T*

in der Expedition zu ettbetlenbe Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.