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Marburg, Sonnabend, 2. Februar 1878

xni Jahrgang.

scheint es doch kaum möglich, daß im letzten Augenblick Rußland, wenn es auch militärisch noch so große Erfolge errungen hat und tatsächlich Gebieter der Situation ist, Oesterreich in das englische Lager treiben und dadurch Cmnplicationen von unberechenbarer Tragweite Hervorrufen sollte. ES würde damit die ganze Politik des letzten Jahres dementirt werden, und am Ende eines so opfervollen Krieges wird sich die russische Diplomatie wohl zehnmal besinnen, bevor sie einen so verhängnißvollen Entschluß faßt. Nach Allem, was bisher in den äußeren Vorgängen sich von dem politischen Verhältnisse Oesterreichs zu Rußland offen­bart hat, muß vielmehr angenommen werden, daß in der That bezüglich der österreichischen „Interessen" ein Ein- verständniß lange schon vorhanden ist. Und daß Rußland auf die inneren Schwierigkeiten, in denen sich die habs­burgische Monarchie befindet, speculiren sollte, können eben nur Thoren annehmen, da die Ungarn um den Preis eines Krieges gegen das verhaßte Zarenreich in ihren Ausgleichs- fordemngen sofort nachgeben würden. Alles in Allem halten wir es daher für Schwarzmalerei, wenn gewisse Preßorgane, deren Leiter nun einmal kriegsbedürftig sind und gern eine diplomatische Miene aufstecken, der Welt verkünden, daß die Dinge im Orient am Ende der Frie­densverhandlungen, am Anfang einer neuen blutigeren Phase angekommen seien.

»IblhtlWli für die Monate Februar IHUUHJJHI und MSrz auf die Derhesstsche Zeitung und deren Gratisbeilage

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Die Exp. d. Oberh. Zeit.

Ei« gtefide«z»er»igk«.

Erzählung von Johann Gram.

^tfaffer autorisirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.

(Fortsetzung.) .

Mr hörte das Lied des Verschworenen auf und 6(ui der Sande ging mit demselben Lächeln fort, wo- ' gekommen war. Unter dem Arm aber trug er das ^ene Siegeszeichen, welches er unten dem Ausläufer den er zu diesem Zwecke bestellt hatte. Er schien Mr Sache doch ziemlich gewiß gewesen zu sein. M der Treppe begegnete er dem jungen Mols, mit ? «n paar Worte wechselte, ohne indeß über sein & sprechen.

lief in das Atelier. Er fand Felman in keiner Men Stimmung. Dieser sah nun ein, daß er sich der Sande überrumpeln lassen hatte, und daß ^verständiger gewesen wäre, die Arbeit, wie miß- lu auch in seinen Augen erscheinen mochte, zu be- sie für einen Apfel und ein Stück Brod fort- Doch gethan ist gethan. Es war geschehen und W rückgängig zu machen.

'M van der Sande ein Gemälde von Dir gekauft?" 'gebettelt, leider!"

'^drr Bettler weist man kurz ab."

^r^gibt ihnen das Gefragte, um sie vom Leibe zu schwacher Mann! Ich würde den süßen Schleicher ^es Anderen belehrt haben. Der Tausend! Die ^da werden schön! — Darf ich einmal im Neben- Kachschen, ob die Signalflagge weht?"

.nur Willem; Dein Kompliment über die schönen ' Mtze ich aber nun nach feinem vollen Werth."

Kschiinl täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtetz SvnntaaSblatt" durch die Ervedition <«°ck's-be Buchdruckeret) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lexcl. Bestellgebühr!. — Jnsertionsgebühr für die gespaliene Zeile 10 fift

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pfg. berechnet

tu nimmt entgegen: zedttio« d.Blattes, .Ännoncen-Bureau

Dietrich & Co. ii unb Hannover; Th hin Frankfurt a M. ijtein & Vogler ii «t a. M., Berlin ; Köln ic.; Rudol, . in Berlin, Frank- Hut a. M- ic.

Die politische Lage im Orient.

ine officielle Bestätigung des Abschlusses des Waffen- nbeS zwischen Rußland und der Türkei liegt bis zur e immer noch nicht vor; am 28. Abends und am toben die Vertreter der englischeri Regierung vor dem bient die Erklärung abgegeben, daß auch sie Nichts &tm effektiven Abschluß des Waffenstillstandes wissen, efficiellen Aeußerungen derselben über die Präliminar- gungen enchalten Neues von Bedeutung nicht, sie igen aber, daß doch Fragen in Rede stehen, welche t neuer Verwickelungen in reichem Maße in sich i Und zwar betreffen diese Fragen in erster Linie sowohl England, als vielmehr Oesterreich. Im Un- ch ist die englische Regierung interpellier worden dm Bestand des Dreikaiserbündnisses und etwaige Gärungen der Mächte bezüglich der Orientfrage. Schatzkanzler erklärte darauf, „es sei ihm nichts von ^Einvernehmen zwischen Rußland, Oesterreich und "sland zu dem Zwecke eines Schutz- und Trutzbünd- behufs Thellung der Türkei bekannt. Er habe in- betreffs einer dieser drei Mächte mindestens starken die Wahrheit dieser Nachricht zu bezweifeln. Die it Wochen ober Monate würden wahrscheinlich zeigen, t Mächte zusammen oder separat handeln." — Die i Wochen oder Monate! Man sieht, daß sanguinische Rgen auf einen baldigen Abschluß des Friedens : wären. Es liegen Nachrichten aus Wien vor, den Anspruch erheben, aus vorzüglichen Informationen ahen. Stach denselben soll Graf Andrassy unum- i erklärt haben, daß er mit einigen Punkten der i Rußland und der Türkei vereinbarten Prälimi- durchaus nicht einverstanden sei. Es will uns be- , daß Oesterreich vollberechtigt ist, z. B. die Ab- >g des geographischen Begriffs „Bulgarien" nicht in Zuthun stattfinden zu lassen und daß nicht etwa »pel mit in denselben gezogen werde. Indessen

nisters Falk ein. — Aber wenn mit diesem Standtpunkte auszukommen wäre, so hätte ja Herrmann bleiben können, wozu den da der Wechsel?

Der deutsche Handelstag veranstaltet bekauullich Er­hebungen über den Einfluß der Gefangenenarbeit in den Strafanstalten auf die freien Gewerbe. Da die Ergebnisse der Enquete für das Ministerium des Innern voraus­sichtlich von Wichtigkeit sein werden, ist auf Veranlaffung des Staatsministers Dr. Friedenthal mit dem Handelstage die Vereinbarung getroffen, daß nach dem Abschlüsse der Ermittelungen sich der Minister bei den Berathungen durch einen Kommissar ins beseitigt. Wir dürfen demnach hoffen, daß die erwähnte Frage, welche bei den alljährlichen EtatS- berathungen sowie in den Petitionsberichten regelmäßig wieder aufzutaucken pflegt, durch das Unternehmen des Handelstages wesentlich gefördert werden wird.

In Berlin starb am 31. Januar früh der Chef-Prä­sident des ObertribunalS, ehemaliger Staatsminister von Uhden, im achtzigsten Lebensjahre.

Ueber die Lösung der österreichischen Ministerkrisis läßt sich eine begründete Vermuthung noch nicht aufstellen. Der Stand der Dinge soll jetzt folgender fein: Tisza wird beim Parlament alle in der letzten gemeinschaftlichen Ministerkonferenz vereinbarten Ausgleichspunkte durchsetzen dann der Krone erklären, daß er mit Oesterreich über diese Vereinbarung nur als unabänderliches Ganzes ver­handeln könne. Da in Cisleithanien kein Cabinet möglich ist, welches diesen Ausgleich annimmt, wird Ungarn auf seinem früheren Standpunkt stehen bleiben, die ganze bis­herige Grundlage verwerfen und die Gemeinschaft des Zoll- und Handelsgebiets kündigen. Hierauf ist Cislei- chamen gefaßt. Die erste Folge wird die Aufhebung des Bankstatuts fein. Auch in diesem Falle ist die Widerein­setzung des Kabinets Auersperg nicht unmöglich; vielleicht erfolgt sie mit Kellersperg. In Wiener Abgeordnetenkreisen macht man sich auf eine mindestens achttägige Dauer des gegenwärtigen unsicheren Zustandes gefaßt. Angeblich sollen die Obmänner sämmtlicher Parteien berufen werden, um dem Kaiser über die Situattou zu berichten.

Aus Zimnitza, 24. Januar schreibt man der Polit. Korr.: Ueber die Vorbereitungen, welche türkischerseits getroffen werden, um einem eventuellen Vormarsch der Russen auf Konstantinopel zu begegnen, ist man russischer­seits ganz genau informirt Dieselben sind zwar nicht ge­eignet, den russischen Vormarsch lange aufzuhalten, aber dennoch bedeutend genug, um einen ähnlichen Vorstoß, wie sich fürchtete, mit Willem dahin zu gehen, wußte sie doch im Augenblick keinen besseren Rath.

Schneller, als man drei zählen konnte, waren Beide drinnen und Jedermanns Ange entzogen.

„Papa und Mama sind ans, wie Marianne?" „Ja, Thunichtgut! Mama ist nach der Modistin . „Das sind drei Stunden Urlaub!"

„Und Papa ist nach seinem Bureau!"

„Das ist ein schlechterer Magnet. Da gebe ich keine Stunde dafür. Ich habe Dir auch nur ein paar Worte zu sagen, Marianne!"

„Du Waghals!" Und ein reizender Zeigefinger wurde wie bestrafend leicht aufgehoben, aber nur flüchtig, denn der Bedrohte ergriff das zarte Händchen und drückte es so innig an seine Lippen, daß die Geliebte nicht bös werden konnte.

Hätte Felman das Pärchen so gesehen, halb versteckt- unter dem Schatten einiger Palmen, die in dem Garten- Häuschen aufbewahrt wurden, während die Sonne mit ihrem goldenen Scepter das ganze beherrschte, er würde in der ansprechenden Gruppe entschiedm einen modernen Paul und Virginie entdeckt haben.

„Was möchte man für Dich nicht wagen, liebste Ma­rianne! Ich bin so ftoh, daß ich Dir einmal ein Wört­chen zuflüstern kann. Wann werden wir wohl nicht mehr nöthig haben, das so int Geheimen zu thun?"

„Wann? Ach, lieber Willem, die Zukunft ist düster für uns. Papa und Mama werden nicht leicht ihre Zu­stimmung geben, weil. . ."

„Weil?" —,

Marianne konnte das Wort nicht herausbringen, sie sah Willem mit ihren aufrichtigen blauen Augen flehend an, schlug dieselben dann zur Erde und murmelte:

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Buüttei, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. D-ube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'! che Buchdandiung daselbst; Hermann'fch« Buchbondl ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; C Schlotte in

Bremen.

Tagesbericht.

Es besteht die Hoffnung, daß das soeben im Herren­hause erledigte Gesetz über die Landgerichte und Oberlan- deSgerichte vom Abgeordnetenhause erledigt werden wird, ohne eine materielle Berathung zu veranlassen. Die vom Herrenhause beschlossenen Abweichungen reduziren sich aus einige Punkte, mit denen sich das Abgeordnetenhaus ein­verstanden erklären wird. -1"

Das Abgeordnetenhaus wird sich am 9. Februar wahr­scheinlich auf drei Wochen vertagen, um die Justizcommis- sion des Herrenhauses das Gerichtsorganisationsgesetz be- rathen zu lassen. Die Regierung scheint damit, wie aus der gestrigen „Prov.-Corresp." hervorgeht, einverstanden zu sein, so daß also eine eigentliche Frühjahrssession nicht in Aussicht genommen wäre.

Wie die „Magdb. Ztg." hört, gewinnt es an Wahr­scheinlichkeit, daß der Präsident des Königsberger Consisto- riums, Herr Ballhorn, zum Präsidenten des Oberkirchen­raths berufen werde. DaS Blatt rühmt von ihm, er fei ein „ausgezeichneter Jurist" und nehme ganz den kirchen- politischen Standpunkt des Herrn Herrmann und des Mi-

Willem hörte schon nichts mehr. Er stattd im Neben­zimmer und schaute mit frohem Gesicht nach der ausge­hängten Signalflagge, einem Taschentuch von Marianne, das aus einem Fenster ihres Zimmers flatterte. Marianne stand an dem anderen offenen Fenster und als sie Willem gewahrte, machte sie eine Pantomime, die dem jungen Manne vollkommen erklärlich schien, denn er nickte lustig und war im Augenblick unten. Ohne Felman etwas Wei­teres mitzutheilen — denn Verliebte sind bekanntlich nicht allein, egoistische, sondern auch sehr ungesellige Geschöpfe — stürmte er durch das Hinterzimmer unb war im Hand­umdrehen über verschiedene Seilentreppeu im Garten von Felman's Wohnung. Flink wie ein Reh spähte er zuerst nach rechts unb links, ob Niemand ihn beobachte. Kein L-terblicher war so unbescheiden und frevelhaft, Gott Amor in die Quere zu kommen, und der unternehmende, gewalt- thätige Ingenieur schwang sich mit Studentenflinkheit empor, schlug das rechte Bein über den Zaun, ließ das linke rasch nachfolgen und — nach einem gewandten Sprung stand er in dem Garten von de Grootens.

Marianne, die so etwas nicht erwartet hatte, schlug die Hände zusammen, als sie herunteriam und Willems Luft­sprung in das Resedabett entdeckte. Kaum konnte sie einen Schrei des Schreckens und des Erstaunens unterdrücken. Wenn die Dienstboten es nur nicht gesehen hatten!

„Willem, Willem, wie unvorsichtig! Wie kannst Du nut so etwas thun!"

„Liebste Marianne, ich mußte Dich sprechen!"

„Wo soll ich Dich nun verbergen?"

„Niemand wird uns sehen. Sei nur ruhig. Ist das Gartenhäuschen auf?"

Das am Ende des Gartens gelegene Häuschen bot einen ausgezeichneten Zufluchtsort, und obschon Marianne