Marburg, Freitag, 1. Februar 1878
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Erzählung von Johann Gram.
Folge eines Spezialfalles hat der Finanzminister instimmung mit dem Justizminister dahin verfügt, it Austastung, nach welcher angenommen wird, daß tau Erlasse des Stempelgesetzes vom 26. März 1873
und deren Gratisbeilage
striktes Sonntagsblatt alle Pg»fta«stalte» und auf dem Lande VpoftVvte«) entgegen.
möge sich über das wirkliche Verhältniß der Geburten zu den Taufen, wie der bürgerlichen zu den kirchlichen Trauungen in der Gemeinde völlig klar werden, und, wo eine Vernachlässigung der kirchlichen Pflichten stattgefunden hat, mögen die Geistlichen mit dem Kirchenvorstande über die Mittel zur Abhülse dieses dringenden NothstandeS in Be- rathung treten.
Ölung vertreten auch ferner der Stempelpflicht und deshalb zu solchen Protokollen der Protokollstempel Mk. verwendet werden, wenn auch der für das ete Geschäft zu berechnende Werthstempel geringer rde.
Königlichen Conststorien ist von maßgebender Stelle ng zugegangen, darauf hinzuwirken, daß die Theil- der Gemeindeglieder an dm kirchlichen Handlungen als thunlich angeregt werde. Jeder Kirchenvorstand
)Jn der Atalerjprache die Staffelei.
Anmerk. deS Uebers.
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llnlhttinmt für die Monate Nebrrrar lituuujjcu und Mürz auf die
nimmt entgegen: Kbttion d.Blatte», Snnoncen-iButeaui
Dietrich & Co. in u>«d Hannover; Th.
Frankfurt a.M.; «Kein & Logier in jgt a. M., Berlin, L, Köln ic.; Rudolf r« Berlin, Frank» rfnrt a. M. k.
itationsprotokolle, welche die Stelle eines Pachtver- k vrrtteten, nicht mchr der Protokollstempel, svndem ta tarifmäßige Stempel von Vs u'o zu vettvenden sei, '"?Ä.«rthümliche sei. Nach dem §. 2 des Gesetzes vom 11;- 1873 ist — wie der Finanzminister ausführt
Protokollstempel nicht allgemein aufgehvbm, son- wr in soweit, als die im §. 2 unter Nr. 3 erwähn- ..^.»nahmen nicht zutreffen. Nach diesen Ausnahmen „Wegen aber Protokolle, welche die Stelle einer nach iter Besttmmung der Ltempeltarife steuerpflichtigen
Dem König Humbert von Italien ist die Ehre zu Theil geworden, vom französischen dritten Zuavenregiment zum Korporal nominirt zu werden. Derselben Auszeichnung hat sich auch der verstorbene König Victor Emanuel zu erfreuen gehabt; er war von demselben Regimente auf dem Schlachtfelde von Palestro zum Korporal ernannt worden. Regelmäßig beim Appell wurde der Name „caporal Victor Emanuel" aufgerufen, worauf bann der älteste Soldat zu antworten pflegte: „absent parcongel" (Im Urlaub abwesend.)
Die offizielle Nachricht von der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien und dem Abschluß des Waffenstillstands ist auch heute noch nicht eingetroffen. Die Prov. Corr, erklärt die Verzögerung des Abschlusses des Waffenstillstandes damtt, daß dabei vorzugsweise Anstände in Bezug auf die militärischen Vorbedingungen für den Waffenstillstand obzuwalten scheinen. — Statt dessen empfangen wir von St. Petersburg noch einzelne Mittheilungen über Kämpfe des Generals Zimmermann in der Dobrudfcha, über den gewöhnlich dann Berichte erfolgen, wenn die Hauptoperationsarmee zu weiteren Operationen aufmar- schirt, was jedenfalls jetzt in der Nähe von Adrianopel vor sich geht, auch wenn der Abschluß des Waffenstillstandes unmittelbar vor der Thür stehen sollte. — Inzwischen verlautet in österreichschen Blättern von einer Note Oesterreichs an Rußland bezüglich der Friedensbedingungen. Die Presse schreibt: „Unter allen Umständen können die Stipulationen, wie. sie immer lauten für die Türkei bindend sein, für die anderen Mächte haben sie blos den Charakter eines Vorschlages, über den sie sich nicht blos frei äußern, den sie auch in ihrem Sinne mo- difiziren können. Dem europäischen Kongresse ist in dieser Hinsicht nicht präjudizirt, wenigstens formell nicht, wenn auch die zwischen der Türkei und Rußland getroffenen Ab- machnngAr immerhin schon ihre Bedeutung haben als Grundlage der eventuellen Kongreßverhandlungen. Oesterreich-Ungarn „muß insbesondere Werth darauf legen, daß ihm bezüglich des Maßes der den Serben und Montene- grinern zu gewährenden Grenzberichtigung die entscheidende (Stimmt gewahrt bleibe, daß seine Forderung der Neutta- lisation der unteren Donau berücksichtigt werde und daß einstimmig verurtheilte, günstig ausgelaffen, so würde sein Kunstnrtheil und mit ihm sein bekannter Sammelruf leicht einen Stoß erhalten haben. Wohlweislich lehnte er daher ein bestimmtes Urtheil meist mit einer ausweichenden farblosen Redensart von sich ab, es sei denn, daß er vorher die Meinung von Kunstautoritäten gehört hatte und mit Selbstgenugthuung sagen konnte: „Ich weiß mich mit Diesem ober Jenem vollkommen ein«."
„Darf ich es ans dem Fegfeuer erlösen?" frag Mynheer van ber Sande so sanft, als ob er in einem Krankenzimmer wäre.
„Möchten Sie es sehen!"
„Sehr gern."
Felman dachte an Jujubes, so süß war 'seine Stimme.
„Dann will ich das Ding holen."
Einen Augenblick später kam er damit zurück, setzte eS auf die Staffelei und lief kopfschüttelnd nach dem Hintergrund, um das verstoßene Kind wieder einmal zu betrachten.
Mynheer van der Sande schob einen ber hohen Stühle vor ben Esel*), setzte seine Brille auf, legte bie Hände auf seine Kniee und widmete sich in dieser egyptischen Haltung der Betrachtung des Gemäldes.
Der Parterrebewohner dachte wahrscheinlich, daß eine musikalische Begleitung zu dieser Scene willkommen sein würde und begann sein Air „quand on conspire“ so laut und deutlich, daß der Kunstbeschauer bei den ersten Tönen sich umsah, als ob das (Spielen neben ihm geschähe.
„Meine Frau,, wissen Sie, schwärmt so für Sonnenuntergänge" , sagte der Besucher, ohne seine Stellung zu verändern.
,. FW Mafftr autorifirte Uebertragung ans dem Holländischen l- von Joseph Schrattenholz.
(Fortsetzung.)
p dachte nicht daran, daß, wenn man feint eigenen einschlägt, Andere wenig geneigt sind, das Hans ^vollkommenes zu rühmen, sondern im Gegentheil, Ft eigenen Beispiele folgend, leicht das Ganze ab- £• Statt seine eigenen Werke zu verherrlichen — sanier, worin er bei vielen seiner Kunstbrüder jeden Unterricht erhalten konnte — bewies er im
B von Anderen so wenig Eingenommenheit dafür, p* Einigen das Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit Mwächt wurde. Da er selbst den strengsten Kri- l^ner Schöpfungen spielte, glaubten Andere es mit aperem Rechte lhun zu können. Das ehrliche Künst- rjö) von Felman dachte nicht im Entferntesten an Wahrheit des deutschen Sprüchwortes: „Wer
A selbst nichts macht, wird auSgelacht." Kurzum, Lotste Künstler hielt leider den Respekt vor seinem §nicht genug aufrecht.
Scheer van der Sande, ber Kunstliebhaber, wußte verstand es sehr gut, den geeigneten Augenblick um Vortheile daraus zu ziehen. Wenn er von ^nstbrüdera hörte, daß Felman wieder irgend eix sendet hatte, was schön gerathen war, spazierte er Atelier und suchte es in seinen Besitz zu bringen, r* Sande lobte stets wenig, in erster Linie darum, nach seiner Meinung leicht den Kaufpreis erhöhte, schlich aber aus Vorsichtigkeit. Hätte er sich einmal ^rnd ein Gemälde, welche« die Malergilde später
Bnjeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen»Bureaux von @. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.
T«gesbericht.
Ü. &f Grand des Reichsgesetzes vom 4. Mai 1874, beit bie Verhinderung ber unbefugten Ausübung von lmämtern ist gegenwärtig 27 katholischen Geistlichen ber chatt in der Provinz Posen definitiv untersagt worden.
>uchhii>! Newohnern der Provinz sind die Namen derselben Bit gegeben und dieselben aufgefordert worden, bei Ver- i mg der gesetzlichen Strafe der Ortspolizeibehörde so- «L Anzeige zu machen, wenn einer der Ausgewiesenen, IhL i diese Aufenthaltsbeschränkung gegen ihn aufgehoben, unb i fr® Aufenthalt suchen sollte.
was die Hauptsache ist, in Bulgarien nicht Zustände geschaffen werden, welche den rassischen Einfluß daselbst dauernd oder auch nur für einen längeren Zeitraum etabliren. Graf Andrassy dürfte Gelegenheit nehmen, seine Auffassung über diese Verhältnisse durch eine besondere Note in Petersburg zur Kenutniß zu bringen."
Neueste Kriegsnachrichten:
London, 30. Jan. Aus ber bem Parlament mitge- cheitten neuesten biplomatischen Corresponbenz ist Folgenbes hervorzuheben: Layard machte am 25. Januar Derby bie Mittheilung, bie Friedens-Bedingungen tarnen ber Vernichtung bes türkischen Reiches in Europa gleich. — Eine Depesche Gortschakoffs an ben hiesigen russischen Botschafter Schnwaloff vom 24. Januar besagt: Nach eingegangenen Berichten würben türkische Trappen nach Gallipoli birigirt, gleichwohl habe ber Kaiser ben Großfürsten Nikolaus angewiesen, nach dieser Richtung hin ein Beobachtungscorps vorzusenden, aber nicht bis Gallipoli vorzurücken. Rußland sei daher nickt nur seinen Intentionen treu geblieben, sondern habe noch mehr gethan, wenn wirklich türkische reguläre Trappen sich in Gallipoli befinden sollten. — Ein Memorandum Derby's an Schnwaloff vom 13. ds. hebt hervor, daß die Vermeidung einer auch nur temporären Besetzung von Konstantinopel Wünschenswerth sei, und drückte die Hoffnung aus, Rußland werde, um jede «Störung ber guten Beziehungen zu vermeiden, keinen Versuch machen, Konstantinopel unb bie Darbanellen - Straße zu besetzen; anberafalls behalte sich Englanb alle zum Schutz seiner Interessen nothwenbigen Schritte vor. Gort- schakoff antwortete hierauf, ber Kaiser intenbire jetzt so wenig wie vor bem Kriege bie Besitzergreifung Konstantinopels. Der Kaiser behalte sich aber volle Aktionsfreiheit vor, welche bas Recht eines jeden Kriegführenden sei.
London, 30. Jan. In Sheffield wurde ein Meeting Unberufen, um das Parlament zur Ablehnung des Supple- mentar-Crcdits aufzufordern. Dasselbe beschloß jedoch im Gegentheil, dem Cabinet fein volles Vertrauen auszudrücken.
London, 30. Jan. In Parlaments-Kreisen nimmt man an, daß die Debatte über die Credit-Forderung etwa vier Abende in Anspruch nehmen werde. Das Amendement Förster'« gegen die Credit-Forderung ist eingebracht worden, um Hartington, dem Führer der Opposition im Unterhause, zu ermöglichen, am Schluß der Debatte da« Wort zu ergreifen.
Petersburg, 30. Jan. Ein offizielles Telegramm des'Generals Zimmermann aus Medschidje vom 28. ds. berichtet über dessen Kämpfe gegen die Besatzung von Bajardschik, bis zu dessen Befestigungen die Russen vordrangen. Die Wege find in Folge des Thauwetters grundlos und der Proviant-Transport deshalb sehr schwierig zu
„Es ist ein poetischer Ausdruck in der Natur, aber der (Sonnenuntergang auf der Haide war so überwältigend schön, so großartig, daß man in Anbetung vor ihm hätte niebertnien können."
„Wo liegt bie Haide Mynheer Felmann?"
„Das ist mein Geheirnniß, Mynheer van der Sande. Ich habe die malerische Gegend entdeckt nnd gedenke, wie ein Robinson Crusoe unter den Malern, darin zu leben. Es ist mein Kalifornien! Ich schweige darüber, als ob es eine Goldmine wäre, denn die Haide und bas nahelie- genbe Dorf finb mir beinahe gleich viel werth."
„Meine Frau," wissen Sie, schwärmt nun einmal so für (Sonnenuntergänge . . ."
„Die Einsamkeit ber Haide mit bem herrlichen Lufteffect war ein Gedicht. Und dann die einzelne Frauenfigur auf dem Pfade, deren Umrisse sich düster von dem Hügel abzeichneten . . . majestätisch, großartig!"
Felmann'« Augen waren nun beinahe ganz geschloffen und seine ausgestreckte rechte Hand machte allerlei Bewegungen, als ob sie das Schauspiel zeichnen wollte.
Es machte einen unbeschreiblichen Eindruck auf mich, und als ich nach Hause kam, habe ich meine Gedanken sogleich auf die Leinwand geworfen. Und was ist aus dieser seelenentzückenden Vision geworden? Eine Skizze, ein Versuch, aber ebenso verschieden von der imposanten Wirklichkeit, wie ein Löwe im Museum zu Leyden von einem lebenden in ber Wüste! Die anbetungswürdige Natur!
Mit ausgestreckten Händen blieb der erregte Künstler stehen, als ob er eine Erscheinung sähe; daraus fuhr er heftig mit den Händen durch die Haare, so daß diese vor Schrecken aufrecht stehen blieben, unb schüttelte wiederholt den Kopf.
Es würde gerade so etwas für meine Frau sein; sft
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-scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wvchentlichen Beilage „JlustrirteS ConntagHlatt“ durch die Expedition (Koch'sche Buchdrulkerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf, sexcl. Bestellgebühr). — LnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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