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Marburg, Mittwoch, 30. Januar 1878.

xiil Jahrgang

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(Fortsetzung.)

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Erzählung von Johann Gram.

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Die Stellvertretung des Reichskanzlers.

Der Gesetzentwurf zur Errichtung von Stellvertretungen den Reichskanzler ist nunmehr erschienen und hat fol- n Worllaut:

»So--hat sie das? Schr schmeichelhaft für mich.

* ijt eine Ehre für Chopin, durch so liebe Händchen dolmetscht zu werden."

^Sie sind wirklich allzu liebenswürdig. Aber die Sym- Me ist gegenseitig. Wenn Mynheer van Gaalderen könnte, wie man sich hinter seinem Rücken über ihn würde ich befürchten, daß seine Eigenliebe es

Uns will es scheinen, als würde dadurch die Unklar­heit und constitutionelle Unregelmäßigkeit der Reichsver­fassung nur noch vermehrt, und die über kurz oder lang doch unvermeidliche Reform de» BundesratheS dadurch nur hinauSgeschoben. Auf die Dauer werden selbstständige Reichsämter und der BundeSrath schwerlich neben einander bestehen können. Am richtigsten und klarsten würde eS unS erscheinen, wenn man den Bundesrath in ein Ober­haus oder Staatenhaus verwandelte und dem Kaiser die Rechte beilegte, welche in constitutionellen Staten die Krone den Parlamenten gegenüber hat, und dann zwischen Kaiser und Parlament ein Reichsministerium mit dem Kanzler an der Spitze errichtete. Ob freilich dazu die Zustimmung aller Bundesstaaten zu erlangen wäre, wissen wir nicht; aber vielleicht wäre es jetzt noch eher zu erreichen, als nach einer Reihe von Jahren. Wir finden es begreif­lich, wenn die Regierung, um überhaupt zu einem Ziele zu gelangen, ihrer Vorlage die Form gab, von welcher sie annahm, daß sie am leichtesten Anklang finden würde; aber Sache des BundesratheS oder Reichstages würde es sein, daß aus seiner Mitte, wenn auch nur versuchsweise, ein solcher Antrag auf Reform des Bundesraths zu dem Ent­würfe der Regierung gestellt würde.

entweder ausländische Reisen, wovon sie nie zurückkehren, oder lassen sich damit in Spekulattonen ein, welche, sonder­bar genug sie selbst zu Truchühnern machen und die Dar­leiher zu gerupften Hühnern. Sie hat also ihr Kapital zurückgefordert und"

Doch gehörig nachgezählt, denn das scheint gegenwärttg nicht überflüssig zu sein."

Run nannte ich ihr gestern Ihren Namen und machte ihr den Vorschlag, Sie zu bitten, das Kapitälchen zu administriren. Ich weiß, daß Sie schon häufiger die Güte gehabt haben, eine solche Verpflichtung zu übernehmen. ES würde meiner Tante unsägliche Freude machen, wenn Sie das Kapitälchen in Empfang nehmen wollten. Das Portefeuille, mein bester Mynheer jagt der guten Person den Alp auf den Leib und wenn man sie von dem Joch nicht bald erlöst, werden die Effekten noch ihr Tod sein."

Als van Gaalderen so mit Nachdruck gesprochen hatte, lehnte er sich hintenüber in den Stuhl, um den Eindruck seiner Rede besser beobachten zu können. In seinen Augen war de Grootens der Typus von Ehrlichkeit und Solidi­tät. Nach dieser Seite hin wurde also, seiner Meinung zufolge, nichts gewagt. Andererseits aber glaubte der Ba­ron, wenn de Grootens seinen Vorschlag annehme, auch sein eigenes Ziel desto leichter erreichen zu können.

de Grootens seinerseits hatte alle Selbstbeherrschung nöchig, um seine Freude über die unerwartete Hülfe zu dämpfen. Wer hätte das jemals denken können? Er suchte seine Empfindungen so viel als möglich hinter dem ernsten Gesichte eines Geschäftsmannes zu verbergen und blieb selbst dann noch einige Augenblicke mit dieser Miene sitzen, als van Gaalderen mit seiner Rede schon zu Ende war. Endlich unterbrach er sein Schweigen.

Das Vertrauen Ihrer Tante ist gewiß ebenso ehrend

iz.

Tagesbericht.

Wie derA. A. Ztg." gemeldet wird, hat die Berr- thung der preußischen Tabaksteuervorlage in den Ausschüssen des Bundesraths zu der fast einstimmigen Annahme der Grundlagen derselben geführt.

Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß die Nachrichten über Verhandlungen zwischen der bayerischen Regierung und dem päpstlichen Stuhle bezüglich des Bischofs- Wahlrechtes, welche von Zeit zu Zeit in Umlauf gesetzt werden, aus der Luft gegriffen sein dürsten. Neuerlich wird eine solche Nachricht selbst von demWolffschen Bureau" kolportirt. Wir können auf Grund bester Informationen versichern, daß derartige Verhandlungen nicht stattfinden. Das Concordat zwischen Bayern und dem päpstlichen Stuhle spricht das Ernennungsrecht der Bischöfe dem König in so klaren Worten zu, daß von einer verschiedenartigen Aus­legung der fraglichen Besttmmungen absolut nicht die Rede sein kann. Wenn zur Zeit eine Reihe von bayerischen Bi­schofssitzen erledigt ist, so hat dies seine Ursache in der Schwierigkeit, geeignete Männer für dieselben zu gewinnen.

Wie es scheint, wird der Bericht vomKriegsschauplatz" unseres Blattes nunmehr bald dem erwünschten Verschwin­den anheimfallen. Von kriegerischen Vorgängen auf dem

steht und siegt. Ich schreibe diesen Erfolg zum Theil der Thatsache zu, daß wir unverheirathete junge Leute . . ."

Von welchem Aufgebot?" wurde lachend gefragt. Das thut nichts zur 'Lache. Man bleibt in der Land­wehr, so lange man nicht in's stehende Heer ausge­nommen ist. Jndeß in meiner Eigenschaft als Wolf schreibe ich den Erfolg hauptsächlich der Thatsache zu, daß wir unverheirathete Junggesellen von gewissem Mer die bekannte Festung schon so ost in Belagerungszu­stand versetzt haben, daß wir alle ihre schwachen Punkte kennen und daraus unseren Vortheil ziehen. Die verheiratheten Männer sind meist wie gewisse Staaten, die auf den Lorbeeren ihrer Siege und ihres Nattonal-Wohl- standes einschlafen und sich so der Gefahr aussetzen, in Verfall zu gerathen."

Wenn man Sie so sprechen hört, ist es noch mehr zu bedauern, daß die Gilde der Verheiratheten Sie nicht als Musterbild zu den ihrigen zählen darf."

Wenn Ihre Ehe kinderlos wäre, würde ich vielleicht Beaumarchais' EnthrltungSrath befolgt haben; denn rund heraus gesagt, die verheiratheten Männer, welche die Le­digen auf ihre Seite zu bekommen trachten, erinnern mich immer an den Lockfink, der dann und wann ein Stückchen Weg fortfliegt, um die arglosen Vögel vermuthen zu lassen, er verfüge noch über seine volle Freiheit. Jedoch ich mißbrauche Ihre Zeit und verplaudere die meine . . ."

Durchaus nicht, ich schätze Ihren Besuch und Ihre amüsante Unterhaltung sehr!"

Zu viel Ehre. Mein Besuch hat aber einen Zweck, den Ihr liebenswürdiges Gespräch mich einen Augenblick vergessen ließ. Meine Tante, welche Sie unlängst kennen lernten und die ihr Kapitälchen Jahre lang einem Bankier anverttaut hatte, ist in letzter Zeit ängstlich geworden. Die Bankiers machen mit den ihnen anvertrauten Effekten

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Stellvertreter müssen dann immer aus der Zahl der Mt- glieder des BundesratheS genommen werden. Herr von Bennigsen ist aber bis jetzt nicht Mitglied des Bundes- rathes, folglich kann er auch vorläufig noch nicht Dicekanzler werden. Wäre er dazu ausersehen, so müßte er also zuerst preußischer Minister und als solcher dann Mitglied des Bundesraths werden. Der Entwurf zielt offenbar darauf ab, auch ohne die Verfassungsänderung der Sache nach das zu bekommen, was man sonst ein Reichsministerium nennen würde, das aber ohne eine schwer zu erlangende Verfassungsänderung nicht zu beschaffen wäre. In dem Entwurf wird die Ernennung solcher Stellvertreter mit derBehinderung" des Reichskanzlers motivirt. Höchst wahrscheinlich würde aber diese Behinderung eine dauernde sein, so daß der Reichskanzler dann für seine ganze Amtsführung einen Vicekanzler und daneben noch eine Anzahl selbstständig contrasignirender Stellvertreter (Reichsminister) in den einzelnen Reichsämtern haben würde. Darüber, ob der Reichskanzler dann berechttgt ist, jeden Augenblick für jede Stellvertretung zu erklären, daß er nicht mehr behindert sei, und der Kaiser dann den be­treffenden Stellvertreter entlassen müsse, sagt der Entwurf nichts. Es mag ja dieser AusdruckBehinderung", namentlich da er schon einmal im Bankgesetz gebraucht ist, der unverfäng­lichste sein, mit welchem eine Verfassungsänderung zu umgehen ist; allein es wird hernach doch nöthig werden, denselben gehörig näher zu bestimmen. Denn sonst würden diese Stellvertreter eine sehr unangenehme Stellung bekommen, wenn der Reichs­kanzler jeden Augenblick jedem von ihnen erklären könnte: ich bitt nicht mehr behindert, ich bedarf Deiner Stellver- ttetung nicht mehr, Du kannst gehen. Selbstständige Männer würden sich schwerlich zur Uebernahme einer solchen Stel­lung bereit finden lassen, und dem Reichskanzler würde dadurch eine Willkür in die Hand gelegt, welche in einem geordneten Staate schwerlich zulässig sein dürfte. Aber eS erscheint uns überhaupt zweifelhaft, ob auf Grund der Behinderungserklärung des Reichskanzlers dauernde Reichs- ämter begründet werden können; denn die Gründung von Reichsämtern ist im Reiche jedenfalls Sache des Bundes­raths, dem die Executive im Reiche zusteht, wenn auch der Kaiser die Beamten für dieselben zu ernennen hat, und des Reichstags, welcher jedenfalls seine Zustimmung zu den für solche Aemter nöthigen Geldmitteln gehen muß. Wenn man auch die Nothwendigkeit einer Arbeits- und Verantwortlichkeitsentlastung des Reichskanzlers vollständig anerkennt, so scheint es uns doch noch zweifelhaft, ob der vorliegende Entwurf,, welcher Alles auf die Behinderungs- Erklärung des Reichskanzlers stellt und die Stellvertreter also in sehr große Abhängigkeit von ihm setzt, die allge­meine Zustimmung finden wird.

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»hsverwaltung (Vicekanzler) oder auch für einzelne sage der Reichsverwaltung. ' Die Motive führen an, tz ein solcher Fall bereits bestehe, indem das Bankgesetz e 14. März 1875 bestimme, daß die Leitung der ichsbank im Verhinderungsfälle bes Reichskanzlers «h einen vorn Kaiser hierfür ernannten Stellver- 6r wahrgenommen werden könne. An diese Bestim- schließt sich der Entwurf, wie die Motive ausdrück- hervorheben, an und es bedeute darumnur ein or- scheS Fortschreiten auf dem schon betretenen Wege, m der Entwurf die Zulässigkeit einer Vertretung des nzler für Fälle der Behinderung (nicht bloß im einer Beurlaubung) desselben in jedem einzelnen «tzweige, sowie in der Gesamrntheit der Obliegenheiten * Kanzlersamtes gesetzlich zum Ausdruck bringt." Die

»nötigen nimmt entgegnt: die Expedition b.Blatte», sowie dÄnnoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jäger'» che Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in dtbetfelb; 6. Schlotte in Bremen.

Dbcrhessische Zeitung und deren Gratisbeilage llustrirtes Sonntagsblatt Hmen alle Paftauftalte« und auf dem Lande ik SandpSftvEte») entgegen.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

»Mein bester Mynheer de Grootens, wie geht es Ihnen?" i »Danke Ihnen, Baron, ausgezeichnet, und Ihnen?" .»Danke sehr, vorzüglich! Befindet Juffrouw Marianne 1 wohl?" r

* Verfasser autorisirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenhol».

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJkluftxirteS Lvuntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgedühr für die gespaltene Zetle 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

fc«figen nimmt entgegen: Expedition b.Blattes, 11 d.Ännvncen-Bureaux h II). Dietrich & Eo. in und Hannover; Th. ich in Frankfurt a-M.; enftein & Vogler in a M., Berlin, iMtg, Cöln ic.; Rudolf e in Berlin, Frank­furt a. M ic.

für die Monate Februar flqUUUUyill und Marz aus die

Zweige ernennt."

^ltuS" Dn Wortlaut dieses Gesetzentwurfs ist sehr allgemein 1 " U unbestimmt gehalten, für alle Fälle der Behinderung _J® m der Kaiser dem Reichskanzler auf dessen Antrag hin « Evertreter ernennen und zwar für seine allgemeine

ertragen könnte!"

fe»Sie meinen, ich wäre in dieser Beziehung nicht ver- jii und doch es ist merkwürdig! überall, wo ich »vl Damen begegne und auf vertraulichen Fuß mit 81 komme, werden sie von mir eingenommen . . ." »Mit Ihrer Erlaubniß, lieber Baron!" ließ de Groo- ! schnell folgen,davon ist die Rede nicht und das habe ^Uch nicht gesagt."

j>'2ta, na, na! Das begreife ich wohl. Aber ich weiß * »m allerbesten, wie man ein solches Lob aufzufasseu 1 Es ist nichts dagegen zu machen, mein werlher Myn- c dr Grootens. Man wird eben wie Cäsar: man kommt,

AassL. »Sie ist so wohl, daß sie diesen Morgen schon den

Wr von Chopin spielte, den Sie ihr so galant über- ^ten. Marianne hat ihren feinen musikalischen Geschmack $ bewundert."

Wir Wilhelm von Gottes Gnaden deutscher Kaiser,

ig von Preußen verordnen im Namen des Deutschen und nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths OlksM des Reichstages:

Die durch die Verfassung und Gesetze des Reiches Reichskanzler übertragene Leitung in der Ver- g, Beaufsichtigung und Bearbeitung von Reichsan- heiten sowie die zur Gültigkeit der Anordnungen

i> Verfügungen deS Kaisers nothwendige Gegenzeichnung

s Reichskanzlers können durch Stellvertreter wahrge- n werden, welche der Kaiser auf Antrag des Reichs- Ätzers für Fälle der Behinderung desselben aus anderen Medern des BundesratheS allgemein oder für einzelne

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