Marburg, Dienstag, 29. Januar 1878
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M.«n nimmt entgegen: dttion d.BlatteS, j.Snnoncen-Sßureaur II). Dietrich L Go. i) und Hannover; Th chin Frankfurt aM.
stein & Vogler ii rt a. M., Berlin in, Cöln 2C.; Rudol, in Berlin, Frank- surl a. !lii. rc.
Durchlesen der Briefschaften beschäftigt, welche den französischen Couriren abgenommen waren, und rief, als ihm der Rittmeister Emmerich gemeldet wurde: „Gott sei Dank, daß Ihr da seid! Ich glaubte, Ihr wäret gefangen und wollte eben dem Herzog de Broglie schreiben, er möge Euch nicht als einen Spion, sondern als tapfern Soldatelt behandeln! Den Mantelsack mit seinem werthvollen Inhalt habe ich bereits erhalten. Die Briefschaften sind für mich von großer Bedeutung unb Ihr habt Euch, indem Ihr sie mir mit Lebengefahr verschafftet, um mich und um unsere Sache sehr verdient grmacht." — Emmerich erhielt darauf 15000 Thaler, jeder der beiden Boten 300 Thaler Belohnung.
Die Friedenszeiten, welche auf den siebenjährigen Krieg folgten, sagten unserem Emmerich wenig zu. Er trat aus einem Militärdienst in den andern, versuchte sein Heil in Amerika und in England, aber nirgends wollte es ihm glücken, nirgends fühlte er sich an seinem Platz. So ließ er sich endlich nach vielen Kreuz- und Querzügen in Marburg nieder und verzehrte hier in stiller Abgeschiedenheit eine kleine Pension die er von England bezog. Als aber im Frühjahr 1809 die Zeitungen meldeten, daß die Tyroler unter Andreas Hofer ihr Land befreit, daß der kühne Schill auf eigene Hand mit seinen Reitern aus Berlin gegen die Franzosen ausgewogen sei, als Freiherr von Dörnberg in Hessen einen Ausstand machte, da erwachte in dem siebzigjährigen Emmerich der alte tollkühne Soldatengeist wieder. Er trat mit früheren Soldaten des Kurfürsten von Hessen, welche über die ver- rätherijche Besitznahme des Landes durch französische List ergrimmt waren, in Berbindung, versprach ihnen die baldige Rückkehr des Kursürsten und wurde von ihnen zum Anführer des Aufstandes erkoren. Obgleich nicht die mindeste Aussicht des Geliiigens vvrhaltden war, obgleich die
Minister, welche für die Aufrechterhaltung der Neutralität waren, Lord Derby, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, und Lord Carnarvon haben ihre Entlassung eingereicht. Die Enttassung Carnarvon's, der noch kürzlich eine Wiederholung des Krimkriegs als Wahnsinn bezeichnet hat, ist bereits angenommen, was aber Lord Derby betrifft so werden noch Anstrengungen gemacht, um dessen Rücktritt zu verhindern.
Die englische Regierung wird heute vom Parlamente einen Supplementär-Credit für maritime und militärische Zwecke beantragen. Nach der „Times" wird die Forderung der Negierung 5 Millionen Pfund Sterling (— 100 Millionen Mark) betragen. Wir wollen indeß ausdrücklich darauf hinweifen, daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß die englische Regierung doch noch daraus verzichten wird, einen Credit zu fordern. Die Interessen Englands fangen erst bei Konstantinopel an. Sobald die Russen Konstantinopel sich nähenl, werden sie mit englischen Truppen als Feinden zu rechnen haben. Nun scheinen aber die Russen entschlossen zu sein, in Adrianopel stehen zu bleiben. Die officiöse „Agence Russe" bezeichnet die Nachricht von dem angeblichen Marsche der Russen auf Gallipoli als ein turkophiles Manöver, welches darauf berechnet gewesen sei, England und Rußland zu entzweien. Die jüngst von der Pforte getroffenen Maßregeln verfolgten augenscheinlich den Zweck, Schrecken und Berzweiflung unter der Bevölkerung hervorzurufen und so die Krisis auf das Aeußerste zu treiben. Demgegenüber bemerkt die „Agence", daß die Ereignisse sich schneller entwickelten, als alle Combinationen und daß dadurch eine gemeinsame Intervention des ge- fammten Europas vielleicht erforderlich werden könnte.
Wir bekennen mit Offenheit, daß uns der letzte Satz zu dunkel ist. Aber wir ersehen doch so viel mit aller Bestimmtheit, daß die Russen iu Adrianopel Hall machen wollen, daß die russische Regierung nicht beabstchttgt, die definirten Interessen Englands zu verletzen, und sich dadurch in einen Krieg mit England zu stürzen.
Noch ist es möglich, daß der Weltbraud vermieden wird. Wir vertrauen darauf, daß die deutsche Reichsregierung solche Rathschläge in St. Petersburg und London ertheilen wird, welche eine Verständigung zwischen den beiden Mächten andeutet. Die Politik der russischen Regierung, wie sie sich in Beziehung auf England tunogibt, ist kühn, aber noch ist der englischen Regierung kein Anlaß gegeben, mit seiner Truppenmacht in die Entscheidung der Dinge einzu- greifen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Taube «i Co in Frankfurt a. M.; Jäger'« che Buchdanblung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. TbieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen
Oberst Emmerich.
(Schluß.)
^nmerich mußte sich in das Unvermeidliche fügen. Rf feinem bisherigen Begleiter, der schon früher den Niatf auf sein Pferd genommen hatte, einen bedeut- k Blick zu und schloß sich den abziehenden Husaren Während er nun in tiefen Gedanken dahinritt und Erstellte, wie er im Hauptquartier gewiß sogleich er- k als Spion angesehen und demgemäß am ersten besten p aufgehängt werden ivürde, hörte er plötzlich hinter L® deutscher Sprache die Worte: Herr Emmerich, p Sie Acht, was ich thun werde! Als er hinter sich ^blickte er einen jungen französischen Husaren, der k hinter den Anderen zurückgeblieben war und jetzt R einen Pistoleuhalfter eine Flasche mit Branntwein, R anderen eine lange Wurst mit Brot hervorholte. k5 hob er hoch empor und lud die Anderen ein, ihm Schaft zu leisten. Die Husaren sammt dem Wacht- p ließen sich das nicht zweimal sagen.. Sie fliegen ■ üften Pferden und umringten lachend und scherzend freigebigen Kriegskameraden. Diesen Augenblick be- r Emmerich. Er gab seinem Pferd die Sporen Mengte mitten in das Dickicht des Waldes, wo er L^nöge feines früheren Berufes als Förster leidlich Ms, so daß er bald einen tüchtigen Vorsprung vor ^kchsetzenden Husaren gewann. Aber o weh! — plötz- der Wald ein Ende, und in der Ferne erblickte Mirich große Schaaren französischen Fußvolkes. Was b*4 zu thun? Er sah sich um und faßte einen raschen RtfJ. Mit einem Satz war er auf dem Boden, gab p Pferde einen Schlag und — verschwand. Kurze ^achher langten die Husaren auf dem Platze an und
ein herrenloses Pferd, aber den Reiter konnten sie
und deren Gratisbeilage
ustrirtes LonntagsbLatt
alle Postauftalten und auf dem Lande Sandpostbaten) entgegen.
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r MkUworl auf die erste Frage lautet nein und es muß M die andere Frage offen bleiben.
XScnben wir nun unseren Blick nach England, so finden I»aß dort die Lage eine sehr bedeutsame und sehr ernste piing genommen hat. Die Majorität des englischen Mettums, welche bisher jede kriegerische Action »er= Me, hat sich zerbröckelt, Salisbury und Northcote un- Jfyen die Politik des Lord Beaconsfield, die einzigen
kanzlers zugehen lassen. Derselbe lautet: Die durch die Verfassung und Gesetze des Reiches dem Reichskanzler übertragene Leitung in der Verwaltung, Beaufsichtigung und Bearbeitung von Reichsangelegenheiten, sowie die zur Gültigkeit der Anordnungen und Verfügungen des Kaisers nothwendige Gegenzeichnung des Reichskanzlers können durch Stellvertreter wahrgenommen werden, welche der Kaiser auf Antrag des Reichskanzlers für Fälle der Behinderung desselben aus anderen Mitgliedern des Bundesraths allgemein oder für einzelne Amtszweige ernennt.
Die Feststellung des preußischen Staatshaushalts-Etats wird unmittelbar eine große Bauthätigkeit wachrufen, um die zahlreichen Staatsbauten: Gerichtsgebäude, Gefängnisse und andere Amtslocale, ganz abgesehen von Wasser- und Wegebauten auszuführen, zu denen nunmehr die Mittel bewilligt sind. Das Justizministerium hat sich bereits, wie mitgetheilt wird, mit dem Handelsministerium, als der zuständigen Behörde für die öffentlichen Bauten, in Verbindung gesetzt. Dort werden unverzüglich die leitenden Architekten ernannt werden, die dann in möglichst kurzer Zeit Pläne vorlegen sollen. In Berlin wird ein Centralbau- büreau eingerichtet werden, welchem die oberste und einheitliche Leitung der gejammten Bauten obliegen wird.
Das Cultusministerium geht bekanntlich mit einer umfassenden Reorganisation des preußischen Medicinal- und Sanitätswesens um, doch sind die bisherigen Vorschläge auf diesem Gebiete, wie mau hört, auf mancherlei, namentlich finanzielle Bedenken gestoßen, so daß man über das Stadium der ersten Vorberathung noch nicht hinausge- kvmmen ist. Ein von der wissenschaftlichen Deputation für das Medicinalwesen ausgearbeiteter Entwurf, soll insbesondere wegm der darin empfohleneu Betheiligung der Aerzte durch gewählte Vertreter an der Sanitätsverwaltung, einer Einrichtung, die bereits in Süddeutschland besteht, vielfach Widerstand haben.
Es wird mitgetheilt, daß am Sonnabend Verhandlungen zwischen Rußland und England stattgesundm haben, bereit Ergebniß eine Verständigung zwischen den beiden Mächten als wahrscheinlich erscheinen läßt. Die Friedensverhandlungen zwischen Rußland und der Türkei sind nur deshalb in tiefes Geheinmiß gehüllt worden, weil Rußland eine Erschwerung derselben durch die Einmischung einer dritten Macht befürchtete.
Neueste Kriegsnachrichten:
London, 26. Jan. „Times" und „Daily News" wollen üher die Friedensbedingungen wesentlich Folgendes
jist die Forderung Englands, betr. die vollständige Mittheilung der Friedensbedingungen erfüllt worden? n6r j ist England mit diesen Friedensbedingungen einver- . standen?
Tagesbericht.
Der Reichskanzler hat dem Bundesrath den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Stellvertretung des Reichs- nirgends entdecken. Sie fluchten alle möglichen französischen und deutschen Flüche; vergebens, der Reiter blieb unsichtbar.
Eine Stunde später, als Alles still geworden war, hob sich ans dem Wasser einer in der Nähe des Waldeö befindlichen Flachsröste eine Hand empor und nahm von der Oberfläche des Wassers einen Büschel von Laub und Gras hinweg, dann tauchte ein Menschen - Angesicht empor und blickte prüfend nach allen Seiten umher. Es war Emmerich, der zu feiner Freude bemerkte, daß er sich wieder in der 'Nähe des vorher von ihm besuchten Wirlhshauses befinde, und daß der Wirch gerade aus der Hinterthüre heraustrete. Rasch eilte er auf diesen zu,' schilderte ihm seine Lage und beschwor chn, er möge ihn tn's Hauptquarter der Deuffchen geleiten. Der Wirth war nicht unerbittlich. Er führte den Fremden in sein Haus, um ihn zunächst mit Speise und Trank, sowie mit anderen Kleidern zu versorgen. — Doch während Emmerich noch mit Umkleiden beschäftigt war, horte man wieder Pferde-Getrappel. Es waren die Husaren, welche ihren Gefangenen suchten. Hätten sie die Zimmer des Hauses betreten, ja hätten sie nur außen durch das Fenster in die Stube geschaut, so tonnte ihnen der Gefangene nicht verborgen bleiben. So aber begnügten sie sich, den Wirth, welcher ihnen, eine Brantweinflasche in oer Hand haltend, in der Hausthüre entgegentrat, nach dem angeblichen Kaufmann zu fragen und eilten, als sie von,diesem nichts erfuhren, spornstreichs davon.
Den Tag über mußte Emmerich auf dem Heuboden des Wirches zubringen, sobald aber die Nacht eingebrochen war, machte er sich, in einen Bauern der dortigen Gegend verkleidet, mit seinem Wohlthäter auf den Weg und gelangte gegen Mitternacht glücklich in das Hauptquartier des Herzogs von Braunschweig. Dieser war noch mit dem
Kvei türkenfreundliche Blätter, die „Kölnische Ztg." 1'flÄler Londoner „Daily Telegraph" brachten am Frei-
* **'!$£ Meldung, daß die Pforte die russifchen Friedensgen angenommen habe. Auch das „Bureau Hirsch" eine Depesche au« Konstantinopel, vom 25. Januar es heißt:
«.Heute Wittag besuchten sämmtliche Minister gemein« »ich die Moschee und später fand ein großer Minister- i statt, in welchem die russischen Friedensbedingungen Rommen wurden. Dieser Beschluß wurde sofott den C ischen Delegirten in Kazanlik telegraphisch mitgetheilt, j k morgen wahrscheinlich die Friedenspräliminarien ---- den Waffenstillstands-Vertrag unterzeichnen werden.
Fragen bezüglich Serbiens, Rumäniens, Bosniens, Herzegowina und der Dardanellen sollten angeblich der dhät1 tag durch die europäischen.Großmächte Vorbehalten rku!iek."t
durch Rancher Zeitungsleser wird aus diesen Nachrichten Überzeugung schöpfen, daß nunmehr jede Gefahr eines tzes zwischen England und Rußland beseitigt sei. Wr » kn jedoch, diese Anschauung als irtthümlich be- tot zu sollen. Die Frage, welche den Ausschlag giebt [*** «lht die, ob die vernichtete Türkei Rußlands Bedin-
ßrscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSbtatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2‘4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). — Jnsertwnsaebühr für die gespaltene Zette 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
ft litlWIttttAWt sür die Monate Februar und März auf die
B SberheMtche Zeitung