XIII. Jahrgang
Jllarfiurg, Freüag, 25. Januar 1878
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Erzählung von Johann Gram.
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S j I Aersaffer autorisirtc Uebertragung aus dem Holländischen
*cL* t von Joseph Schrattenholz.
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den Staat kostspielige und auch für die Sittlichkeit des Volkes sehr verderbliche Sache.
Weil aber die Tabakssteuer in Form des Zolles nicht so erhöht werden kann, wie es dieser Verbrauchsgegenstand vertragen kann, so hat man in anderen Staaten zum Tabaksmonopol gegriffen. In diesen Staaten darf kein Privatmann Tabak für eigene Rechnung bauen, verarbeiten und verkaufen, sondern wer Tabak baut, der baut ihn für den Staat. Der letztere überwacht deshalb den Anbau und bildet den alleinigen aber auch höheren Käufer für die Producenten. Er läßt den Tabak in Staats-Fabriken verarbeiten und gibt ihn dann an concessionirte Verkäufer ab, welche von ihm ihren Gewinn in Form einer Provision erhalten und dann den Tabak zu dem vom Staate bestimmten Preise verkaufen müssen. Dabei hat es der Staat in der Hand, die feineren Tabakssorten so hoch im Preise zu stellen und also so hoch zu besteuern, daß die größere Steuer auch auf die wohlhabenderen Leute fällt, welche die theueren Cigarren rauchen, während die geringen Tabakssorten zu entsprechend niedrigem Preise verkauft bezw. besteuert werden können, während bei dem nach dem Gewicht bestimmten Zoll alle Tabakssorten gleich stark besteuert werden, in Folge dessen die feine Havanna - Cigarre nicht höher besteuert wird, als die schlechteren ausländischen Sorten. Dadurch kommt auch unser deutscher Tabak, der einen ungleich geringeren Werth hat, als die ausländischen Tabake, bei dieser Tabaks-Zollsteuer schlecht weg. Wenn ein Centner Havanna-Tabak, welcher ettoa 300 Mark gilt, mit 60 Mark besteuert wird, und unser deutscher Tabak, von dem der Centner nur etwa 15 Mark kostet, mit 24 Mark, so liegt es auf der Hand, daß der ausländische Tabak vor dem inländischen, das heißt also die feineren Sorten vor den schlechteren außerordentlich günstiger gestellt sind. Wenn man nicht dm Zoll nach dem Werthe des Tabaks erheben will, so lassen sich bei den Zollbestimmungen diese Ungleichheiten nicht vermeiden. Bei dem Monopol dagegen können sie vermieden werden, well dann der Staat den fremben Tabak für seine Rechnung einführt und die Steuer durch die ganz in seine Hand gelegte und durch keine Konkurrenz gefährdete Preisbestimmung erhoben wird. Auf diese Weise kann denn die Steuerkraft des Tabaks vollständig ausgebeutet werden und auch dem deutschen Reiche würde das Monopol so viel einbringen, daß nicht blos das Deficit vollständig gedeckt, sondern auch sehr wohl an die Besei- ttgung der Matrikularbeiträge, oder, wenn man dies nicht will, an die Aufhebung der Salzsteuer denken konnte. Wie man hött, hat denn auch das Monopol viel Aussicht, statt der vorgeschlagenen Steuererhöhung eingeführt zu werden; besonders sollen ein Theil der Mittelstaaten, so wie sämmt- liche Kleinstaaten dafür sein und auch Preußen, nament-
die Einnahmen des Reiches auf andere Weise zu vermehren, weil die Ausgaben nicht zu vermindern sind. Die Vermehrung der Einnahmen kann nun geschehen entweder durch Einführung einer diretten Einkommensteuer oder durch stärkere Anspannung vorhandener indiretter Verbrauchs- fteuern oder Einführung neuer Verbrauchssteuem. Die Liberalen selbst scheinen von ihrer früheren Liebhaberei für direkte Einkommensteuer durch die unbestreitbaren üblen Erfahrungen so weit zurückgekommm zu sein, daß jetzt eigentlich Niemand die Einführung einer Reichseinkommensteuer vorschlägt; vielmehr scheinen alle Parteien zu der Erhöhung der Tabakssteuer eine zustimmende Stellung einzunehmen, mit Ausnahme etwa der Socialdemokraten und Demokraten. Und in der That ist der Tabak derjenige Verbrauchsgegenstand, welcher die höchste Steuer unter allen Verbrauchsgegenständen vertragen kann und bei dem sie sich auch am gerechtesten vertheilen läßt. Denn der Tabak ist kein Nah- ningsmittel, welches der Mensch nöthig hätte, wie Brod und Salz, sondern er ist lediglich Genußmittel, welches in der Regel nur von dem erwachsenen erwerbsfähigen Menschen genossen und immer aus dem Ueberschusse bezahlt wird. Wer raucht, der braucht das Geld, welches er für Tabak ausgibt, nicht zum Lebensunterhalte und ist also zur Ausgabe desselben nicht genöthigt. Die Salzsteuer muß jeder mit tragen, weil jeder Salz braucht, und sie trifft die zahlreichen Familien am stärksten, die Tabakssteuer braucht Niemand zu zahlen, weil Jedermann leben kann, ohne Tabak zu rauchen. Wer also raucht, der betheiligt sich mithin freiwillig an der Tabakssteuer. Der Tabak ist deshalb auch bei allen Völkern immer sehr hoch besteuert gewesen und in Deutschland bis jetzt am allergeringsten. Auf den Kopf der Bevölkerung kam im Jahre 1875 an Tabakssteuer in Deutschland 30 Pfennig, in Frankreich 6 Mk. 96 Pfg., in Amerika 4 Mk 52 Pf., in England 4 Mk. 69 Pf., in Oesterreich 4 Mk. 85 Pf. — Eine solche Erhöhung der Tabakssteuer in Deutschland würde aber ihre große Bedenken haben wegen unserer Steuerfvrm. In Frankreich und Oesterreich besteht das Tabaksmonopol, welches dem Staat die Vortheile der Tabaksindustrie gewährt und in England selbst ist der Tabaksbau seit Karl II. verboten und wegen seiner insularen Lage kann es die Einfuhr des Tabaks leichter controliren, als das ein Continentalstaat vermag. Wenn wir in Deutschland die Tabakssteuer so sehr erhöhen würden, so würde dadurch der Schmuggelhandel aus dem Auslande hervorgerufen werden, welcher nicht blos den Staat um seine Einfuhr brächte, sondern auch dem inländischen Tabaksbau schadete, weil dieser ja auch dann eine sehr hohe Steuer tragen müßte, wenn man den Einfuhrzoll nicht als Schutzzoll für denselben erheben wollte. Der Kampf mit dem Schmuggel ist aber immer eine für
tutn nimmt entgegen: fcjrtition d.BlatteS, ^nnoncen-Bureaux U. Dietrich & Eo. in u ml Hannover; Th.
tn Frankfurt a M.; Elgin i Pogler in Miet a M., Berlin, L, Köln rc.; Rudolf V in Berlin, Frank» fgti a. M rc.
(Fortsetzung)
De Grvotenö wartete und wartete. Mols schien aber
187 er.
Die Tabakssteuer.
Dem Bundesrathe ist seitens deS Reichskanzleramts ein urf auf Erhöhung der Tabakssteuer vorgelegt . Dieser Entwurf schließt sich an die 1873 vom rath aufgestellten Vorschläge, welche damals einen für die aufzuhebende Salzsteuer darbieten sollten, ll der Eingangszoll für unverarbeiteten ausländischen I Mk erhöht werden von 12 Mark auf 42 Mark, für ver- J eten ausländischen Tabak (Cigarren und Cigaretten) 60 Mark aus 90 Mark, und für andere verarbeitete ote von 33 Mark aus 60 Mark, und zwar jedesmal
haftem Kopfnicken, „ja, es waren fünftausend Gulden, wenn man will, keine große Summe, aber doch--"
„Für das Waisenhaus von Bedeutung, dem stimme ich zu," war die lachende Antwort. „Aber ich will Ihnen keinen unruhigen Tag machen, denn ich fühle, daß es Sie bedrückt. Uebermorgen haben wir Versammlung und dann werde ich Ihnen das Geld aushändigen. Ich will es mir eben nottren, denn ich habe so vielerlei im Kopf. — Oder . . . wollen Sie eS vielleicht gleich mitnehmen?"
Nun athmete Mols freier, und voller Ueberzeugung antwortete er: „Nein durchaus nicht, Mynheer! Was würden sie wohl von mir denken! Ich hoffe nicht, daß meine Frage ..." *
„Kein Wort mehr davon, lieber Freund! Sie würden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie das Geld jetzt mitnähmen, aber ist Ihnen das lästig, dann ordnen wir die Sache übermorgen, Apropos! Sie sind Geschäftsmann und ein solider Geschäftsmann. Wissen Sie mir vielleicht eine gute sichere Capitalsanlage für so ein Sümmchen von 1000 Gulden oder so was? Ich lasse nicht gern Geld ohne Interessen liegen und würde in eine gesunde Unternehmung gerne so eine 15,000 Gulden stecken."
„O gewiß, Mynheer de Groolens: da haben Sie unseren Bauverein und unsere Creditbank beides sehr solide Unternehmen. Soll ich Ihnen eimal ein paar Prospekte schicken?"
„Sehr gerne, wenn es Ihnen nicht zu viel Mühe verursacht! Es würde mir bann aber, wenn meine Bitte nicht zu unbescheiben ist, sehr angenehm fein, die Prospekte schnell zu erhalten, denn ein jeder Tag ist eben ein Tag!
Gewiß, gewiß, Mynheer, ich werde sie Ihnen gleich senden. Hoffentlich nehmen Sie mirs nicht übel, daß ich so frei gewesen bin, die Sache bei Ihnen zur Sprache zu bringen..."
„Durchaus nicht, mein bester Herr Mols: gab de
«rlcheirit täglich außer an den Werk'agen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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i Centner. Von inländischem Tabak soll vom Centner Mark Gewichtssteuer gezahlt werden. Die dem Reiche dieser Steuererhöhung erwachsende Mehreinnahme wird 20 Mill. Mk. angenommen (1873 auf 24 Mill. Mark). : Einführung dieser Steuererhöhung wird jetzt nicht h den Wegfall einer anderen Steuer, wie z. B. der ifttuer, begründet, sondern mit den gesteigerten AuS- « und bei weitem nicht in diesem Grade gestiegenen, in letzter Zeit sogar verminderten Annahmen des Reiches. ___W Ausgaben des Reiches, welche durch ordentliche Ein-
Kes zu decken sind, haben sich seit 1872 von 304 Mill. . »uf 406 Mill. Mk. (1878—79), also um 100 Mill. . vermehrt. Die Einnahmen aus eigenen Einnahmen Reiches (abgesehen von den Matricularbeiträgen der zelftaateu) aus Zöllen, Verbrauchssteuem, Wechselstempel- \ er, Post, Telegraphie, Eisenbalm- und Bank-Ueberschüssen, Merb i von 1872 bis 1876 von etwa 250 auf 279, also nur
’ 29 Mill. Mk. gestiegen und im letzten Jahre sind sie — tt bekanntlich wieder gefallen. Bisher wurde diese Diffe- j zwischen Einnahmen und Ausgaben durch die großen l «Uinchüsse früherer Jahre ausgeglichen, allein diese Ueber- [bnaWt haben jetzt so ziemlich ein Ende; man will aber die irntt Sricutarbeiträge, welche eine sehr uothbehelfliche, unvoll- tetre werie Kopfsteuer und namentlich für die kleineren und teren Staaten sehr drückend ist, nicht erhöhen, sondem 11% i sie zu vermindern. Da bleibt beim kein Ausweg, als
* Worte finben zu können, so baß ber Generalsekretär kch sagte: „Unb waß haben eie beim eigentlich wegen rt H l Waisenhauses auf dem Herzen?"
mitd lJch.... komme eigentlich, Sie einmal über das 85 von Mejussrouw van Dongeren zu befragen, welches : unlängst im Namen unseres Collegiums iu Empfang
-Tj ^men haben. Nach dem Beschluß der Generalversamm- md *8 'Eten Sie das Geld anlegen und da . . . ."
i ■ . . Man noch nichts darüber vernommen hat, ist Vorsitzende in einer so unsoliden Zeit, wie wir sie ^uvärtig erleben, besorgt darüber, daß .... na gewiß, ’i, ganz natürlich!!"
^Urch biesen leichten Ton noch mehr aus dem Cvucept antwortete Mols hastig unb devot: „Nein, nein, H nicht, Mynheer de Grootens, ganz gewiß nicht. Es cht durchaus keine Furcht und Angst bei mir, — aber von mir als Schatzmeister eine Pflichtversäumniß, 1 Geld nicht in Empfang zu nehmen und bei einem tigen Sterbefall würden Schwierigkeiten dadurch ent- 01 können . . ."
Mun natürlich, Mynheer Mols. Pünktlichkeit in Ge- verdient immer Lob. Ich weiß wahrhaftig selbst * durch welchen Zufall ich bis heute versäumt habe, diese Summe auszuhändigen . . . vielleicht weil es Bagatelle ist . . . fünftausend Gulden glaube ich . .
Mynheer de Grootens," antwortete Mols mit leb’
Grootens luftig zur Antwort, während er aufftanb und nach feiner Uhr sah, Mols auf diese Weise andentend, daß die Sitzung nicht zu lange dauern dürfe. „Durchaus nicht, im Gegentheil! Ich achte eö sehr an Ihnen, daß Sie die Interessen unserer Waisen so treu zu wahren wissen. An Ihrer Stelle würde ich ebenfalls so gehandelt haben."
Unter wiederholten krampfhaften Verbeugungen wollte Mols sich nun empfehlen, aber der Beamte streckte ihm freundlich und vertraulich die Hand entgegen und entließ ihn mit einem zuvorkommenden: „Auf Wiedersehen!"
Kaum hatte ber Bäcker sich entfernt, als bas Gesicht des Generalsekretärs einen ganz anderen Ausdruck annahm. Stolz auf den errungenen Triumph, rieb er sich vergnügt die Hände unb mit zufriedenem Kopfnicken murmelte er: „Das ist perfett geglückt!"
Wenn man bei Jedermann seine schwache Seite zu finden weiß, ist Mancher wohl an einem Seidenfadeit zu leiten.
„Keine bessere Spekulation als die auf die Eitelkeit!" sprach de Grootens zu sich selbst; dann aber nahm sein Antlitz einen ernsten Zug an und leise stellte er sich die Frage: „Aber wo will ich die fünftausend Gulden hentehmen, die ich dem Bäcker übermorgen geben muß? Ich habe sie theilweise gebraucht, um die Zinsen meiner übrigen Schulden zu bezahlen, und besitze beinahe keinen Deut mehr..."
Er schob seinen Stuhl vor den Schreibtisch, öffnete denselben und zog eine Schublade heraus, worin er seine Baarschaft überzählte.
Au dem enttäuschten Gesuchte konnte man sofort bemerken, daß die Untersuchung schlecht ausfiel. Eben schob er die Lade mißmuthig wieder zu, als seine Frau in eleganter Toilette eintrat, und die Hand vertraulich auf seine Schulter legend, sagte:
„Du Dolf, gieb mir einmal etwas Geld. Ich muh