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Marburg, Donnerstag, 24. Januar 1878
xui. Jahrgang.
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mensteuer die Lmte mit geringem, leicht durchsichtigem Ein- । kommen weit härter von der Steuer getroffen werden, als die Leute mit großem Einkommen, namentlich wenn dasselbe aus verliehenen Capitalien oder aus Industrie- und Handelsgeschäften erzielt wird. Nach allem, was man in neuerer Zeit in nationalliberalen Blättern gelesen hat, muß man annehmen, daß sich die Nationalliberalen jetzt einem indirekten Steuersystem nicht widersetzen werden, wenn nur der Reichstag dadurch in seinem Budgetrechte nicht beschräntt wird und namentlich, wenn Aussicht vorhanden ist, daß wirklich ihre Führer in die Regierung berufen werden. Neuerdings ist es fteilich davon stille geworden und die „Köln. Zig." schrieb kürzlich, daß der Kaiser keine svuder- llche Geneigtheit zeige, v. Bennigsen und v. Forckenbeck zu Munstern zu machen, am angenehmsten sei noch der letztere Es wird fteilich in Mr« diesen Dingen sehr viel davon abhangen, ob der Reichskanzler sein Amt wieder in vollem Umfange antreten wird oder nicht.
Die Steuerftage und die politische Frage der Organisation der Reichsämter stehen jetzt in erster Linie, und von der Vorlage über die Gewerbeordnung wird viel weniger geredet, obwohl dieselbe nach unserer Ueberzeugung die anderen Fragen an Bedeutung weit überragt. Denn die größten Fragen der Zeit sind jetzt die socialen und wirth- schastüchm. Was helfen alle Steuergesetze, wenn das Land verarmt und die Steuersähigkeit der Bürger mit jedem Jahr abmmmt, und was helfen alle Organisationen hoher Reichs- amter, wenn unten in der Masse des Volles durch die Socialdemokratie die sociale Revolution immer mehr Boden gewinnt? Aber diesen großen Fragen gegenüber erscheint die Gewerbeordnungs-Vorlage von geringerer Bedeutung, wmn auch die Ordnung des Lehrlingswesens, die Einführung der gewerblichen Schiedsgerichte und der Arbeitsbücher immerhin recht wichtige Sachen find. Der Kem der socialen und Wirth,chaftlrchen Fragen liegt ja doch nicht darin, sorr- ®trn ™ den Fragen: Was ist zu thun, um die Existenz der Arbeiter auch für ihre alten Tage bei ihrer Abhänaia- kett von dem Maschinenbetrieb der Fabriken zu bestem und sicher zu stellen, wie ist unsere Industrie und unser Ackerbau selbst zu heben und gegenüber dem unter günstigerm Bedingungen producirenden Auslande, sowie gegenüber dem Schwindel, dem Betmg und dem Wucher im Jnlande ru schützen und zu stärken? An diese Fragen wird der Reichstag ;etzt noch nicht rühren und die herrschende liberale Pattei wird wahrscheinlich so lange als nur irgend möglich diese Fragen zu umgehen suchm; denn diese Fragen sind nicht zu lösen ohne eine gründliche und pttncipielle Umgestaltung unserer Gewerbeordnung. Auf dem Pttncip des laisser faire kann das witthschaftliche Leben eines Volles nicht ae= dechen. Dieses Pttncip bedeutet thatsächlich nichts andere-
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Ein Stefidmztzcnaiigm.
Erzählung von Johann Gram.
«rfaffer autorifirte Urbertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattrnhol».
(Fortsetzung.)
^uche! Ruhe!" ipurde nun von verschiedmen Seiten ? und die Gruppe, welche wohl an der Haltung des metten mochte, daß sie „gewogen und zu leicht worden," schlich langsam auseinander.
““«nt konnte nicht Worte genug finden, seiner Ent- § darüber Ausdmck zu geben, daß van Gaalderen ^en, welches er kannte und mit dem gesehm zu für eine wahre Ehre hielt, in solcher Wttft ^bespötteln ließ.
suchte Willem zu bemhigen; er bestrebte sich Anstich zu machen, daß der Junker offenbar mehr * ^ttd, als auf die Frau zu spemliren schim. Auch gar nicht, was der Junker auf die losen Be- geR seiner Kameraden, wenn Willem nicht so auf-
? wäre, eigentlich erwidett habm würde. Felman
M Aufbrausen zwar sehr natürlich, aber gleich
est unvorsichtig.
^ Gaalderen kehtte nach einer Wttle zu dem Tische ""nie de GrootenS, wo seine dichtettsche Tante noch ?ui ihren unrdittm Poestm beschäftigt zurück und uwgweiltr Mevrouw benutzte diese Gelegenhett, um
zu mahnen. Mynheer hatte sich nicht weniger seine Gemüthsstimmung aber gut unterdrückt, wr »hm eigenen Takt hatte er ein paar Mal seinm M Wirkungskreis mit der poettschen Sphäre, wottn Menn schwebte, in Parallele gebracht. Er hatte von den Sorgen und Mühen , welche ihm die
, die Garziner Verhandlungen, sowie die vielbespro- Stmerreform durch Erweitemng des indiretten yftems werden sehr wahrscheinlich schon bei den rathuugeu zur Sprache k«umm.. Und wenn noch enneidliche Cultuttampf und die von den Social-
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melte: „Nein, es kann nicht wahr sein! Jemand der so geachttt und geehtt wird, ist tritt Betrüger im Frack!"
Und doch hatten die beiden Brüder, welche Mols an dem bewußten Abend zu einem Hotel führte, sich in ihrer Entrüstung über die im Hause des Generalsekretärs ihnen widerfahrene Behandlung gewisse Andeutungen entschlüpfen lasten, die jedenfalls nicht sehr vorstchttg waren. Der Ael-- tere von ihnen hatte deullich ausgesprochen, daß Mevrouw der ihrer Verhelrathung zwar einiges Vermögen gehabt, daß aber der Generalsekretär schon alles durchgebracht habe Dadurch war Mols nachdenklich gemacht worden. Mynheer de Grootens war Mitdirektor vom Waisenhaus und in dttser Eigenschaft hatte er unlängst ein Legat empfangen. Man hatte ihn schon auf zwei Versammlungen darüber lnterpellitt, er aber hatte jedesmal das Gespräch geschickt auf em anderes Thema gebracht. Mols besaß einige Com- bmattonsgabe. Er brachte eins mit dem andern in Ver- bmdung und getteth dadurch in solche Unruhe, daß er be- kn Mitdirektor einmal gerade heraus nach dem Verbleib des Geldes zu fragen. Zu Hause war Mols ein Held und hatte sich für seinen Zweck eine kernige Einlri- tting zurecht gemacht, als er aber nun in Mynheer de Grootens Schreibstube stand, schrak er vor der Aufüänmq ordernden Frage zuruck und die ganze Einleitung war ihm entflohen. Es geht mehr Leuten so. 9
Zur nachträglichen Vorbereitung blieb ihm indeß wenig Zelt. Dre Thur flog auf und de Grootens, in eine graue HauSjvppe gekleidet, trat mit fteundlichem Lächeln herein.
ki, Mynheer Mols! Wem habe ich denn diesen Mhen Besuch zu danken? Schen Sie sich, setzen Sie . Diese ungezwungene Jovialität brachte Mols noch mehr m Verwirrung und während er verbindlich dienemd seinen
Der Reichstag ist auf den 6. Februar einberufen. preußische Landtag wird bis dahin seine Arbeiten nicht beendigt haben, so daß eine- Frühjahrssitzung ___ fcen nöthig werden wird. Bis jetzt hat der Landtag 1 wenige seiner Vorlagen erledigt, weil er sich zu lange der Berathung de« Budgets aufgehalten hat. Es ist eüi Glück, daß der Reichstag keine Diäten bekommt, : teürbe Deutschland, wenn man bedenkt, was es für ! Landtage und nun auch noch für die Synoden zu m hat, der Parlamentarismus sehr theuer zu stehen men. Auch der Reichstag wird Diel zu thun bekommen, sich deshalb auf eine lange Session gefaßt machen m. Das Reichsbudget ist zwar einfacher, als die M der einzelnen Staaten, allein gerade diesmal wird 6e sicherlich zu längeren Debatten führen. Der Aus- « den Zvlleinnahmen des Reiches, die Matricular-
aten beabsichtigte Kritik der auSwättigen Polittk men', so dürste der Reichstag sich noch beeilen totem er seine Budgetberathung bis zum 1. April neue Etatsjahr beginnt, beendigt haben will. Dann
l aber erst die Reihe an die besonderen Gesetzesvor- L tote der Gewerbeordnungs-Revisions-Entwurf, das " mergesetz und was dem Reichstag sonst noch be- sein wird. Ueber die Vat^iuer Verhandlungen, »elchem um die Jahreswende so viel Lärm gemacht ist'« nach und nach ganz sttlle geworden. Es ist « * 1 * * * * * * * KMNgen, wie in neuerer Zeit schon öfter mit ähn- ' . Dingen. Plötzlich wurde eine Frage wie eine Ra- < ttt großem Geräusch und Funkensprühen in die Lust fien, aller Augen waren eine Weile staunend darauf Mßv—. dann verschwand das Phänomen plötzlich und
■«leigen nimmt entgegen: die Expedition d.vLtteS, sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; E. Schlotte in
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man wußte kaum recht, woher es gttommen war. So war es mit dem ReichSeisenbahnprojett und ähnlich scheint es diesmal mit den Plänen in Bqug auf die oberste Reichs- Verwaltung zu gehen, von welchen noch vor 3 Wochen die Zeitungen voll waren und von welchen es jetzt ganz stille geworden ist. So war auch viel die Rede von großen Steuerreformprojettm — bis schließlich nichts weiter als eine Erhöhung der Tabakssteuer zum Vorschein kam. Ob das Alles wahr ist oder ob diese Vorlage nur der Pionier für das nachfolgende neue System sein soll, muß abgewattet werden. Bei der Berathung dieser Vorlage wird es sich ja wohl zeigen, ob die Reichsregierung noch weiter gehende Pläne hegt und welche. Man muß das wohl annehmen; denn wenn offiziöse Blätter dieser Tage mittheilten, daß rm Ministerium bereits Erwägungen angestellt würden, welche Staatssteuern den Provinzen, Kreisen und Gemeinden überwiesen werden könnten, wenn die Reichseinnahmen sich mehrten kund die Matricularbeiträge sich vermindetten — so muß ja doch noch eine bedeutendere Vermehrung der Reichseinnahmen in Aussicht genommen sein, als die, welche sich aus der Erhöhung der Tabakssteuer, dem Börsen- und Spielkartenstempel ergeben würde. Darauf scheint auch die Stelle in den Mottven der Tabakssteuervorlage hinzuweisen, welche besagt, „daß es sich für die Finanzpo- lrttk nicht darum handeln dürfe den Mehrbedarf des Reichs zu decken, sondern auch eine dauernde Entlastung des Budgets der Einzelstaaten herbrizuführm, so daß es den letz- term ermöglicht würde, drückende Steuern zu beseitigen, 6«j. zu ermäßigen oder dazu geeignete Steuern den Provinzen, Kreisen oder Gemeinden ganz oder thriüveise zu überweisen." Ob man damit wirklich ans das Tabaksmonopol lossteuert oder auch andere Ziele im Auge hat, muß sich ja wohl bald zeigen. Jedenfalls sind diese Fragen von größter Bedeutung und «heischen eine sorgfältige Prüfung durch den Reichstag. Es scheint aber im liberalen Lager der unbedingte Widerstand gegen die indirekten Steuern sich bedeutend vermindert zu haben. Die Leute fangen an zu begreifen, daß mit den direkten Steuern die Bedürftlisse der Staaten, des Reiches, der Provinzen, Kreise und Gemeinden nicht bestritten werden können, wenn man nicht das Vermögen der Steuerzahler selbst angreifen will und daß die indirekten Steuern noch am leichtesten getragen werden können und sich auch noch verhältnißmäßig am gerechtesten nach der Steuerfähigkeit der Bürger vetthrilen lassen. Man hat zwar theoretisch die Einkommensteuer als tat gerechteste Steuerform angesehen, und wemi sich das Einkommen überall sicher und genau ermitteln ließe, dann wurde das auch der Fall sein; aber eben an dieser großen Hauptsache fehlt es und das läßt sich auch nicht ändern. Die Folge jedoch ist deshalb, daß gerade bei der Einkom-
Verwaltung der Capitalien ftemder Leute verursachten und von dem ehrenden Vertrauen daS diese in seine Zuverlässigkeit setzten, gesprochm.
Solche Andeutungen konnten vielleicht ihren Zweck erreichen und wenn es auch nicht der Fall war — die Bekanntschaft einer Dame, welche trotz ihrer Excentrität immer nn gnädiges Fräulein blieb, gewährte dem Generalsecretär für alle Zeit eine angenehme Empfindung.
Ceremoniell bot er der Dichterin seinen rechten Arm an, währmd Mevrouw sich mit dem linken begnügen mußte.
Van Gaalderen hatte al? seine gute Laune und Ge- sprächigkrit verloren. Als er mit seiner bildschönen Dame in das Kreuzfeuer der Herrenaugen kam, die den Ausgang des Thiergartens in vier dichten Reihen besetzt hielten, wurde er offenbar von Manchem beneidet. Aber selbst feine Eitelkeit schim plötzlich dahin zu sein.
Hätte er jedoch daS Gesicht des jungen Mols gesehen, der hinter einer Anzahl von Menschen versteckt die Menge beobachtete und auf einmal Marianne am Arme des Junkers entdeckte, so würde er sich gewiß vor Freude die Hände gerieben habm.
Felman wenigstens mußte all seinen Humor und Geist aufbieten, um den armm Willem nicht in einer allzu ver- zweifeltm Stimmung zu lassen.
Küuste» Kapitel.
Acht Tage nach der bewußten Gesellschaft klingelte ber alte Mynheer Mols schon gegen 9>/r Uhr Morgms an der Wohnung des GeneralsecretärS. Das Klingeln war gerade so zaghaft, wie das Gesichts womit er die Dienstmagd ftug, ob Mynheer schon auf und zu sprechen sei?
Annette ließ ihn in Mynheers Schreibzimmer treten, too er Alle« aufmerksam musterte und bei sich selbst mur-
Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Der Reichstag.
—. rijm «immt entgegen: ^petzttion ».Blattes, jedLnnoncen-Bureaux , S). Dietrich & Co. in und Hannover; Th. licht» Frankfurt a.M.; toftein & Vogler in KM etfurt a. M., Berlin, val- M- Erin re.; Ru olf W i in Berlin, Frank»
Dberhefsische Zeitung
llch und deren Gratisbeilage
fei ünstrirtes Sonntagsblatt aru* men alle und auf dem Lande
1 StMdpoftbBteu) entgegen.