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Marburg, Mittwoch, 23. Januar 1878

xm. Jahrgang.

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*) Das holländische Abgeordnetenhaus hat 80 Mitglieder. Anm. des Urbrrs.

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Erzählung von Johan« Gram.

* Verfasser autorisirte Uebertragung auS dem Holländischen

>■ von Joseph Schratten Holz.

| . Fortsetzung.)

Ht-tierhessische Zeitung

10 * und deren Gratisbeilage

»Wer nie sein Brod mit Thränen aß, Wer nie herumschwärmt in der Nacht, Wer niemals in der Kneipe saß, Der kennet Dich nicht, Schutzmanns-Wacht."

»--'can kann Alles prrodiren!" fiel Mynheer de Grvo- 7 gleich ein, „aber ich muß mit dem Fräulein aner-

daß ihre Idee sehr originell ist. Und haben Sie

. »Dann wollen wir es aufschieben," sagte die Tante «Niger Enttäuschung. „Ich hätte Sie sonst gern $tebtne hören lassen. Ich habe Gedichte gemacht auf ^König, die Königin, die Prinzen vom königlichen die Regierung —"

l-Wenn meine Tante," sagte van Gaalderen spottend, B der ersten und zwetten Kammer und dem Staatsrathe °g ist, dann bekommen die Generalsekretäre ebenfalls VKÜ und folglich auch Mynheer de Grootens!" ^Spotte Du nur, Nestchen!" versetzte Tante, die ihrem

diel vergab, „spotte Du nur. Ich bilde mir ein, nicht nur originell, sondern auch pflichtgemäß ist, ® röt Dichter oder eine Dichterin die über uns gestellten M verherrlichen. Man fängt mit dem Oberhaupte ^ateö an und endigt —"

einem Polizeidiener oder Feuerwehrmann," voll- der ungezogene Neffe den Satz. „Wirklich ein wür-

1 .Vorwurf für einen erhabenen Dichtergeist! „Ode .rötoi Polizeiagenten!" Man könnte etwa folgender­

hatten fie flch ausgelassen. Und das sei doch die Haupt­sache nicht, meinte das Fräulein. Ob einmal ein a oder e zu viel oder zu.y>enig gebraucht wäre, machte nach ihrer Ansicht wenig aus. Der Gedanke, das war die Haupffache. Wenn fie nur einmal einem wirklichen Literatur-Kundigen begegnete, dann würde das Hinderniß wohl bald aus dem Wege geräumt sein.

Mynheer de Grootens, der viele Menschen kannte, er­innerte sich bald einiger Literaten und versprach der Dame, daß ihr Verlangen erfüllt werdm sollte.

Das Fräulein schwebte im siebenten Himmel; fie drückte de Grootens so fest die Hand und kam mit ihrem Gesichte so dicht in die Nähe des seinigen, daß er durch die Masse Cosmettque, welche auf den grauen Haaren lag, beinahe betäubt wurde.

Marianne war wieder in Gedanken versunken. Welche Mühe van Gaalderen sich auch gegeben hatte, sie mit allerlei Gegenständen zu unterhalten — sie hatte nur mit spär­lichen Worten darauf geantwortet.

Inzwischen war der Abend gekommen und die Gas­lichter in den großen Ständern brannten überall; van Gaalderen nahm einen letzten Anlauf und forderte Ma­rianne zu einem kleinen Spaziergang auf. Sie lehnte jedoch höflich ab, indem sie Kopfweh vorschützte. Welch ein eigen­sinniges Geschöpfchen, dachte der Junker, der sein Don- Juanchum so unfehlbar schätzte. Er wurde bös, nahm noch einen Augenblick an der Unterhaltung Theil und entschul­digte sich dann bei der Gesellschaft unter dem Vorgeben, einen guten Freund, den er in der Ferne gesehen, sprechen zu müssen.

van Gaalderen'S Eigenliebe war verletzt; erbost und enttäuscht lief er zu einer Gruppe Bekanntm, welche an einem Kreuzpunkt gemächlich um ein Tischchen saßen und schwatzten.

nung der Gründe, welche für die Beseittgung von Ver­kehrsschranken von verschiedenen Seiten geltend gemacht wurden, stellte sich ein Theil der Kommissionsmitglieder dennoch auf den Standpunkt der früheren Entwürfe, welche den Antrag aus Verleihung von Heberechten in das Be­lieben der Unternehmer stellte. Sie waren der Ansicht, daß in vielen Fällen, namentlich da, wo in einzelnen Kreisen ein Chausseenetz noch nicht ausgebaut sei, die Baulust und die Neigung, Gemeindewege in Kreisstraßen zu verwandeln, nachlassen werde und daß mindestens bezüglich der Brücken Ausnahmen gemacht werden müßten. Die Kommission erklärte sich einstimmig in erster Lesung für Beseittgung des Wegegeldes, in zweiter Lesung auch für die Beseittgung des Brückengeldes, ließ aber die Verleihung des Heberechtes für Fähren bestehen, weil letztere häufig nur einem be­schränkten Lokalverkehre dienten, und nicht selten besondere Veranstaltungen und mit persönlicher Gefahr verbundene Leistungen efforderten.

Die Budget-Kommission des Abgeordnetenhauses berieth in ihrer letzten Sitzung zunächst die Petitton des Architekten­vereins Berliner Baubank, betreffend die SubmisstonSbe- dingungen bei Kontratten für Staatsbauten und Lieferungen. Nachdem die Regierungsvertreter erttärten, daß die StaatS- regierung bereits mit einer Revision der bezüglichen Be­stimmungen beschäftigt und bereit sei, auf die Wünsche der Petenten in vielen Punkten einzugehen, wurde beschlossen: „In Erwägung, daß nach der Erklärung des Regierungs- kommissarius die königliche Stratsregierung bereits in die Prüfung und Revision der Submissions-Bedingungen für Staatsbauten eingetreten ist, die Pettttonen der königlichen Staatsregierung mit der Aufforderung zu überweisen: a) bei der bevorstehenden Untersuchung auch Gewerbetreibende zu- zuzichm, b) dem Landtage in seiner nächsten Session Mit­theilung über das Resultat dieser Untersuchung z« machen."

Der englische Botschafter in Berlin soll erttärt haben, daß England die neutralen Mächte zu einer Conferenz ein­laden würde, um die Friedensbedingungen zu berathen, so­bald dieselben bekannt sein würden. Falls die Großmächte die Einladung ablchnen sollten, wäre England entschlossen, sofort von dem Parlamente Substdien zu verlangen. In politischen Kreisen ist man von der Ueberzeugung durch­drungen, daß lliußland einem Drucke von Seiten England's nicht nachgeben wird. Nach den Vorbereitungen zu schließen, die getroffen werden, ist der Ausbruch von Feindseligkeiten nicht für unwahrscheinlich zu halten.

Aus den jetzt vom Kriegsschauplatz eingetroffenen tele­graphischen Berichten kann man sich ein ungefähre« Bild

denn jedem Mitgliede der Kammer nach seiner jeweiligen Parteischatttrung einen besonderen Vers gewidmet?"

„Nein, nein, das nicht. Ich nehme die Herren einfach en bloc und rede fie folgendermaßen an:

„O ihr weisen Achtzig*) ihr, Die ihr in der Kammer webt, Die die Freiheit stützet ihr, Ihr, die's Beiblatt hoch erhebt . . .!" . So geht es dann einige Strophen durch, begreifen Sie, mein Kind, wenn ich einmal die Ehre haben darf, Sie bei mir zu sehen, soll eS mir äußerst angenehm sein, Sie mehr hören zu lassen. Ich möchte meine Gedichte so sehr gern herausgeben. Sie müssen aber vorher hurch einen echten Dichter einmal durchgesehen werdm, denn ich bilde mir durchaus nicht ein, daß Maß und Sprache untadelhaft find. Schon mehrmals habe ich versucht, mit dem einen oder anderen Literaturkundigen in Berührung zu kommen . . . ich glaube nämlich, daß mein Bändchen Beifall fin­den wird. . ."

„Sicherlich, Tante, namentlich dann, wenn es unter dem Titel: „Cvnstitutionelle Poesie" erscheint."

Mit dem größten Ernste und ohne die spottenden Aus­fälle des Junkers zu beachten, frug Mynheer de Grootens das Fräulein, ob es denn seine Gedichte noch niemals einem Verleger vorgelegt habe?

Die Antwort lautete bejahend. Das Fräulein hatte diesen Versuch schon verschiedme Male gemacht. Es muß­ten aber höchst gedankenlose Verleger gewesen sein, baut sie hatten die Idee der Dame verrückt genannt und sich nur unter der Bedingung zum Druck bereit ettttärt, daß sie die Kosten trüge. Auch über Sprache und Versmaß

„eigen nimmt entgegen: TArbttion b.Blattel, jie ».Annoncen-Bureaux , Ä- Dietrich & Co. in fd unb Hannover; Th. rtrich in Frankfurt a.M.; u -stein & Vogler in eitffutt a M., v (in, jjjij, Cöln ic.; Rudolf ,Se in Berlin, Frank» furt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b.vlattet, sowie b.Annomcn-Burraux von 9- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSgertsche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl- daselbst; Jstwalidendank in Berlin: W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

TtgeSbericht.

____ Dem BundeSrath ist, der „N. A. Ztg." zufolge, als iagt zu dem Etat für das Reichskanzleramt eine Denk- i rist über die Aufgaben und Ziele zugegangen, die das , falichr GefundheitSamt sich gestellt hat, und über die jg qe, auf welchen es dieselben zu erreichen hofft. Als «tatst, welche das Amt als hinreichend vorbereitet in 8 Wer Zeit seiner Bearbeitung zu unterziehen gedentt, . »glnwn genannt: der Gesundheitsschutz der Kinder, der Schutz Zrreu, die Hygieine der Fabrikarbeiter, Beantragung > ^Mrs Reichsgesetzes betreffend Maßregeln zum Schutze gegen jq MonS-Krankheiten der Menschen, ein Reichs-Viehseuchen- q H und die Bearbeitung des Materials für fortlaufende wrdnungen zum Schutz gegen die Fälschung von Nahrungs- § d Genußmitteln. Das Gesundheitsamt bedarf jedoch, um ■ dasselbe zu stellenden Anforderungen allseittg genügen können, eine Verstärkung durch zehn außerordentliche

.i Weder. > ______________________________________________

Nach dem Entwürfe der Wegeordnung, welcher dem Mdnetenhause vorliegt, wird für die Zuttzyft sowohl । Verleihung der Rechte« zur Erhebung von Chausseegeld, i des Rechtes zur Erhebung von Abgaben für die Be- pmg von öffentlichen Wegen oder Zubehörungen der- *n (Brücken, Fähren) in Fortfall kommen. Bereits der Berathung der früheren Entwürfe in bat Kom- stvnrn des Abgeordnetenhauses war ausgesprochen, daß Beseitigung von Verkehrsabgaben aus wirthschaftlichen röibeit anzustreben sei. Die StaatSrcgierung selbst hat ! ts Gedanken durch Aufhebung des Chausseegeldes auf t ehemaligen Staatsstraßen verwirklicht und es sind die - evmzen und ein großer Theil der Kreise durch Auf- tog des Chausseegeldes auf den Kommunalstraßm diesem —' spiel gefolgt. In dem vorliegenden Entwürfe ist die i Msregierung noch weiter gegangen und hat aus- - stochen, daß die Verleihung von Heberechten künf-

nicht mehr statthaben soll. Unter voller Anerken-

grscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „3Iuitrirte6 SonntaaSblatt" durch bie Ervedition lÄoch'sche Buchdruckeret) bezogen 2i Mark, durch bie Postämter des Deutschen Reiche« 3 Mark 50 Pf« (excl Bestellgebüh"). -Mtioiwgebühr für dtt gespaltene Zette 10 Pf« *

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf», berechnet-

llustrirtes SorrntagSblatt men alle Pi»sta«stalte« und auf dem Lande SodposthOte«) entgegen.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

machen von den letzten Operationen bei Philippopel. Zu­nächst ist zu koustattren, daß die türkische Armee, welche letzthin bei Sophia, Jchiman, Slattza konzentrirt war, von den Russen in zwei Theile gespalten wurde; der eine Theil, 40 Tabors stark, dessen Kommandant bis jetzt nicht be­kannt ist, wurde nach Süden auf Dermendere zu abgedrängt; die Russen hofften am 16. diesen Theil im Flankenmanöver gegen Stanimaka den Rückzug abzuschneiden. Ob dies gelungen, darüber liegt noch keine Nachricht vor. Nach russischen Telegrammen hatte der andere Theil der türkischen Armee unter Suleiman Pascha von Philippopel aus den Weg nach Adrianopel eingeschlagen; die gesammte Garde- Kavallerie verfolgt seit dem 16. diese Truppen. Jndeß wenn es Suleiman Pascha wirttich gelungen wäre, sich nach Adrianopel oder auch nur in der Richtung aus Adri- anvpel zurückzuziehen, dann würde man in Konstanttnopel nicht int Unklaren über seinen Verbleib sein; dort heißt e« vielmehr, er habe die Richtung von Philippopel nach Gümüldschina — also südlich nach dem Meere zu — ein­geschlagen. — In Adrianopel ober in bet Gegend von Adrianopel ist jedenfalls Suleiman Pascha nicht. Adria­nopel selbst ist von den Türken geräumt. Die dorttge Besatzung, wohl im Verein mit den von Sliwno und Jam­bott flüchtenden Truppen, hat sich unter Mehemed Ali Pascha nach Kirttlissa — östlich von Adrianopel — zu­rückgezogen; Kirkilissa liegt aus der Haupfftraße ttach Kon­stantinopels Doch wird er auch diesen Punkt wohl bald verlassen müssen, um die einer regulären Armee entbehrende Hauptstadt, deren Vertheidigung Mukhtar Pascha anvertraut ist, vertheidigen zu Helsen.

Neueste Kriegsnachrichten:

Konstantinopel, 21. Jan. Der Befehl über die zum Schutz der Hauptstadt errichteten VercheidigungSlinien ist Mukhtar Paschi^auvertraut. — Der brittsche Botschafter Layard erttärt die Nachricht, daß er bie Erlaubniß nach- gesucht habe, bie britische Flotte in bie Dardanellen ein­taufen zu lassen, auf bas Bestimmteste für unbegrünbet. — Drei Abtheilungm Hülfstruppen haben bie Serben geschlagen, 12 Geschütze erbeutet und Lozona Ballowa ein­genommen.

Konstantinopel, 20. Jan., Abends. Die Russen sollen heute in Abrianopel eingerückt sein. Die Eisenbahn- Züge verkehren nur bis Tschorlu. Ueber bie Verhand­lungen im russischen Hauptquartier fehlen nähere Nachrich­ten. Ein Telegramm des Gouverneurs von Drama (Vi­lajet Sakonichi) meldet, daß daselbst 3000 Verwundete und Kranke von der Armee Suleiman Paschas angekom­men seien; Letzterer bewerkstelligte demzufolge feinen Rück­zug nach dieser Richtung hin.

3 ibftdhtniwn fto bie Monate Kebr«sr . LPlUMMU und Mürz auf die