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Marburg, Dienstag, 22. Januar 1878
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das Tabaksmonopol zu rechnen ist, wenn dasselbe etwa [A. ^Amendement im BundeSrath angenommen werden sollte.
und Baron van Gaalderen ihnen nicht die Ehre erweisen wollten, Platz neben ihnen zu neben? Van Gaalderen bot seiner Tante schon einen Stuhl an; er selbst bemächtigte sich ebenfalls eine« solchen und so hatten sich denn die Fünf, zur großen Erleichterung des zärtlichen Neffen und zum besonderen Stolze von de Grootm«, ganz gemüthlich bei einander niedergelassen.
Dunckler's Orchester interprettrte in inniger, herzbezwingender Weise das herrliche Lied Mendelssohn's: „Ich wollt' meine Lieb' ergösse sich", aber unter den Fünfen gab es nur Eine, die nach ihm lauschte. Und diese Eine fing die berückenden Töne nicht allein mit dem Ohr auf, sondern ließ ihre Seele so sehr dadurch fortteißen, daß die Gebilde ihrer Phantasie, ohne daß sie sich dessen bewußt wurde, auf einmal eine Form annchmm, die ganz genau einem gewissen Ingenieur glich.
De GrootenS war ganz und gar Zuvorkommenheit gegen das Fräulein und dieses fand den Generalsekretär in seinen Formen so fein und distinguirt, daß es in der That eingenommen von der neuen Bekanntschaft war. De Grovtens besaß das Talent des Zuhörens, ein Talent, das Wenigen eigen ist und wodurch man sich doch so Viele verpflichten kann. Er lauschte also dem Wortschwall des Fräuleins scheinbar mit großem Jnteresie, während van Gaalderen sich bemühte, Marianne aus ihrer Abgezogenheit inS gewöhnliche Leben zurückzurufen.
Fräulein van der Claus war u. A. ein eifriges Mitglied des Thierschutzverrin« und gab so viel charakteristische Erzählungen von verfolgten Katzen, grausam bemaulkorbten Hunden und in zellenarttger Abgeschlossenheit lebenden Vögeln zum Besten, daß das Ehepaar de GrootenS seinen gewohnten „guten Ton" wohl beobachten mußte, um an- dauerndes Interesse zu heucheln.
„Die Befteiung dieser Märtyrer," betheuerte das Fräu
TageSordnung bildete eine Berathung über daS „landwirch- schaftliche Ausstellungswesen", **• a------
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dessen Quintessenz in dem Anträge bestand: „Seitens des Deutschen LandwirthschaftsratheS auf Bildung einer Gesellschaft „deutsche Ausstellungs-Gesellschaft" hinzuwirken, deren Zweck sein soll, in bestimmter Periodicität große deutsche allgemeine landwirthschaftliche Ausstellungen und Special-Ausstellungen zu veranstalten, für welche allgemein bestimmte Organisattons- und Prämiirungspläne gelten sollen." Der LandwirthschastSrach erklärte sich im Ganzen mit dem Organisationsplan einverstanden und beschloß, denselben den Centralvereinen zur Kenntnißnahme mitzu- cheilen.
In parlamentarischen Kreisen ist man geneigt, den mißischen Antrag auf Erhöhung der Tabakssteuer in eine k enge Verbindung mit dem preußischen Finanzminister usen zu setzen, dergestalt, daß man sogar daS even- Äe Schicksal Beider nahezu identificirt. Wir lassen die igung dieser Annahme vorläufig dahin stehen, sicher scheint es allerdings, daß im Falle einer Ablehnung jetzigen Entwurfs der Gegenstand selbst damit von der esordnung nicht verschwinden, sondern — sei es in an- Gestalt, sei es unter anderer Führung — ohne Frage Neuem seinen Weg zu den gesetzgebenden Faktoren 6tm würde. Verhehlen aber darf man sich fteilich kaum, unter den gegenwärtigen Voraussetzungen auf eine it Mehrheit weder für die erhöhte Tabakssteuer noch
Srschniu täglich außer an den Werklagen nach Sonn- und Feiertagen. PrnS für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSuftrtrtes Sonnt«,»blatt" durch die Srvedition tlkoL'scke Buchdruckerri) bezogen 8b ^iark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pf-, (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 18 Pf, 54r m der Expedition zu rrtheilende Auskunft und Annahme von Adresse» werden 35 Pf-, berechnet.
lein, „bereitet uns eine herrliche Genugthuung! Ich habe jüngst noch vier eingekerkerten Finken die Freiheit geschenkt und als die Thirrchen so fröhlich die Luft durchschnitten, war ich mehr als belohnt."
„Ein Anderer bekam sie vielleicht noch am selben Tage gebacken auf den Tisch!" setzte der Neffe sarkastisch hinzu.
„Das vermindert die gute That Ihrer Tante nicht im Allermindesten!" versicherte de GrootenS. Würde man z. B. einem überschwemmten Dorfe nicht zu Hülfe kommen müssen, weil Einige behaupten, daß das Leben ein Unglück ist?"
„DaS stimmt, Mynheer de GrootenS!" sagte das Fräulein in großer Erregung. „Wacker gesprochen. Ich habe sogar aus meine vier Finken ein Gedicht gemacht, so froh war ich über chre Befteiung ..."
„Sind Sie Dichterin, Fräulein?"
„Dichterin — nun ja! Ich mache wohl einmal ein Berschen!" schmunzelte das Fräulein mit erkünstelter Bescheidenheit.
Van Gaalderen seufzte, denn er ahnte, was nach dieser Einleitung folgen würde.
Marianne lauschte nun auch dem Gespräche. Die Musik hatte aufgehört und das Publikum machte sich bereit, den Umzug um den großen Cirkel mit neuem Muthe wieder aufzunehmen.
„Das ist ja höchst intereffant!" betheuerte Mevrouw de GrootenS.
„Lieben Sie Gedichte, Mynheer de GrootenS?" frua das Fräulein «it einem frohen Gesicht.
„Sehr, gnädiges Fräulein."
. „Und ich nicht weniger!" log Mevrouw äußerst natürlich.
„Gedichte sind meine LieblingSlectüre!" war das auf- richttge Bekenntniß von Marianne, die hierbei an Geibel, Beets, de Gönestel, Hugo und Andere dachte.
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Iter ®aa^tren kannte die Neigung seiner Tante für ® wohl, aber fein Egoismus bewog ihn, nicht
r ” äu achten und die Dame ruhig zu Hause sitzen zu 7- außer, wenn sein eigenes Interesse das Entgrgm- X. verlangte.
mit der aufgeputzten allen Verwandten angetretene p^ng um den vom Publikum gebildeten Cirkel war i^ahre Prüfung für ihn, zumal als er in der Ferne schöne Marianne bemerkte, welche mit Recht aller auf sich zog. Van GaalderenS Blick folgte, der [Zm Gestatt überall und als er sah, daß die Drei in 'iyche des Weihers auf einer Bank Platz nahmen, er es so einzurichten, daß er mit seiner Tante vor- 7’ Er grüßte aufs Herzlichste, näherte sich der Fa- stellte ihr ceremoniell Fräulein van der Claus ’stgcnfeitige Verbeugungen.
^nheer de GrootenS frug, ob da« gnädige Fränlein
i«ce nimmt entgegen: Uipe»ttio» d.vlatte», ie dAnnoncen-Bureaux Lh. Dietrich & Co. in d und Hann» »er; Th. Ulrich in Frankfurt a.M.; ufenftein & Vogler in «chun a- M., Berlin, iuig, Cöln ic.; Rudolf in Berlin, Frankfurt M. ic.
Die Handelskammer von Düsseldorf hat eine Eingabe an den Handelsminister gerichtet, welche die Freigebung deS Spiritus, der für gewerbliche Zwecke verwandt wird, anstrebt. Derselbe Gegenstand wird nächstens im Abgeordnetenhause zur Verhandlung kommen, wo ein dasselbe Ziel verfolgender Antrag von dem Abgeordneten Henze schon anfangs December vorigen JahreS eingebracht worden ist. Die Düsseldorfer Eingabe hebt insbesondere die Verschie- denarttgkeit hervor, mit welcher die Fabriken bezüglich der Steuerbonificatton für den von ihnen verarbeiteten Spiritus behandelt werden, und beantragt eine gleichartige Anwendung des Gesetzes für Alle. Anilinfarben-, Bleiwriß- unb Eau de Cologne - Fabriken erfreuen sich der Steuerfreiheit, während dieselbe den Schönfärbereien, Lack- und Zündhütchen-Fabriken rc. versagt ist. Die Essig-Fabriken beklagen sich ebenfalls über die Ungleichheit, daß Baiern, Württemberg und Baden schon seit vielen Jahren die Steuerfreiheit für den Branntwein genießen, welcher in diesen Staaten von Preußen bezogen wird. Die preußischen Essig-Fabriken sind durch diese Bevorzugung der süddeutschen Concurrenten erheblich im Nachtheil.
Die türkischen Waffenstillstands-Unterhändler sind im russischen Hauptquartier in Kasanlyk nunmehr eingetroffen, wo sofort mit den Verhandlungen begonnen wurde. Izzet Bey, ein Enkel Fuad Pascha'S, ist inzwischen schon mit neuen Instruktionen für die Unterhändler nach Kasanlyk abgereist. Es ist noch ungewiß, ob dies Eintreffen der türkischen Bevollmächtigten im russischen Hauptquartter schon gleichbedeutend ist mit dem Abschlüsse der Friedenspräliminarien, in deren Feststellung, bevor der Waffenstillstand vereinbart wird, die Pforte bereits gewilligt hat. Es hängt das Zustandekommen des Präliminar-Friedens in Kasanlyk davon ab, ob die Vollmachten Server Pascha'S, wie eS Rußland verlangte, so weit gehen, wie jene des Großfürsten
Nikolaus, um einen soforttgen Abschluß der Friedenspräliminarien zu ermöglichen, da Rußland nicht gewillt ist, seine Bedingungen preiszugeben und sie zum Gegenstände eines Berichtes an die türkische Regierung und einer nochmaligen Berathung seitens der letztem machen zu lassen, waS nach verschiedenen Konstantinopeler Telegrammen in der Absicht der dorttgen leitmden Kreise tage. Auch wird die Vorwärtsbewegung der msstschen Truppen durch daS Erscheinen der türkischen Unterhändler im msstschen Hauptquartiere nicht ausgehallm — das Gerede von einer fünftägigen Waffenruhe ist rin leeres — und je länger die Pforte den Abschluß der Friedenspräliminarien verschleppt, desto näher rücken die msstschen Kolonnen der türkischen Hauptstadt. Längst betrachtet man in msstschen Kreisen die zu stellenden Forderungen als variable und mit dem türkischen Widerstände wachsmde. Mr sehm für die Türkei feinen Ausweg mehr, als den Abschluß des Waffenstillstandes, der die Annahme der Friedenspräliminarien bedingt; denn waS auch immer England beginnen möge und selbst wenn man mit einem künftigen englisch-msstschen Kriege rechnen wollte, momentan kann England der Türkei, die augenblicklicher Hälft bedürfte, eine solche nicht bringen.
Neueste Kriegsnachrichten:
(Wien, 19. Jan. DaS „Neue Wiener Tagblatt" meldet aus Konstanttnopel: General Klapka hat sich im Auftrage des Sultans nach Adrianopel begeben, um gemeinsam mit Mehemed Ali die Vertheidigung der Stadt zu übernehmen.
Konstantinopel, 18. Jan. Der Großvezir hat die Deputirtenkamrner durch eine Botschaft aufgefordert, fünf Delegirte zu wählen als Mitglieder einer im Uebrigen aus Senatoren, Ulemas und Offizieren zusammengesetzten Commission, welche die militärischen Maßregeln für den Fall des Scheiterns der Waffenstillstands-Verhandlungen in Erwägung ziehen soll.
Konstantinopel, 19. Jan. Die Truppen, welche Adrianopel besetzt hietten, habm sich auf Tschataldja, dem Eentralpunkt der VertheidigungS-Linie von Konstantinopel, zurückgezogen. Die Rusten sollm, wie verlautet, hmte Abend in Adrianopel einrücken.
Konstantinopel, 18. Januar. Dem mehrstündigen Minister-Rache, der geftern im Seraskierate unter dem Vorsitze des Sultans stattfand, wohntm die UlcrnaS, die Generale und die ehemaligen Minister bei. Man verkehrte telegraphisch mit den Armee-Corps- und den FestungS- Cornmandanten und discuttrte die Lage für den Friedens- wie für den Kriegsfall. Nach dem Conseil wurden mehrere Deputtrte dem Sultan vorgestellt, der ihnen für die getroffenen Vorkehmngen zur Unterstützung
er Deustche LandwirthschastSrach hat seine fünftägigen hingen beendet. Am letzten Tage beschäftigte sich noch eingehend mit der „Eisenbahntariffrage". Die k« diesen Gegenstand gefaßte Resolutton lautet: „Der ellt. vtsche LandwirthschastSrach erklärt: daß den Beschwerdm »deutschen Landwirthschaft über schädigende Ausnahmen ___- ^Differentialtarife durch die Reform des Eisenbahn- g| Tresens vom Jahre 1877 keine Abhülfe geschafft sei ZI 6 ersucht den Fürsten Reichskanzler, auch in dieser Rich- r| *8 Remedur eintreten zu lassen." Den Schluß der
Anzeige« nimmt entgegnt: die Expedition ».Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux »o« ®. L. Denke 4 6o. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; w. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
anderem Feuer eingetreten zu sein, als im vorigen ■ —r-t für die Nothwendigkeit, Berlin als Sitz des Reichs- Lkdi hchts zu bestimmen, wmn man nach dem Erfolg ur- . d tim darf. Wie er sich aber vorstellm mag, für diesen s ™ütau6 von freier Advocatur eine Mehrhett im Reichs- zu gewinnen, ist kaum zu verstchen.' Eö scheint also, wir einem Miniatumachspiel zum ReichSgerichts-Con- mtgegen gehen, wobei indeß die Person des Dr. Leon- t kaum so schonende Behandlung finden würde, als Herbst 1876.
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T«geSbericht.
Nach einer Meldung des „Bureau Hirsch" aus Wien afif s [ölen die Handelsvertrags-Verhandlungen mit der deutschen v R-zierung im Febmar nach Votimng des Zolltarifs wieder
, Bei der Anwaltordnung in ihrer jetzigen Gestatt will . imand mehr recht Vaterstelle vertreten. Der preußische
4 0CR$jminifter, schreibt man dem „Hamb. C." von Berlin, eütt für die Nothwendigkeit, den Anwalt als „Beamten" i die Kette eines ministeriellen Urlaubs zu legen, mit
l\ war e« auch diesm Vormittag gewesen und der
1 hatte seine Dankbarkeit dadurch geäußert, daß er
|| .^ante zur Musikauffühmng im Thiergarten einlud.
। | 1Ntie ihm große Ueberwindung, denn er hatte selbst D| ^Geschmack, um neben dieser Regenbogendame nicht zu sein, aber Noth bricht Eisen. Für die Tante ""1 Sm war es ein Genuß. Sie war ganz vemarrt aufs
Scheu und zog denn auch überall, wo es einigermaßen allein hin. Nach dem Thiergarten aber ging
Ci« Rtftieipctmigcx.
Erzählung von Johann 6rem.
* Verfasser antorifirtr Uebertragung auS dem Holländischen t . von Joseph Echrattenholz.
(Fortsetzung.)