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fllarölirg, Sonntag, 20. Januar 1878

xni. Jahrgang.

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Politische Wochen-Ueberficht.

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Jrjdjeint läglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae AHuftrirt»a ßnnnf>ia*hi««f“ hnr* li< Mtafcr $«!««««»« r Warr » Ä »ÄÄXfiSS“ 3üt in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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st hat während der Krankheit und nach dem Tode politischen Widersachers eine würdevolle und wohl- Haltung beobachtet; auch hat er ohne Weiteres kirchlichen Schwierigkeiten, welche die Begräbnisfeier H brachte, hinweg geräumt.

„neue Aera", wie die Republikaner den 13. Decem- it Stolz, die Gegner desselben mit Hohn nennen, be- fich bis jetzt in Frankreich. Die Minister thun gut ihre Pflicht und die Kammern stehen fest zu Der Tod des ersten Königs von Italien veran- die Kammern, am Donnerstag, dem Begräbnißtage, Atzungen zu halten, sondern dem Trauerdienste in

dem auf den 17. ds. angesetzten Leichenbegängniß norbenen Königs von Italien, welches nach der bung seines Sohnes in der Pantheonkirche statt- sind nicht nur alle Anverwandten des könig- Hauses, sondern auch Vertreter nahezu aller euro-

Jn der Thal sah die Nichte des Junkers sehr auffällig aus. Kein Thier im ganzen zoologischen Garten konnte mit so vielen Farben prahlen. Es schien beinahe, als ob die Dame durch das Bestreben, sich mit den Farben aller Nationen zu putzen, ihre allgemeine Menschenliebe beweisen wolle. Auf ihrem Barret blühte ein Beet der schönsten Kunstblumen. Grasgrüne Glacehandschuhe lagen in heftigem Kneg mit einem hellblauen Seidenkleid, während ein rosa- seidener Sonnenschirm über die Aufgabe, dem gelben Ge­sichte durch seinen Schimmer eine gewisse Teintaufmun­terung zu verleihen, mit Recht entrüstet sein durste. Die grauen Haare, durch ein fremdes Reservekorps gehörig ver­stärkt, hatten unter einer Unsumme Cosmetique ihre eigent­liche Farbe zwar verloren, waren aber darum doch nicht anziehender geworden.

Es schien eine sehr bewegliche, aufgeregte Dame zu sein, dieses Fraulein van der Claus. Kleine Menschen find da« meist. Sie scheinen im Allgemeinen der Ansicht zu leben, daß ihnen, weil sie in so geringem Maße über die Erde emporragen, eine größere Beweglichkeit die verloren ge­glaubte Aufmerksamkeit wieder einbringen werde.

Daß die Jungfrau in ihrem Alter noch von einer ewigen äugend träumte, einer Jugend, deren Farben sie in ihrer Tracht so treu blieb, ist zu enffchuldigen: ihr Herz war und blieb jung, und blieb sie darum in dem süßen Wahn befangen, daß, wo der Kern so frisch wäre, auch die Schale ping sein und bleiben mufft.

Fräulein van der Claus hatte nur einen Fehler: sie machte Verse. Es hätte eine Tugend, ja eine erhabene Eigenschaft genannt werden müssen, wenn sie die Ausströ­mungen ihres Dichtergemüthes für sich behalten hätte oder wenigstens nur ihren Freunden damit lästig gefallen wäre. Aber seit sie einmal irgendwo gelesen, daß Möllere alles, was aus seiner Feder floß, bevor er es veröffentlichte, zuerst

lilch tagen zwischen den beiderseitigen Regierungen werden nlceM fortgesetzt, doch bieten sie bis jetzt wenig Aussicht auf

* dem die allgemeine Bewunderung natürlich nicht nwillkürlich nachstarrte.

^..Referendarfamilie hatte sich einen Augenblick mit ^nung eines kurzen Besuches des Generalsecretärs

At. Dies geschah aber nicht. Di« beiderseitige gliche Beziehung war zwar keineswegs abgekühlt,

Ei» Uestde«z»n»«gk».

Erzählung von Johann Gram.

affet autorifirte Ueberttagung aus dem Holländischen von Joseph Schratten Holz.

(gortfe)ung.)

sieht nicht aus wir ein Bäckerssohn, he?" ließ die

entfallen.

* ist ein besonders einnehmender, eleganter junger !* stimmte die zweite bei.

"t ein Apollo," flüsterte die Jüngste.

nahm an dem Gespräch gar keinen Antheil. Er ; feine Cigarre, schaute fortwährend nach dem Wind, der geringsten Luftveränderung den Platz zu wechseln e seine Töchter schon zweimal gefragt, ob sie nichts pr nehmen wünschten.

kam Mynheer de GrootenS mit seiner Frau an und Marianne am andern Arm. Er schritt so und sicher einher wie ein Minister, mit einem

, als ob er eben Audienz ertheilen wolle und gab ihm hierin nicht viel nach. Marianne da- H aus — um ein Bild aus dem Garten selbst zu *$«n — wie ein Täubchen neben einem Cochinchina- Unb — -Huhn. In lichtes Blau gekleidet, was mit jWn Haar und dem prächtigen weißen Teint vor-

mmmt entgegen: ttion d. Blatte», iKännoncen-iBureaut q. Dietrich & Co. in und Hannover; Th. ch in Frantfurt a M.; mitein i Segler in furt a M. Berlin, ij Köln k.; Rudolf in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Staaten in Rom eingetroffen. Der deutsche Bot- hatte bereits im Auftrage seines Monarchen einm »eiMeckranz neben der Leiche niedergelegt, nnd als nun am g des 14. der deutsche Kronprinz in Rom eintraf, e sich dessen Empfang zu einer glänzenden Ovattvn.

von dem bis dahin von seinen Truppen festgehaltenen Nico- laiberge in der Mitte vorging. Der Kampf dauerte bis zum Abmd, dann mußte sich die gesammte türkische Armee ergeben. Noch an einer anderen Stelle, am TrojanSpaß hatte eine russische Abteilung unter General Karzow am 7. den Balkan überschritten. Der Großfürst Nikolaus te= legraphirte am 12. an den Kaiser: »Jetzt ist kein Balkan mehr für uns vorhanden, unsere Truppen haben mitten im rauhen Winter dieses gewaltige Hindemiß überwundm und den verzweifelten Widerstand des Feindes auf der ganzen Strecke von Sofia bi« Hankioi und Parditzka ge­brochen. Unsere Truppen rücken überall vorwärts.« Eine russische Armee von über 80,000 Mann beherrscht jetzt die Straße, welche sich längs der Südabhänge des Balkans hinzieht. Für die Entbehrungen, welche sie im Balkan zu ertragen hatten, finden die Russen jetzt eine an Mitteln reiche Gegend vor sich. Freilich wird es ihnen an An­strengungen auch jetzt nicht fehlen; denn die russische Hee­resleitung ist darauf bedacht, die seitherigen großen Erfolge durch möglichst rasches, weiteres Vorrücken auf Phitippopel und Adrianopel auszubeuten. An einen Widerstand der zersprengten türllschen Armeen ist vorläufig nicht mehr zu denken und in kurzer Zeit werden die Russen, wenn ihrem Vorrücken nicht durch Waffenstillstand Halt geboten wird vor Adrianopel stehen, wo schon öfter über Krieg nnd Frieden entschieden worden ist. Auch in Asien ist die weitere Entscheidung durch vollständige Einschließung und Abschließung ErzerumS nahe gerückt, wogegen die Türken sich durch Beschießung offener russischer Städte vom Schwarzen Meere aus zu rächen suchen. Die Serben haben ihrerseits in der Eroberung der Festung Risch einen bedeutenden Erfolg errungen; mit den Rumänen vereinigt haben sie sodann Widdin eingeschlossen.

Die Türkei hat sich inzwischm entschlossen, wegen etwaiger Friedensverhandlungen und zunächst zur Errei­chung eines Waffensllllstandes mit Rußland unmittelbar ui Beziehungen zu treten. Türkische Bevollmächtigte sollten sich schon vor mehreren Tagen in« russische Hauptquartier begeben, um dort die Bedingungm zu erfahren, unter dmen Rußland zum Abschluß eines Waffmstillstand« geneigt wäre; aber die Absendung oder die Ankunft der Bevoll­mächtigten hat sich, angeblich in Folge einer Eisenbahnstö- rung, verzögert. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Verhandlungen über dm Waffmsttllstand sich alsbald auch auf die Bedingungm des Friedens selbst beziehen werden Nach den Versicherungen aus Petersburg ist dort das Streben und die entschiedene Hoffnung darauf gerichtet eine Lösung zu finden, durch welche die Forderung Ruß^ lands als kriegführender Macht mit dm Interessen der übrigen Mächte in Einklang gebracht werdm.

Der Kaiser Halden Deutschen Reichstag nunmehr zn it diesjährigen Session auf dm 6. Februar einberufm. «scheu beschäftigen sich die Fraktionen im preußischen tttttel ®lätter der verschiedenen Parteien im Lande "ovtbaueriib mit dm vom Reichskanzler angeregten mmgen bezüglich der innern Reichöpolitik, ohne daß ? tt von Ergebnissen Näheres verlautet hätte. Das preu- 26ffi t Abgeordnetenhaus hat während der letzten acht Tage Plenarsitzungen auf die Abendstunden beschränkt, um , J” tage den Commissionen frei zu lassen, welche mit be- trat Eifer der Vorberathung der Ausführuugsgcsetze im deutschen Justizgesetzen obliegen. Doch ist wohl mehr zu erwarten, daß dieselbm noch vor dem Zn- ^Hhentreten de« Reichstages könnten erledigt werden. Der r licke Kronprinz hat sich zur Betheiligung an der Leichen- £ l r be« Königs Victor Emanuel mit Begleitung persönlich

Korn begeben, während der General v. Göben sich so nach Spanien begibt, um im Auftrage des Kaisers Vermählung des Königs Alfons anzuwohnen.

— Jie österreichische Regierung wurde im cisleitha- — m Abgeordnetenhause wegen des von Deutschland be- Ivüi eäeu Grenzverkehrs von Rohlinnen interpellirt. Das be Stenum antwortete, daß es wegen der deutschen Ver- l g» »z in Berlin Vorstellungen erhoben habe. Die Ver-

Injeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte«, sowie dAmwncen-Bureaux von <8. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

der Madeleine, den die in Paris ansässigen Italiener ver­anstalteten, beizuwohnm. Auch Mac Mahon und sämmt- liche Offiziere der Pariser Gamison, die den Feldzug von 1859 mitgemacht, wurden geladen; der Präsident der Re­publik aber erschien nicht, sondem ließ sich durch die Gene­räle dÄbzac und Broye vertreten; auch die clerikalen Mit­glieder des Senates und der Depnttrtmkammer blieben abwesend.

Das spanische Parlament hat mit 309 gegen 4 Stim­men den Ehevertrag des Königs angenommen und eine Witwenrente bewilligt.

Angesichts der schwebenden Waffenstillstandsfrage hält die englische Regierung fast täglich Cabinetsrath ab, wo­zu auch der Generalsekretär für Irland, Sir M. Hicks- Beach emgetroffen ist. Das Zögern Rußlands hat in Eng­land einen sehr üblen Eindruck gemacht und die Befürch­tungen, daß die englischen Interessen bedroht werden könnten, aufs Nme wachgerufen. Die Thronrede, mit welcher das Parlament eröffnet wurde, ist kaum geeignet, diese Befürch­tungen zu, verscheuchen. Es wird in derselben nach einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse im Orient hervorge­hoben, daß Englands Interessen bis jetzt nicht verletzt feien und daß die Königin, so lange dies nicht geschehe, die bis­herige Politik der Neutralität aufrecht erhalten, im entgegen­gesetzten Falle aber von dem Parlament die Gelder ver­langen werde, welche erforderlich sein würdm, um etwa nothwmdig gewordene Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen.

Auf dem Kriegsschauplätze ist dem Uebergange des Generals Gnrko über den westlichen Balkan und der Einnahme von Sofia eine neue glänzende Waffmthat der Russen im mittleren Balkan gefolgt: der General Radetzky hat am 9. Januar nach hartnäckigem Kampfe Schipka und Kasanlyk eingenommen und die gejammte türkische Schipka-Armee, bestehend aus 41 Bataillonen, 10 Batterien und einem Kavallerie-Regiment, im Ganzen etwa 25,000 Mann, gefangen genommen. Die kühne That wurde durch eine doppelte Umgehung der Stellurg bei Schipka vollbracht indem General Skobeleff von der rechten, Fürst MirSky von der linken Seite in vier beschwerlichm Märschen auf den schwierigsten Bergpfadm durch Schnee und Eis vor- rücktcn. Die Truppen mußken dabei die Mundvorräthe auf acht Tage Tage, sowie alles Material großentheils mit sich tragen, die Artillerie wurde auf Schlitten heran- geführt. Alle Schwierigkeiten wurden Überwunden, obschon der Schnee in großen Massen herabfiel und an rieten Stellen mannshoch angehäust war. Am 8. Januar tarnen die beiden Abtheilungm nahe an das Schipka heran. Am 9. Januar in aller Frühe begannen sie bei starkem Nebel, Schnee und Wind den Kampf gegen die türkische Armee von rechts und links, während gleichzeitig General Radetzky aber de Grootens wollte den begonnenen Rundzug gern vollenden. Er hatte jetzt einmal mit dem „Ausstellen" begonnen und fühlte das Bedürfniß, nun auch den ganzen Cirkel abzumachen.

Unter den Referendarstöchtern war die Bewunderung über Mariannens reizende Toilette und hinreißende Schön­heit natürlich nicht sehr groß. Die Kritik beider Dinge war scharf und als die Jungfrau später in Gesellschaft des Baron van Gaalderen noch einmal vorbeikam, wurde die Beurtheilung noch schärfer. Dies mochte zum Theil auch daran liegen, daß van Gaalderen, der kurz vorher mit einer absonderlich aufgeputzten Dame von zweifelhaftem Alter vorbeitrippelte, die Referendarssprößlinge nicht gegrüßt hatte. Ihm war also dasselbe passirt, was dem Trio eben bei dem Metzgerpaar geschah: als die Mädchen ihn ge­wahrten und meinten, daß auch er sie bemerke, schien plötz­lich ein Gegenstand in gegenüberliegender Richtung all' seine Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen und hatte van Gaalderen unglücklicher Weise die Damen nicht ge­sehen. Nun, wo sie selbst von diesem unglücklichen Zufall betroffen wurden, waren die Fräuleins natürlich sehr er­zürnt.

„Mynheer wollte uns nicht sehen!" murmelte die Net­teste.

„Er schämte sich vielleicht wegen des Pfingstochsen an seiner Seite," meinte die Jüngste.

„Echt Haag'sch!" versicherte die Mittlere, die nach einem mehrmonallichen Aufenthalte in Rotterdam das Leben der Residenz manchmal sehr scharf beurteilte. Dann vertiefte man sich in Erörterungen darüber, wer doch wohl die auf- geputzte kurze Dame gewesen fein möge, bi« Papa einen Augenblick am Gespräch Theil nahm und versicherte, daß es Fräulein van der Claus, eine Tante des Junkers van ©aalbertu, gewesen sei.