*. 16.
Marburg, Sonnabend, 19. Januar 1878
xiil Jahrgang.
Mmoncen-Bureaux jj), Dietrich & Co. in 4 und Hannover; Th. rch ja Frankfurt a.M.; jaiftein 4 Sooler in rffurt o. ®L, Berlin, En Köln ic.; Rudolf M in Berlin, Frank» fert a. M. rc.
OIiecheWk Zritmig.
Injeigen nimmt entgegen: die «xpedition ».»latteS, sowie d Unnoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in
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Srscheint täglich außer an ben Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JstuftrirteS Sonntagsblatt" durch die Srpedition («och'sche Buchdrücke re i) bezogen Si Start, durch die Postämter de» Deutschen Reiches 2 Mart 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). — 'ZnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werben 25 Pf,, berechnet.
rt in die zweite Berathuug der nicht an die Budget- Biffton verwiesenen Abschnitte treten. Treffen diese wssetzungen zu, so wird eS nicht schwer werden, den 3ubli hshaushaltsetat vor Ablauf des gegenwättigen Finanz- ?om « vollständig fertig zu stellen.
Tkkge-bericht.
. in Nachdem nunmehr der Reichstag zum 6. Februar einer Ji ifen ist, läßt sich einigermaßen übersehen, wie sich die hästslage des Parlament« gestalten wird. Vor dem rrfeft, welches in diesem Jahre auf den 21. April fällt, rol m für die Geschäfte volle 10 Wochen. Wir dürfen igen; [ annehmen, daß dem Reichstage alsbald nach seiner [ Mnng der Etat zugehen wird. Die erste Berathung
— i tarnt bis am 10. Februar erledigt sein und das Haus
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it Türken scheinen auS dem gegenwärtigen Kriege Ms den Gewinn zu ziehen, daß sie allmälig sich an ist des modenien Kriegsrechts gewöhnen. Der StaatS- von Bülow, Staatssekretär im auswärtigen Amte
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Halle, ist gar nicht möglich. Die Staatsregierung ' rtÄ im Herrenhause möglichst dahin wirken, daß die Vor- 111 Tin einer annehmbaren Form an das Abgeordnetenhaus >t ht
der peuffchkn Reichs, hat kürzlich dem deutschen Botschafter Petersburg folgende Depesche übermittelt: Prinz telegraphirt, daß der Oberst Klevesvhl ihn gebeten ast; A seiner Familie und dem Regimente von Jsmailowsky ts mitzutheilen: „Ich bin nicht verwundet, seid ohne , ich werde gut behandelt." Die wenigen Zeugnisse gute Behandlung, welche die Türken ihren Gefan- anzedeihen lassen, aus dem Munde der Letzteren selbst,
wohl notirt zu werden.
Pera, 15. Januar wird gemeldet: „Die Russen vor ben Thoren von Philippopel, wo man stündlich
Da» Herrenhaus wird seine Sitzungen am 25. d. M. . U et ausnehmen und voraussichtlich zunächst den Staats- l gr Hallsetat in einmaliger Schlußberathung erledigen. Es ieiftgt sich somit die Frage aus, ob es noch möglich sein einen Gesammtbeschluß über das Gesetz bett, den Sitz dgerichte und Oberlandesgerichte zu erzielen. Die helliAschmden Beschlüsse der Herrenhaus-Commission sind mch und wichtig. Wenn eine Vereinbarung erzielt soll, so muß eines der beiden Häuser geradezu nach- denn eine Vermittlung, z. B. zwischen Naumburg
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rtf Tchlacht erwartet. Die Konsuln der fremden Mächte r ttgen den Abschluß einer 24stündigen Waffenruhe, *'* flüchtigen Familien wegzuschaffen, zu deren Ent- t fv vy es bisher an der hinreichenden Anzahl von Eisen- lraA *—.... .
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t j vierte» Kapitel.
i Ü Mie das Einhägüngssystem auch wirken mag, — ein
oder die sogenannte zoologisch-botanische Gesellschaft, öm ! werben nicht „die Schafe zur Rechten und die Böcke
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verschieb geöffnet. Unb von biefer Liberalität wird ^reicher Gebrauch gemacht. Vom Mai bis zum ** ist ber Thiergarten bas Eldorado Jedermanns,
ttistirt in der Hauptstadt, wo ein Jeder, welchen „Wb Stand er auch, haben mag, für feine klingenden er ungehindert Zutritt erhält. Da» ist ber Thier-
Ei» Erflde»ztzkrl»«ßr».
Erzählung von Johann Bram.
1 Verfasser outorificte Uebertragung ans dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.
(Fortsetzung.)
aber der Haag'schen Jugend. Des Morgens ' tt ein willkommenes Plätzchen für die Mütter, die idcN Glider mit Bonnen und Dienstmädchen hinschicken, fa'cd Mdige sechzehn- bis siebenzehnjährige Dämchen gehen eben-
' Nach dem Kaffeetrinken gern und oft dort spazieren; schi ^«uthen nicht im Entferntesten, daß noch an-
' ^Mensch die aus den abgelegenen Pfaden / . etwas Anderes als zoologisch-botanische Stu- he-, «lachen könnten. Selbst wenn die lieblichen Mädchen ___i A den grotesken Sprüngen und Geberden gewisser
^ßler belustigm, bemerken sie in ihrer Unschuld durch- » Äh wie die Augen der bespornten und bärtigen 9ia« ' don diesen wohlgefällig nach ihren Reizen -■ unb an ihnen mit aufmerksamer Beharrlichkeit ^.Kj^tiben. ES sind nur wenige Thiere in dem Gar- j man kann doch viel Naturgeschichte darin lenzen.
bahn-WaggonS gebrach." Unb unter dem 16. wird weiter von dorther gemeldet: „Der englische Konsul Stunt telegraphirte an Layard, 7000 Flüchtlinge befänden sich auf dem Wege nach Philippopel unb 700 schon in Adrianopel. Die Besatzung von Abrianopel be- ttägt nur 1000 Mann, bie Zahl ber Kanonen in den Befestigungen 16, jeboch 62 aus ben Bahnhöfen in Abrianopel unb Konstanttnopel. Die Truppen Suleimann'ö sind bei Otlükiöi echelonnirt in ber Richtung nach ber Eisenbahn. Man beziffert bie Truppenzahl Suleimann'S, welche beu Balkan überschritt, auf 15,000 Mann, 3,540 Pferbe unb 22 Geschütze. Von Varna würben nach Konstantinopel verschifft 28 Bataillone zu je 900 Mann, von Konstantinopel unb Debeaghatsch zwei Bataillone Feuerwehr mit 1,400 Mann, bann 3,500 Mustehafiz, 500 Reiter, 2 Feldbatterien und 22 Festungsgeschütze. — Die Regierung stellt sich ber Bevölkerung gegenüber noch immer auf beit Stanbpunkt, als ob ber abzuschließende Waffenstillstand eben nichts weiter als einen Waffenstillstand bedeute, der nicht nothwendig den Frieden nach sich ziehen müsse, und als ob sie entschlossen sei, nach dessen Ablauf abermals zu den Waffen zu greifen. — Hier geht das Gerücht von einem bevorstehenden Staatsstreich, bei welchem dem hier angekommenen Prinzen Hassan eine Rolle znae- dacht ist."
lieber die neuesten Thaten der türkischen Flotte schreibt die „N. fr. Pr.": Die Vorwürfe, welche der türkische Marineminister int ottomanischen Parlamente wegen Un- thätigkeit und ber fehlerhaften Verwendung ber prachtvollen Panzerflvtte anhören mußte, haben die türkischen Admirale veranlaßt, in den letzten Tagen einige Lebenszeichen von sich zu geben. Die türkischen Monitors haben nämlich nach einander Eupatoria an der Westküste und Feodosia oder Kassa an der Ostküste der Krim und endlich Anapa an der kaukasischen Pontusküste bombardirt. Eine solche Actton der türkischen Panzerflotte hat indeß sehr wenig Nutzen und noch weniger Sinn. Einige in Brand geschossene Gebäude mehr ober weniger in solchen elenben Küstenorten, werben bie russische Macht nicht schäbigen, sondern höchstens bazu beitragen, von russischer Seite Repräfsalien in Bulgarien unb Armenien hervorzurufen. Ein Bombarbement unb ein Angriff von Obessa, baS einen ber Haupt-Depotplätze beL Krieges bitbet, unb eine For- cirung ber Flußmündungen des Dniepr ober bes Dniester unb bie Zerstörung ber Magazine von Akkerman und Ni- colajew hätten jedenfalls mehr Sinn gehabt. Auch die Foreirung der Donau-Mündungen und die Zerstörung der bortigen Anstalten ber Russen würbe eine bankbare Aufgabe für eine Flotte fein, welche nicht von der Torpebo-Angst besessen ist. Zum minbesten hätte man von der türkischen
So läßt sich z. B. ber Conversationston dort recht nach ber Natur ftubiren, wobei bie sorgfältige, echt moberne Pflege unserer Muttersprache treffenb zum Vorschein kommt.
Vor bem großen Affenhause, worin sich nach Darwin unsere Stammväter befinben, stehen beinahe fortwährenb Menschen. Ein höherer holländischer Offizier guckt eben mit seinem kleinen Töchterchen unb Söhnchen ben spaßigen Sprüngen unb Geberben ber bekannten, lustigen Thiere zu, bie ben großen alles nachmachen.
In seinem eigentlichen Feftgewanbe erblickt man ben Garten aber erst an ben Montagen unb Freitagen, bei ben bekannten Musik - Aufführungen. Dann strömt von allen Seiten eine Menge von noblen aufgeputzten, bürgerlichen unb aristokratischen Menschen herein,' alle beladen mit Shawls, Ueberziehern unb Plaids, denn bas Terrain ist so feucht, baß Manche am Abenb ein gratis Dampfbad erhalten, eine Gabe, welcher mancher Haag'sche Dottor sein halbes Einkommen zu verdanken hat.
Diejenigen, welche die praktische Ansicht aufftellen, daß man für fein Entree so viel als möglich zu genießen streben müsse, legen schon um halb sechs Beschlag auf ein Tischchen, obgleich die Musik erst um sieben Uhr beginnt, Andere, oie gleichgültiger sind, begnügen sich mit den Plätzen, die später übrig bleiben. Im Allgemeinen kann man sagen, daß die Bürgersfamilien an solchen Wenden sich förmlich einnisten, während die Vornehmen und Adeligen die Rolle von Zugvögeln übernehmen. Erstere versetzen die Kellner jaft außer Athem und umringen sich in einer Weise mit Stühlen, als ob sie die Nacht dort zubringen wollten; die Letzteren flattern von einem Ort zum andern und ruhen selten.
Eines der ersten Tischchen unter den Bäumen ist meisten- theils durch eine Gruppe Herren besetzt, die jede eintretenbe Familie so genau mustern, al« ob sie eine Jury bildeten,
Flotte erwarten können, sie werde die Blocade der russischen Ponturhäfen wirksam auftecht erhalten und verhindern, daß russische, mit Feldkanonen armirte Kauffahrtei- Dampfer und Torpedo-Kutter von Nicolajew aus, da« ganze Schwarze Meer befahren, und vor Batum und am Eingänge des Bosporus türkische Monitors attaquiren und Privatschiffe kapern.
Neueste KriegSnachrichten:
Petersburg, 16. Jan. Die „Agence Rufle" bringt einen Artikel über die augenblickliche Lage vom GesichtS- punke der Thatsachen, des Rechtes und der Jntereffen auS. Die „Agence Russe" erinnert darin an ben Ursprung des Krieges, welchen Rußlanb gegen seinen Willen in Folge der hartnäckiger Weigerung der Türkei, ben Rathschlägen unb Beschlüssen auf ber Konferenz ber bereinigten Mächte Folge zu geben, begonnen habe. Die Mächte hätten die Türkei auf die Folgen ihrer Hartnäckigkeit aufmerksam gemacht und sie ihrem Schicksale überlassen. Von diesem Augenblicke an, sei für die Mächte nur ihr eigenes Interesse in Frage gekommen. Rußland mußte demnach bei Beginn des Krieges drei Interessen im Auge haben: das Interesse der Humanität und Rußlands, welches die erste Ursache des Krieges gewesen, unb bas Interesse ber angrenzenden Staaten unb anberer Mächte, vorzüglich Eng- lanbs, welches in löblicher, von Rußlanb freunblich ausge- nommener Absicht gleich Anfangs diejenigen seiner Interessen bezeichnet habe, welche eventuell durch ben Krieg berührt werben könnten. Rußland habe diese Interessen zu respectiren versprochen unb habe respectirt. In ber That blieb ber Weg nach Indien, ber Suez-Canal und Aegypten heute wie vordem die ausschließliche Domäne Englands, welche nicht im Entfemtesten bedroht wurde. Bezüglich Konstanünopels sei Rußland nach wie vor jber Ansicht, daß diese Frage Europa vvrbchalten bleiben müsse und daß Konstanttnopel unter keinen Umständen einer der großen Mächte gehören dürfe. Die Interessen der angrenzenden Staaten respectirte Rußland gleichfalls im Kriege und werde sie ebenso im Frieden vertheidigen, wie auch Oesterreich, das am unmittelbarsten interejfirt sei, den' dringendsten Anreizungen von innen wie von außen widerstanden habe. Die russischen Interessen waren von Anfang an zusammenhängend mit der Humanitären bulgarischen Frage, ßegitimirt durch die europäische Conferenz, blieb die Vertretung dieser Rußland, weil Rußland allein aus Gründen der StammeS-Genossenschaft und der Religio« sich entschloß, Blut und Geld hierfür zu opfern. Sodann handle eS sich um die Kriegs-Entschädigungen, welche jedem siegreichen Kriegführenden für die gebrachten Opfer gebühre. Der Frieden, welcher diese Interessen gegen wie, die eine Medaille an die schönste und eine Prämie an die häßlichste Dame zu vergeben hätte.
Wandett man die nicht sehr breiten Wege weiter ent? lang, bann gewahrt man bald einen wahren Menschensee, der in weitem Kreise den Kiosk umlagert, worin Dunklers*) gefeiertes Musikcorps eben begonnen hat, die Sonate Pathe- tique von Beethoven zu spielen.
Man kann sich leicht vorstellen, wie alle Haag'schen. Ohren geschmeichelt werden und in welcher tiefen Stille ber Vortrag angehört wirb.
Wünscht man ein Paar Belege bafür? An der Tafel lilcks wirb laut folgenbes Gespräch geführt:
„Ja, ich nehme jeden Morgen ein kaltes Bad, da« ist wirklich herrlich in bieser Wärme. Dann tleibe ich mich gemächlich an, trinke mein Glas frische Milch unb lese meine Zeitungen."
Tischchen rechts: „WaS für lange Hälse haben doch die Damen van Dörpel und welch horrible geschürzte lieber» würfe."
„Fürchterlich geschmacklos; der Rock ist viel zu kurz." Arme Sonate pathettque!
Etwas weiter:
„Man kann kaum die Toiletten sehen, so dicht sitzen die Leute aufeinander. In Zukunft werde ich mir um die meinige nicht mehr so viel Sorge machen. Hörst Du nicht, Karl?"
Der beneidenswerthe Gemahl dieser musikalischen Schwärmerin gibt keine Antwort.
„Hörst Du nicht, Karl?"
*) Für die Uneingeweihten wird die Notiz erwünscht sei«, daß Dunkler ein vorlresflicher Dirigent und seine Kapelle durch den Vortrag der reizend inftrumentirten Sonate Patdetiqae berühmt ist. Unwert, d. Leders. .