Marburg, Freitag, 18. Januar 1878
XIII ZhkMg.
tetra
WkWftk jritimii
in,
Mta nimmt entgegen: fcprtition b.SIatte», »d-Ännoncen-Bureaux . xh. Dietrich & Co. in rl und Hannover; Th.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 81 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (e$cl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'iche Buchhandlung daselbst; Herma»., Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tbienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen
lif'nftein & Vogler in Sitt a. M.. Berlin, .ja, Cöln rc.; Rudolf 18Min Berlin, Frankist, turt a. M. rc.
Tagesbericht.
Der Reichstag ist auf den 6. Februar einberufen.
Zeiten- des Bundesrathes ist beschlossen worden, daß «ltsam beschädigte, aber vollwichtig gebliebene echte Reichsten von den Reichs- und Landeskassen anzuhalten, durch Mgen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar tat Archen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben sind. Psi M Beschluß soll jedoch keine Anwendung finden: 1) auf jMzm, deren schadhafte Beschaffenheit von Mängeln bei 31b. Ausprägung herrührt, und 2) auf Münzen, deren Be- ^5 »zung so geringfügig ist, daß hierdurch ihre Umlaufs« . M nicht beeinträchtigt wird.
itei
en.
xl
t,
IT
BH los
Die „Provinzial-Correspondenz" enthält einen längeren tM über den Tabakssteuer-Entwurf, worin hervorge- m wird, daß angesichts des Minderbetrages der eigenen ihseinnahmen gegenüber den Reichsausgaben, welcher das bevorstehende Finanzjahr 112 Millionen Mark gzt, die Aufgabe der Reichsfinanzpolitik dahin gehe, s Vermehrung der eigenen Einnahmen aus den zur sugung stehenden Verbrauchssteuern nicht nur den gegen- figtn Mehrbedarf zu decken, sondern auch eine Ent- iung einzuleiten, wodurch die Budgets der Einzelstaaten md entlastet werden, entweder durch Beseitigung oder üßigung der Steuern oder durch Ueberlassung geeig- t Steuern an Provinzen, Kreise und Gemeinden.
chl Die Post aus Südamerika bringt eine Menge Nach- mge ttn über einen in v',r chilenischen Strafkolonie Magal- d j i ausgebrochen Aufstand, an dem sich auch die Sollen: c, sowie die freien Ansiedler beseitigten. Das Packet- $owi i „Memphis", ein deutscher Dampfer, war in Gefahr, i de den Rebellen genommen zu werden. Als die „Mem- >'.sich ta Arenas näherte, legte ein Boot unter »scher Flagge an, von Aufständischen bemannt, welche -Hafenkapitän und einen Zollbeamten mit sich führten, denen sie hofften, daß dieselben unter dem Zwange Drohung, man werde sie ermorden, den Kapitän der svnphis" veranlassen würden, in den Hafen einzulaufen, mtn sich alsdann des Schiffs bemächtigt hätte. Aber Mg dem Kapitän und feiner Mannschaft leicht, nach-
t Artikel schließt: „Der Tabakssteuer-Entwurf wird ii der wichtigsten Berathungsgegenstände des Bundes- ts und des Reichstages jbilden. Die Nothwendigkeit Vermehrung der eigenen Reichseinnahmen ist allseitig ckrnnt. Immer entschiedener gelangt die Ueberzeugung Geltung, daß hierzu vorzugsweise höhere Einnahmen m«i ; dem Tabaksverbrauche in Aussicht zu nehmen feien."
f
06«
fuhr er nichtsdestoweniger fort. „Die Haag'sche ^vnde ist seiner wohl werth; es fehlt nicht an Be
nn
ti
L
78.
Ei« Nefide«zvrr»oge«.
Erzählung von Johann Gram.
8 Berfaff« autorifirte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.
< Fortsetzung.)
»Es bereitet mir eine große Ehre, Mevrouw," sprach ^•t, „es bereitet mir sehr viel Ehre, Ihnen vorge- ? zu werden. Dann und wann hat ein glücklicher E mich in die Gesellschaft Ihres Fräulein Tochter W- Diesmal macht er mich mit der Mama be-
»^ein, nein!" wurde nun lakonisch zugestimmt, wäh- vvn Gaalderen mit einem komischen Lächeln, das Wildes Blut zu Kopfe trieb, dasaß und ihn anstarrte. «Lesen Lie etwas Schönes, Juffrouw de Grvotens?" i Willem, um seine Stellung zu behaupten.
* ’ Mynheer," sagte Marianne mit einem gewissen der Stimme — der sonderbare Empfang verletzte ^ckbar — „o ja, Erzählungen von Emil Souvesire." , muffen vor Allem AlcestiS lesen," fuhr Willem
13. T'ti fort, „ein herrliches Buch, das veredelt und er- Sv Pf* ist eine echte Künstlergeschichte mit allen Leiden, gerungen und Kämpfen einer wahren Künstler-
r,? «Sie sind sehr freundlich," war die kurze Antwort, lei?« A einem so kühlen Tone ertheilt wurde, daß dem ielh 6it Willem beinahe der Muth entfiel, das Gespräch "-« Hetzen.
■ftti 2? D ein besonders schöner Morgen heute, Me
dern der Hafenkapitän sie von dem wahren Sachverhalt in Kenntniß gesetzt, die Meuterer zu entwaffnen. Am Land kam man schnell dahinter, welches Schicksal die Abgesandten gehabt hatten und feuerte darum auf den Dampfer, jedoch ohne ihn zu treffen. Die „Memphis" segelte hierauf nach Montevideo und vermittelte von dort aus der chile- lenischen Regierung die erste Nachricht von dem Aufstande auf Magallanes.
Trotz der in Aussicht stehenden Waffenstillstands-Verhandlungen wird — nach Nachrichten aus Konstantinopel — wacker weiter gekämpft. Zwischen Russen und Türken, d. h. zwischen den Korps Gurko's und Suleiman Pascha soll eine große Schlacht zwischen Tatarbasardschik und Philippopel ftattgefunben haben, nachdem schon mehrere Tage zuvor gemeldet worden, daß um Tatarbasardschik gekämpft werde. Nach H. T. B. haben sich die Türken von diesen Ort, nachdem sie ihn in Brand gesteckt, zurückgezogen — wahrscheinlich auf Philippopel, der Kampf soll noch fortdauern. Weiter wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Russen — jedenfalls die Centrumsarmee der Generale Radetzky, Skobeleff, Fürst Mirsky und Karzoff — in Tschirpan angekommen sind und auf Jeni-Mahalgre marschiren. Tschirpan liegt in der Luftlinie 2—3 Meilen von der Bahn von Pilippopel nach Adrianopel, Jeni-Ma- halgre an dieser Bahn östlich von Philippopel. Suleiman Pascha könnte also der Rückzug abgeschnitten werden, von Westen her bringt Gurko auf ihn ein, von Osten ober Nordosten her bie russische Centrumsarmee — das Streitobjekt ist Philippopel und bie bort zusammengezogene türkische Armee Suleiman Paschas, bie zwischen zwei Feuer kommen bürste.
Neueste Kriegsnachrichten:
Wien, 16. Jan. Ein Telegramm ber „Presse" aus Tirnowa vom 14. b. melbet: Die Capitulations-Verhand- tiingen mit Widdin haben sich zerschlagen, weil ber Corn- manbant ber Festung entweder Verhandlungen mit den Russen oder freien Abzug der Garnison fordert. 8000 Russen sind vom westlichen Lorn gegen Widdin im Anmarsch.
Deutsches Reich.
*# Berlin, 16. Jan. Die Berichte über die Abendsitzungen des Abgeordnetenhauses fallen natürlicherweise in den Tagesblättern sehr kurz aus, eS wird daher manche nicht unwichtige Erklärung auch vom Regierungstische übersetzen. Dahin gehört die vom Landwirthschaftlichen Minister bei Berathung der Angelegenheit der Boker Haide
„Sind . . . Sie . . . auch ... in der Bäckerei beschäftigt?" unterbrach Mevrouw, welche die Störung ver- muthlich unsäglich enttäuschte, plötzlich den Lauf des Gesprächs.
In dem Ton der Frage lag etwas so Heruntersetzendes und Verletzendes, daß Willem all seine Selbstbeherrschung nöthig hatte, um nicht scharf zu werden.
„Pardon, Mevrouw, ich bin Civil-Jngenieur —
„Das ist gegenwärtig der Beruf von Krethi und Plethi," ließ sich van Gaalderen, wie mit sich selbst sprechend, entfallen.
„Vollkommen wahr, Mynheer," versetzte Willem unmittelbar, „für die Nichtsthuer sind aber noch viele Stellen int Civildienst frei."
„Gewiß," fuhr Baron van Gaalderen mit demselben aufreizenden Lächeln fort, „obgleich die Nichtsthuer — welcher Gilde anzugehören ich mir zur Ehre rechne — gar häufig durch fatale Aktienmänner in ihrer Ruhe gestört werden. Um Ihnen die Wahrheit zu sagen — wenn Sie Alexander wären und ich Diogenes, würde ich augenblicklich eine nicht mißzuverstehende Bitte an Sie richten —" -
„Das Bild ist hübsch erfunden," antwortete Willem schnell, „und trifft auch insofern zu, als ihr Windstuhl ganz gut als Sonne passiren kann. Mevrouw, ich habe die Ehre, Ihnen mein Compliment zu machen. Gnädiges Fräulein —" und mit einer Verbeugung verließ Willem die Gesellschaft, van Gaalderen im Geheimen verwünschend, während der verletzende Empfang von Mevrouw ihn unsäglich schmerzte.
Was verhieß ihm das für die Zukunft? War er kein ehrlicher Mann? War der Name seines Vaters nicht fleckenlos?" Und mit welchem Rechte behandelte man ihn denn auf so erniedrigende Art? Hatte er sich nicht eine achtungswerthe Stellung erobert, streckten ihm die Besten seiner Fachgenossen nicht die Hände entgegen und standen
abgegebene Erklärung über die Wasserrechte. Der Minister äußerte, er habe sich die Frage vorgelegt, ob nicht die ge- sammten Wasser-Rechtsverhältnisse einer gleichzeitigen systematischen Regelung zu unterziehen seien. Die schwierige Arbeit der Vorfrage fei bis zu einem gewissen Abschluß gediehen und es werde sich nun zeigen, ob es möglich sei, die Aufgabe in absehbarer Zeit zu lösen. Der Minister könne dies jedoch augenblicklich um so weniger übersehen, als die im Reich schwebende Codification deS bürgerlichen Rechts in nahem Zusammenhang mit der Bearbeitung des Wafferrechts stehe und sich allerdings schon jetzt große Schwierigkeiten einer getrennten Regelung des Wasserrechts herauSgestellt hätte. Sollten diese Schwierigkeiten sich als solche erweisen, daß eine wesentliche Verzögerung entstände, fo würde der Minister vorziehen, aus dem großen Gebiet des Wasserrechts die Frage der Meliorationsgenossenschaften herauSzuscheiden und mit einer sich auf diesen Gegenstand beschränkenden Vorlage vor den gesetzgebenden Körper zu treten. — AuS Anlaß eines Specialfalles, in welchem die Frage zur Erledigung stand, ob die Abänderung ber Statuten einer Privat-Eisenbahngesellschaft der Recognition der Staatsbehörden unterbreitet werden müsse, Hal der Handelsminister sich dahin ausgesprochen, daß er bei der in dem Erlaß seines Amtsvorgängers vom 6. September 1873 geltend gemachten Forderung beharren müsse, wonach die Eisenbahngesellschaften die Beschlüsse über Statutenänderung in jedem Fall der Staatsregierung einzureichen haben. Es wird da- gefordert behufs Prüfung der Frage, ob durch die Aenderung oder Ergänzung des Statuts der Gegenstand des Gesellschaftsunternehmens berührt wird, ob besonders nach dem erweiterten Gesellschaftsvertrage die Gesellschaft, der die Concesston ertheilt ist, noch dieselbe juristische Person geblieben ist und die gleichen Eigenschaften bewahrt hat, die bei der Ertheilung der Concession angenommen worden, ob endlich durch die Statutenänderung die Concession nicht zu entziehen ist. — Nach der nunmehr in ausgedehntester Weise vollzogenen Untersuchung der Hafenbauten in Kiel hat sich herausgestellt, daß die Gerüchte von der Unhaltbarkeit der Bauten durchaus grundlos waren.
Hamburg, 13. Jan. Die Besprechung der Gesetzent- toürfe über Abänderung der Gewerbe - Ordnung und Einführung von Gewerbegerichten läßt in dem größten Theile unserer liberalen Presse die gehässigsten Eigenschaften, welche der letzteren ankleben, zum Vorschein kommen. Zuerst die unglaublichste Flüchtigkeit und Leichtfertigkeit. Sollte man es für möglich halten, daß eine ganze Anzahl deutscher Blätter frischweg behauptet, in diesen Entwürfen werde das „obligatorische Arbeitsbuch" gefordert, während doch nach den wirklich gemachten Vorschlägen das Arbeitsbuch nur für
ihm nicht die schönsten materiellen Erfolge in bestimmter Aussicht?
Beinahe hätte er seinen Vater zum Theilgenoffen seines Schmerzes gemacht, solch eine Nothwendigkeit verspürte er, sich einem theilnehmenden Herzen auszuschütten. Aber als er von einem trüben Jrrlauf durch das herrliche Scheve- ning'sche Wäldchen zu Hause ankam, fand er den alten Herrn Mols so eifrig in seinem Gemälde-Cabinet mit Feimann beschäftigt, daß er kaum einen Gruß seines Vaters empfing.
Es war ein kostbarer Anblick, den alten Mols in seinem weißen Bäcker - Anzug an einem Tische mit dem Maler Felmann zu sehen, beide beschäftigt, einige seltene Radirungen und Stiche miteinander zu vergleichen.
Das ganze Gemach war von oben bis unten mit Gemälden beveckt. Die hohen Fenster besaßen nur an ihren unteren Scheiben kleine dunkle Vorhänge, und so entstand in der Stube ein mildes, weiches Licht, ein Lickt, welches seinen Glanz in der That auf keine unwürdigen Gegenstände ausströmte.
Wie Mols Verehrer der Kunst und danach Sammler geworden, war eine curiofe Geschichte. Dreißig Jahre und etwas darüber alt, war er noch Knecht bei einem Getreidehändler. Als dieser sein Geschäft aufgab, wurde Mols mit Weib und Kind broblos. Er entschloß sich also, selbst die Hände aus dem Aermel zu strecken, wie man zu sagen pflegt. Sein alter Herr lieh ihm eine kleine Summe, Mäs lernte wie ein Junge von zwölf Jahren rasch rechnen und buchhatten und hielt dabei seinen praktischen Blick scharf auf die Dinge gerichtet. Glück und Vorsehung begünstigten ihn dermaßen, daß er an einem schönen Morgen in seinem Salonspiegel den reichsten Kaufmann der Residenz begrüßte. Selbst daS Wohnhaus seines früheren Arbeitgebers, worin er jahrelang