Marburg, Mittwoch, 16. Januar 1878
XIII. Mrgiltg.
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«dilnaoncen-Bureaux , U. Dietrich & Co. in anb Hannover; Xb. «ich in Frankfurt a.M.; aftnfkin & W«„in mtfurt a- M., Berlin.
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WechkM Jritiiiio
Anzeigen nimmt entgegen: die Trpebition b.lvlatte», sowie b.Lnnoncen-Burear^ von L. Daube & Co in Frankfurt a. M.; Jägr?iche Buchbanblung daselbst; Herma,... iu#e Buchhanbl- ♦ daselbst; Inoalidendauk in
Berlin; W. TbieneS in Clberfelb; C- Schlotte in
Bremen
Erscheint täglich außer an den Werklagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS TonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker«i) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexcl. Bestellgebühr». — Jnsertionsaedübr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffrn werden 25 Pfg. berechnet.
Tigesbericht.
Der nunmehr dem Bundesrathe zugegangene Entwurf Gerichtskostengesetzes für daS Deutsche Reich besteht g sieben Abschnitten, wovon der erste Abschnitt die Allge- einm Bestimmungen enthält, der dritte die Gebühren im mkursverfahren, der vierte die Gebühren in Strafsachen, k fünfte die Auslagen, der sechste den Kostenvorschuß ib Kostenzahlung behandelt und der siebente die Schluß- siimmug enthält. Wir theilen daraus folgende Einzel- itnt mit:
Im 2. Abschnitt (§§ 6—43) wird zunächst allgemein timmt, daß in bürgerlichen RechtSstreittgkeiten nach dem jache des Streitgegenstandes Gebühren erhoben swerden. ir volle Gebühr beträgt bei Gegenständen im Werthe 1) I 20 Mark incl. 1 Mark, 2) von 21 bis 30 M. — M. 40 Pf-, 3) von 61—120 M. — 5 M. 20 Pf. | von 121—200 M. — 9 M., 5) von 201—300 M. ■ 13 M. 6) von 501—450 M. — 18 M., 7) von il—650 M. .— 24 M. 8) von 651—900 M. — 30 L 9) von 901—1200 M. — 36 M., 10) von 1200 11600 M. — 42 M., 11) von 1601—2100 M., — IM, 12) von 2101—2700 M. — 54 M., 13) von »1-3400 M. — 60 M., 14) von 3401—4300 M. -67 M., 15) von 4301—5400 M. — 74 M., 16) i 5401—6700 M. — 81 M, 17) von 6701—8200 1- 89 M., 18) von 8201—10,000 M. — 98 M. « ferneren Werthklassen steigen um je 2000 M. und t Gebühren um je 10 M.
S 8: Bei nicht vermögensrechtlichen Ansprüchen wird r Werth des Streitgegenstandes zu 2000 M., aus- chusweise zu 200, 600, 10,000 M. oder 50,000 M. Wommen.
$ 16: Die volle Gerichtsgebühr wird erhoben 1) für die «raditorische mündliche Verhandlung (Berhaudlungsge- fcj, 2) für die Anordnung einer Beweisaufnahme (Br- Webühr,) 3) für eine andere Entscheidung (Entschei- Wgebühr.)
$ 43: In der Berufungsinstanz erhöhen sich die Ge- hrenfätze um */<, in der Revisionsinstanz um die Hälfte.
IV. Abschnitt: Gebühren in Strafsachen. § 53: In dch'achm gibt die rechstkrästig erkannte Strafe den Maß- B für die Höhe der Gerichtsgebühr aller Instanzen. — Uneben einer Freiheitsstrafe auf Geldstrafe erkannt, so fe der ersteren die für den Fall, daß die Geldstrafe nicht Wrieben werden kann, festgesetzte Freiheitsstrafe hinzu- «chnet. Ist die bedingte Festsetzung der Freiheitsstrafe klaffen worden, so wird für jeden angeführten Betrag s 10 3R. der Geldstrafe ein Tag Frecheitsstrafe zuge- Intt. § 55. Für das Verfahren in erster Instanz
Ei» fteßtapemiftea.
B Erzählung von Johann Gram.
fr» Setfofftr autorifirtr Ucbertragung aus dem Holländischen I von Joseph Schrattenholz.
I (Fortsehung.1
schillernde See, deren spielende Wellm das Helle P» der Lust wunderbar klar widerspiegelten, war so und glatt, als ob sie für ewig gezähmt wäre und Lfeine graue Sanb des Strandes biwete einen so wichen Uebergang zu den gelben Dünen mit ihren Ulkten Gräsern und dem ersterbenden Wellenschläge, » Felman ganz entzückt war. Ein einzelnes Fischer- ** am Strande, mit seinem braunrothen Segel und dunklen Holzmasse scharf gegm all den Glanz « das Licht abstechend, war für unseren Maler „ein •**>*. Er setzte sich ungesäumt nieder, holte sein Mrbuch und seinen Farbkasten hervor und ging ans **■ Vorher aber ertheilte er dem stzngen Mols Er- weiter zu spazieren und ihn seinem Schicksal zu fassen. Rach Msprache würden sie sich später bei dem Mole Wiedersehen.
Mllem spazierte den Strand entlang in der Richtung ^rm großen Badehaus. Kein herrlicherer Anblick, als Strand am Vormittag«. Dir bekannten Windstühle*) rNte sind dann Gold werth. Unzählige Fürsten und ^hme haben Beschlag darauf gelegt und ein gewöhn- ^ Sterblicher, der seinen Seffel nicht beim allgemeinen F9*ot gewinnen will, muß sich mit dem gemeinschaft- ^Sitzplatz, der Düne, zufrieden geben.
Groß« Stühle aus Wnbenfirchtwcrk, «eiche an die Babe- F "ttmiethet «erden. Ium. d. Uebers.
werden erhoben, wenn die Geldstrafe oder die Frecheitsstrafe beträgt: 1) bis 20 M. oder bis 10 Tage 5 M., 2) von 31 bis 30 M. oder von 11 bis 14 Tage 10 M, 3) von 31 bis 60 M. oder von 14 Tagen bis 4 Wochen 20 M., 4) von 61 bis 150 M. oder von 4 bis 6 Wochen 30 M, 5) von 151 bis 300 M. oder von 6 Wochen bis 3 Monaten 45 M. 6) von 301 bis 500 M. oder von 3 bis 6 Monaten 60 M, 7) von 501 bis 1000 M. oder von 6 Monaten bis 1 Jahr 75 M, 8) von 1001 bis 1500. M. oder von 1 bis 2 Jahre 100 M., 9) von 1501 bis 3000 M. oder von 3 bis 10 Jahren 180 M. Im Falle einer schwereren Strafe ist auf 300 M. die Gebühr zu erhöhen. Ist auf Verweis erkannt, so beträgt die Gebühr 5 M. und ist ausschließlich auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte überhaupt oder einzelner bürgerlicher Ehrenrechte erkannt, 45 Mark.
Die „National-Liberale Korrespondenz" veröffentlicht folgende, ihr „von vollkommen unterrichteter Seite", also wohl von den Führern der Fractton zugehende Mittheilung: „Die Zeitungen fahren fort über die Varziner Besprechungen der Weihnachtstage und die damtt im Zusammenhänge stehenden Vorgänge die verschiedenartigsten Enthüllungen zu bringen. Neuerdings sind auch die Verhandlungen, welche am Dienstag Abend in der national-liberalen Fraction stattgefunden haben, Gegenstand der besonderen Aufmerksamkeit der Presse geworden. Man wird gut thun, an die Mittheilungen, welche hierüber in den Zeitungen umlaufen, denselben Maßstab anzulegen, wie an die 'Nachrichten über die Varziner Besprechungen. Es ist zunächst unrichtig, daß die in Berlin wohnenden national - liberalen Mitglieder des Reichstags zu der erwähnten Sitzung der Fractton eingeladen worden und erschienen seien, unrichttg ferner, daß der Fractton bestimmte, auf die gegenwärtige Situation bezügliche Vorschläge gemacht worden seien, welche dem Fürsten Bismarck unterbreitet werden sollen, unrichtig schließlich, daß irgend welche speciellen Personalfrageu im Anschluß an die Varziner Besprechungen discutirt worden seien. Richtig ist nur, daß in der erwähnten Sitzung der national-liberalen Fractton über die gegenwärttge politische Situation im deutschen Reiche wie in Preußen und die Haltung, welche die liberale Partei in derselben anzunehmen haben werde, eine vertrauliche Verhandlung stattgehabt hat. Ersteulicherweise hat sich dabei, wie uns versichert wird, eine vollständige Uebereinsttmmung unter allen Mitgliedern der Partei herausgeftellt über das, was der Partei unter den obwaltenden Umständen zu thun und zu unterlassen obliegt. Einig war man auch darüber, daß der gegenwärtige Zustand sowohl int Reiche wie in Preußen ein gänzlich unhaltbarer sei, und daß seine Fortdauer eine schwere
Nicht leicht wird dich das Rauschen der See und die gewölbte blaue Himmelskuppel melancholisch stimmen, denn die Umgebung ist so groß und reich an Abwechslung, daß die See einfach zum Hintergründe wird von dem sich die mannigfachen kleinen Bilder vorttefflich und überraschend abheben.
All die verschiedenen Badegäste sind hier vereinigt. Der echte Badegast, der in den Salzfluthen ernstlich Genesung sucht, liegt achtlos in fettem Korb. Er bekümmert sich nicht um seine Haltung. Ein Buch von Zschokke oder eine Predigt von Bungener ruht in seinen Händen. Gleichgültig starrt er in die See, die all' des bunten Treibens überdrüssig, stets denselben Lauf verfolgt und ewig ruhelos den Strand benetzt. Um ihn herum flattern junge Sylphiden, die mit ihren echten oder annecttrten, lose nieder- hän^nden Haaren einen Provinzialdichter wohl vermachen lasten könnten, daß sie als eben fo viele Götttmten aus dem Meere gestiegen wären. Die Jungfrauen sind aber ganz wie gewöhnliche Menschenttnder mit der Gondel aus dem Haag gekommen. Sie verbringen auf dem Strande täglich zwei oder drei Stunden mit Baden, Lachen, Plaudern und Koketttren und sind durch ihr anspruchvolles Thun und Treiben wohl darnach angethan, den eigenttichen Badegast zu ärgern.
Der Haag'sche Badegast hat unstreitig das beste Theil erwählt: wenn er sich nach seinem Belieben niedergelassen und all' die schönen Fleckchen besucht hat, setzt er sich wieder in die Gondel oder auf die Pferdebahn und wird eine Stunde später in dem Walde oder auf den Straßen nicht mehr gesehen.
Der echte Kurgast aber ist dem Strande treu. Ist er ein verheiratheteö Femininum und sein alter ego ein Börsenbaron, dann bleibt bei der herrschenden Geschäftsflaue die Langeweile für ihn nicht aus. Wenn auch die drei
Schädigung namenttich des deuffchen Reichs herbeiführen muffe."
Das fortschrittliche „Franks. Journal" schreibt zur inneren Lage: Die nattonal-liberalen Stellen-Jäger, die bereits alle obersten Reichs-Würden vertheitten, so daß Mi- nifter-PortefeuilleS und Stellen von Unter-Staatssecretären feil zu sein schienen wie saures Bier, haben dieses Rial ein gründliches Fiasco gemacht und haben, so glauben wir annehmen zu bürfen, vorerst keine Aussicht mchr, mit ihren Projekten ans Land zu kommen.
Ueber die letzten Augenblicke des Königs Victor Emanuel in Verbindung mit dem Empfang der Sterbejakramente sind vielfach falsche Gerüchte verbreitet worden. Als zuverlässig darf folgende unö zugehende Darstellung angesehen werden: „Als am 9. Januar um die Mittagsstunde eine neue Konsultation der Aerzte stattgesundeil hatte, und der Zustand des Kranken hoffnungslos geworden war, wurde beschlossen dem Könige die Sterbesakramente reichen zu lassen. Der Hoskaplan Kanonikus Anzino wurde gerufen und in Gegenwart des Prinzen Humbert und der Prinzefsin Margarethe und aller Großwürdenträger des Staates kommu- nizirte der König und empfing die letzte Ortung. Auch der österreichisch-ungarische Bolfchafter von Haymerle, weicher in diesem Augenblick in den Quirinal trat, wohnte der rührenden Sceire bei. Da nach 2 Uhr cie Äihembe- schwerden immer größer geworden waren, |o näherten eie Aerzte dem Munde des Jtranten ein Gefäß nut Oxygen. Der König athmete das Gas ein und schien einige irneich- terung zu fühlen. Da neigte er drei Mal das Haupt zu den Umstehenden, welche die Thränen nicht mehr zurückhalten konnten, machte noch eine Bewegung mit der Hand nach dem Munde, that noch einen Seufzer und verschied. Die Sanduhr im Todtenzimmer zeigte gerade 2 Uhr 30 Minuten. In diesem Augenblick erfchien Jemand im Vorzimmer. E» war ber ruKsche Botschafter Baron von Uxküll. Er brachte ein Telegramm des Ezaren an den König. Man führte den Botschafter ein und dieser fand den König als Leiche.
Ueber den Gang der Waffenstillstands-Verhandlungen bringt die Wiener Presse folgende thatsächliche Bemerkungen: „Die Türkei ließ ihre Delegirten im russischen Hauptquartier anmelden, worauf sie die prinzipielle Bereitwilligkeit, auf Verhandlungen emzugehen, als Antwort bekam. Die Pforte erbat sich sodann die Mittheilung der Bedingungen nach Konstanttnopel, damit es chr möglich werde, ihre Delegirten sogleich mit den nöthigen Jnftruttionen zu versehen. Darauf erhielt sie einen ablehnenden Bescheid mit dem Beifügen, daß die Delegirten der Pforte erst im oder vier mehr oder minder lästigen Kinder der Dame größere Zerstreuung bringen, als sie wünscht, weder Bot- gorschek*), noch die Terrasse, noch die Soireen können ihre zusammengezogene Stirne glatt machen. Drei bis vier Mal an einem Morgen sieht man eine solche Dame mit ihrem Gefolge von Bonnen, Gouvernanten und Kindern vom Sttande nach der Terrasse und umgekehrt einherziehen. Sie hat niemals das schöne Lied: „Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer", so gut begriffen, wie jetzt, und doch will sie vor keiner, ihrer Freundinnen, welche die Bäder von Scheveningen ebenfalls gebrauchen, zurücktreten.
Auch der kleine Amor guckt hier und da um eine Ecke. Einige MarSsöhne, welche sich in der Friedeirszeit für die Entbehrungen bei einem etwaigen Kriege nach Kräften schadlos zu halten suchen, haben dort himen eine Anzahl Stühle mit Beschlag belegt. Sie kehren der See den Rücken zu, haben sich mit Lorgnons bewaffnet und belagern so jeden Windstuhl, worin eine besonders anziehende Jungfrau hingegossen liegt. ES ist ein Kreuzfeuer von unschuldigen Blickraketen, mehr oder weniger verliebten Bomben und Koketterien.
Beinah« ganz im Hintergründe, nach der Düne zu und mit dem Rücken nach der Windstuhlversammlung gekehrt, stehen zwei Seffel so nahe bei einander, als ob sie Philemon und Baucis gehörten. Es ist ein verliebtes Pärchen, welches auf dieser äußersten Grenze seine Zuflucht gefunden hat, und, Dank den schlauen Bewegungen von der Dame Sonnenschirm, Handdrücke wechselt, ja vielleicht noch zärtere Geschenke auStauscht.
Außer dem Publikum in den hoch überdeckten Stühlen
*) Ausgezeichneter Flötist bei Theaterorchesters in Haag, der tm Sommer in Scheveningen Concerte arrangirt.
Anm. d. llebersetzerS-