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Marburg, Sonntag, 13. Januar 1878

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Politische Wochen-Ueberficht.

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• Der baierische Landtag hat am vorigen Freitag (4. Mar) die Regierungsvorlage wegen provisorischer Steuer-

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Erzählung von Johann Gram.

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h. Bei seiner kräftigen Natur hoffte man aus baldige «sung, um so unerwarteter war daher die Nachricht, I der Begründer der italienischen Einheit am 9. d., um b 3 Uhr Nachmittags, den immer heftiger auftretenden teranfällen erlegen sei, nachdem er kurz vorher die

nehmen, „Kassian! daß es so weit mit Dir kommen mußte!" Ohne daran zu denken, daß er von Fremden umringt war, fuhr er halblaut fort: „Da sorge ich ja in Indien besser für meine Schwarzen, als hier zu Lande die Menschen für ihre Verwandten."

Der Gastgeber wußte buchstäblich feinen Rach. Die Gäste waren noch immer von dem panischen Schrecken be­fangen, welchen der Blitzstrahl hervorgerufen Halle; sie fühlten sich in dem peinlichen Zustande von Menschen, die einer Scene beiwohnen müssen, welche keine Zuschauer duldet. Jedermann sah plötzlich, ganz gegen Wunsch und Absicht, eine schmutzige, das Tageslicht scheuende Familienwäsche vor seinen Augen ausgebreilet. Doch man war nun einmal da. Es galt also, sich auf die beste Weise 'einen anständigen Rückzug zu sichern.

In diesem höchst kritischen Augenblick, wo weder Gäste noch Gastgeber wußten, wie sie die entsiohene Gemüchlich- keit wieder Herstellen sollten, ließ Mevrouw sich in ihrem Zorn über den unglückseligen Zufall so weit fortreißen, daß sie, Anton vom Kopf bis zu den Füßen musternd, sagte: „Es wäre besser, daß uneingeladene Leute fortblieben, als angenehme Gesellschaften zu stören!"

„Geht das auf mich?" frug der Indier mit einer be­zeichnenden Geberde.

„Durchaus nicht, aber auf Anton!"

„Wenn er ein Junker oder Baron gewesen wäre," sagte der Indier heftig, „würdest Du vielleicht vor Freude ge­tanzt haben —"

Das war das Rollen des Donners nach dem Blitz­strahl und Alles ließ vermuthen, daß nun ein heftiges Ge­witter folgen würde. Die Worte Karls trafen den Gene­ralsekretär ins Herz, dennoch aber verlor er feine Position den Gästen gegenüber keinen Augenblick aus den Augen. Alleö aufbietend, um gelassen zu bleiben und seine aristo«

„Affaire Limoges" über die militärischen „Vorsichtsmaß­regeln", die nach anderer Auffassung „Vorbereitungen zu einem Staatsstreiche" gewesen sein sollen, hielt zwar die Pariser und zumal die Provinzialpresse noch in Athem, aber da« Verttauen zu dem Cabinet, daß es fein Mög­lichstes zur Erhärtung der Thatsachen und zur Ersetzung der mißliebigen Oberbefehlshaber thun werde, nimmt zu. Namentlich war es auf Beseitigung Ducrot's abgesehen, und diese hat Dufaure wirklich am 10. Januar erlangt, während der Marschall sich zu weiteren Zugeständnissen nicht entschließen kann und neben dieser ablehnenden Hal­tung zugleich die Auflösung des Achtzehner-Ausschusses ver­langt, über die in der Linken selbst hin und her erörtert, jedoch noch kein Entschluß gefaßt wurde. Die Eröffnung der regelmäßigen Session der Kammern erfolgte am 8. Januar unter den vorgesehenen Formalitäten.

Die spanischen Cortes sollen am 10. d. Ms. zu­sammentreten, um den königlichen HeirathSvertrag entgegen­zunehmen, der am 19. d. in Aranjuez unterzeichnet werden wird. Eine zweite Sitzung des CongresseS soll am 7. Februar beginnen. Am 2. Januar wurden die portugie­sischen Cortes mit einer Thronrede eröffnet, welche keinerlei bemerkenswerthe Puntte enchält.

Nachdem die englische Regierung daS türkische Frie­densgesuch an Rußland übermittelt, dieses aber eine Ver­mittlung zurückgewiesen hatte, trat das englische Ministe­rium am 2. Januar zu einem Cabinetsrath zusammen. Welche Beschlüsse in demselben gefaßt wurden, ist nicht bekannt geworden, doch äußerte sich ein Mitglied des Mi­nisteriums, Earl Carnarvon, kurz nach dem Cabinetsrathe einer Deputatton, welche ihn wegen der capländiscken An­gelegenheit um Aufklärung ersuchte, gegenüber in sehr fried­fertigem Sinne, so daß die Hoffnung rege wurde, die Regierung werde unter allen Umständen in der orienta­lischen Krisis neutral bleiben.

Die Pforte hat an die russischen Oberbefehlshaber das Ersuchen gerichtet, Ort und Zett zu einer Besprechung mit den tückischen Oberbefehlshabern wegen eines Waffen­stillstandes zu bestimmen. Mehemed Ali scheint hierbei die wichtigste Rolle spielen zu sollen. Es hat mithin in Stambul eines Sturzes des Großvezirs und Mahmud Damat's von dem in der abgelaufenen Woche mehrfach die Rede war, nicht bedurft, um angesichts der jüngsten Waf- senerfolge Rußlands eine friedlichere Strömung zum Durch­bruch gelangen zu lassen. General Gucko mit den Garden hat nämlich nach der äußerst schwierigen Uebersteigung des Etropol-BalkanS und nachdem er am 31. December südlich vom Balkan bei Taschkosen ein blutiges Gefecht bestanden hatte, am 3. d. die Schutzstadt der hettigen Sophia und ehemalige Hauptstadt der ganzen Bulgarei widerstandslos

besetzt. Gleichzeittg hiermit ist eine Abtheilung seines auf 50,000 Mann zu beziffernden Corps im Flußgebiet der Macktza, also in geographischem Sinne auf rumelischem Boden bis Slatttza und Petritichewo vorgedrungen, womit auch diese nordsüdliche Balkankette überwunden und der Marsch nach Adrianopel wenigsten« eingelettet ist. Da nun General Radetzky am 9. d. die ganze, aus 41 Ba­taillonen Infanterie und einem Cavallene - Regiment be­stehende Schipka-Armee nach einem erbitterten Kampfe ge­fangen genommen und Kesanlyk, südlich von Rumelieu, besetzt hat, so verfügt die Pforte nur noch über eine kampf­fähige Armee, die ehemalige Suleiman'S, die im Festungs­viereck und bei Adrianopel vertheilt ist. Die russisch-ser­bische Operationslinie in Europa erstreckt sich jetzt von Kurschumlje über LeSkowatz, Sofia, Slatttza, Schipka, Ke­sanlyk, Elena und die Lomlinie bis rückwäcks zur Donau. In Asim ist in der letzten Zett überhaupt Alles ruhig gewesen.

«erde gegen Genehmigung von Simuttanschulen mit 77 bi 74 Stimmen. — Im badischen Abgeordnetenhause Urte sich bezüglich der Ausführung der Reichs-Justtzge- : die Bereitwilligkeit, für eine etwa erforderliche Gr­unz der Ausgaben des Justizetats zu stimmen. — Im eßherzogthum Hessen hat sich gegenüber einem Ausschüsse r Zweiten Kammer in Folge entdeckter arger Unord-

ufenftei” & Sieglet in «fltfurt a. M.. Berlin, Cöln ic.; Rudolf Ke in Berlin, Frank- n fort a. M. ic

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Tagesbericht.

Die Berathungen der Special-Justiz-Commission des Abgeordnetenhauses über das Organisationsgesetz nehmen einen so langsamen Verlauf, daß sie mindestens noch 12 Sitzungen zu ihrem Abschluß erforbem werden. Unter solchen Umständen erscheint es fraglich, ob es möglich sein wird, das Gesetz im Laufe dieser Session zu Stande zu bringen. In diesem Falle würde es der Regierung un­benommen sein, die Vorlage im nächsten Herbst zur Be- rathung zu stellen, da die Reichsjustizgesetze erst mit dem October 1879 in Kraft treten sollen. Jedenfalls Höck man, daß die Regierung fest entschlossen ist, eine sogenannte Nach­session des Landtages nach dem Reichstage zu vermeiden. — Uebngeu« nimmt die Justizcommission des Herrenhauses doch mancherlei weitere Abänderungen mit dem Entwürfe über die Sitze der Land- und Oberlandgeckchte vor und hat u. A. bereits die Errichtung eines Landgerichtes zu Bckeg in Schlesien, gegen den Beschluß des Abgeordneten­hauses, gestrichen. Im Abgeordnetenhause wird mau sich den Beschlüssen des Herrenhauses fügen.

Nach dem Vertrage zwischen der deutschen und der französischen Telegraphenverwaltung, welcher am 11. De­zember v. I. zu Berlin unterzeichnet worden ist und dessen Tarifbestimmungen bereits pnbliäck worden sind, wird für eine „bezahlte Rückantwort" die Taxe einer Depesche von 10 Worten erhoben. Will der Absender eine längere Antwort, so muß die Zahl der bezahlten Wocke in der Depesche angegeben werden. Vervielfällttgte Depeschen (gleichen Inhalts) nach Einem Bestimmungsocke, werden

kratftche Haltung zu bewahren, sagte er mit einem Lächeln, das jedem Diplomaten Ehre gemacht haben würde, in ziemlich ruhigem Tone:

„Wer das Intermezzo wird ja ganz dramatisch; unsere Gäste müssen wicklich glauben, wir meinten es ernst. Komm', Mananne! Du hast uns ja versprochen, die unga­rischen Tänze von Brahms zu spielen."

Es war aber zu spät. Baron van Gaalderen hatte mit dem Obersten und Mynheer van der Daan eben an­gelegentlich geflüstert und Mananne, die vielleicht mit einem ungarischen Tanz, einem erquickenden Regen nach dem Ungewitter, die Gesellschaft noch hätte retten können, war so nervös geworden, daß sie ihr Spitzentaschentuch zerbiß und an kein Spielen denken konnte.

Der Baron machte dem drückenden Zustand ein Ende. So höflich als möglich nähecke er sich als Bevollmächtigter der Gäste dem Generalsekretär:

„Mynheer de GrootenS, so angenehm es uns auch ge­wesen wäre, den ganzen Abend bei Ihnen zu verbringen, so würde eS doch unpassend von uns sein, bei der uner­warteten frohen Ankunft Ihrer zwei Brüder noch länger h»r zu bleiben. Ich habe die Ehre, Ihnen mein Compli- ment zu machen."

Die Gäste entfernten sich Einer nach dem Anderen. Obschon verblüfft, suchte der Generalsekretär doch noch, sie zum Bleiben zu bewegen. Man habe sich eine Freude, ein wahres Fest daraus gemacht, sie diesen Wend zu empfangen, — man möchte die kleine Störung doch nicht in Anschlag bringen; — aber die Gäste machten allerhand Umstände und nach einem äußerst förmlichen Abschied verließen sie den Salon.

„Weich' eine Scene!" rief die aufgeregte Hausherrin. „Da sahen wir nun so gemächlich bei einander —"

dt, doch traten alle sonstigen politischen Betrachtungen ktlunß b selbst die Ereignisse im Vatikan fammt Pater Curci'S Royal- lPschmähtem Besuch in den Hintergrund vor der plötz-

m Krankheit des Königs, die bei heftigen Fieberanfällen l Ausbruch einer stacken Lungenentzündung anzudeuten

Fürst Bismarck hat so eben in Folge einer Eckältung hl Tage das Bett hüten müssen; doch ist er jetzt auf der (A gttjung und es wird nicht mehr bezweifett, daß er etwa *22. d. M., vor der Eröffnung des Reichstages, in

ngen im Kassenwesen die Regierung zu baldiger Bor- Mtg entsprechender Reformen bereit erklärt.

Gambetta, dessen Besuch so viel von allen möglichen fthtspunkten au« erörtert wurde, hat Rom wieder ver-

1 Verfasser autorifirte Utbertragung auS dem Holländischen von Joseph Schrailenholz.

l (Fortsetzung.)

«An Dich?" frug endlich der Gastgeber in so bitterem ’ verächtlichem Sjone, daß Vielen ein Licht aufging.

M-An mich! War die Einladung denn nicht für mich Mnon?"

U,Karl," frug de GrootenS den Indier, „hast Du denn M den Eisenbahn - Jnspettor keinen Brief von mir er-

U-Aein; ich bin in einer Kutsche aus Delft getommen." M'ttne unglückliche Verwechslung, die dem Generalsekretär W höchst unerwünschten Gast in seine Soiree brachte, W Gast, noch unangenchmer, als das gefürchtetste DttikenSkind.

U^llnd wie geht es Dir denn, Anton?" frug der Indier Weh- „Noch immer beim Handel? Ja?" ^.Ausgezeichnet!" war die scheinbar ruhige Antwock, Wend der Sprecher die Gesellschaft stolz mustecke. „Ich W gegenwärttg in Garn und Band, und um die ganze W der Wohtthaten meiner Firma möglichst theilhaftig Wachen, biete ich menschenfreundlich meine Waaren von Haus an."

Blitzstrahl hätte unerwarteter einschlagen und die Tauben durch sein grelles Licht verstummen lasten als diese Wocke es bei den Eingeladenen thaten. G,Dickung war weniger um des Bekenntnisses willen an niederschmetternd, als des Respettes wegen, den die M vor dem gediegenen Generalsekretär hatten.

« »Kassian! Kassian!" ließ sich der Indier gerühck ver-

itrifai schsverwaltung mit der preußischen Staatsverwaltung", ä.Febiu । den Reichsämtern dadurch mehr Kraft zu verleihen. lt8- M Abgeordnetenhaus des preußischen Landtages ist am llmächti, d, «ach den Weihnachtsferien wieder zusammengetreten.

Erscheint täglich außer au den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JklnstrirteS S-nntagSdlatt" durch die Expedition lKoch'fche Buchdrucker«) bezogen 2i «ick, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexel. Bestellgebühi) -^nsert.°nsaebühr für die gespaüene Z^le 10 Pf-

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Februmpün kintreffen wird. Obenan auf der Tagesordnung r öffentlichen Besprechung stehen noch immer jene Neue- vgm in der deutschen inneren Reichspolittk, über welche > Äart «scheu dem Fürsten Reichskanzler und Herrn v. Ben- ; Men um Weihnachten in Varzin verhandelt worden ist. sie Nachrichten kommen dahin überein, daß es sich nächst handeln wird um „eine engere Verbindung der

ttbesacramente der katholischen Religion empfangen hatte, t Krankheit des Königs wird von den Aerzten als eine Gell - Entzündung mit Afficirung des rechten Lungen- As bezeichnet. Sein älterer Sohn hat als Hnmbeck I. jantefie Regierung mit einer Proclamatton an das italienische K angetreten.

Frankreich erfreut sich seit dem 13. December 1877

*t zunehmenden Befriedigung und Beruhigung. Die

Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition ».Blatte«, sowie d. Annoncen- Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JägeFsche Bukddandlung daselbst; Herma.,.. iu#e Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Tdienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen

Mpedttion «.Blatte«, ,it dÄnnoncen-Bureaux , U, Dietrich & Co. in itttt 1 iffel u»d Hannover; Th. j |nri* in Frankfurt - M.;

chebung für 1878 mit allen gegen eine Stimme ange- Ambwynnen und nach lebhaften Debatten eine pfälzische Be­st!.