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Marburg, Freitag, 11. Januar 1878
XIII Jahrgang.
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’ rotfurt a. M., Berlin, ii tiia. M» ic.; Rudolf Äe in Berlin, Frank- t«rt o. M. ic.
Liae« nimmt entgegen:
Äaebttienb.eialtt», 1.6 360' i^dÄnnoncen-Bureanx a 1 i Dietrich & Co. in n* J x,i und Hannover; Th. mich in Arantturt a-M. ; M I «fenftein & Bögler in
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncm-Bureaux von ®. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Herma»»» sche Buchhandl- ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. sexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Die Erp. d. Oberh. Zeit.
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Derhessische Zeitung und deren Gratisbeilage llustrirteS Sonntagsblatt tot wir bei den Poftaustalte« (auf dem
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Tagesbericht.
r. 83.
“ Dir „Prov.-Corr." schreibt: Die Schritte behufs eines Mfigen Waffensttllstandes dürften nur unter der Vor- ___ [ isetzung erfolgreich fein, wenn dieselben zugleich die Bürg- „6e _ Hrn eines demnächstigen annehmbaren Friedensschlusses «ährten. Die neuerlich stattgehabten vertraulichen Erör- - engen würden immer mehr als günstige Vorzeichen für - v' t baldige friedliche Wendung gedeutet.
12 Kosaken und 48 Schützen kamen dabei durch die Kälte um. Achmedli wurde am 6. d. nach einem Kampf mit 6 Tabors Türken und Kisla ohne Kamps von den Russen besetzt. — Bei der Armee des Thronfolgers fanden am 6. d. nur unbedeutende Scharmützel statt. — In Sofia ließen die Türken 1500 Verwundete zurück.
Petersburg, 9. Jan. Die „Agence Russe" bezeichnet als wahrscheinlich, daß jetzt ausnahmslos alle Ca- binette der Pforte gerathen haben, direct mit Rußland zu verhandeln und keinerlei Hoffnungen auf materiellen Beistand irgendwelcher Macht sich hinzugeben.
Konstantinopel, 8. Jan. Der heuttgen Sitzung der Deputtrten-Kammer wohnten die Minister, mit Ausnahme des Kriegs- und des Marine-MinisterS, bei. Der Minister des Auswärtigen gab ein Expos« der Lage. Mahmud Damat Pascha ergriff zur Vertheidigung der Militär-Administration daS Wort.
Konstantinopel, 9. Jan. Die Journale bestätigen, daß die Pforte einen Waffenstillstand nachgesucht, für welchen sie sich im Princip entschieden habe. Der Kriegsminister Reuf Pascha schickt sich an, nach dem russischen Haupt- quartter abzureisen, um die diesbezügliche Unterhandlung zu führen.
1877
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Neueste Kriegsnachrichten:
Petersburg, 8. Jan. Ein officielles Telegramm Bogot vom 7. d. berichtet über die Verfolgung der Slatanitza gegen Kosnitza zurückgezogenen Türken und die am 4. Januar Abends, sowie in der Nacht vom äwuar bei 22 Grad Kälte ausgeführte RecognoScirung den Abhang des Trajans - Passes und gegen Teke. i Paß - Abhang ward stark befestigt und von Nizams Attillerie besetzt gefunden. Zwei russische Offiziere,
London, 9. Jan. Die „Morning Post" erfährt, England habe um die Bedingungen Rußlands kennen zu lernen, der Pforte empfohlen, den Vorschlag Rußlands, wegen der Waffenruhe direct mit dem Hauptquartier zu verhandeln, anzunehmen.
London, 9. Jan. Lord Beaconsfield und Northcote erließen die üblichen Circulare, worin sie um die Anwesenheit der Anhänger der Regierung bei der Eröffnung des Parlaments nachsuchen. Northcote's Circular an die Unterhaus-Mitglieder sagt, seine Aufinerksamkeit werde unverzüglich auf Dinge von großer Wichtigkeit gelentt werden. — „Daily Telegraph" meldet aus Pera vom 8. d.: Die brittsche Note, welche der Pforte die Annahme des Vorschlags Rußlands, wegen der Waffenruhe direct mit dem Hauptquartier zu unterhandeln, empfiehlt, ist bereits in Konstanttnopel eingetroffen.
Wien, 9, Jan. Die „Presse" meldet aus Sistowa: Mehemed Pascha, Commandant von Widdin, benachrich- ttgte die Führer der anrückenden rumänischen und serbischen Corps, daß er die Festung bis auf den letzten Mann vertheidigen und dann einem russtschen General übergeben werde.
Konstantinopel, 9. Jau. Die Minister haben dem Sultan die Bedingungen für den Abschluß des Waffenstillstandes unterbreitet. Die directen Verhandlungen mit Rußland über den Waffen-Sttllstand. welcher einen
war, jene bekannte furge Ruhe vor dem Uebergehen auf ein neues Thema.
„Ja, er sitzt sicher hinter Schloß und Riegel", betheuerte der Oberst, „solch ein Schurke müßte einmal exemplarisch bestraft werden."
,^Kennen Sie die arme Mevrouw van der Lei, die er ruinirt hat?" frag Frau de Grootens die Oberstenfrau.
Diese kannte die Dame nicht aber Mevrouw van der Daan kannte die Familie-so genau, daß man ihrer Auseinandersetzung des Stammbaumes derselben kaum folgen konnte. Mevrouw van der Lei mit ihrem Mädchennamen Jungfer Marge!, hatte zwei Schwestern, und diese waren verheirathet, die eine mit dem Anwalt van Zelten, die andere mit dem Architetten Bools. Ihr Later war verheirathet gewesen mit--"
Der Referendar erklärte lachend, daß die Gesellschaft mit diesen Auftlärungen mehr als zufrieden sein dürfe und van Gaalderen nannte den Kerl einen interessanten Dieb: wäre er das nicht, so würde er die allgemeine Unterhaltung nicht so anregen und feine Schlauheit nicht so bewundert werden können.
„Bewunderung verdimt er Mch!" sagte Fellmann, seinen Schnurrbart drehend, „es ist nicht so leicht und bequem, ein geschickter Dieb zu fein. Einbrecher und Räuber, die aus der Kunst ein Handwerk machen, zählen freilich nicht dazu. Aber Betrüger comme il faut und Diebe mit schwarzen Röcken, die chre Fäden fein zu spinnen wissen und den Erfolg berechnen, find entschieden Menschen von großem Verstand!"
Die Damen blickten Felman zweifelnd, ob er Ernst mache oder scherze, fragend an; van Gaalderen lachte, de Grootens auch, obschon ein scharfer Beobachter etwas Gezwungenes in diesem Lachen gesunden haben würde.
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großen Der Waffenstillstand steht auf dem Kriegsschauplatz acht a t bevor, nachdem England sich dazu bequemt hat, der elle. £ tte den Rach directer Verhandlungen zu ertheilen. Die e Exv M haben in Voraussicht dieses Ereignisses schnell süd- n vom Balkan so viel Terrain occupirt, als möglich.
------ t haben Slatitza besetzt und Streitkräfte von dort bis :en su< t Trajanpaß und von Sofia südöstlich bis in die Gegend Nähe: ft Samakow vorgeschoben.
[i Aus Sistowa, 6. Januar, meldet die Presse: Berichte k Corps Gurko'S sprechen sich über die Haltung der itzrren während deS letzten Balkan-UebergangeS bei Ara- mak sehr anerkennend auS. Ohne der Beihilfe der Haren wäre die Ausführung des schwierigen Unterneh- kaum möglich gewesen. In der Ebene von Sofia sich bereits 3000 Bulgaren, welche mit Waffen be- 'wurden, den Russen angeschlossen.
$6.92,6 »-Also endlich sind sie dem famosen Dieb ans der Spur," k,Mevrouw van der Dan, nachdem ein Augenblick, wie H manchen Gesellschaften verkommt, Ruhe eingetreten
Kreise..."
Rur keine Entschuldigungen, Mynheer de Grootens! olfffi (bitte sehr darum. Seine Freunde darf sich ein Jeder (___P v wählen. Mein Stand erlaubt mir natürlich nicht,
^adenbesitzern umzugehen, aber ich glaube, daß unter > p Leuten viele gute Menschen sind und daß sie tüchtig d verdienen. Sie müssen natürlich auch existiren." „Ganz gewiß," fuhr der Baron fort, „ein jeder Stand seine Existenzberechtigung. Er muß nur nicht die ihm icert. toiefenen Grenzen überschreiten. Gegenwärtig aber will m (3» ft gerade das Entgegengesetzte. Die Bürgerschaft kleidet !wie der Adch und wenn es ihr möglich wäre, würde __„ .selbst in unsere Societäten und geschloffenen Gesell- iä?« dringen. Das Einzige, was uns noch rettet, ist ^eschlechtsbaum."
«Vollkommen wahr, Baron!"
»ii rtesitzeiztzn»ißei.
Erzählung von Johann Gram.
Verfasser antorifirte Uebertrogung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenhol».
(Forftrtzmlg.)
Der Oberst waudte sich nunmehr ausschließlich an den Herrn und frag ihn flüsternd, wer doch der Herr von eben gewesen wäre? Auch ein Beamter?
Einigermaßen verlegen, antwortete de GrootenS: „Par- Mynheer, Mols gehört zu den Kanfleuten, Getteide- r, wissen Sie. Als Mitdirector vom Waisenhaus ich dann und wann mit ihm in Berührung , aber $ natürlich kein Hausfreund hier; er gehött nicht zu
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rein militärischen Character haben soll, werden von der Pforte auf den Rath Lord Derby's angeknüpft.
Deutsches Reich.
*• Berlin, 8. Jan. [Versp. eingetr.j Die Nachricht der „Magdeb. Ztg", daß der Präsident des Reichskanzler- Amts Hofmann seine Entlassung erbeten habe oder zu erbitten beabsichtige, entbehrt jeder tatsächlichen Begründung. In den bloßen Gerüchten über organisatorische Reformpläne des Reichskanzlers kann unmöglich ein Anlaß liegen, sich übergangen zu fühlen und den Abschied einzureichen. Die einzige positive Thatsache in allen diesen Gerüchten ist doch blos der Weihnachtsbesuch des Herrn v. Bennigsen in Varzin gewesen; Niemand wird aber behaupten können, daß eine Besprechung des Reichskanzlers mit dem Führer der einflußreichsten Partei im Reichstage, selbst vorausgesetzt, daß es sich dabei um künftige Organisationsfragen gehandelt habe, irgend Jemand Grund zur Beschwerde geben könne. Mit Recht wird auch von anderer Seite hervorgehoben, daß die vom Präsidenten Hofmann ausgearbeiteten Gewerbevorlagen mit der Unterschrift des Fürsten Bismarck vom 31. v. Mts. an den Bundesrath gelangt sind. — Wie sehr in Bezug auf den wirklichen Stand der in Varzin behandelten Fragen alle Welt sich in Vermuthungen bewegt, zeigt auch die am Sonntag Abend vom Abg. Richter (Hagen! in Breslau gehaltene Rede, welche sogar die Fabel von der Fahrt des Grafen Lehndorff wieder auftischt. Die Behauptungen Richters über die Stellung der Nationalliberalen zu den rätselhaften Plänen des Kanzlers finden eine glaubwürdige Widerlegung durch die neuesten Ausführungen des dem Herrn v. Bennigsen viel näher stehenden „Hannöv. Couriers." Interessant für die bevorstehende Spaltung in der Fortschrittspartei ist, daß gegenüber der Meinung deS Herrn Richter, welcher den Fürsten Bismarck für durchaus entbehrlich hält, der aus dem Jahre 1848 bekannte alte Dr. Stein ganz anderer Ansicht war und bei derselben fest beharrte. — ES ist in neuerer Zeit bei dem Minister deS Innern wiederholt beantragt worden, das gegen einen Com- munalbeamten eingeleitete Disciplinarverfahren in dem Falle einzustellen, wenn der Angeschuldigte das Gemeinde-Amt während der Untersuchung niederlegt und wenn die Ge- meindeverttetung die Amtsniederlegung angenommen hat. Der Minister hat hierauf verfügt, daß derartigen Anträgen jedesmal eine sorgfältige Erwägung der Frage vorangehen müsse, ob das öffentliche Interesse eine Fortsetzung deS Disciplinarverfahrens erheische. DieS sei namentlich in denjenigen Fällen anzunehmen, wo den Angeschuldigten besonders schwere Verletzungen der Dienstpflicht zur Last gelegt sind. In solchen Fällen könne die öffentliche Meinung mit
Felman fuhr halblächelnd fort:
„ES ist viel leichter ein ehrlicher Mann zu sein, als ein Dieb. Man sieht den rechten Weg von selbst vorgezeichnet; eS ist der Weg, den seine Eltern, Freunde und Bekannten mit der größten Gemächlichkeit ebenfalls einhertrollten. Die Macht der Gewohnheit läßt ihn blindlings dem bequemen Pfade folgen. Die Versuchung nach links ober rechts abzuweichen, kommt gar nicht bei ihm vor. Er bleibt ehrlich und rechtschaffen; weil er einfach nicht daran dentt, daS Entgegengesetzte sein zu können; er bleibt ein treuer und anständiger Mensch, wie er ttttherisch bleibt, wenn er lutherisch, und Jude, wenn er als Jude geboren ist. Nun stellen Sie sich aber einmal einen Dieb, einen Bauernfänger, einen Betrüger vor! Welch' eine Behendigkeit, Überlegung und Verschmitztheit muß er in Anwendung bringen, um seinen Zweck zu erreichen und gleich- zeittg dem Strafgesetzbuch zu entschlüpfen! Wie muß er mit all' diesen Gaben wuchern und Geist und Körper anstrengen, um einen Andern von seinem Ueberfluß zu be- fteien! In welcher Angst und Spannung schwebt er! Ich meine natürlich nicht den gewöhnlichen Dieb, welcher aus Noch ein Brod oder einen Rock stiehlt — der ist der Plebejer der Race — ich meine den Gauner comme il faut, der mit den feinsten Formen und mit einem Gesichte, so solide, wie die niederländische Bank, Dein Vermögen in Kontribution setzt, der Dein Vermögen scheinbar behütet, aber in Wirklichkeit zu seinem eignen Vortheil damit spe- knlirt. Sollte es leichter sein, eine solche Rolle zu spielen, als die eines anständigen Mannes? Gewiß nicht. Wenn solch' ein Mensch sich einmal auf Abwege begeben hat, muß er sich auf allerlei schlaue Weise durch Gestrüpp und Morast einen Durchgang bahnen. Spaziert der ehrliche Mann mit seinem goldknopfverzierten Stock, ein Lächeln dn Selbstzufriedenheit auf dem Gesichte, den geraden Weg