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Marburg, Donnerstag, 10. Januar 1878.

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Neueste Kriegsnachrichten:

London, 8. Jan. DerMorning-Poft" zufolge fin­den telegraphisch vermittelte Pourparles zwischen den Ca- binetten von London und Petersburg statt, über deren Er­folg unmöglich Bestimmtes vorauszusagen sei. Die in Cardifi mit Beschlag belegte Munitton ist wieder freige­geben worden, da es nicht Patronen, sondern Patronen­hülsen waren. Ein von 3000 Personen besuchtes Mee­ting in Aberdeen erklärte, der Friede und strikte Neutrali­tät sei die Politik, welche England, während des Krieges und der Unterhandlungen beobachten müsse, und beschloß, Pettttonen zu Gunsten der Neutralität an Derby und das Parlament zu richten.

K o n st a n t i n o p e l, 8. Jan. Der Botschafter Layard dementtrt aufs Entschiedenste, daß er jemals in seinen Privat-Unterredungen mit den höchsten Beamten der Pforte die Hoffnung habe durchblicken lassen, daß England der Türkei Hülfe leisten werde.

Konstantinopel, 8. Jan. In der heuügen geheimen Sitzung der Kammer werden die Minister die Interpella­tionen beantworten. Die Russen griffen am Freitag Solenik an, wurden jedoch zurückgewiesen. Am Schipka- Passe dauert der Artillerie-Kamps fort.

K o n st a n t i n o p e l, 7. Jan. Die Friedenspartei hat hier augenblicklich das Uebergewicht und dürften die directen Verhandlungen mit Rußland demnächst beginnen. Da man sicher zu sein glaubt, daß Rußland nicht gesonnen ist, die vitalsten Interessen der Türkei zu schädigen, so wird allseitig ein baldiges und befriedigendes Resultat der Friedensunterhandlungen in Aussicht genommen.

Belgrad, 7. Jan. Die serbischen Truppen sollen beim Vormarsch auf Pristina eine Schlappe erlitten haben. Ein Theil des serbischen Heeres wird Sofia und das stra­tegisch wichttge Samokow besetzen, damit General Gurko den Marsch in das Maritzathal fortsetzen kann.

K o n st a n t i n o p e l, 8. Jan. Im gestrigen Minister­rath ist beschlossen worden, eine aus drei Personen be­stehende Gesandtschaft in das russische Hauptquartier zu senden. Die Gesandtschaft wird wahrscheinlich aus Ruschdi- Pascha und Server Pascha bestehen.

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gewiß nicht!" antwortete Marianne verwirrt, nicht, aber Herr Mols lud mich so bescheiden ein, nut ihm herumzuspazieren, daß ich es ihm nicht k^gen konnte. Es hat mir nachher leid gethan, denn r und Mama haben tüchtig gezankt..

Ei« Rcftdrnzvrrmöge«.

Erzählung von Johann Gram.

Verfasser autorisirte Ucbertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.

(Fortsetzung.)

Tagesbericht.

In der gestrigen Sitzung des Bundesrathes wurde zu- chst von der Überweisung der Novelle zur Gewerbe- bttung an die Ausschüsse für Handel und Verkehr und t das Justizwesen dem Plenum Kenntniß gegeben. In kicher Weise wurden die Vorlagen über die Evidenthaltung r Personenstandsregister, die Jahresberichte des Heimaths- M, Anträge Württembergs zum Eisenbahn-Polizeiregle- mt, Badens zum Gesetzentwurf über Spielkartenstempel, Mag über Abschluß einer Konvention mit der Schweiz (gen Geschäftsverkehrs der beiderseitigen Gerichtsbehörden l die. zuständigen Ausschüsse überwiesen. Ueber die Rechts- waltsordnung, die vertragsmäßigen Verkehrsverhältnisse ll Bremen und die Etats des Reichsjustizamts, des Reichs- senbahnamtes und des Rechnungshofes wurde Beschluß

Daß Mols so höflich war?" frug die Aelteste schalk­haft.

Nein, aber darum, weil es keine Art sei, mit Jeman­dem unter seinem Stande herumzuspazieren."

Nun, Ingenieur, das geht doch!"

Das wohl," sagte die Aelteste von dem Kleeblatt, ..aber Papa, mit seinem Zwieback-Palais. Wenn es noch ein zurückgezogener Bäcker wäre, aber er backt leidenschaftlicher denn je.".

Welch' eine verkehrte Welt," seufzte Marianne.Der alle Herr Mols hat es doch durch seine eigene Geisteskraft so weit gebracht, und well er nun Brod backt, statt wie mein Papa Rapporte zu schreiben, rümpft man die Nase über ihn. Ich versichere Dir, daß der junge Mols ein begabter, wohlerzogener und lieber Junge ist."

Hier stießen die Orgelpfeifen einander an.

Gewiß, gewiß!" sagte die Aelteste anfeuernd.

Er darf," fuhr Marianne immer wärmer werdend fort, er darf ruhig neben den Baron van Gaaldern gestellt werden. Und dabei weiß er über Alles auf eine so ange­nehme, unterhattende Manier zu sprechen, daß..."

Du wohl den ganzen Tag zuhören möchtest, he?" vol­lendete die älteste Pfeife den Satz, während sie mLt ihrem zwinkernden rechten Auge den Schwestern deutlich zu ver­stehen gab, daß das Geheimniß herausgelockt sei.

Hier wurde das Blatt umgedreht und die Mädchen hingen scheinbar mit dem größten Interesse an einem neuen Sttch, während das Gespräch über Willem Mols fortgesetzt wurde.

Die Unterhaltung der Herren war sehr verschieden. Der Baron pries die Wohnung, weil Mynheer sich wegen der nicht sehr geräumigen Salons entschuldigte; van Gaaldern hob das Haus natürlich deshalb noch höher in den Himmel.

Dem Lob wird Jeder zustimmen," bekannte Felmann,

Adlungen DaatuI

Merhrssischk Zeitung

und deren Gratisbeilage

Mustrirtes Sonntagsblatt tien wir bei den Pofta«stalten (auf dem »nde bei den öandpostbote«) baldigst machen i- «ollen.

Deutsches Reich.

Berti«, 8. Januar. Unter den neuerdings bei dem Abgeordnetenhause eingegangenen Petitionen dürsten nach­folgende zu erwähnen sein: Glodny und Genossen, Gewerbe- treibende der Stadt Neustadt o./Schl. beschweren sich über die im Regierungsbezirk Oppeln auf Anordnung der Be­hörden durchgeführte Verringerung der Jahrmärkte. Stahlschmidt und Genossen zu Haardt bei Siegen be-

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der Maler,die Wohnung ist regelmäßig und hell; sie hat von außen blos das Gebrechen, daß sie den anderen Häu- sem in der Straße zu sehr gleicht, ein Fehler, den man übrigens auch an den hier wohnenden Menschen beobachten kann. Wie die Häuser alle von einem Baumeister erbaut scheinen, so scheinen auch die Menschen alle von demselben Schneider bekleidet zu sein. Mt aller Ehrerbietung vor Ihrem schönen Hause Mynheer de Grootens aber die kasernenarttgen Straßen hier finde ich langweilig wie eine Pappelallee. Wenn ich in eine sremde Stadt komme, lasse ich die öffentlichen Plätze und sogenannten schönen Straßen immer links liegen, durchstöbere aber sofort die Seiten­straßen, um all der widerwärttgen Regelmäßigkeit und soliden Eintönigkeit zu entlaufen."

Wenn ich weniger Respett vor meinem Riechorgan hätte, würde ich das auch thun," meinte der Baron.

.Na!" stimmte de Grootens lachend zu,damtt den Künstlern der Stoff für ihre reizenden Werke nicht aus­geht, ist es immerhin gut, daß die sogenannten pittoresken Lettenstraßen bestehen. Ich für meine Person halte es aber mehr mit den gebahnten Hauptstraßen."

Mich dünkt," sprach der Oberst mit seiner sonoren Sttmme,daß Sie hier sehr angenehm wohnen. Ein gemüthttches, gut eingerichtetes Haus ist viel werth; es befördert das Familienleben so. Warum hängen einzelne Kategorien von Menschen so wenig an ihrem Heim? Weil sie schlecht wohnen, Mynheer. Glauben Sie, daß unsere Lieutenants und armen Juden nur zu ihrem Vergnügen fp, viel auf der Straße sind ? Nichts weniger als das. Die Offiziere können es einfach auf ihren unwohnlichen meublrrten Zimmern ebensowenig aushalten, wie die Han- delsjuden in ihren Spelunkenwohnungen."

So," mischte sich der kleine Herr Mols arglos in

diese politische Nothwendigkeit außer Acht lassen wollte, so würden die Mächte, welche Rußland am nächsten stehen, die ersten sein, hiergegen zu protestiren. Mt großer, ja mit stets wachsender Besorgniß darf man die Frage der Kriegskosten ins Auge fassen. Jedenfalls wird die Ent­schädigung in Form territorialer Modifikationen gewährt werden. Es würde dies mit der Erklärung des Kaisers Alexander, bai? er nicht auf Erwerbungen ausgehe, nicht in Widerspruch stehen. Jndeß wird die Sache doch noch vielen Schwierigkeiten begegnen. Es handelt sich hier um solche Riesensummen, daß Rußland in einigen Streifen Landes keine Entschädigung erblicken wird. Andererseits sind zum mindesten einige neutrale Mächte gebunden, be­deutende Gebiets-Veränderungen nicht eintreten zu lassen. Wir sehen vorläufig in diesem Widerstreit der Interessen noch keine Spur einer möglichen Verständigung.

Die russischen officiellen Berichte vom Kriegsschauplatz, welche die Schwierigkeiten des Balkanüberganges des Ge­nerals Gurko schildern, gewähren ein Bild von den An­strengungen, die die Russen zu überwinden haben und mit unvergleichlicher Zähigkeit und Energie überwinden. Man kann sagen, daß Lvfia nicht bloß aus strategischen, sondern namentlich aus politischen Gründen so bald als möglich besetzt werden mußte, und dieser zwingenden Nothwendigkeit gehorchte das tapfere Corps Gurko's, das nach großen Hindernissen des Terrains und der Witterung jetzt nun auch den Lohn empfängt, in Sofia annehmbare Quartiere zu finden. Angesichts des bevorstehenden Waffenstillstandes mußte den Russen daran liegen, sich südlich vom Balkan in wichtigen Positionen festzusetzen.

Die Aufgabe der Russen ist es nun, aus dem Thal des Jsker in jenes der Maritza zu gelangen. Die Wasser­scheide zwischen beiden bildet der hohe Balkan, über den zwei fahrbare Wege in das Maritza-Thal führen; der eine geht über Jchtiman und durch die berühmte Trajanspforte, der andere aber südlich davon über Samokow nach Tatar- Basardschik, welcher letztere Ort bekannt ist durch die vor­jährigen türkischen Gräuelthaten. Der Weg führt dann weiter nach Philippopel und Adrianopel.

Aus Sistow, 6. Januar, meldet die Presse: Die türkischen Truppen verließen Sofia, bevor noch die rus­sischen Kolonnen zum Angriffe schritten. Die meisten flohen in südwestlicher Richtung gegen Radomir, da die Straße von Sofia nach Philippopel von den Russen bereits besetzt war. Die Fliehenden wurden von der russischen Kaval­lerie verfolgt. In Sofia befanden sich 8000 kranke und verwundete türkische Soldaten und viele Vorräthe an Pro­viant und Munitton.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluktrirtes TonntagSdlatt" durch die Ervedition iKock'kcke Buchdruckerer) bezogen 21 dKark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg <excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet. °

Wie diePost" hört, wird die preußische Regierung d Bundesrath demnächst eine Vorlage bezüglich der Ta- Heuer unterbreiten. . 5

Nach einem Kommunique desObserver" hätte sich «rrbalb der letzten Tage die französische Regierung von «englischen auswärtigen Amte Auskunft darüber erbeten, irgend eine Aktion mit Bezug auf Aegypten von Eng- beabsichtigt werde. In Erwiderung daraus sei die erung ertheilt worden, es sei keine solche Mion Hchrigt.

Berliner politischen Kreisen wird das Vorgehen ds gegenüber dem in der Vermittlerrolle agireuden als ganz correkt aufgefaßt. Daß ohne den Willen Mächte eine Neuordnung der Dinge auf der Balkan- nsel weder Platz greifen kann noch darf, hat Rußland wiederholten Malen anerkannt und wenn Rußland s. Z.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie o Annoncen-Bureaux von L. Daube <& Co. in Frankfurt a. M.; Zöger') che Buchdandlung daselbst; Herma»., |u#e BuLhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Tdienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

. Die drei Fräulein van der Daan wurden in der Regel 'drei Orgelpfeifen genannt. Nicht allein, weil sie im- egal gekleidet 'gingen, sondern hauptsächlich deshalb, [ ihre schlanken Pappelgestalten nur im Umfange etwas '.einander abwichen., Die drei jungen Damen kannten Residenz so genau, wie ein Civilstandsbeamter die Ci- Mdsregister. In dieser Beziehung waren sie ganz das icioii ihrer verehrungswürdigen Mutter, welche den 99? Mhtsbaum sämmtlicher Haag'schen in ihrem Herzen 1 fahren schien. Ihres vorgerückten Mers wegen er- alle Verlobungen und stille Verbindungen ihr be- Interesse und ihre Dachshuudenaturcn kamen

® aus diesem Felde trefflich zu statten.

Anstatt also die herrlichen, durch Unger nach unseren ^Meistern gravirtm Kupferstiche zu -bewundern, be- |Qi die Damen in flüsterndem Tone das alte, uner- Hiche Thema.

9811 *v)», Marianne," neckte die Aelteste,ob Du es nun 240 Mest oder nicht, Du hingst so vertraulich am Arm 8ii jungen Willem Mols, daß es Jedem auffiel." 431 *fcje erröthet darüber!" flüsterte die Zweite lachend. 144 ,'^iu sehr schöner Kupferstich," sagte die Dritte laut, 105f surer der Herren am Tische vorbeischritt.