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Marburg, Dienstag, 8. Januar 1818

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Die Exp. d. Oberh. Zeit.

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aeits- rank- wirth rhoi- irate, »lade, den

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und deren Gratisbeilage

WustrirteS Sonntagsblatt wir bei den Psstsmstalteu (auf dem bei den 8A«>Poftbote«) baldigst machen wollen.

Ei» Strfidr«z»rr»igeu.

Erzählung von Johann Gram.

Verfasser aulorisicte Uebertragung aus dem Holländischen von Joseph Schrattenholz.

lFortsetzuna.)

Mt einem Blick auf die Uhr wiederholte Mevrouw Dermaßen zerstreut, daß Adolf dies unzweifelhaft ge- ! haben würde, daß sie aber selbst sehr genau Haus- müßten.

Bei diesen Worten warf Anton einen Blick umher, fte den kostbaren Möbeln und Zierrachen vielsagend zu sagte:

»Za, das ist an Allem deutlich zu merken. Es steht * sehr nach genauem Haushalten aus."

»Ganz zufällig!" entschuldigte de Grootens. „Wir heute Abend eine Gesellschaft zu geben, zu welcher verpflichtet sind."

. »Unser Nenomms würde leiden, wenn wir es nicht ‘tat!" half die Gattin, mit einem Auge auf die Uhr.

Deine Freunde verpflichten Dich also, Dich zu rui-

Das bringt mein Stand mit sich," antwortete Myn-

„Faule Redensarten!" murmelte Mevrouw'^ Geduld war erschöpft. Der Uhrzeiger war schon auf ein Ziertet über acht gerückt und wo sollte man mit dem Manne bleiben, wenn die Gäste kamen und Baron van Gaalderen seinen unschätzbaren Einzug in den Salon hielt? Grete wußte nichts Besseres zu thun, als Anton mit dem gewinnendsten Lächeln, das ihr zur Verfügung stand, zu fragen, ob er nichts zu sich nehmen wollte. „Denn," vollendete sie, „Sie werden gewiß nicht viel Zeit mehr haben, wenn Sie bei Anderen noch weitere Geschäfte machen wollen."

„Fein ausgeklügelt!" dachte de Grootens. Anton fand es auch, denn mit einem heiteren Lachen sagte er:

„Das „Weiterwollen" ist meisterlich umschrieben."

„Aber mißverstehen Sie mich doch nicht," fuhr Me­vrouw überredend fort, „ich sagte es nur in der besten Absicht. Wir würden Sie natürlich gern einladen, diesm Abend der Gesellschaft beizuwohnen, aber de Grootens be­greift gerade so gut wie ich, daß Sie dazu keine Lust haben. Menschen, die Ihnen fremd sind, können Ihnen doch kein Interesse einflößen."

„Sie plädiren ausgezeichnet für Ihren Zweck," klang es noch bitterer als eben. „Was würden die Junker und hohen Beamten, die Offiziere und sonstigen feinen Leute auch wohl für Augen machen, wenn Sie ihnen mit ge­wohnter Grazie Ihren Schwager, den Garn- und Band- Händler, vorstellten, und ich, als echter Kaufmann, die Ge sellschaft um die Ehre ihrer Kundschaft ersuchte. Ein prächttges Schauspiel! Doch nein, befürchten Sie das nicht!"

„Sie würden wirklich wenig Freude genießen," fuhr Mevrouw fort, als ob sie die Antwort gar nicht gehört hätte. „Essen Sie doch morgen in der Familie bei uns, be- sehm Sie sich lieber heute Abend die Stadt einmal. Sie

ungeduldig.

^,Eine herrliche Einrichtung dieser Stände!" fuhr Anton schüttelnd fort, „und das Allerspaßigste ist, daß ein durch Eigenliebe nnd Stolz zu der Einbildung ver- wird, einem besseren Stande anzugehören, als dem- 2*8% dessen eigentlicher Zunftbruder er ist. Mit der ^underungswürdigsten Selbstaufopferung nimmt Jeder- die Verpflichtungen eines höheren Standes auf sich, ; S?8 er sich auch schließlich dafür ruiniren muß..." __„ »Es ist nun einmal so," versetzte de Grootens seufzend, da ist nichts dran zu andern."

Zn England ist auf den Kriegstaumel der russenfeind- chen Blätter ziemlich rasch die Ernüchterung gefolgt. Mr der „Daily Telegraph" hat noch neuerlich in der gV chcrsten Weise gegen die „beispiellose Handlung" Ruß- mds (die englische Vermittelung abzulehnen) polemisirt ne zum Kriege aufgefordert. Aber die übrigen offiziösen Mer haben sich wie auf einen Wink in ihr Schnecken- --ms zurückgezogen, sie tadelten selbst das Vorgehen des . ' Daily Telegraph", ihres sonstigen Bundesgenossen, als td und kindisch, und findm, daß die russische Ablehnung i Formen mitgetheilt worden sei, die nicht das mindeste y- kleidigende für England enthalten. Wenn wir also V «h vor kurzer Zeit den Gefühlen der Bangigkeit . »rüber Ausdruck gaben, daß die diplomatische Einmischung mAands zu einer militärischen führen könnte, so könnten «r heute beifügen, daß diese Gefahr nunmehr beseitigt i scheint. Vielleicht war die ganze Auftegung nur ein Manöver des Lord Beaconsfield, um Rußland einzu- süchtrm. Jedensalls ist dies völlig mißglückt.. Fürst drtschakoff ließ sich durch das gewalttge Säbelgeraffel lcht bange machen. Wenn auch höflich, so doch bestimmt, teilte er die englische Vermittlung ab. Der Schachzug vr paralysirt; nun mußte in aller Eile der eifrigen Presse icder abgewinkt werden. Freilich, hätte Lord Beaconsfield Re so gewichtige Stimme wie unser Fürst Bismarck, hätte t in solchen Fragen das entscheidende Wort, wie dieser, mn ..., ja waö dann wäre, können wir nicht wissen, lücklichenveise hat Lord Beaconsfield in seinem eigenen Ministerium nur die Minderheit für seine Anschauungen. He Mehrzahl der Minister steht bei den friedlicher ge­lten Lords Derby und Salisburg.

- Inzwischen hat das Alarmgeschrei der offiziösen Blätter $ eine Folge gehabt und zwar eine solche, wie sie dem ttd Beaconsfield kaum erwünscht sein wird. Im ganzen Vde regt sich die Agttatton gegen die Betheiligung Eng-

lungen ohne sein Vorwissen geführt worden seien. Herr Hofmann sieht sich durch die Varziner Besprechungen als deplacirt an und will, wie es scheint, nicht länger aus einem Posten bleiben, der wahrscheinlich ihm früher oder später doch entzogen werde. Es wird von unseren Gewährsmännern angenommen, der Staatsminister Hofmann trage sich mit der Absicht, nach Darmstadt zurückzukehren.

Wie die „Correspondance universelle" erfuhrt, wird das Personal der Berliner französischen Botschaft vollstän­dig gewechselt werden, sobald Herr von St. Ballier von seinem neuen Posten Besitz ergriffen haben wird.

Das „Castern Budget", Organ des Grafen Beust in London bringt folgende bemerkenswerthe Auslassung, die in die Form einer Wiener Correspondenz gekleidet ist: »Im gegenwärttgen Stadium der orientälijchen Frage kann nicht länger an die Auftechterhaltung des btatus quo in der Türkei gedacht werden, Alles, was die Großmächte zu erwägen haben, ist, wie ihre eigenen Interessen am besten geschützt werden können; und es ist nicht anzunehmen, daß Oesterreich-Ungarn, nachdem es so lange dem Dreikaiser­bunde angehört, die Sicherheit, die es dadurch gewonnen hat, aufgeben werde, um bessere Bürgschaften in den Chancen einer neuen und weit unsicheren Politik zu suchen Ueberdies ist der Stand der öffentlichen Meinung in Eng­land nicht ein solcher, um der österreichisch-ungarischen Re- grerung irgend eine Ermunterung zu gewähren von ihrer gegenwärtigen Haltung abzuweichen; und man glaubt hier; daß die Gefahr eines Zwistes zwischen England und Ruß- land mcht so nahe bevorsteht, als einige Leute glauben. Fürst Gortschakoff besitzt in der türkischen Circularnote ein Argument zu Gunsten der Fortsetzung des Krieges, dessen Beantwortung das britische Kabinet schwierig finden dürste. Er kann auf die Punkte dieses Dokuments als einen Be- tceiö dafür Hinweisen, daß Rußland gezwungen ist mehr Opfer zu bringen, um die Ziele, für welche es den Krieg begonnen, zu sichern." 0

Die „Correspondance universelle" veröffentlicht fol­gende vergleichende Tabelle der Kriegsmarine der verschie­denen Seemächte,^soweitdie Schiffe fertig gestellt sind :

England Frankreich Rußland Vgte. Staaten Türkei Holland Deutschland

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Dberhesstsche Zeitung

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blottt», sowie d.Ännoncen-Bureaux von @. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herma»» ,u-e Buch Handl, daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckere») bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr,. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bf« Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

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berm oid schöneren und überraschen-

d'° H°Wr7at " 3Um<tl bit Ve-u-straat^d ^-^Ä^f-lhaft!"fuhr Anton fort, „man sieht Abends alles besser und schöner, und was dabei durchaus nickt eicht ins Gewicht fällt — man wird selbst weniger aL e^en. Nun, ich werde kein Störenftded Ihrer Gesellsckatt sem, das verspreche ich Ihnen." nfchaft

Er hatte den Hut schon in der Hand und griff eben nach dein bewußten Packetchen, als die Flügelthür ein wenig ff”? tombet.Urtb Mädchenköpfchen sichtbar wurde, das icden Verehrer von Goethes „Faust" gleich an Gret­chen erinnern mußte Doch nicht allein einen solchen - ^ung und Alt, welche die Jungftau erblickten, empfingen emen so bezwingenden Eindruck von der lieblichen Erschei-

3,^L'5 * *?reJmann„fi& unwillkürlich umwandte, um dreseS Musterbild von Unschuld und Reinhett noch einmal öu sehest. Die seinen Züge erinnerten an das Gretchen Scheffer s, die frischen Farben der schwellenden Wangen

hagegen hatten dem Pinsel Rubens alle Ehre gemacht, ^n n^rl'ch-n Wellen hing das reiche blonde Haar um chre

ZL/nr und em leichtes weißes Kleid ließ ihre schlanke Gestalt vottrefflich zum Vorschein kommen. Eine natürlicke N war der einzige Schmuck ihrer Toilette.

Aw das relzeride Köpfchen mit den treuen blauen Augen s*ch Mte, hatte es nut einer hellen sympathischen Stimme

»Papa, willst Du einmal nach den Blumen sehen?" Als aber die Fragende einen Fremden bemerkte, hatte sie s°fod hluzygefügt: „Pardon, ich dachte, Du wärest mit Mama allem gewesen."

9r. ^zückt über die liebliche ErscheiMng, fragte Anton Adolf: „Ist da« Deine Tochter?"

landS am Krieg. Gemeinderäthe und andere (Korporationen, die politischen Vereine u. s. w. bestürmen das Ministerium mit ^Petitionen, welche in diesem Sinne gehalten sind. Nirgends aber hat die öffentliche Meinung einen so schwer­wiegenden Einfluß im Rache der Minister, wie gerade in England. Es scheint somit nach diesem Gefühlsausbruche kaum denkbar, daß die Minister das Wagestück einer „mi­litärischen Intervention" unternehmen werden. Wenn die Regierung ganz im Stillen im Süden Afria's ein Land annectirt, das dreimal so groß ist wie England, so geht ein solches Ereigniß spurlos an den Augen der Zeitungs­leser vorüber. Aber die orientalische Frage ist dann doch ein zu gefährliches Wespennest, als daß sich nicht jeder Engländer berufen fühlen sollte, in dieser Sache ein Wort mitzureden.

Endlich haben wir auch noch die bedeutsame Kundge­bung eines englischen Ministers, des Staatssekretärs für die Colonieen, Lord Canarvon, zu erwähnen. Derselbe äußerte sich gegenüber einer Deputation: „Ich sehe nicht, daß irgend eine wesentliche Veränderung in der Situation eingetreten ist, und deshalb bleibt unsere Haltung ganz dieselbe, bie, sie war, nämlich wachsam über alle britischen Interessen, fteunblich gegen anbere Nationen, neutral gegen die Kriegführenden." Der Minister hält eS selbstverständ­lich für sehr wichtig, daß England eine „deutliche" Stimme in der endgültigen Entscheidung über die orientalische Frage habe. Ueber den Krimmkrieg sagt er: „Wir können uns erinnern, wie Rußland einerseits durch Selbsttäuschung in dieses Land (England), anderseits in großem Maße durch eine ertreme Aufregung in den Krieg hineingetrieben wurde. Ich fürchte, es gibt sehr wenige Leute, die auf diesen Krieg mtt Befriedigung znrückblicken und ich glaube zuversichtlich, daß Niemand in diesem Lande wahnsinnig genug ist, eine Wiederholung desselben zu wünschen."

Wenn demnach ein Mitglied des gegenwärtigen M- nisteriumS in dürren Worten erklärt, daß eine zweite Auf­lage des Krimmkrieges Wahnsinn wäre, so können wir wohl zuftieden sein und uns überzeugt halten, daß an dem Säbelgeraffel der offiziösen Presse Englands die Majorität des Ministeriums keinen Anlheil hatte.

Tagesbericht.

Wie unterrichtete Personen zählen — so berichtet man von Berlin der „Magdeb. Ztg." — wird der Präsident des Reichskanzler-Amts, Staatsminister Hofmann, seinen Abschied fordern. Man bringt diesen Entschluß des Mi- nisters mit der Reise des Herrn v. Bennigsen nach Varzin in Verbindung und bemerkt, es habe dem Präsidenten des ReichSkanzler-Amtö nicht gleichgültig sein können, daß über die anderweitige Ausgestaltung der Reichsämter Vorhand-

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fe ungepanzerte 313

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