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Marburg, Sonnabend, 5. Januar 1878.

XIII. Mrgmg.

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«aitigtn nimmt entgegen: tte Expedition b.Blatte*, !s»ie d-Annoncen-Bureaux Mn ,11). Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. rietrich in Frankfurt a M.; naafenftein & Bögler in ifcgntfurt a M., Berlin, gälig, Köln ic.; Rudolf Hoffe in Berlin, Frank­furt a. M- ic

GkWsche jfitimii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition ».Blatte*, sowie d.Lnnoneen-Bureaux von ®. L. Daube <& So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herma»» ich« Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene* in Elberfeld; S Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllUstrirteS EonntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. rtxcl. Bestellgebühr). — JnsertwnSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf*, berechnet.

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-ksttllMgkil &auar,ai Aberhesstsche Zeitung und deren Gratisbeilage JllustrirteS Sonntagsblatt bitten wir bei den PeftaustaNe» (auf dem Lande bei den baldigst machen

zu wollm.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.

Tagesbericht.

Bei dem Neujahrsempfange der Minister gab der Kaiser — wie die „Prov. Corresp." meldet — der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß das neue Jahr eine friedliche Ent­wickelung nach Außen wie im Innern bringen werde. Diese allerdings etwas elastische Aeußerung dürfte wohl als eine Anspielung auf die künftige Lösung der ministeriellen Krisis zu deuten sein. Daß indeß diese Lösung noch geraume Zeit in Anspruch nehmen und nur aus Grund eines Com- promisses zu Stande kommen wird, ist einleuchtend.

Die von dem Bundesrathe genehmigten AbkürzungeU der Maß- und Gewichtsbezeichnungen (km. statt Kilometer rc.), die wir bereits vor 10 Wochen publicirt haben, wer' den nunmehr vom Handelsminister bekannt gemacht, mit der Maßgabe, daß die Abkürzungen in allen Eingaben an die Behörden zu benutzen seien.

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Ein Korrespondent der Wes. Ztg. schreibt aus Berlit»: .Die Verhandlungnn des Herrn v. Bennigsen mit de« Reichskanzler in Varzin haben kein unmittelbares Resultat gehabt und auch nicht haben können, weil die diskutirten Kragen gar nicht derart waren, daß eine sofortige Entschei­dung möglich gewesen wäre. Erstens waren sie dazu zu allgemeiner weitgreifender Natur und sodann ist es in dem -Charatter solcher Angelegenheiten selbst begründet, daß sie nicht allein durch die Besprechung zweier, wenn auch noch so hervorragender Personen unseres politischen Lebens zum Austrag gebracht werden können. Trotz dieses unvollstän­digen Erlebnisses ist die Varziner Zusammenkunft doch hoher Bedeutung, denn sie hat ohne Zweifel die fer- tett dauernde und engere Verbindung der Regierung mit ^« liberalen Majorität der Parlamente und deren Füh- rern vollständig, sicher gestellt."

Die in den Paragrphen 9 und 10 de« preußischen Fischereigesetzes vorgesehene Bildung von Genossenschaften hat bis jetzt nur in vereinzelten Fällen zur Ausführung gebracht werden können, da die Fischereiberechtigten meisten- theil* die Vorzüge derartiger Einrichtungen noch nicht er­kannt haben, oder sich vor den Kosten einer genossenschast- lichen Organisation scheuen. Indessen sind in den Pro­vinzen Preußen 3, tn Schlesien 11 und in Schleswig- Holstein 1 theils zur Aufsichtsführung, theils auch zur gemeinschaftlichen Bewirthschaftung bestimmte Fischereige­nossenschaften bei vorhandenem Einverständnisse aller Be­theiligten durch die betreffenden Oberpräsidenten gebildet worden. Für die Stuba'sche Laache, Kreis Elbing, ist durch königliche Verordnung eine aus 21 Fischereiberechtigten be­stehende Genossenschaft errichtet worden, nachdem nur von Seiten eines einzigen Betheiligten ein Widerspruch erhoben, dagegen von der Kreisvertretung nach Maßgabe des Fische­reigesetzes eine zustimmende Erllärung abgegeben war. Theils in den erwähnten, theils in anderen Provinzen der Monarchie, wie namentlich in Pommern und in der Rhein­provinz sind Verhandlungen wegen Bildung von Fischerei­genossenschaften mit Aussicht auf Erfolg anhängig und wird dahin gestrebt, dieselben zum baldigen Abschlüsse zu führen.

Vom Kriegsschauplatz liegt nun die offizielle russische Bestätigung der Nachricht vor, daß es dem Korps des Generals Gurko gelungen ist, den Balkan bei Arabkonak zu überschreiten und in die Ebene von Sofia hinabzusteigen. Sofia selbst ist nach anderen Nachrichten schon von allen Seiten von russischen Truppen umgeben. Der Uebergang über den Balkan hat große Schwierigkeiten gemacht, Sturm, Schnee und Eis mußten überwunden werden und überdies fanden auch hartnäckige Kämpfe bei Toschkesi statt, da wo die Straße nach Sofia am südlichen Ausgange des Balkan einen rechttn Winkel macht und nach Westen führt.

Wie scharf der Winter in Bulgarien haust, davon geben die Briefe der russischen Blätter- vom Kriegsschauplatz Zeug- niß. So lesen wir in einem Schreiben an die „Mosk. Wedom." Folgendes: „Am 19. December erhob sich bei einer Kälte von 4 bis 7 Grad ein Schneesturm. Im Zelte des Oberkommandirenden im Hauptquartier waren 5 Grad Wärme, in vielen Zelten war die Temperatur unter 0 Grad. Das Mittagsmahl wurde gestern bei 4 Grad und heute bei 7 Grad Wärme im Zelte eingenommen. Die Truppen haben eö in ihren Erdhütten [warm. Auf den Postttonen aber und auf dem Marsche, besonders im Gebirge, in dem Schipkapaß und gegenüber Arabkonak ist es für den Sol­daten sehr beschwerlich. In den Pässen können die Ge­schütze und Lasten nur unter verzweifelten Zurufen der Führer von den Pferden auf den Weg geschleppt werden.

Der Schnee liegt bereits kniehoch. Man kann nicht genug warme Kleider anschaffen. Alle leiden mchr oder weniger von der Kälte."

Neueste Kriegsnachrichten.

London, 2. Jan. Der Colonien-Minister Earl os Carnavon empfing eine Deputaüon der Kaufleute vom Cap der guten Hoffnung, welche die Befürchtung aussprach, daß ihre Jntereffen, im Falle einer weiteren Verwicklung im Orient vernachlässigt werden könnten. Der Minister er­klärte, er sehe trotz des Falles von Plewna keine materielle Aenderung der (Situation. Die Haltung Englands sei eben­sowenig verändert. Obgleich England nicht vorbereitet wäre, die türkischen Interessen als solche zu unterstützen, sei die Regierung doch entschlossen — wie sie es von Anfang an gewesen — bei der Regelung der Orientsrage ihre «Stimme geltend zu machen. In Betreff des Schrittes Englands bei Rußland hob der Minister hervor, daß England keine Me­diation und ebensowenig eine Intervention in gewöhnlichem Sinne angeboten habe. „Wir übergeben nur Eröffnungen eines Kriegführenden bezüglich des Friedens an den An­deren. Ich kann in der Antwort Rußlands keine Belei­digung oder Beschimpfung Englands sehen und hoffe auf­richtig, daß die russische Regierung und das russische Volk nicht vergessen werden, daß die gegenwärtigen Fragen solche sind, deren Regelung nicht den Kriegführenden allein zn- steht. Es handett sich um europäische Fragen. Wir, als Mitglied der europäischen Familie, haben nicht nur das Recht, darüber gehört zu werden, sondern es ist sogar sehr wichtig, daß wir eine entscheidende Stimme bei der defini­tiven Regelung der obwaltenden Fragen haben. Ich glaube, es gibt wenig Personen, welche sich des Krim-Krieges mit Genugthurmg erinnern, und bin gewiß, es gibt Niemand in diesem Lande, der so thöricht wäre, eine Wiederholung des Krim-Krieges zu wünschm."

Bonbon,3. Jan. Die Mvrning-Post schreibt: Der gestrige Cabinetsrath kam dahin überein, die Antwort Rußlands auf Englands Vermittlungs-Anerbieten nicht als den Schluß der englischen Aktion zu betragen, und beschloß, vor Ueber- mittlung der Antwort an die Pforte in Petersburg anzu­fragen, welche Waffenstillstands-Bedingungen die russischen Commandenre zu fordern inftruirt worden seien. Heute findet wiederum Minister-Conseil statt. — Der „Standard," sowie die liberalen Blätter sprechen sich mit Befriedigung über die Rede des Colonien-Ministers Earl of Carnavon aus. Die „Times" meint, die Rede solle den Alarm und die Aufregung im Lande endgüttig beschwichtigen, und glaubt, eine Politik, geleitet durch solche staatsmännische Ansichten und Principien, wie die durch Carnavon ausgedrückten,

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dniß Zimmer. Er trug einen jener schwarzen Röcke, welche logenannten Aufwärtern leider nie gut paffen; fein

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Mynheer wollte eben antworten, als 'es anklopfte und ArbettSmädchen dm Boten van Son anmeldete.

»Lasten Sie ihn nur herein kommen!"

£ Der Bote van Son trat mit einer tiefen Verbeugung

sowie mit

„Und was sagte Marianne dazu?"

r- „Sie sprang vor Freude in die Höhe, als sie die herr­schen Rosm sah, aber als ich ihr von dem Geber sprach, Mmte sie die Blume» ..."

Ei» Stefi*e»z»en»Oßk».

Erzählung von Johann Gram.

So« Verfasser autorisiert lieber)tagung au* bem Holländischen von Joseph Schrattenholz.

Fortsetzung.)

„Er hat Mariannen vorhin wieder einen wunderschönen Meißen Rosenstrauß geschickt," sagte Mevrouw.

„Eigenthümliches Geschöpschen!" murmelte er.

„Und mit Recht. Jedes andere Mädchm, welche* eine glänzende Partie in Aussicht hätte, würde sich vielleicht 8viz entgegmgesetzt bmehmm."

„Vielleicht liegt in ihrer Unwissenheit die beste Taktik borgen."

___ „Wer Adolf," sagte Mevrouw halb erzürnt, „wie kannst Du nur einem unschuldigen Kind von 18 Jahren so viel

Mich unbeweglich, ob sein Besitzer nun bei einem Begräb­st ober bei einer Hochzeit Dienste verrichtete.

„Nun van Son," sagte Mynheer freundlich, „treten einmal vor. Sehen Sie auch orbentlich genug aus, M heute Abend aufzuwarten? Drehen Sie sich einmal Otnrm »

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„Das will ich wohl meinen, Mynheer. Es ist ja mein neuer Begräbnißrock, ein feines Stück Zeug, Mynheer. Ich habe biefen Morgen noch —"

Eine abwehrende Geberde von Mevrouw ließ ihn nicht vollenden.

„Dann nur ordentlich aufgepaßt, verstehen Sie!"

„Hören Sie einmal," fügte Mevrouw in vertraulichem Tone hinzu, „wir sind nun gerade unter uns. Sie brauchen mit den Tortenschüstelchen, dem Eis und den anderen feinen Erfrischungen nicht so oft herum zu gehen, nur langsam —"

Ein bedeutungsvoller Blick von Mynheer ließ sie auf­hören.

„--damit die Gäste sich noch bedenkm können. Es

mutz ohne Stockung hergehen, wisten Sie. Wir haben zu­fällig mehr Gäste, als wir einzuladen gedachten, und es ist also weniger bestellt, als wir vielleicht nöthig haben tonnten. Verstanden?"

„Fatale Sparsamkeit!" murmelte Mynheer, zornig mit den Füßen stampfend.

„«Sehr gut, Mevrouw", sagte von Son, „ich werde schon dafür sorgen, daß die Gäste ihren Magen nicht überladen. Nur so auf französische Manier vorbeigehen, ich verstehe, ich verstehe, Mevrouw/'

Mit einem untertänigen Bückling verschwand der Mann mit dem weiten Rock und der kurzen Hose, und als er die Thür hinter sich geschlostm hatte, ging Mevrouw um dem drohenden Tadel ihre* Mannes zu entschlüpfen sofort auf ein anderes Thema über.

„Wie viele Gäste haben wir benn eigentlich heute Abend, Dolf?" frug sie im liebreichsten Tone. „Baron van Gaalderm, Mynheer und Mevrouws van der Daan mit ihren drei Töchtern, Oberst van Lernt und seine Frau der Maler Felrnan, Lieutenant van Hvrsen und der Fran­zose: da* sind Zehn!"

„Du vergißt Mols", sagte Mynheer gleichgültig.

„Wie kommst Du nur in des Himmels Namen an diesen Bäcker," frug sie geringschätzig, der gchört doch ganz und gar nicht in diese Gesellschaft."

Dieser Ansicht mußte de Grootens leider zustimmen und mit gewissem Widerstreben erzählte er, daß Mols in seiner Eigenschaft als Mitdirector vom Waisenhause diesen Morgen bei ihm gewesen wäre und von der Gesellschaft gehört habe. Mols habe dem unverkennbaren Verlangen, der Gesellschaft beizuwohnen, so deutlich Ausdruck gegeben, daß man halb und halb gezwungen gewesen sei, ihn einzu­laden. „Uebrigens", fuhr er zögernd fort, „ist der Mann, oder besser gesagt, sein Eredit, uns viel werth, und Mols hat mir auch schon manchmal —"

„Wohl möglich," fiel Mevrouw heftig ein, „aber wenn wir alle unsere Creditoren einlaben wollten, —"

„Könnten wir wohl bas Palais von Volksvlijt*) miethen. Zugestimmt. Wer sei ruhig, liebe Frau, ber Baron, der Oberst unb ber französische Schriftsteller machen Alles toieber gut. Die Familie von ber Daan ist auch sehr biftinguirt."

„Wenn nur Dein Bruder Karl au* Indien heute Abend bei Zeiten ankäme, dann würde er doppelt willkom­men fein. Es wäre herrlich: ein reicher Colonist, der vielleicht noch schwane Bedienung mitbringt — wie wird der unfern Salon zieren!"

„Gewiß, und wenn er dabei noch einen Papagei auf der Hand trägt, hätten wir gleich eine zweite Auflage von Robinson Crusoe. Wer Du hast Recht. Ein steinreicher, in Indien angesehener Colonist ist nicht zu verachten."

*) Das bekannte coiojsale öffentliche Gebäude in Amsterdam. Anmerk. d. Uebetf.