Nr. a.
Anzeigen nimmt entgegen: btt Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Tb- Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aM.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt o. M., Berlin. Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Rosse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Marburg, Donnerstag, 3. Januar 18*. 8 -M-
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xiii. Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: Me®n»ebtttcn ».Blatt ti, sowie d.Annoncen-Bureaux von 8. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchbandlung daselbst; Herma,.., su-e Buchhandl- ♦ daselbst; Jnvalidendank in
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Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Tige-bericht.
lieber die „innere Krisis" liegen heut keine weiteren Nachrichten vor. Präsident v. Bennigsen ist am Sonnabend Abend von öargin zurückgekehrt, hat an demselben Abend «och mit mehreren Mitgliedern seiner Partei konferirt und ist dann am Sonntag früh nach Hannover abgereist. Die „Nat. Ztg." hat am Sonntag früh noch ihren Lesern über die Erfolge, welche die Reise des Führers der Nationalliberalen nach Barzin erzielt noch eine kurze MittheUung gemacht, welche darin gipfelte daß „eine Lösung der obschwebenden Krisis weder in den wenigen Tagen dieses Lahres noch zu Anfang des nächsten in Aussicht stehe." Diese Mittheilung des genannten Blattes im Bergleich zu »er Auslassung desselben imb der zahlreichen ihm verwandten Blättern, welche schon täglich mit neuen Ministerlisten ihren Lesern aufwarteten, zeigt eine gauz erhebliche Enttäuschung «ud gibt einen deuüichen Beweis, daß unsere Auffassung der Sitnation und die von uns wiederholt ausgesprochene Warnung, sich nicht durch diese Combürattonspoliüker und ihrer Conjectur« MibLuftgebildeivre fettes zu lassen, die richtige war. Auch heute können wir nur^nochmalö wiederholen, daß die Nachrichten, welche über Veränderungen in ben Personalien der inneren Verwaltung Preußens sowohl wie über bevorstehende Aenderungen in den Regierungsprinzipien jedes positiven Anhalts entbehren und nichts als Luftgebilde sensationssüchtiger Correspoudenten sind. Sollte Herr v. Bennigsen sein Amt als Landesdirektor verlassen wollen, um in den Staatsdienst zu treten, so wird für ihn eine Vacanz vorhanden sein aber nicht tt» dem preußischen Staatsdienst, sondern in der Verwaltung des Deutschen Reiches und hier istirfte ihm wahrscheinlich eines der hervorragendsten und dem Reichskanzler am nächsten stehenden Aemter geöffnet werden. Dies ist die Meinung unterrich- ttter Personen, auf die wir unsere Mittheilungen stützen können.
Der bisher auf dem Kriegsschauplatz eingetretene scheinbare Stillstand in den Operationen seit nahezu drei Wochen, ist- tote die „Presse" wohl mit Recht hervorhebt, nicht so sehr den Einflüssen der Witterung den als operaüven Ver
änderungen zuzuschreiben, welche in Folge der Kapitulatton von Plewna eintreten mußtest. Die über 100,000 Mann betragende Cernirungsarmee von Plewna war frei geworden und diese mußte in der RichMng gegen Orkhanje, Tirnowo und Bjela vertheilt werden. Auf der anderen Seite zog sich Suleiman Paschas Armei in Folge der Kapitulation von Plewna und der Niederlage bei Metschka in das Festungsviereck und weiter stach Rumelien zurück. Es mußte also auf beiden Seite» und viel marschirt werden, trotz Winter und schlechtm Straßen, bis beide Armeen ihren Aufmarsch für den Kriegsschauplatz am Balkan vollendet haben werden. Diesem Umstande ist es also vorzugsweise zuzuschreiben, daß sich die Nachrichten vom bulgarischen Kriegsschauplätze vielleicht noch bis Mitte Januar nur auf vorbereitende Bewegungen von beiden Seiten beschränken werden.
Die Verbindung zwischen den russischen und serbischen Truppen ist auf der Chaussee von Sofia nach Nisch und Widdin vollkommen hergestellt. Die russische Kavallerie führt den größten Theil des dortigen Vorpostendienstes. Der Operativnsplan der Serben wurde der „Presse" zufolge noch vor dem Falle von Plewna im russischen Hauptquartier festgestellt und jedem der aktiven serbischen Korps je drei russische Generalstabs-Offiziere zugewiesen. Die weiteren Operationen müffen stets im Einvernehmen mit General Gurko ausgeführt werden.
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Neueste Kriegsnachrichten: >■
. Konstantinopel, 3ü. Dec. Der Sultan empfing die neugewählten christlichen Adjutanten der Bürgergarde und sprach die Hoffnung aus, daß die Christen sich dem Militärdienst unterziehen würden. — Aus Kamarli vom .27. December wird gemeldet: Auf dem linken Flügel, wo die Russen ihre Stellung verstärkten, sowie bei Slatitza fanden Scharmützel statt. Das fetter "ist schön? — Einem Telegramm aus Erzerum vom 28. December zu- .folge hatten die Russen wegen ungeheurer Schneemassen dio Truppen-Concentrirung unterbrochen und arbeiteten an Wegen durch den Schnee um Proviant heranzuschaffen.
Konstantinopel, 30' Dec. Aus Datum, 28. d., wird gemeldet: Das Geschwader unter Hobart Pascha wurde durch russische Torpedos angegriffen, jedoch ohne Erfolg. Hobart, der die Yacht „Jzzediu" unter seinem speciellen Befehl hatte, führte eine Recognoscimng gegen Pott aus: auf der Rückfahrt von derselben ließ er Mühlen und andere Gebäude des Ortes Pigorethi bombardiren und durch gelandete Matrosen mit Feuer vernichten. Auch die russische Redoute Toptscha wurde durch türkische Geschütze beschädigt. — Bei Gumusogane bestand eine Recog- noScirungs-Abtheilung ein den Türken günstiges Gefecht. Bei Henevin machten die Russen einen erfolglosen Angriff — Laut Meldung aus Eizenim vom 27. December erfolgte die Abreise Mukhtar Pascha's am 26. December Nachts.
Wien, 31. Dec. Das „Neue Wiener Tagblatt" meldet aus Belgrad: Die Türken haben vorgestern bei
Eise Brantfahrt.
Novelle von Ernst v. Waldvw. ,
(Schluß.)
.Noch eine selige Stunde verlebte der Glückliche mit «n ihm so theuren und werthen Menschen, taitn brachen «t Damen auf, und nachdem der Ober-Regierungsrath «rd Anton sich von denselben verabschiedet, lustwandelte der Ee Herr, gegen den Kurgebrauch verstoßend, noch ein Stündchen mit seinem jungen Freunde in den jetzt men- chenleeren Alleen und erfuhr hier, was er zu wissen wünschte, «treffend das Brrhältniß Antons zu Klothilde. Ferner Mlte Anton fteimüthig alle seine Erlebnisie. Das gut= kchthig spöttische Lächeln spielte dabei nicht eben selten um Vst Lippen des Ober-Regierungsraches, während er hier «Hb da ein Wort und eine gute Lehre dazu gab.
Am andern Morgen erhielt die sehr übellaunig erwachte «Ämetsräthin Lauer ein in den höflichsten Worten abge- Mes Schreiben ihres „zukünftigen Schwiegersohnes", wie r Anton ja oft schon genannt — in welchem dieser be- ^ueue, daß aus der projektirten und von seiner Mutter w innig gewünschten Verbindung aus dem Grunde nichts wcrden könne, weil er nach den gemachten Beobachtungen hießen müsse, daß es ihm nie gelingen werde, das Herz ^^ihm bestimmten Braut zugleich mit deren Hand zu v Das war ein böser Morgen für Lucie, und diese selbst, u doch den „Krölenwieser" mit einem Korbe hatte heim
schicken wollen, ärgerte sich nicht wenig über dessen schnellen Rüchug, obgleich sie ihrer Mutter mehr als einmal die Versicherung gab, daß biefer Mensch seit dem gestrigen Tage ja doch in der guten „Gesellschaft" unmöglich geworden sei.
Nichtsdestoweniger promenirte „dieser Mensch" sehr vergnügt am Abend Arm in Arm mit einem sehr vornehm aussehenden alten Herrn in der Haupt-Allee, und einige Tage darauf befand er sich sogar mit diesem in der Gesellschaft von Damm. Diesmal waren es echte Steine und keine falschen — Lucie wußte das am besten, beim ihr geliebter Lieutenant hatte ihr in sehr böser Laune von ber „verrückten Passion" des Onkel Hart — für ben „Kröten- wieser" erzählt.
Der Lieutenant hatte balb noch mehr Grund, auf Anton böse zu sein, als es ihm nämlich bis zur Evidenz klar wurde, daß dieser denn doch eine „Brautfahrt" nach Kissin- gen gemacht, und Maieudorfs schöne blonde Cousine Klothilde, die viel hübscher und reicher als Lucie war, über kurz ober lang „Frau Anton Schmitt aus Haus Kröten- wiese bei Haynau heißen werde!
Und so war es auch. Die hundertjährigen Eichm im Maimdorffchen Parke, welche die ersten Küsse des binnen Jahr und Tages glücklich meinten Paares gesehen, sahen noch viele, viele Wiederholungm dieser Küffe, die nicht minder zärtlich genommen und gegeben wurden als die ersten.
Der Friede der junges Ehe ist bis jetzt durch nid?«
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Zwvrnik einen erftlglosen Angriff gemacht. Das Bombardement von Nisch ist unterbrochen, wie gerüchtweise verlautet, aus Anlaß von Capittilattonsverhanblungen mit der Festung.
London, 31. Pec. Die Admiralität bat Befehl gegeben daß die Canal-FloM ihre in Reperatnr befindlichen Schiffe bis znm 16. Januar feefertig mache. „Morning Post" erfährt: Es sei Wenig Aussicht auf Annahme der englischen Mediation in Petersburg vorhanden. Rußland scheine nur direkt Pit ber Pforte zu unterhandeln geneigt.
Wien, 31. T)ec. Die „Presse" meldet: Die Nachricht der „Agence HavaS", daß Rußland der Pforte seine FriedensbedingungeA mttgetheilt habe, ist vollständig unbegründet. Ebenso unrichtig ist die Nachricht des Journals „Neue Zeit", wonach England die Absicht, gewisse Stationen im Orient M besetzen, angekündigt haben soll. Die einzige Mitteilung, welche in jüngster Zeit hinsichttich der schwebenden Frage vom Londoner Cahinet ausging, betraf die bekannte vorgestern in Petersburg überreichte Media- ttonsnote.
Petersburg-, 31. Dec. Das Ersuchen Englands um Mittheilung hinsichtlich der Geneigtheit Rußlands, aus das Anliegm ber Pforte wegen Friedensverhanblungen einzugehen, liegt nunmehr hier vor. Weim nach bon hierher gerichteten telegraphischen Anfragen auswärts bereits Mit- theilungm über bä russische Antwort unter Angabe von bieffeits aufgeftelllm Bebingungen eines evmtuellm Abkommens verbreitet werben, so können solche nur voreilige unb unrichtige sein. Es liegen keinerlei Feststellungen vor wennschon in unterrichteten Kreisen angenommen wird Rußland werde keinerlei schroffe Antwort auf die FrstdenS- Aubahnungen habm und auch jetzt bekunden, daß es ernsten Bersuchm zur Herstellung des Friedens immer zugänglich sei
Koq^anLiwopech 30. Da: Dbe Crrncestrtrung der Truppen hinter dem Balkan wir» fortgesetzt. Der bisherige Comrnandeur der Division von Kadikiöi Assof Pascha wurde zum Comrnandeur der Armee des Vilayets von Kossova ernannt; Muthkar Pascha wirb in 10 Tagen hi" eintreffen. Nach einem Telegramm Suleiman Pascha's ans Jchittman stab nenerbingS keinerlei bebeutenbenbere Operationen im Balkan unb an ber Donau ausaefübrt Das Wetter ist sehr schlecht. — Gestern sanb ein Mim- sterrath statt, welchem große Bebeutung beigelegt wirb.
Paris, 31. Die Nachricht ber „Agence Havas bezüglich ber Antwort Rußlands auf die englische Mediation wird von unterrichteter Seite als jedes Anhaltes entbeh- rend bezeichnet.
Petersburg, 31. Dec. Aus Bogot vom 29. wird gemeldet: Nach einem äußerst schweren Uebergang über die schneebedeckten Berge auf überfrorenen Fußpfaden bei heftigem Wind hat die Vorhut des westlichen russischen Detachements die Defileeu des Balkans zwischen Arabkonak und Sofia besetzt. Die Kavallerie steht bereits auf der Chaussee nach Sofia. Da die Türken überrascht wurden, belief sich ber russische Verlust bei Debouchireu aus ben Bergen nur auf 5 Verwundete. Wie schwierig in biefer gestört worben — bie einzige kleine Disharmonie bildet Anton s rathselhafte Abneigung gegen bie blaue Farbe, unb Frau Klothilde findet es tyrannisch, baß ihr Gatte sie durchaus nicht in einem blauen Kleide sehen mag, obgleich sie ihm schon so ost-versichert hat, baß Blau ihre LieblingS- farbe fei. °
Freilich weiß bie junge Frau nichts von bet kleinen Dame in Blau denn Anton ist ein eifriger und ae- shnger Schüler des Onkel Hart geworden, dessen erster Grundsatz lautet: „Man muß den Frauen nicht Alles sagen!"
Zwischen der Frau Ober-Amtmann Schmitt in Kröten- wrese unb ber Kabinetsräthin Lauer werden keine zärtlichen Briefchen mehr gewechselt —das letzte goldgeränderte Blatt, welches ^rau Schmitt empfing, brachte die Anzeige von der Verlobung Luciens mit Lieutenant von Maiendorf
In dem freundlich eingerichteten Giebelstübchen zu Krötenwiese aber, worin Anton alle greifbaren Erinnerungen an feine glücklichen Kinderjahre zu bewahren pflegt, und das er jammt ben barin enthaltenen Schätzen für seinen ältesten Sohn bestimmt hat, hängt an einem Ehrenplätze bte dicke Reisetasche, und Frau Klothilde läßt sie sorglich vor Motteuschaden behüten, damit sie noch wohlerhalten ist, wenn einst ihr Erstgeborener, der junge Herr Anton Schmitt, seine Brauffahrt antritt — denn stehe, bas Schicksalsteufelchen hat boch Alles zum Besten gelenkt unb sie hat sich bewährt, bie tröstliche Inschrift; „Glückliche Reise!"