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DieNordd. Allg.Ztg." bespricht die Annahme des türki­schen Mediations-Gesuches durch England und sagt: wennEng- «rd lediglich bezweckt, Rußland auf seine Friedenswilligkeit und «ffdie Chancen zu sondiren, welche ein direkter Schritt der Pforte

Eine vrantfahrt.

Novelle Wn Ernst v. Waldow.

lZorlsehung.)

Jcht erst, als dieser, sich über ihren Seflel neigend, tit der malitiöscsten Miene, die ihm zu Gebote stand, ihr 'se einige Motte zuflüsterte zuckte die Räthin erbleichend mmrn, und sich schnell erhebend, sprach sie, zu Lncien et: ,

Herr von Maiendorf hat drüben bei unseren Bekann- ten schon Plätze für uns reservirt. Man erwartet uns, komm!"

, Und ohne der Dame in Halbtrauer, und . dem bestürzten klnton ein Wort oder einen Abschiedsblick zu gönnen, rauschte dir Räthin davon, gefolgt von Lucie, die ihrer Mama seit «ngem nicht so ohne Widerspruch gehorcht hatte.

Ehe sich Anton anschickte, seinen Damen, welche der «eutenant geleitete, zu folgen, richtete-er noch einige be­dauernde Worte an die interessante Reisegesellschafterin und gab schließlich der Hoffnung Raum, recht bald für diesen Ausfall durch ein längeres Beisammmsein entschädigt zu werden.

Die Dame, welche mit einem sehr bösen Blick den sich entfernenden Nachbarinnen nachgeschaut, antwortete kurz und zerstreut, und Anton, der sie durch den schnellen und >vknig höflichen Aufbruch der Räthin beleidigt glaubte, erschöpfte sich nun in Ergebenhettsveftichernngen und wagte Wr schließlich einen flüchtigen Kuß auf die Fingerspitzen der shm zuletzt noch gnädig gereichten schönen Hand zu dtuchen.

Endlich hatte er denn auch seine Damen auf der an­

in Petersburg haben könnte, so mag man der verdiensllichen Absicht Gerechtigkeit widerfahren lassen. In jedem anderen Falle aber dürfte die Theorie derAgence Russe" Platz greifen, wonach die Mediatton, die nicht von den beiden Kriegführenden begehrt wird, in eine Intervention ausartet, und was letztere betreffe, so mochte Rußland in der Er­füllung seiner Mission sich schwerlich aufhalten lasten, selbst nicht durch die geschicktesten Schachzüge.

Die böse Stimmung, welche die Einführung deutscher Maurer in London unter der englischen Arbeiterbevöllerung hervorgerufen, hat zu einigen bluttgen Reibungen zwischen Engländern und Deutschen geführt. Am Weihnachtsabend griffen etwa 12 Engländer mit Knütteln und Steinen 6 deutsche Maurer an und verwundeten mehrere derselben ernstlich. Ein Deutscher, Namens Jacob Schurz, der zu seiner Vertheidigung ein Messer zog und einen seiner An­greifer am Kopse verwundete, wurde verhaftet und vom Zuchtpolizeigericht in Bowstreet vor die Geschworenen ver- wießen.

Die PariserCorresp. universelle" bringt folgende uns überraschende Nachricht: Man telegraphirt aus Berlin daß daö Weihnachtsfest dieses Jahres, das traurigste ge­wesen ist, welches die Haupsttadt je gesehen habe seit vielen Jahren. Die Kaufleute beklagen sich über das Darnieder­liegen der Geschäfte, welche sich auf Luxusartikel beziehen. Jedermann beschränkt seine Ausgaben auf das Nothwen- digste. Außerdem erzeugt die Ungewißheit der innerm Polittk eine gewiste Unruhe, welche sich auf der Physio- nomie der Festtage abspiegelt.

Von autorisirter Seite geht uns folgende Notiz zu: Der für den 1. Januar beabsichtigte Eintritt der engli­schen Colonien Senegambien, Sierra Leone, Lagor und Goldküste der Fallland-Jnseln und Britisch Honduras in den Weltpostverein ist bis auf Weiteres vertagt worden. Dieses Vorkommniß hat seinen Grund in dem Votum der russischen Postverwalttmg, welche verlangt, daß die genannten Länder in der Postunion keine besondere Stimme haben, sondern als zu England gehörig angesehen werden sollen. Die Correspondenz über diesen Zwischenfall ist noch nicht abgeschlossen.

Neueste Kriegsnachrichten.

Konstantinopel, 28. Dec. Die Maßregel bezüg- üch der Einreihung der Christen in die Bürgergarde soll mit den von den griechischen Patriarchen beantragten Aus­nahmen demnächst zur Ausführung gelangen. Der Sultan wählte fünf christliche Bürgergardisten zu Adjutanten. Mehemed Ali ist zum Mitglied des Kriegsraths ernannt worden.

London, 29. Dec. Die Meldung, daß das brittsche

die Musik das Alles betäubte ihn. O wie gern wäre er diesem ganzen Treiben entflohen, aber jetzt galt es, muthig auszuhalten, und so nahm er denn seine ganze Kraft zu­sammen und forderte Lucie später sogar noch zu einer Polka aus, da eine Aeußerung der Räthin dieses Opfer von ihm zu begehren schien.

Nachdem er ohne Unfall mit seiner Dame auf dem spiegelglatten Parquet die üblichen Pas gemacht, ward Lucie sogleich wieder von dem unvermeidlichen Lieutenant Maien­dors zu einer Extratour aufgefordert.

Obwohl nun Anton Luciens wegen durchaus nicht eifer- süchttg auf den Lieutenant war, verletzte ihn dessen Benehmen doch nicht wenig, und um auch Lucie, die, wenn die Reihe an ihm war, Ermüdung vorgeschützt und nicht mit Anton angetreten ,war zu zeigen, daß er nicht gesonnen sei, sich seiner Rechte zu begeben, legte er, als die Tour wieder an ihnen war, ohne sich lange zu besinnen, den Arm um die Taille der von ihm abgewendet stehenden Tänzerin und sagte:

Wir sind an der Reche!"

Ein halb unterdrückter Ausruf des Erschreckens ant­wortete ihm; die Dame, der er sich auf diese Weise genähert, wandte den Kopf und Anton erkannte nun freilich zu spät, daß er in der Zerstreuung eine andere, gleichfalls in das fatale Blau gekleidete Dame für Lucie gehalten hatte.

In demsäben Augenblick faßte eine Hand nach seinem Arm, und ein heftiger Druck derselben zog ihn zurück, noch ehe er seine Entschuldigung bei der Fremden angebracht hatte.

Es war ein ältlicher Herr, der Anton so unsanft be­rührte und ihm jetzt mit einer Stimme, in der der ge­habte Schreck noch zu zittern jchien, zuflüfterte:

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJüustrirtes SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr». Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Cabinet das Mediattonsgesuch der Pforte accepttrt hat, wird oWell bestättgt. Die Morgenblätter erklären einstimmig den Schritt des Sultans für höchst weist und würdevoll und sprechen die Ansicht aus, die Pforte könne nichts Besseres thun, als ihre Sache absolut in die Hände Englands legen. Times" schreibt: Der Entschluß des Cabinets, die Me­diatton zu accepttren, sei die beste Erwiderung aus die Gerüchte von Kriegsgelüsten der Regierung.Morning- Post" äußert: Die Ausgabe, welche die Regierung über­nommen, sei durch keine Basis für die Regelung der schwe­benden Frage behindert und involvire nichts weiter, als die Bereitwilligkeit Rußlands zur Anknüpfung von Unterhand­lungen auf die Probe zu stellen. Die Friedens-Bedingungen blieben späterer Erwägung Vorbehalten.

Belgrad, 28. Dec. Amtliche Meldung. Nach zwei­tägigen Kämpfen hat die serbische Armee den stark befestigten und gut vertheidigten Ort Pirot eingenommen und wurde daselbst von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen. Es wurden Geschütze, Gewehre und Munition erbeutet; über den serbischen Verlust ist nock nichts bekannt, da Details schien.

Petersburg, 28. Decbr. Die Journale besprechen die Fortnahme des DanrpfersMessina" durch den Dampfer Russia" im Bosporus und heben hervor, daß, wie diese Fortnahme schlagend beweise, die Blokade nicht effettiv sei. DieRussia" gehörte derDampfschifffahrts-Gesellschaft des Schwarzen Meeres" und diente als Transportschiff auf der indo-chinesischen Linie. Als Kriegsschiff ausgerüstet, zeichnete sich dieRussia" mit dem DampferWladimir" durch mehrere Unternehmungen an der kaukasischen Küste unter Baranoff aus. Amtlichen Meldungen zufolge sind die Chinesen siegreich gegen Kaschgar vorgedrungen und haben Outschtourgan und Oksa, die strategisch festeren Punkte des Landes besetzt. Die Bevölkerung hat sich auf russisches Gebiet geflüchtet. Die Kaiserin empfing am 27. d. eine Anzahl von Deputattonen der Gesellschaft vom Rothen Kreuze aus den Provinzen, dantte denstlben und sprach die Hoffnung aus, daß die Aufopferung für die Ver­wundeten, welche sie während der Prüfungszeit so ost ge­tröstet, sich auch fernerhin bethättgen werde.

Petersburg, 29. Dec. Aus Nikolajeff vom 29. d. wird amtlich gemeldet: In der Nacht vom 28. d. griffen die Torpedokutter des KÄegsdampferöKonstanttn" auf der Rhede von Saturn einen türkischen Monitor an. Der sich selbst bewegende TorpedokutterTschesme" prallte in der Mtte des Monitors an und explodirte; der andere TorpedokutterSinope" ging unter dem Monitor durch, ohne zu explodiren. Die Schüste der verfolgenden türki­schen Schiffe nöthigten die Kutter zum Rückzüge nach Poti, von wo derKonstantin" mit den Kutten: nach Sebastopol absegelte. Welches Resultat die Explosion gehabt, ist nicht be­kannt. DieAgence Generale Russe" bezeichnet die Nach­richt auswärtigerZeitung von einem neuerlichen Rundschreiben

Tagesbericht.

Der Reichskanzler hat dem Bundesrath eine im Reichs- asenbahnamt ausgearbeitete Denkschrift, betteffend die Ein- fiihrung eines neuen Eisenbahn-Frachtbrief-Formulars und die damit zusammenhängende Abänderung des § 50 Ziffer 7 des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands dorn 11. Mai 1874, zur Beschlußnahme vorgelegt.

Die Nationalzeitung" meldet:Die Einladung, welche Wn Setten des Fürsten Reichskanzlers an Hern: v. Ben- Bgsen erging, war in einem eingehenden Schreiben erfolgt das in der entgegenkommendsten und herzlichsten Weise ab- Mfaßt war. Herr v. Bennigsen erhielt dies Schreiben am Tage der Schlußsitzung des Abgeordnetenhauses. Kurz vorher war ein KabinetSkurier Sr. Majestät des Kaisers »it geheimen Depeschen an den Reichskanzler abgegangen.

Der königl. ungarische Ministerpräsident Tisza, welcher vor einigen Tagen in Berlin eingettoffen ist, beabstchttgt bereits am Montag Nachmittag über Dresden nach Wim zurückzrckehren. Wie versichert toitb, ist sein berliner Anfent- balt rein privater Natur. Bis jetzt hat derselbe weder Besuche gemacht, noch solche empfangen.

Der französische Botschafter in Berlin Mcomte de Gontaut-Biron, dürste bereits in allemächster Zett dem Kaiser sein Abberufungsschreiben überreichen.

Mirza Ali Khan, der ehemalige erste Sekretär des Schahs und jetziger persischer Staatsmivister, der beauf­lagt ist, die Vvrbereitungm für die von seinem Monar- chm im nächsten Jahre beabsichtigte Jncognttoreise zur Wettausstellung nach Paris zu treffen, weitt, wie dieWes. Ztg." meldet, augenblicklich in Berlin.

«eigen nimmt entgegen: die Expedition b.Btattei, fonrie d-Annoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & Co. in jUffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in gtenlfurt a- M., Berlin, Etolig, Cöln rc.; Rudolf «elfe in Berlin, Frank­furt a. ®t. ic

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ©. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger':'che Buchhandlung daselbst; Hermau.« »che Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

dern Seite des Saales mtdeckt. Aber als er sich mit großer Gewandtheit bis zu chncn durchgewunden, ward ihm ein sehr schlechter Empfang zu Theil. Die finster gerunzelte L-ttrn der Räthin, Luciens und des Lieutenants Maimdorf spöttischen Mienen sagten ihm schon, ehe noch ein Wort gefallen war, daß ein Sturm im Anzuge sei.

Mein bester Herr Schmitt," begann die Räthin mit bebender Stimme,als der Freundin Ihrer Mutter steht mir das Recht zu, Sie vor unpassendem Damenumgange zu warnen, ganz besonders, wmn wir dadurch mit com- promittirt werden." '

Compromittirt!" stammelte Anton.

Ja, compromittirt" wiederholte Lucie und fügte hinzu: Liebe Mama, sage doch Herrn Schmitt, wer die russische Fürstin ist, der er so andächttg eben die Hand küßte."

Sie ist also nicht"

Nein, mein bester Herr Schmitt, sie ist nicht d. h. sie ist weder eine russische Fürstin noch Gräfin son­dern ganz einfach die Freundin des Grafen Adlerstein, die ehemalige Gouvernante seiner Kinder und eine Höchst ge­fährliche und raffinirte Person, deren Mafien viel von sich reden gemacht!" flüsterte LieWuant Maiendorf dem schier versteinerten NebeZhuhlkr m^ehe er mit Lucie zum Walzer antrgh-der

an der Seite seiner zu- wiMrmama zurück, die ihm in einem Tone DerhMtngsmatzregeln über den Umgang mit Menschen gab, der ihn um den Rest seines Selbstgefühls zu bringm drohte. x

Der Kopf schmerzte ihn, der Aerger, die ungewohnte Hitze bes Saales, das Gewirr der vielm MmscheNstimmen,

M yV/Wf Maröurg, Dienstag, 1.

WnhesW jfitmo

MkllungkU nuartaI

Dberhcssifche Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustrirtes Sonntagsblatt bitten wir bei den PsftanftaNckU (auf dem Lande bei den baldigst machen

M wollen.

Die Exp. d. Oberh. Zeit.