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Das türkische „Mebiationsgesuch" ist ins Wasser gehört man heute vielfach sagen, und nicht blos die inärcn politischen Kaunengießer, sondern selbst „tonan-
geendet, und ebensowenig wäre es zum Kriege gekommen. Unter den obwaltenben Verhältnissen aber klingt das Me- dtationsgesuch wie Hohn! Und doppelt wie Hohn, wenn die Pforte die Großmächte ersucht, sich zum Colporteur deS türkischen Machwerkes herzugeben. Die Pforte hat schon öfter ungestraft versucht, die Mächte an der Nase herumzuführen oder sich Keine Aprilscherze zu machen. Selbst in der gefährlichen Lage, in der sich die Türkei befindet, kann sie ihre Steigung zum Humor nicht bezwingen. Wir haben neulich gesagt, wie wenig wir wünschen, die Türkei von RuUand in die Tasche gesteckt zu sehen. Wenn Rußland ven Versuch inachen wollte, einen Fußbreit türkischen Bodens in Europa stch anzueignen , so würde wohl ein energisches Vorgehen aller Großmächte gegen Rußland nicht ausbleiben. Das ist nicht blos unsere persönliche Ansicht, sondern die Politik aller Regierungen und Nationen Europa's mit Ausnahme Rußlands. Die Pforte weiß das sehr wohl, das giebt ihr ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Menschenleben werden nicht geschätzt — die Zustände sind ohnehin schon so, daß sie nicht viel schlechter werden können, — was hat also die Pforte groß zu verlieren! Wir fürchten, das ist der Kern der türkischen Politik!
, Der Czar befindet stch auf dem Wege nach St. Petersburg, gehoben und getragen von dem Siegesjubel von Plewna. Der Sultan sieht die Kosaken immer näher an seine Metropole heran rücken, Suleiman Pascha befindet sich auf dem Rückzüge, Sofia ist aufgegeben. Das ist der Hintergrund des türkischen Schauspiels! Das aber wollen wir »roch sagen: Lediglich die rurglückliche Politik Englands, das die Türkei steift, ohne sie zu unterstützen, hat die gegen- ivärtigeu Zustände möglich gemacht. Die ohnehin schon so schwierige orientalische Frage ist durch die Haltung Englands noch schwieriger geworden.
Die HandelsvertragSverbaudlungm nut Oesterreich dürften dem Denlebmen nach Atttte Januar wieder ausgenommen werden. .,,,
lieber die Berathung der Rechtsanwaltsordnung in der Plenarsitzung des Bundesraths am 20. Dezember schreibt man der Weser-Zeitung: Die Abänderungsanträge des Justizausschusses wurden mit einer einzigen Ausnahme angenommen, da die preußische Regierung mit Entschiedenheit für die Beibehaltung des §. 25 des Entwurfes eintrat, demzufolge ein Rechtsanwalt sich ohne Genehmigung nicht über eine Woche hinaus von seinem Wohnsitze entfernen darf. Der Juftizausschuß hatte nur eine Mittheilung an den Vorsitzenden des Gerichts und die Bestellung eines
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Novelle von Senft v. Walbv» (Fortsetzuno.)
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Erscheint täglich außer au tot Werkt«« nach Sonn- und Fenrtagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „NlustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckereit deppen Wert, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mart 6* Psg. (excl. Bestellgebühr». — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1» Pfg. "
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Genau genommen hörte er aber eigentlich gar nichts, w selbst als die kreischende Stimme sich oben wieder 3 Tnebmen ließ und ihm klar wurde, daß es nicht blos 5 d lebhafter Traum von dem Profeffm , sondern dessen hlilir ut burd» die dünne Zimmerdecke geschiedene leibhafte schliü- dgenwärtigkeit gewesen, welche ihn, Anton, heute früh so
erfahren, die Tochter aber immer noch nicht gekommen war, erhob sie sich, um — wie sie sagte, nach dem armen Krude zu sehen, das schon den ganzen Morgen über Kopatz geklagt hahe und sich gewiß recht unwohl fühle.
Das „arme Kind" hatte indeffen die Zeit bMtz^.Zm sich ein rosa Mouffelmkleid mit unzähligen Volants arlzu- legen — denn obgleich Lucie fest entschlossen war, den „Krötenwieser" mit einem Korbe heim zu schicken, sollt« er diese Wanderung doch mit gebrochenem Herzen autreten.
Um das Silb einer frisch erblühten Rose — «ts ftne solche erschien 8udt sich in ihrem rosa Kleid.« jp polltzäu- dig zu machen, eilte sie noch schnell in den Gatten, «mge Centisolien zum Brust- und Hauptschmuck zu pflücken. Da aber just der heimlich geliebte Lieutenant von Maiendorf, vorsichtig sich umspähend am Gartmzann auftauchte, lenkte Lucie ihre Schritte der Stelle zu, wo der Theüre stand. In dem Nachbargärtchen lustwandelte denn »sich'M Lieu- tenant in Civil, scheinbar ganz unbefangen und nähert« sich erst wieder dem durch blühende Jasminbüsch« vrMkdeten Zaun, als er das Mädchen seiner harrend erblickte. Nach einem Morgengruße, welcher den Lebenden minder zärtlich als gewöhnlich erschien, ffiifterte beOLieutenastl:
„Wichtige Neuigkeiten! Heut stütz'ist meine Gousine, die mir bestimmte Braut anzÄommmr Unsere KaHe' wird dadurch noch bedrängter, da ich gezwungen bin, ein gut Theil meiner Zeit, diesen lieben Äerwandlen zu widmen."
„Gezwungen!" warf Lucie etwas bitter du, unb- fügte dann schnell hinzu: „Ist Klothilde bübsch?"
_ „Hm, das ist Geschmacksache -*■ Birte MG ste fd schön!" '"c bhi'M :.r V)
Lucie erbleichst. „Nun, da ist das Opfer, welches Du zn bringen haft, vielleicht nicht einmal ein schw««s. Heber die Größe des meinigen, werde ich Gelegrstheit habttt, tn der nächsten Viertelstunde klar zu werden, densi awchdex
tig zum Leben und Prommiren geweckt — da konnte bst dieses Faktum chn in keine größere Erregung mehr Netzen, denn Anton befand sich in jener Stimmung, wo ! Neigung zu fatalistischer Weltanschauung fast zum dubenSartikel wird und wir mit Heine's fröhlichem Hel- R German sprechen: „Seinem Schicksal erliegt Man
Bberhesstsche Zettufttz'.
und deren Gratisbeilage ■
«strikte» Sonntagsblatt
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Vertreters verlangt, da ja der Rechtsanwall mcht Beamte»-, Qualität Gbe und es unthunlich sei, einen Rechtsanwalt, den Niemand zwingen fönne zu arbeite^ toettn e»r-nicht wol^ zu verhindern , seinen Wohnsitz ans türmte hder-,t§WWtz Zeit zu verlassen. ,,, siE- k r,s ck.ttffsttchj
Wie „Agmcia Aefanie" meldet, hat der päpstliche Stuhl beschlossm, eine regelmäßig« diplomatische Vechindm^ «tt den Republiken Argenttnien, Paraguay», Chile und Bollvig zu unterhalten und in der Person des Msgr. Angelo hl Petro, der im nächsten KonUtorium zum Erzbischof von Nanzianzo ernannt werden soch eimn apostolische« Gqsantz- tm dabin zu senden.
In dem gegenwärtigen kritischen Momente wird jeder Nachricht aus England, die mit außergewöhnlichen Rüstungen möglicherweise im Zusammenhang stehen könnte, Werch beigelegt. So fällt es auch auf, daß vor jeiniagny Zagen i« Woolwicher Arsenal der Befehl eingelaufen, ist, sobald aW ' möglich sechs stählerne 7pfündige Kanonen, D WAesst« Feldgeschütze der britischen Arttllerie (sie wiegen Nur 200 Pfund) nach Malta zu verschiffen.
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Neueste Kriegsnachrichten:
London, 122. Dec. Die Handelskammer von Manchester hat beschlossen, an die Regierung. eine dringliche Petition zu richten, sie möge die neutrale Haltung nicht aufgeben. Andere Haitdelskammern bereiten ähnliche Petitionen vor. Die „Times" empfiehtt, die türkische Note zlun Ausgangspunkt zu machen., um. die Pforte über ihre wirkliche Lage und Aussichten auftukläreu. .Die klare Darstellung der britischen Regierung dürste Vie Türken dazu ' nöthigen, die gebieterische Nothwendigkeit der Asiknüpfttug von Untechandlungen zu begreife«
ßeftbMT, 21. Dec. „Reutm's^ Bureau'" Eatans Kamarli vom 20. Dec.: Nebel und Schnee verdindern die Operationen. Baker besetzte ine Anhöhen^ welche die Straßen bominiren, auf denen die Russen die türkischen PoMonen umgehen können. — Dasselbe Bureau meldet aus Erzerum: Die Befestigungen von Zavactabia, Top- dagh und Azizie haben bedeutende Verstärkungen erhalten, da die Russen einen Angriff zu beabsichtigen scheinen, Im Olti-Thale wurden Eavalleriebewegungen beobachtet, .Es herrscht sehr strenge Kälte. - - -cr --
Wien, 22. Dec. Die „Presse" meldet aus Pera: Ein TheU der nach Erzerum befthnmten Berstärkungen wurde nach Adrianopel birigirt. Das SeraSkierat hofft daselbst 120,000 Mann concentriten zu können. — Das „Neue Wiener Tagblatt" meldet aus BAgrad: Em türkischer Uebergaugs-Versuch bei Leschnnitza am Drina-Fluß
d.Ännoncen-Bureaux Tb. Dietrich L Co. in tl unb Hannover; Tb. rich in Frankfurt a.M.; itnftein L Bögler in tuet a. M., Berlin, ig, Cöln rc.; Rudolf in Berlin, Frank- surt a. M- rr.
seine verloren gegebene Hutschachtel nebst Inhalt zu erblicken.
Fran Schmitt theilte dem Sohne staunend mit, daß die Schachtel mit einer lakonischen Adresse, ohne sonstige briefliche Beilage angelangt sei, unb bas Couvert den Poststempel „Berlin" getragen habe.
Anton glaubte nicht fehl zu schließen, weim er sich dem Ober - Regierungsrath Hart für bie freundliche Sendung verpflichtet fühlte unb ärgerte sich nur, daß er dem verloren gegangenen schwarzen (Minder bereits einen Nachfolger gegeben habe. Freilich war dies blos eine Kleinigkeit, aber merkwürdigerweise hatte er, so weit er sich erinnern konnte, stets gerade in und mit solchen Kleinigkeiten Unglück gehabt. So war es ihm auch heute, als höre er hinter sich das spötttsche Kichern seines SGcksaltenfelchens, wie er, schon im Msiten-Anzugc, prüfend bie derben Eylinber be- schaute. -- r ~
„Es wird den Damen sehr angenehm sein — ich bitte den Herrn hier einzutreten", sagte eine Stunde später eine wohlklingende Stimme eines zierlichen Kammerzöfchens, während «8 unfern Helden in daS elegant ausgestattete Empfangszimmer der KabinetsräthiN tiauer geleitete. ?:/«.
Die ältere der beiden Damen, welche Anton zu befuchen gekommm, erschien nach einer kurzen Wartezeit.
Obgleich der Kabinetsräthin feine Weltbildung ihr sowohl wie dem künftigen Schwiegersohn über die peinliche Situation möglichst leicht hinweg half, unb bie gegenseitigen prüftnden Blicke schon nach viertelfkündigem Beisammensein em« gewisse Befriedigung verrieihm, würbe die Situation bes Brautwerbers doch Meßlich wieder bnrch das Nichterscheinen Luciens zu einer kritischen.
r Die Nächin schien in noch höberem Grade badnrch beunruhigt zu werden, und nachdem sie alles irgend WissenS- roevtbe über die tbeure Freundin und das 6ft,t ^rotenwiese
^iher: . . . . .. ;
, Erst am Nachmittage, als Anton beschlossen, sich diesen »g Rrche zu gönnen und am anbern Morgen der Rat hin her seine Aufwartung zu machen, gewanng bie frohe pgenblaune bie Oberhand unb er sagte sich: baß wenn l Lucien lieb gewänne, unb sie ihn auch, Beide dann steint über die schlimmen Omina, welche ihre Annähentn'g fit verhindert hätten, lachen würben.
Durch bie Anstrengungen, welche der Professor drvbm - her Kehle unb Lunge zumuchete, in ber vortrefflichen lksicht, den bleichsuchttgen Langschläfermnm den «tzenuß st Frsihpromenabe zu verfchaffm, totirbe auch Amon den htten Morpheus entrissen unb nachdem er, ans Furcht h einer neuen Tücke beS Zufalls nicht zur Ragoczv- helle gepilgert, sondern sich einen Visitenhut gekauft, We er, nach Hanfe zurückkehrend, die dilrch diesen Ein- N etwas getrübte Freude, nebst einem Brief der Mütter
Änzrißku nimmt entgegen: die Expedition d.lvlatte«, sowie d.Annoncen-Bureanx von ®. L. Daube & Go. In Arantfmta.M.,Jäger'sche Buch Handlung daselbst; Hermai»rkche Buchhandl. daselbst; Juvalidendank ü» Berlin; D. Thienes iss Elberfeld: G. Schlotte in
.. is auf bie ottomanische Be'rfasiung kann kaum als ernstlich ® ^ ..achtet werden."
#albtn [ Ganz unsere Meinung! Hätte stch Rußland mit der hmten ottomanischen Verfassung begnügen wollen, dann bie Conferery, bie gerade jetzt vor einem Zah« in . dnstansinvpel tagte und unter deren Augen bie ottoma- I i a sche Verfaffung proklamirt würbe, nicht mit einem Fiasco
Wende" Blatter sagen eS. Wir möchten uns dieser Auffassung Meswegs anschließen. Der Erfolg, den die Note gefunben „ ber Eindruck, ben sie bei den Mächten gemacht, war M berechneter. Die Pforte mußte wiffen, daß chr Vor- ag überall, ausgenommen in London, auf kühle Ablch- stoßen würde. Wäre die Znmuthung, auf Grund ____1 s türkischen Gesuche« den Frieden zu ermitteln, ernst ge- tnt, so wäre die Worte in der That von einer kindlichen übefangenheit beseelt. Da« ist mit Nichten der Fall: die 2971 stlvmaten ber Türkei erfreuen sich einer hervorragenden ‘ _ kiebenbeit und Schlauheit, sie verfolgen ihre Zwecke mit Tg ttt Kühnheit; bie man wirklich bewundern könnte. Wir iten von vornherein behauptet unb muffen babci stehen «ben: die Pforte verfolgt in ihrer Note einen schwer : tgenben Nebenzweck. Heute schreibt auch daS LondyM tmt Budget", bas Organ des österreichischen Potters Grafen Beust, in einem Wiener Briefe:
. Man glaubt hier (in Wien), daß bie Pforte ben Frieben immer nicht wirklich wünscht. Die Angabe ber Cir- ete: „bie kaiserliche türkische Regierung ist sich bewußt, Krieg in keiner Weise herausgeforbert zu haben," Za,m acceptin werben von Europa, welches weiß, daß ber leg nicht ftattgefunben haben würde, wenn bie Pforte