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Marburg, Sonntag, 23. Deccmber 1877

XII. ZahrgMg.

OIikchkM jfitinio

Die Exp. d. Oberh. Zeit,

11. December in Edinburg hielt, betonte er, daß selbst nach dem Falle Plewnas die englischen Interessen noch nicht gefährdet seien. Doch hob er ausdrücklich hervor, daß es zu einem Sonderfrieden zwischen den Kriegführen­den ohne Englands Mitwirkung nicht kommen werde. Eine Mitwirkung zur Friedensvermittlung hat die Türket von den Großmächten inzwischen erbeten und das Cabinet hielt in Folge dessen mehrere Berathungen ab, welche sich außer­dem auch mit der vom Premier-Minister Beaconsfield ge­wünschten früheren Einberufung des Parlaments befaßte. Die Ansicht Beaconsfield's drang durch, und die Session wird schon am 17. Januar eröffnet werden. Die Gerüchte über Minister-Rücktritte sind noch nicht völlig verstummt.

Auf dem Kriegsschauplätze haben zwar keine bedeutenden Kämpfe seit dem Falle von Plewna stattgefundm/ aber die Folgen dieses Ereignisses treten bereits nach verschiedenen Seiten in durchgreifender Weise hervor. Die unter dem Befehl Suleiman Pascha's sichende Ostarmee hat freiwillig das vor Kurzem erft durch einen glücklichen Handstreich genommene Elena wieder geräumt, das auch sofort von den Ruffen, welche außerdem am 11. bei Matschka einen erfolgreichen Kampf gegen die Türken bestanden, besetzt worden ist. Ein großer Theil der bisher vor Plewna festgehaltenen Belagerungsannee ist nach dem Süden in der Richtung auf Orkhanie und Sofia aufgebrochen, wo ihnen der an Mehemed Ali's Stelle zum türkischen Ober­befehlshaber ernannte Schakyr Pascha kaum die Spitze zu bieten wagen kann. Die türkische Heeresabtheilung, welche bisher am Schipkapasse operirte, soll ihre Stellung bereits aufgegeben haben; da somit dem Zuge der Russen einerseits um die Südweftausläufe de« Balkan, andererseits über diesen selber wenig Wiverstand mehr entgegengesetzt werden dürfte, so wird man wohl bald von dem Vormarsch auf Adrianopel hören. Die Zustande in dem eroberten Plewna werden als grauenhaft geschildert. Für die bar­barische Art der türkischen Kriegführung scheint ein neuer schwerwiegender Beleg in der Nachricht zu liegen, daß sich .weder ein gefangener noch verwundeter Russe oder Rumäne vorgefunden haben soll, was darauf schließen läßt, daß die Türken dieselben sämmtlich umgebracht haben. Die Tür­kei hat indessen einen Versuch gemacht, die Vermittelung europäischer Mächte zur Friedensstiftung zu gewinnen: wenn sie sich dabei aber im Wesentlichen auf denselben Standpunkt stellt, welchen sie vor dem Ausbruche des Krieges einnahm, so scheint ihr eben eine richttge Erkennt- niß ihrer Lage und der sich daraus ergebenden Nothwendig- kriten noch nicht beizuwohnen.

Mullges

Sberhessischk Zeitung

und deren Gratisbeilage

HitfMrfeS Lonntagsblatt tat wir bei den Psftavftatte« (auf dem tde bei den baldigst machen

«ollen.

izr:> nimmt «NMegen: krpedtk.o« d.Blatte«, >d Annoncen-Bnreaup lb. Dietrich & So. in ! und Hannover; Th. äch in Frankfurt a.Ä; enjtein & Bögler in tfurt a M., Berlin, ig,!n re,; Äuiolf t in Berlin, Frank

hin a. 'Kl. rc.

Eine vruutfetzrt.

von Ernst v. Waldow.

iFottsetznnf.l

^och dem Kühnen lacht das Glück eben hatte er losten die schone Lucie auf eine schlanke WeSpe auf- sam zu^Wchrn, welche ihren Chignon verdächttg um- t, da ließ ost Holde das von der kleinen aufdringlichen nenverkäufenn eben erhandelte Sttäuschen fallen, und rein Anton so glücklich gewesen, es zuerst zu ergreifen wobei es gar nicht in Bettacht kam, daß er beim Ca- boliren mit einem sich gleichfalls darnach bückenden rn eine kleine Beule an der rechten Schläfe davontrug überreichte er die Blumen dem jungen Mädchen mit zen passenden Worten, indem er mit erstaunlicher Keckbeit Gespräch anknüpseud, an ihrer Seite blieb.

Die ältere, sehr korpulente Dame, in einem zart lila, der Mode vielfach aufgebauschten Anzuge, welcher die ijt ihrer volley Wangen und des ansehnlichen Doppel- es sehr hervorhob, schien die kecke Annäherung des stn Fremden anfangs mit Erstaunen wahrzunehmen; > einer sehr sorgfältigen Musterung jedoch hellte sich Antlitz merklich auf und sie nickte ihm freundlich zu einem guten Bekannten.

Anton bemerkte dies erröthend; beim obwohl er nie 16 davon gehört, daß seine Mutter ein Bild von ihm Berlin gesandt, konnte dies doch leicht der Fall gewesen , denn die Freundlichkeit der KabinetSrächin ließ sich ! wohl anders erklären, als daß dieselbe ihn ebenfalls um und seinen Annäherungsversuch erleichtern wollte. Das junge Mädchen plauderte munter und mit ange- ier Schalkhaftigkeit, obwohl Anton in dem Gespräch nicht jene geistige Erhabenheit und Reste des Per-

P «Mische Wocheu-Uebersicht.

Die für einige Zeit abermals brennend gewordene ReichS- str-Krists wird in den letzten Tagen wieder mit einer stren Zuversicht betrachtet. Veränderungen im preußi- ,i Ministerium stehen für jetzt nicht in Aussicht, heißt und namenllich auch mit Camphauseu habe Fürst Bis- ck seit dem Frühjahr, wo Camphausen sich einmal ver- i|t sah, seinen Abschied anzubieten, im besten Einver- aen gelebt, insbesoudere auch bei den Zollverhandlungen Oesterreich. Auch da« Verbleiben deS Obertirchenraths- sidenten Herrmann soll jetzt sicher sein. Das preußi- Äbgeordneienhau« hat am Freitag voriger die zweite ng der Etats und am Dienstag die in zwei Sitzungen Itigte dritte Lesung zu Ende gebracht. Ebenso das Gesetz die Laich- und Oberlandesgerichte wurde in dritter (ig noch beendet, wonach sich das Haus für die Weih- Oferien^ bis zum 8. Januar, vertagte. Der waldeck'sche tag hat am vorigen Dienstag den neuen AccessionS- ag mit 12 gegen 2 Stimmen genehmigt. Im baieri- Landtage berathen Commissionen und Subcommissionen den Gesetzenttvurf wegen Errichtung eines Berwaltungs- chtshofes. Im badischen Landtage wurde am ^onn- d aus Anlaß einer Interpellation über die deutsche und Handelspolitik verhandelt. In Hessen hat das isierium dem Großherzog einen Bericht vorgelegt mit chtägcn wegen Ausführung der Reichsjusttzgesetze. sftaf Andrassh hat ähnlich wie am 11. dem Ausschuß der ungarischen Delegation so am 18. in dem der e r r e i ch i s ck e n eingehendere Mittheilung über seine aus- tze Politik gemacht und mehrere diplomatische Akten- t verlesen. Der Ausschuß sprach sich im Staatsinteresse die strengste Geheimhaltung aus und wählte zwei Dele- -, welche im Einvernehmen mit der Regierung einen die OeffenÜichkeit bestimmten Bericht versasten werden. Herrenhaus hat nach den Beschlüssen des Abgeord-

des jungen Mannes laö, fast ttiumphirend hinzugefügt: Ja, Alberttne ist schon Braut, müssen Sie wissen, schon lange versprochen."

Jetzt lächelte auch Anton; denn er glaubte die Absicht der Dame zu verstehen, welche sich einen Scherz mit ihm machen wolle; er suchte demnach einen prüfenden Blick in die hübschen schwanen Augen der Tochter zu thun, was ihm aber nicht gelang, da dieselben die Buchstaben zu ent­ziffern schienen, welche sie mit der Spitze deS gehorsam dem mütterlichen Wunsche geschloffenen Sonnenschirms in den Kies geschrieben.

In diesem Augenblick gewahrte Anton in fast unmittel­barer Nähe den tauben Professor mit den beiden bleichen Töchtern und da er um keinen Preis erkannt und an­gesprochen und dann auch möglicherweise der Gesellschaft seiner Damen beraubt sein wollte, machte er eine kühne Schwenkung nach links, welche ihn in unmittelbare Berüh­rung mit den zahlreichen Garnituren des Gewandes seiner künftigen Schwiegermutter brachte.

Natürlich entschuldigte er seine Ungeschicklichkeit und schob alle Schuld auf den tauben Professor. Die dicke Dame, welche anfangs allerdings ein sehr erstauntes Gesicht gemacht hatte, lächelte aber sofort gulmüthig und bot ihm logar ihren Sonnenschirm als Versteck an;denn wiffen Sie," sagte sie dann,so mag es manchem rsht ebren- werchen jungen Mann ergehen, und die Herren sollten ein Einsehen habm, und die Kollegiengelder nicht so strenge eintreiben."

Anton blickte die Sprecherin mit großen, verwunderten Augen an, dann erwiderte er mit einem unsichern Lächeln, daß feine kurze Studienzeit schon ziemlich lange hinter ihm läge und glücklicherweise sich auch kein Professor über feiner» seit.« unbezahlte Kollegiengelder beklagen fifnne.

Nun, nun, juntzer yftr!"'mHegntk die Dame he-

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Iürm der Expedition zu eitbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie l> Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herma»., iche Buchhaudl. daselbst; Znvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

netenhauses die Gesetzentwürfe über die Steuern, sowie das Ausgleichs- und Zollprovisorium angenommen.

Nachdem das italienische Ministerium noch am 14. d. anläßlich einer Berathung über die Bewahrung des Mheimuisses der telegraphischen Privatcorrespondenz mit 184 gegen 162 Stimmen vom Parlament ein Vertrauens­votum erhalten hatte, hat es am 16. d. in Anbetracht der ungünftigen parlamentarischen Lage seine Entlassung ein­gereicht, die vom König angenommen wurde. Dieser Ent­schluß war durch die Zersplitterung der Partei und be­sonders dmch den Austritt der Gruppe Cairvli veranlaßt worden, doch kann bei der noch andauernden Ministerkrisis nur von Aenderungen innerhalb der Partei der Linken die Rede sein. Depretis ist mit der Bildung eines neuen Mi­nisteriums betraut, in dem von den früheren Muistern wahrscheinlich nur Brin bleiben wird. Der Cardinal Manning ist auf der Besserung und wird in Rom er­wartet; des Papstes Kräfte sind dagegen in steter Ab­nahme begriffen.

Der 12. December ist ein Wendepunkt in der Geschichte Der französischen Republik. Nachdem alle Versuche, das lächerliche Geschäfts-Ministerium Rochebouet durch ein lebens­fähige» Cabinet zu ersetzen, das im Stande wäre, mit List, Ueberredung und im schlimmsten Falle mit Gewalt die zweite Auflösung der Deputtrtenkammer zu verlangen, an dem Mangel eines Finanzminifters gescheitert war, nachdem zum lleberstuß Pouyer-Quertier noch die Gefahren einer budget- losen Finanzwirthschast in einer Standrede seinen Genossen entwickelt batU, kam das Eis im Elysöe ins Treiben. Mac Mahon berief in der letzten Stunde des 12. December die beiden Präsidenten des Parlaments, und wenigstens Audiffret- Pasquier ließ sich bereit finden, noch einmal die Vermittler- Rolle zu übernehmen: Dufaure kehrte am Morgen deö 13. inS Elyfse zurück und noch an demselben Tage trat das bei der letzte« gescheiterten Verhandlung gebildete Cabinet ins Leben, ein Ministerium der Auslese aus den besten politischen Fähigkeiten, über welche das jetzige Frantteich verfügen kann. Im Gegensätze zu der ulttamontanen Farbe der Cabinets-Camarilla sind in diesem Cabinet fünf Pro­testanten Waddington, Say, Bardour, Borel und Pothnau. Das Cabinet ist, wie sein Finanzminister es beantragte, im Besitze der Bewilligung der vier diretten Steuern und eines Credites von 5291/.? Millionen, die für die zwei ersten Monate des Jahres 1878 al« ausreichend bezeichnet wurden. Die nächste so nothwendige wie mühevolle Aufgabe, die Rei­nigung der Verwaltung von den Werkzeugen des 16. Mai, wurde sofort von Marcsre mit der ihm eigenen Thatkrast in Angriff genommen und das Journal Officirl vom 19. brachte die Ernennung von 83 Präfekten.

In einer Rede, welche der Kriegsminister Hardy am ftandes entdecken konnte, die man von Lucie ihm gerühmt; es berührte indeß die Abwesenheit der genannten Eigen­schaften ihn auch nicht geradezu unangenehm, er schrieb die Rückkehr zur Natur und einer trivialeren AuSdruckSweise der Trennung von den ästhettschen Theezirkeln der Welt­stadt zu.

Sehr befriedigt folgte er denn auch der fteundlichen Einladung der alten Dame, als die Brunnenpromenade be- mdet war: das Frühstück im Kurgarten zusammen einzu­nehmen ; und nur seiner Geschwindigkeit und Geistesgegen­wart verdankten sie es, daß sie noch einen Tisch bei der Orangeriegruppe erhielten, wie Lucie gewünscht, da zwei Damen, welche einige SchritteAvance" hatten, und den Tisch sicher vor ihnen erreicht haben würden, nun von Anton überholt wurden, der während er vorsorglich die Stühle umkipple, an dembösen Blick" das hübsche Mädchen wieder erkannte, dem et gestern auf den gestickten Volant des weißen Mullkleides so nachdrücklich getreten hatte.

Der Kaffee und das Gebäck schmeckttn vortrefflich, und 1$ fand es Anton ganz erklärlich, daß seine Begleiterinnen eine enorme Quantität davon vertilgten und sich diesem Geschäft mit solcher Hingabe widmeten, daß die Unterhaltung dabei ganz in's Stocken kam.

Allerdings konnte er eine Bemerkung über die heilkräftige Wirkung des Ragoczy auf den Appettt nicht unterdrücken, hätte aber vor Bestürzung fast seine Taffe fallen laffen, als die vermeinttiche Kabinetsrathin jetzt plötzlich zu der Tochter gewendet sprach:

So mache doch Deinen einfältigen Sonnenschirm zu, Albertine, ich tarnt ja nicht sehen, was die Kronprinzessin für einen Hut auf hat! Du wirft Dir Deinen Teint nicht verderben und eine Braut muß nicht so eitel fein."

.Dabei hatte sie mit einem schlauen Lächeln zu ihm herüber geblickt, und al» sie die Verwunderung in ben Stegen