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XII. Jahrgang.

Marburg, Sonnabend, 22. December 1877

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ertrag in seiner Gesammtheit gestiegen sei: um welchen Betrag aber, lasse sich mit einiger Zuverlässigkeit gar nicht übersehen, und die verschiedenen Schätzungen wichen außer­ordentlich von einander ab. Ebenso wenig lassen sich schon jetzt die Bedürsnisse des Staatshaushalts im Jahre 1880 und die zu deren Deckung alsdann vorhandenen Mittel überseben. Nur das dürfe man als unzweifelhaft voraus­

sein dürften als jetzt, und es genüge, in dieser Hinsicht aus das bevorstehende Unterrichtsgesetz hiiizuweisen. Unter solchen Umständen scheine es nicht gerathen, heute bereits über Neu­erträge zu verfügen, welche erst in drei Jahren zur Ein­ziehung gelangten. Es empfehle sich vielmehr, damit we­nigstens so lange zu warten, bis der betreffende Etat zur Beräthung käme, da voraussichtlich alsdann festere Grund­lagen gewonnen werden dürsten. Die Kommission empfiehlt bekanntlich die Ablehnung des Antrages.

Dame, eilte Bemerkung machte, die Anton, zum Glück für sein Selbstgefühl, nicht hörte. ,

So kam er beim ziemlich unberührt von dem Vorsau in seiner gemüthlichen Wohnung an, und nachdem er sich die Frage: wie'und auf welchem Wege der Professor schon vor ihm angelangt sein könne — wiederholt vorge­legt, ohne eine befriedigende Antwort gefunden zu haben, beschloß er, auch darüber zur Tagesordnung überzugehen und sich mit Würde in das Unvermeidliche zu fügen, habet jedoch die nöthige Vorsicht anzuwenden, demselben auszu­weichen, was hier ja doch nicht schwer sein könnte.

Es waren unangenehme Träume, welche Anton's Schlummer in dieser ersten Nacht begleiteten; nur gegen Morgen erinnerten die Töne einer kreischenden Männer­stimme, welche Weckversuche anzustellen und aus dem, gestertt noch leer stehenden, Oberstock zu bringen schienen, an bett gefürchteten Professor.

Der erwachende Anton stellte barauf Betrachtungen über bie Lebhaftigkeit der Träume an, da oben Alles still blieb — und beeilte seine Toilette, um von der Störung seiner lliuhe wenigstens den Vortheil zu haben, rechtzeitig zur Bnmuenpromenade einzutreffen.

Langsam durchstrich er die Hauptalleen, prüfende Blicke auf bie übrigen Passanten werfend natürlich mit beson­derer Berücksichtigung einsam wandelnder Damen, welche ihm den Eindntck von Blutter und Tochter machten; denn Anton hatte sich nämlich vorgenommen, wo möglich die Bekanntschaft seiner präsumtiven Braut durch Vermittelung eines günstigen Zufalls zu machen, wo er zwanglos und unbefangen Lucien beobachten konnte, und auch ihr nicht gleich unter dem Prädikate des bestimmten Bräuttgams entgegentrat; diese kleine Konzession an die Romantik glaubte er sich gestatten zu dürfen.

Nach diesem Plane handelnd war er denn auch schon

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tlftvitfcö ^OniltdßSvKlU setzen, daß die Bedürfnisse nicht geringer, sondern wohl höher , „ir bei den P-ft-vfta«.» (auf dem * 1 ii *" “ - - ™ •*

ie bei den Landpostboten) baldigst machen

ES wird in hiesigen politischen Kreisen darauf hinge­wiesen, daß der Verlauf der französischen Krisis mit un­serer sogenannten „inneren Krisis" in gewissem Zusam­menhänge stehe, wenigstens ist die Thatsache, „ welche zu einer solchen Combination Veranlassung geben könnte nicht zu leugnen, daß in dem Maaße, wie die Möglichkeit des Rücktritts des Fürsten Bismarck vom Amte nach den Zei- tungsitachrichten im Steigen war, die WiderstandSluft des Marschalls gegen die Nationalversammlung wuchs, und daß sie in gleichem Maaße schwand, sobald die Zeitnngs- nackrichten von einer Beilegung der Differenzen in unserer inneren Politik meldeten. Daß der Marschall Mac Mahon von den Einsichten des Fürsten Bismarck über seine Re- gicningömarimen gut unterrichtet war und daß er wohl wußte, daß er für ein etwaiges ultramontan-legitimistftches Regiment an dem Fürsten Bismarck keine Stütze finden werde, das dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen. Des­halb kann die schließliche Lösung der französischen Krisis zu Gunsten der republikanischen Majorität wohl mit Recht als ein Erfolg der Politik des Fürsten Bismarck bezeichnet werden.

Nach den Daily News empfiehlt General Todtlebm den sicheren Weg, d. h. die Belagerung der Festungen in Ostbulgarien, Rttstschuks und Schumlas. und Aufschub der Operationen nach Rumelien hinein. Nachdem er an Stelle des Großfürsten-Throttsolger, wie soeben bekannt wird' da» Oberkommando über die Armee von Ruftschuk übernommen, wird er wohl in der Lage sein, seinen Ideen, bezüglich der Belagerung der beiden Festungen Geltung zu verschaffen. Damit ist nicht ausgeschlossen, daß anderer- I seits auch die Idee des Großfürsten Nicolaus zur Aus­

führung kommt, nämlich durch die gangbaren Balkaiipafse westlich vom Schipka vorzudringen, Reouf Pascha in der Flanke zu bedrohen, während Radetzki vom Schlpkapasse aus ihn in der Front angreift. Reouf Pascha würde unter dem doppelten Drucke zerschmettert werden, es bliebe ihm nichts übrig, als nach Adrianopel zurückzugehen und eine russische Armee von 80,090 Mann könnte ihm dort­bin folgen.

Die Richtung, in welcher sich die serbische Aktion be­wegt, ist genau durch die österreichischen Interessen vorge­schrieben: Die Serben dürfen, wenn sie nicht auf Oester­reichs Widerstand stoßen, nicht gegen Bosnien und die Herzegowina vorrücken. Ihre Operationen haben in Folge dessen die südlich und östlich von Serbien gelegenen Ge- bietstheile im Auge. Die Serben gehen an der Südgrenze gigen Symnitza (zwischen Montenegro und Serbien,) No- vibazar, Kurschumlin und Nisch vor, im Osten gegen Widdin. Bei Belgradschik südlich von Widdin, sollen sich die Serben mit den Russen vereinigt haben.

Neueste Kriegsnachrichten:

Ragusa, 19. Dec. 6000 Türken von Podgonzza schlugen eilt montenegrinisches Corps und marschiren Scu- tari und Antivari zu Hülse. Die Montenegriner haben die Anhöhen, welche Antivari beherrschen, besetzt.

London, 20. Dec. Die „Times" glaubt nicht, dßß das Motiv für die Einberufung des Parlaments die For­derung eines Credits für militärische Maßnahmen fein würde. Die Forderung eines Credits fei allerdings äiMrst wahrscheinlich, aber nur zu dem Zwecke, um gewisse In­teressen Englands im Auslande vermittelst der zu bewil­ligenden Geldmittel zu schützen.

Wien, 20. Dec. Die „Presse" enthält folgende Mel­dungen': Bukarest, 19. Dec.: Die Verwaltung der rumä­nischen Eisenbahn wurde verständigt, daß demnächst 24,000 Mann mit Pferden und Geschützen nach Bulgarien durch- marschiren würden. — Aus Sistowa: Bei der Insel War­den und bei Satnnowo werden zwei neue Donaubrücken errichtet. Die Hauptmacht Suleiman Paschas hat sich ans der Umgebung von Ruftschuk zurückgezogen. — Aus Tiflis. General Heimann bat die in Erzerum residirenden Consnln aufgefordert, mit ihren bez. Landes-Angehörigen die Stadt zu verlaffen, da deren Belagerung und Beschießung bevor­stehe.

Odessa, 20. Dec. Der Kaiser ist am 19. d. Mit­tags in Rasdelnaja eingetroffen und daselbst von den Lo­kalbehörden der Landschaft, dem Adel, der Geistlichkeit und dem Magistrat von Odessa feierlich empfangen worden.

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die längste Zeit, ohne den eisernen Pavillon der Ragoczy- Quelle — den Stolz der Eingeborenen —mehr als eines stüchtigen Blickes zu würdigen, einer ältlichen Dame gefolgt, welche in Begleitung eines fchlanken, schwarzhaarigen Mäd­chens mit rochen Wangen und hübschem, lächelndem Munde schon zwei Becher des heilkrästtgen Getränkes genossen hatte.

Verstohlen betrachtete dabei Anton die aus seiner Brief­tasche gezogene Photographie Luciens, deren Grau in Grau freilich weder Farbe iwch Lächeln wiedergab, im Gegentheil das Gesicht, wenn auch ähnlich in Schnitt und Haartracht so doch älter und ein wenig schmaler erscheinen sich.

Aber das ist ja das allgemeine Schicksal photopraphirter Personen — und wenn man davon Abstand nahm, so war die Aehnlichkeit frappant.

Die Richtigkeit der Vorausfetzungen schien immer un­zweifelhafter, als einige Worte des erlauschten Gespräches von den diesjährigen Frühlings-Paraden unter dm Linden — die Heimath, Berlin, verriethen — und es ward Altton zur Gewißheit, als er in dem zierlichen Trinkglase, aus welchem das junge Mädchen den gewürzten Ragoczy genoß, den 'Namen „Lucia" grämet sah.

Nunmehr gab es für den jungen Mann immer noch eine Schwierigkeit zu überwinden, nämlich die Bekanntschaft der Dame auf eine, wo möglich nicht zu triviale Weise zu machen.

Da aber keine durchgehenden Pferde aufzuhalten ober Raubanfälle zurückzuschlagen, noch ein verlorenes Stamm­oder Poestebuch wiederzubringen war, sann der romantische toten vergeblich auf Mittel und Wege, seinen Zweck zu erreichen, wobei er nicht ohne Seufzer den großen Unter­schied zwischen Poesie und Prosa — Roman und Leben erwog.

(Fortsetzung folgt.)

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Eine Braiitsahrt.

Novelle von Ernst v. Waldow.

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Bremen.

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Str« (Ziemlich abgespannt durch die ansirengendc Poftfahrt er gegen Abend in Kissingm an und beschloß, fetzt ... romanttscken Träumereien den Laufpaß zu geben und -------■ I zuerst in den Besitz eines behaglidien Quartiers zu , je«. ju diesem Zwecke ließ er sein (bepack auf der Poft, lniderte langsam" durch das Städtchen und faM» nach «mein vergeblichen Suchen in der ^heresienstrafse eine an- einend allen Anforderungen entsprechende Wohnung, welche e -sofort miet bete und sich häuslich darin nieder lieg.

-d l Dabei bewunderte er selbst seine zunehmende Relsege- i chidideit und abnehmende Menschenfreundlichkeit, denn er ff 1 -Ne sich erst vorsichtig nach den Bewohnern des Hanfes b cd fänoigt, vornehmlich aber, ob em langer hagere .. , eit. «über taub sei und sehr laut spreche, etwa vor ihm ge-

Setbet habe?

Anton war nämlich dicht vor dem Hause dem tauben biicaefährten und Räuber feiner beiden, noch nicht wieder Wiizten Rockknöpfe begegnet am Arme her einen bleich- «btigeii Tochter - und er hatte sich ohne zu grugen und ( > schiiell an den Beiden vorbeigedrückt, daß er nicht umhin - Eonnt bei diesem Manöver ziemlich unfanft mit dem Vo- °U eines gestickten Mullkleides in Berührung zu kommen, ttches von einer jungen Dame mit sehr „bösen Augen »t ihm her getragen wurde.

Er konnte diese Bemerkung wenigstens machen, da die $öne 'Besitzerin des zerrissenen Volants sich sofort schnell tinbrebte und den Frevler mit einem völlig niederschinet- rrnden Blicke bestrafte, während ihre Begleiterin, eine altere

M Tagesbericht.

fc-je Budgetkommission hat über den Antrag der Abge- fcrit Richter und Dr. Bender betr. eilte Abänderung U 5 oes Gesetzes, betreffend die Einführung einer all- Aen Gebäudesteuer vorn 25. Mai 1861, schrift tchm | Ml erstattet. Nach dein Gesetze vorn 21. W1861 M anderweiter Regulirung der Gnindstener zerfallt die Mc in die Gebäudesteuer und in die Grundsteuer von ■ Mschaften. Diese Grundsteuer im engeren Wortsinne W nach dem damaligen Umfange der Monarchie auf

Betrag von 10 Millionen Thalern festgestellt und Pro- knweise coutingentirt; eine Abänderung des festgesteUteii -- -- tage? soll nur durch Gesetz erfolgen und nur im <yallc

« allgemeinen Staatsbedürfnisses eintreten können.

[1IÜ. «wird die Gebäudesteuer von dem jährlichen Rutzungs- ,-V, zge erhoben; der Nutzungsertraq ist^bei Einführung

l'cl^ Steuer nach dem Durchschnitt der zehn .zahre 18i>3—62 ”i Magt; die Veranlagung soll alle 1:> Jahre einer Re-

r58®t m unterworfen werden. Die erste dewrttge, Revision

im 3abre 1878 stattzufinden und dm Durchschnitt der "En ii s >^/von 1868-77 zu ermitteln, nach welchem sodann anbe\‘ beginn des Jahres 1880 ab die Steuer mit 4 w l"!°, live 2 Procent zur Hebung kommen würde. er Antrag

Abgeordneten Richter und Dr. Dender verlangt nun lchmm Feftstelluiig des Ertrages der Gebäudesteuer für den ZAl-l 5 'ruf denjenigen Betrag, welcher als Solleinnahme ,c ^Eas Jahr 1878 in Ansatz kommt. Bei der Beräthung

Zder Antrag noch dahin erläutert worden, datz ec nicht bedingt gerade auf die (Solleinnahme von 18.8 ankomme, ^vielmehr die Antragsteller damit einverstanden sern wurden, » Ertrag der Steuer für den Staat auf denfenigcn $e, h festzuftellm, welcher sich als Soll für dasJahr 1880 «en würde, wenn die Erhebung nach der biSdahingiR W Veranlagung erfolgt wäre. In der Kommission machte ^Referent geltend, daß man zur Zeit vor ganz imbe- 1 - - ' . Sicher sei nur, dag her Nutzung«-