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XII. Jahrgang.

Marburg, Freitag. 21. December 1X77

8.

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Die Exp. d. Oberh. Zeit.

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Tagesbericht.

Mit Bezug auf die Lösung der Krisis in Frankreich schreibt die Prov. Corresp.:so erscheint denn die Versöh­nung der Regierung mit der republikanischen 'Mehrheit zur Zeit als eine vollständige, unb es ist nicht zu verkennen; daß das streben aller gemäßigten Politiker darauf gerichtet ist, den iuneren Frieden womöglich bis zu der weiteren Entscheidung im Jahre 1880, vor Allem aber im Hinblik aus die im nächstetl Jahre stattfinbende Weltausstellung zu festigen und zu sichern. Inwieweit dies gelingen kann, wird freilich davon abhängen, ob auch die Parteien zur Rechten und zur Linken ebenso gewillt sind, die Versol gung ihrer besonderen Pläne so lange zu vertagen und den Ausbruch des Parteieisers zu zügeln. Für die aus­wärtigen Beziehungen Frankreichs ist der eingetretene Wech­sel insofern von Bedeutung, alö durch die politische Rich-

London, 18. Dec. (B.H.) Die Gegensätze der Mei­nungen unter den Cabinetsmitgliedern sind, wie aus guter Quelle oerlaulet, in den Sitzungen des Ministerraths, die in den letzten ragen stattgefnnden habeil, sehr entschieden zu Tage getreten. Gutem Vernehmen zufolge beabsichtigt die Pforte wenn die von ihr angerufene Mediation der Großmächte zurückgewiesen werden sollte, dilrch das eng­lische Cabinet directe Friedensverhandlungen in Petersburg beantragen zu lassen. Jedenfalls arbeitet die türkische Regie- rung aber schon seit längerer Zeit an einem englisch-tür­kischen Defensiv-Büiibnisse, dessen Zustandekommen in diplo­matischen Kreisen als in der Möglichkeit liegend bezeichnet wirb."

Tatsächlich eriftirt im englischen Ministerium tote nn englischen Volke eine starke Kriegspartei und die Königin Victoria scheint sich auf' die Seite derselben zu neigen, eie besuchte neulich ihren Premierminister, den alten- belklapperer Lord Beaconsfield in seinem Landsitze Hngheir- den. Wenn der Besuch wirklich keine politische Bedeutung Halle, wie die englische Presse behauptet, so muß man sagen: Die Königin hätte eine bessere Zeit sür die Visite wählen können.

Inzwischen erörtert die englische Presse die Annerion Aegyptens alö eine politische Nothwendigkeit, die sich nicht abweisen lassen wird. Vermuthlich wird den Worten in kurzer Zeit die Thal folgen. Dann wird sich Rußland na- lürlich nicht mehr au seine Versprechen für gebunden hal­len, es wird aunectireu und arrch Oesterreich wirb einen Theil der Beute verlangen. Das wäre jedoch noch das Wenigste. Die Hauptfrage ist: wie wird es werden, wenn England die Waffen gegen Rußland ergreift k Wir ge- tranen uns heute nicht, darauf zu antworten.

iliytigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte», joroie d Ännoncen-Bureaux von (3. L. Daube & So in Frankfurt a. M.; Iäger'lche Bvibdandlun; daselbst; Herma».. Bulihandl. dalelbst; gnvalidendank in B.rlin: W. Thienes in SN erleid: C. Scklotte in Bremen

Idealisten und Träumer gescholten, daß er nun beschloß, die Welt zu nehmen, wie sie ist und sich schließlich gefügt hatte, mit dem Vorbehalte natürlich, daß, wenn ihm Lucie nicht gefallen sollte, er durch das Versprechen seiner Mutter in keinem Fall gebunden fei.

Die kluge Frau hatte bctrftber nur gelächelt und frohen Mltthes die letzten Stiche an der rochen ^chattirung des Glückliche Reife" vollendet.

Alle diese Gedanken und Erwägungen drängten sich unserm Anton an seinem dritten Reisetage fort unb fort auf; außerbem hatte ihm noch bas kleine Abenteuer mit bet Dame in Blau zu benkeu gegeben unb so kam es baß er seine Reisegesellschaft beinahe gar nicht beachtete unb fast ebenso gleichgllttg unb blasirt in seiner Ecke saß, als bie übrigen männlichen Insassen des Coupes.

Diese reservirte Haltung, welche ihm sicher ein lobendes Wort von dem Mentor seines ersten Reisetages, dem Ober-Regierungsrath Hart, eingetragen hätte, schien aber der einzigen weiblichen Reisenden, einer schönen blaffen Dame in elegantem Trauerauzuge, welcher Anton gegenüber saß, wenig zu behagen, denn nachdem sie ihn einigemal scharf gemustert hatte, fprach sie in einem kurzen und etwas befeblsbaberiscken Tone:

Wollen Sie nicht das Fenster öffnen, mein Herr? Mich belästigt der Rauch."

Anton gehorchte augenblicklich und warf darauf eben so schnell seine erst entzündete Cigarre zu dem geöffneten Fenster hinaus, während die anderen Herren ruhig fort- rauchten und sich dabei halblaut unterhielten. _ .

Die Fremde schien durch das Opfer der Cigarre günsti­ger gestimmt; denn sie würdigte Anton einer Unterhaltung sind sprach dabei io geistvoll und anregend über das Leben unb Treiben der großen Otäbtc, schilderte so fesselnd Pe­tersburg, Wien, Paris noch dazu von der Vogelper-

pt-viele ist Eben deßwegeu ist Rußland heute nicht in k Lage, den Frieden zu ,chließen aus einer Grundlage, kt »e in dem türkischen Vermittlungsgemche beboten ist. feie Türkei verharrt auch nach dem Falle von Plewna bei stt Ablehnung aller Vorschläge der Großmächte, ,ur welche fc Rußland ins Zeug gewogen hat. Wurde Rußland bht darauf eingehen, so müßte man fragen, warum ha ten überhaupt diesen mit so vielen ^^eln verbmibenen triea angefangen? Diese Frage hat sich sicherttch anch L Pforte voraelegt, - Niemand kann von der Nutzlvsig- fet des MebiationSgesuches so grünblrch überzeugt sem, W Abbul Hamid niid seine Minister. Was folgt daraus. M Türkei hat das Gesuch nur gestellt, um für wichtigere |htqe Zeit zu gewinnen. Während dre europäischen Diplo- Msten Noten über das türkische Mebrationsgesuch verfassen Md demnach schr beschäftigt find »erhandelt die. Psorte it England über ein Defensivbunbmß. Dies ist etne hatsache, wie folgende Depesche beweist.:

kung des neuen Ministeriums unb burch bie Stellung ber maßgebenben Personen besselben manche bisher gehegte Be­sorgnisse, als könnten gewisse bebenkliche Richtungen und Bestrebungen eine Stütze in ber französischen auswärtigen Politik suchen unb finden, jetzt als beseitigt gelten töniten."

Wie ans Rom gemelbek wird, ist das auf den 21 d. festgesetzt gewesene Konsistorium deßhalb auf den 28. ver­schoben worden, weil die Aerzte erklärten, daß der Papst zu schwach sei, um ohne Lebensgefahr bas Konsistorium abhalten zu tönnett. Die italienische militärwissenschaft- liche ZeitschriftExercito" berichtet: In ber Turiner konig- lichett' Kanonengießerei trifft man die letzten Vorbereitungen zum Gusse einer Kanone von 100 Tonnen nach den An­gaben des Generals Roussex. Diese Riesenkanone kann sowohl zur Küftenvertheidigung wie zur Ausrüstung des größten Kriegsschiffes dienen. Ihr Kaliber ist 45, Cen- timeter und sie wird von hinten geladen wie die 32-Pfünder. Zwölf Oefen werden bie Masse für den Guß liefern und es werben 70 Tonnen Metall für sie geschmolzen werden. Die Kanone wird 80 'Dieter lang und 60 Tonnen schwer werben, unb mit ber dreifachen Lage von Stahlreifen wird sie 100 Tonnen wiegen. Um ganz fertig zu werden, wird sie die ununterbrochene Arbeit eines ganzen Jahres in An­spruch nehmen. Ihr Guß wird in bett ersten Tagen beb neuen Jahres vor sich gehen.

Neueste Kriegsnachrichten.

Wien, 19. Dec. DieTagespreise'' melbet: England ist nicht gerade gegen eventuelle türkisch-russische Separat- Verhandlungen, jedoch bemüßigt, aus ber Materie derselben eine' englische Jnteressenfrage zu machen. Eine gewisse SpecieS von Fragen dürfe nach Englands Auffassung nicht zwischen Rußland und der Türkei allein, sondern nur im vollsten Einverständniß aller Mächte gelöst werden.

K o n st a n t i n o p e l, 18. Dec. Ein von der Regierung veröffentlichtes Telegramm ans Risch vom 17 meldet: Serbische Vorposten erschienen am 17 d. auf den Höhen von Comerl unweit Velck. Denselben wurden ans Leskofscha bie zur Verteidigung ber Befestigungen herangezogenen türkischen Hülfs-Miliztmppen entgegengesandt. Drei tür­kische Recognoscirnngs - Abtheilungen drangen bis zu den serbischen Befestigungen bei dem Dorfe Tschamonslu vor. Nach einem leichten Kampfe zogen sich die Türken in ihre früheren Positionen zurück. Ihr Verlust ist unbedeutend Die Civilbehörden von Konrehoulu haben^ den Ort bei Annäherung der Serben verlassen. Ein Telegramm aus Novibazar vom 17. d. meldet: Die türkischen Borposten zogen sich vor den serbischen Vorposten zurück. Sulei­man Pascha telegraphirt: Die Russen haben Tosrakan ver-

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spettive einer aristokratischen Höhe welche Anton un­willkürlich imponirte, daß er sich dem Zauber dieser Unter­haltung um so rücksichtsloser hingab, als ihm solch blendende Erscheinung in den beschräntten Kreisen seiner Damenbe- kanntschasten noch nicht vorgekommen war.

Jetzt schämte er sich, wenn er daran dachte, wie ver­trauensselig er bie Manieren ber Dame in Blau füraristo­kratische Allüren" genommen hatte. Doch wem wäre es nicht passirt, einmal Chausseesteine für Brillanten gehalten zn haben unb um so mehr freute er sich jetzt feiner neuen Bekanntschaft. Zwar konnte er sich trotz aller Be- wunberung ber wohlgewandten Sicherheit bet Dame eines leisen Mißfallens nicht erwehren; beim die Art und Weise ihres Auftretens hatte entschieden etwas Herrisches, Be­fehlendes. Jedenfalls war sie eineLöwin" der Salons, vielleicht gar eine Repräsentantin jener »esprits forts«, welche früher besonders in Berlin eine so große Rolle gespielt.

Doch als sie den Eindruck bemerken mochte, den ihre etwas strenge Art sich zu geben und die Bewunderung _ber- auszufordem, auf den eingeschüchterten jungen Mann übte, zog sie lächelnd gelindere Saiten auf und bezauberte jetzt Anton ebenso durch ihre Liebenswürdigkeit und Grazie, als vorher durch die Entfaltung ihres Geistes und die Schau­stellung reicher Kennttlisse. Dabei hob die Erregung des Gesprächs noch die seltene Schönheit ihrer Augen und hauchte einen Rosenschimmer auf bie blaffen Wangen.

Anton hätte fast einen lauten Ausruf des Bedauerns ausgestoßen, als der Train in den Bahnhof von Meiningen einsubr und nur die lächelnd gegebene Versicherung der schönen Fremden:Wir sehen uns wieder, mein Herr!" tröstete den jungen Mann, als er in ber engen Postkuftchc dem Ziele seiner Reise zurasselte, über bat schnellen.Ab­schied' nnb den Umstand: daß er weder den Namen noch

Puden möge. . .

Ganz io roieberroiUtg wie Lucte iah nun unter Anton der romantischen Begegnung zwar nicht entgegen, denn leine Phantasie malte sich nach den Schilderungen der «-k Ämter ein gar liebliches Bild Luciens, zu welchem ihm " eine, von der Kabinetsrächin an seine Miltterhennlich Gesandte sehr schöne Photographie des jungen Mädchens eine positive Unterlage geboten hatte. Allerdings tagte -* Heic offizielle Brautschau seinem Gefühle nicht ju, h bie Mutter unb feine Freunde hauen ihn so ost einen

BuchdruSe i 3 gür in der Expedition zu e-tieilen»? Auskunft und Annahme von Ubreffen werben 1» Pf«, berechnet.

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"I l Ihr einziger Trost lag noch in dem Gedanketl, daß sie 1877 achtteilig bei einer ber letzten »otreen, welche '

, der Berliner Gesellschaft in einer Villa des Thiergartens Vereinigt ljatte, dem heimlich geliebten Lieutenant halblaute

1 inbeutunqen über den schrecklichenVertaufsplan bei vfl grausamen Mutter hatte geben können. Eine gunbe hatte dann Lieutenant von Malen

. borj zn seinem Nachbar geäußert, mit seiner u..mrie

' rie Reisevläne besprach, daß er bie Absicht habe nach Kst- nngen zn gehen unb sich mit seinen Verwandten dorthin f* «*> *j*

7*7 L rM Tochter zu großen Werth beizulegen, hatte geschehen^nuen. Toch schrieb sie ihrer Freundin, .daß |ie diejes .5 h A.'ei Wochen in Kissingen znbringen, werde nnb Wbann

l «Sch Wiesbaden zu gehen gedenke, Hinzusugenb , da« m

Zur Vagt.

Aach dem Falle von Plewna haben wir daraus biuge- Sen daß die Folgen dieses Ereignisses sich voraus|ichl- in London stärker bemerklich machen wurden, als 111 ..stantinopel. Die Wahrheit dieser Behauptung braucht Bobl heute nicht bewiesen zu werben. Es herrscht in den .sdoner Regierungs-Bureaux ein reges Treiben, welches Ktiheineno das sogenannte türkische Mediationsgesuch zum Lauiube hat Wir haben von vornherein gesagt, oay Ilt5t ^türkische Note den Zweck, den sie angebltch verfolgt, ßizlich verfehlt hat. Es gehört du hoher Grad von idjtgtäubigteit unb Kurzsichtigkeit dazu, von dem Mebia- «iisaejuch den Frieden zu erwarten. Denn nicht um Pner Waffenehre genug zu lhun, sondern um die unter ..: h:u türkischen Joche schmachtenden Christen zu befreien, ß Rußland in den Krieg gezogen. Wir lagen: -tteo k h oer Zweck, den Rußland officiell verkündet Hai, was MM biubert, daß doch auch der leidige Länberhunger mit >