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XII. -ahrgarrg

Marburgs Mittwoch, 19. December 1877

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lich der prozeftualischen und administrativen Verhältnisse eine kurze Novelle zur Feldpolzeiordnung genügen, ohne daß eine Aufnahme zahlreicher Strafbestimmungen erfordert sei. Die Gesetzgebung sei durch die Justizgesetze und die hierdurch nothwendig werdenden Organisationsgesetze, durch die Umgestaltung der Verwaltung mit den wichtigsten Auf­gaben betraut und es fei davor zu warnen, immer neue Themata hereinzuziehen. Wollte man auch nicht verkennen, daß die Materie an sich revisionsbedürftig sei, so halte man den Zeitpunkt an sich durchaus für inopportun. Diesen Bedenken gegenüber wurde auch hervorgehoben, daß es, wenn einmal der Erlaß einer Novelle zur Herstellung einer Uebereinstimmung mit der Umgestaltung der prozessualischen und administrativen Verhältnisse unausfchieblich sei, rathsam erscheine, damit die Revision und Modifikation der feld- und forstpolizeilichm Strafbestimmungen zu verbinden.

Die russische Welt schreibt:Wenn wir auf die von uns erlangten militärischen Vortheile blicken und auf die unfteiwillige Friedensliebe unserer Feinde seit Beginn des Krieges bis zu diesem Augenblick, so müssen wir der wirk­lich ritterlichen Handlungsweise unseres Bundesgenossen Deutschland uitb seines heldenmüthigen Kaisers Wilhelm gedenken. Wer in Angelegenheiten der orientalischen Frage der Politik gefolgt ist und sich über die vielartigen Erscheinungen in derselben klare Rechenschaft abgelegt hat, der begreift die ganze Wichtigkeit der Rolle, die Deutschland ohne Abweichung in der schweren Balkankrisis gespielt hat, ohne de« Versuchmtgm der britischen und österreichi­schen Staatsmänner ein williges Ohr zu leihen. Deutsch­land beseitigte alle uns feindlichen diplomatischen Versuche: wenn Oesterreich mit uns in Frieden lebt, nnd nun nicht mehr an irgend welche selbstständige Unternehmungm im Orient denkt; wenn die neue österreichisch - britisch- französische Triple-Allianz, die eine Zeit sehr möglich schien, sick als bloße Chimäre erwiesen hat; wenn die ge­gen uns gerichteten Projette., die in Londen unter Mit­wirkung des Grafen Beust geschaffen und in Pest und in Paris vom Herzog Decazes unterstützt wurden, wie zer­stoben sind und wenn unser .Hauptgegner, England, end­lich seine unbestreitbare Jsolirtheit und Machtlosigkeit ein­sehend verstummt ist: so sind wir dafür in hohem Grade der ehrenwerthen, aufrichtigen und festen Politik des treuen Freundes und Bundesgenossen unseres Kaisers, dem deutschen Kaiser Wilhelm I. verpflichtet. Die defini­tive Festigung unserer nahen politischen Beziehungen mit dem deutschen Volk, die aus dem richtigen Verständniß unserer wechselseitigen Interessen begründet ist, wird eine der wichtigsten allgemeinen Folgen des jetzigen russisch- türkischen Krieges sein."

der Kellner, einen Blick aus die noch nasse 'Schrift des Fremdenbuches werfend, kopfschüttelnd vor sich hin mur­melte trank schweigend seinen Kaffee, bezahlte dann ebenfalls schweigend die sehr ansehnliche Rechnung für sich und das Fräulein Schwester und fuhr darauf nach dem Leipziger Bahnhofe, um mit dem Zehn-Uhr-Zuge nach Eisenach weiter zu reisen.

Er erreichte denn auch gegen Abend desselben TageS die vielfach berühmte kleine Stadt wohlbehalten und hatte infofern eine glückliche Fahrt gehabt, als weder eine irrende Schöne ihn zu ihrem Ritter erkorm, noch ungemüthliche Mitreisende ihre Mißlaunen an ihm ausgelassen.

Zwar hatte er bis Corbetha einer jungen Frau den ältesten ungezogenen Sprößling hüten müssen, damit sie das jüngste, schreimde Kind indessen zur Ruhe bringen konnte denn der Schaffner, an den er diesmal weder ein Trinkgeld noch die Bitte um gute Reisegesellschaft gerichtet, hatte aus Rache die junge Frau mit den zwei Kleinen, nachdem dieselben von drei Coupös aus energisch beanstandet worden waren, heimtückisch in den Wagen geschoben, wo unser Anton nebst einem tauben Professor und dessen zwei recht bleichen Töchtern Unter kunst gefunden.

Viel Ruhe hatte der junge Mann eben nicht gehabt, um poetischen Träumereien nachzuhängen; denn der taube Professor schrie, um sich verständlich zu machen, mit demJüngsten" um die Wette, und die bleiche junge Frau welche der Gesellschaft fortwährend zu versichern für nölhig fand, daß ihre Kinder sonst Muster von Artigkeit wären, und nur die Reise einen so unvortheilhaften Einfluß auf sie ausübte, wußte sich in ihrer Angst keinen Rath, dieRangen" wie der empörte Professor in einem, wie es chm schien, sehr leisen, aber doch allgemein verständ­lichen Tone die Kinder nannte zu beruhigen.

Civilkleidung dessen äußere Erscheinung nicht so sehr ver­ändert hätte.

Und wieder hörte er das Lachen der Beiden und darauf rief ihm der Verehrer Klothildens über die Mauer herüber ein spöttisches:Recht glückliche Reise" zu, und die lange blaue Schlepprobe der Dame wurde immer kürzer und kürzer sie selbst wiegte sich in den Hüften und ba- lancirte auf einer Fußspitze immer um ihn her tänzelnd und wie sie ihn dann mit seitwärts geneigtem Köpfchen so freundlich anlächelte, da war es nicht Klothilde, sondern Mademoiselle Finette, die Tänzerin eines VoHtadttheaters in Berlin und er seufzte hoch auf und rief ganz laut: Gott sei Dank!" so daß der Hausknecht, welcher eben leise hereingekommen war, um die Sachen zum Putzen zu holen, ganz erschrocken den einen 'Stiefel wieder fallen ließ, was denn nicht verfehlte, unseren Anton vollständig munter zu machen und aus dem Reiche der Träume in das der Wirklichkeit zurück zu versetzen.

Zehn Minuten darauf klopfte man an die Thür und das bleiche, etwas übernächtig aussehende Gesicht des Zim­merkellners blickte auf dasHerein" Anton's in s Gemach.

Entfchuldigen Sie, mein Herr, aber Ihr Fräulein Schtvefter" hier schlug der Mensch mit einem abscheu­lichen Lächeln die Augen niederwünscht eine Droschke, um sortzufahren; sie sagte, daß sie soeben eine Depesche erhalten habe und Ihr Erwachen nicht abwarten könne, würde Ihnen aber später Alles schriftlich mittheilen ich wollte Ihnen das nur berichten, da mir der Hausknecht sagte, daß Sie schon munter seien für den Fall, daß Sie noch eine Bestellung für die Dame hätten, ehe sie unser Haus verläßt."

Nein, nein!" rief Anton schnell;bringen Sie mir in einer Viertelstunde den Kaffee und die Rechnung."

Anton Schmitt aus Krötenwiese bei Hayna« wie

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Bremen.

» Wet Bteetfelrt.

3 Novelle von Ernst v. Waldow-

f (Fortsetzung.)

M Es war gut, daß im nächsten Augettblick der Vorhang Wgezogen wurde und somit die kleine Dame einer Aus- Wache oder Erklärung überboben wurde. Auf dem Mnwege versuchte sie diese zwar in sehr beredter Werse em geben, indem sie von der Tänzerin eines Vorstadttheaters S Berlin erzählte, welche Mademoiselle Finette hieß und W sprechend ähnlich sähe, auch schon oft mit ihr ver- Dvbsrlt worden sei.

.1 Anton vermochte indessen bei aller Vertrauensseligkeit M sonderbaren Worte des Fremden nicht aus dem Ge- WSnniß zu verscheuchen, und im Hotel aus seinem Zemmer Mzelangt, rief ihm die regenbogenfarbige Dcvrse aus seiner Dnsnafche wieder den spöttischen Wunsch einerrecht glua- Men Reise" zurück und so war er später bet dem Soupeur, trotz -der Bemühungen der Mckwester" ihn heiter zu sttmmen, sehr einsilbig, zog Wh auch bald, Kopfweh vorfchützend, auf sein Zimmer »rück. '

H Aber bis in seine unruhigen Träume verfolgten ihn M Gestalten und Erlebnisse des Tages. Zuletzt blickte K über die Mauer des Maiendorffchen Parkes und gewahrte Wir idwue Klothilde am Arme deö Offiziers und jetzt Wandte ihm dieser daS Gesicht ganz voll zu und stehe da, Wlsselbe trug die Züge des fremden ja, nun wußte Milon auch aus einmal, wo er diesen schon gesehen und Darum ihm dies Gesicht einen so unangenehmen Eindruck »achte.

Sichn würde er ihn sofort erkannt haben, wenn die

G TegeSderlcht.

Jfcie Justizcommission hat nunmehr das Gesetz über W Oberlandes- und Landgerichte in zweiter Lesung durch- Hckm Die Commissionsmitglieder nehmen an, daß die Wge Mittwoch zur Plenarberathung im Hause gelangt, dH dieselbe noch vor Eintritt in die Weihnachtsserien Meordnetenhause zum Abschluß kommen wird. Dieses

i totot ist durch die größten Anstrenguugen der Com- i tett herbeigeführt worden, welche es für ihre Pflicht j t der Ungewißheit im Lande und stetig steigende Er- ,5 ainci der interessirten Landesthcile und Städte so bald ] möglich ein Ende zu machen. Da die Commission 1 , den Grundsätzen der Organisation, welche dem Ent- n zur Basis dienen, einverstanden war, so weichen ihre - Muffe im Ganzen nicht sehr erheblich von der Regie- wsvorlage ab. Die Wänderungen sind bekanntlich nur mde: Berlin soll drei Landgerichte anstatt eins be- men, die Provinz Hannover erhält ein achtes Landge- M in Stade, in Westfalen ist Bielefeld anstatt Minden, MHessen-Nassau Fulda anstatt Hanau und Limburg an- M Wetzlar als Sitz des Landgerichts bestimmt. Mit Mnabme der Beschlüsse beglich Berlins weichen die Änderungen der Immission nur da von der Regie- ^rvvrlagc ab, wo die Entscheidungen unter Anwendung Mlben Grundsätze für die eine oder andere Seite nahezu Jl Waage hielten. Hierdurch wird die Berathung im Mse sehr erleichtert werden. Die Commission hat alle

hc betheiligten 'Abgeordneten gehört und es ist zu hoffen, jj die Debatten im Hause abgekürzt und wenigstens in

Fällen nicht wieder ausgenommen werden, wo, was fflens der Fall ist, die Beschlüsse mit großer Mehrheit chi sind. Ob es gelingt, das Gesetz zur en bloc-An- Dme zu bringen, halten die Commissionsmitglieder frellich k zweifelhaft.

Der Bericht der Kommission des Herrenhauses über i Entwurf eines Feld- und Forstpolizeigesetzes ist eme t umfänglichsten Arbeiten der laufenden Zession. Zu t Vorlage sind in der Kommission nicht weniger als 3 Anträge gestellt worden. Der Entwurf wurde, nach- 1 er vielfach geändert worden war , mit 12 gegen < Immen angenommen. Von der Minorität wurde das tdürfniß des Gesetzes und insbesondere die Zweckmatztg- t und Angemessenheit seiner einzelnen Bestimmungen in Age aestellt. Es sei in den Motiven nicht mit zwingen- t Konkludenz dargethan, daß die neuere Gesetzgebung eine »gestaltung der Feldpolizeiordnnng und eine Kodlfizirung r Forstpolizeivrdnuug, wie dies bezüglich des Gesetzes er den Holzdiebstahl grschehm sei, dem man auch allserttg n deswillen zugestimmt habe. Jedenfalls würde hmjrcht-

Neueste Kriegsnachrichten.

Petersburg, 16. Dec. Der Kaiser wird am 22. d. hier erwartet. Ein Privak-Telegramm derNeuen Zeit" bespricht die schreckliche Lage der Verwundeten und Kranken in Plewna bis zur Uebergabe und meldet, daß jetzt Maß­regeln zur Abhülfe getroffen feien.

Konstantinopel, 16. Dec. Die Antwort Italiens auf die türkische Mediattons-Nole lautet entgegenkommend und freundschaftlich. Dieselbe besagt, die italienische Ne­gierung wünsche die Herstellung des Friedens und werde sich mit den anderen Mächten ins Einvernehmen setzen. Der britische Botschafter, Layard, dementirt die Behauptung der türkischen Journale, daß er die hohe Pforte über die Friedens-Bedingungen sondirl habe. Layard machte der Pforte die Mittheilung, der Sclavenlransport gehe jetzt, nach dem Abschlüsse des Vertrages gegen den Sclavenhandel mit Aegypten, über Tripolis, und beantragte, die Pforte möge den Gouverneur von Tripolis anweisen, jedes Sklaven­schiff mit Beschlag belegen zu lassen.

Bukarest, 17. Dec. DieDeputtrtenkammer hat das Militär-Pensionsgesetz genehmigt. Der Fürst nimmt am Donnerstag in Nikopolis die Adressen des Senats und der Kammer entgegen.

London, 16. Decbr. Reuter'S Bureau meldet aus Konstantinopel, es circulire daselbst das Gerücht, daß Eng­land ohne Einvernehmen der Pforte aus freien Stücken Rußland über die Friedens-Bedingungen sondirl habe und der Pforte die Mittheilung machen würde, daß Rußland jetzt, aber nur in dem Falle direkter Verhandlungen, Frieden zugeftehen könne. In dem Falle einer Mediatton würden die Bedingungen ungleich härtere sein. Eine andere Meldung des Reuter'schen Bureau's aus Konstcmtinopel sagt, daß trotz allen kriegerischen Anscheins die friedliche Strömung sehr stark sei. Das erste Friedens-Symptom würde ein Minister-Wechsel sein. Trotz der scheinbaren Ruhe sei die Bevölkerung von Stambul sehr unzufrieden. In dm Straßen sehe man aufrührerische Plakate. Die Thronrede des Sultans habe in diplomatischen Kreisen einen ungünstigen Eindruck gemacht. Den Eingang der Mediations- Note der Pforte hätten mehrere Mächte bescheinigt.

London, 17. Dec. Heute findet wiederum Minister- ralh statt. Die Königin beschloß nach Entgegennahme des Berichtes von Lord Beaconsfield, nicht nach Osborne über­zusiedeln, sondern Weihnachten in Windsor zu verbringen. Daily News" melden aus Verbiza vom 15. d.: Heute setzten sich 40,000 Russen gegen Orkhanie in Marsch.

Paris, 17. Decbr. lieber die Haltung Italiens in Bezug auf das Mediations-Gesuch der Pforte theilt die Agmce Havas" gegenüber anderweitigen Nachrichten mit,

Ätteint täalick außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchenttichen BeilageJkluftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition («och'schr **»Stftu^bejogen T M bn^ die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr) -Jnsert.onsgebühr für bte gespaltene Zelle 10 Pfß.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.