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XII. Mrgans.

Marburg, Dienstag. 18. Decewber 1877.

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Die schon mehrfach dementirten Gerüchte über die Ab- ffcht des deutschen Reiches, Portorico zu erwerben, machen jetzt wiederholt die Runde durch die nortamenkamschen

In dem internationalen Verträge über den Weltpost- > verein ist den einzelnen Staaten bezüglich ihres inneren 1 Postverkehrs die volle Autonomie der Gesetzgebung zwar ' gewahrt. Es liegt aber in der Natur so großer in- ' ternationalet Vereinigungen, und bildet ein wesentliches Moment ihrer Kulturkrast, daß sie eine starke Anziehung auf die einzelnen Kreise ausüben, Ungleichheiten ebnen und Verwicklungen vereinfachen. Einen sehr erfreulichen Beleg hierführ liefern die das System der „regiftereb letters (eingeschriebenen Briefe) betreffenden neuesten Maßregeln der englischen Postverwaltung, von welchen die „Times" I in ihrer letzten Mittwochsnummer sagt, daß sie several important and highly beneficial modifications darstellen. Bisher wurde nämlich in England für eingeschriebene Briefe nicht allein eine sehr hohe Einschreibgebühr erhoben, die fast das Doppelte der bei uns üblichen betrug, sondern es fand auch im Verlustfalle grundsätzlich eine Ersatzleistung aus der Postkasse überhaupt nicht statt, so daß im Post- vereinsvertrage in dieser Beziehung noch eine Ausnahme- bestimmung für England vorgesehen werden mußte. Beide Unvollkommenheiten hat die englische Postverwaltung jetzt glücklicher Weise beseitigt : vom 1. Januar 1878 ab wird I die Einschreibgebühr von 40 aus 20 pence herabgesetzt und beim Verlust eines eingeschriebenen Briefes eine Entschä- bigung von 2 Pfd. Sterling bewilligt. A

Der Krieg ist in ein neues Stadium eingetreten : Ser- ‘ bien ist in Aktion getreten. Griechenland soll gleichfalls I bereit fein, den Kampf gegen den sterbenden Löwen aufzu- I nehmen. Unter solchen Umständen darf wohl an einen I ; Frieden noch nicht gedacht werden. In der „Köln. Ztg." ! heißt es: Der Czar habe erklärt, er wolle den Frieden in ; Adrianopel diktiren. Bis dahin dürfte wohl noch einige I Zeit verstreichen. Mer die russische Presse ruft heute schon: „nicht nach Adrianopel, sondern nach Konstantinopel l" Diesem Ruf ist die Pforte soeben mit einem Mediationsgesuch an I sämmtliche Großmächte zuvorgekommen! Die Arbeit der Diplomaten beginnt, aber das Waffenhandwerk wird wäh- I I renb dieser Zeit nicht ruhen!

Suleiman Pascha hat neuerdings wieder bei Metschka, I I also auf seiner äußersten rechten Flanke (an der Donau I und bei Rustschuk) den Versuch gemacht, das Korps des Großfürsten-Thronfolgers zurückzuwerfen, aber vergebens.

I Dieses Hin- und Her-Versuchen, bald im Norden, bald im Süden — bei Elena — durchzubrechen, ist zwar löblich,

I aber planlos Zum Mindesten geht ans dem wiederholten Versuch, bei Metschka vorzudringen, zur Evidenz hervor, daß die Türken trotz ihres glücklichen Vorstoßes bei Elena, das sie nun auch wieder geräumt haben, an dieser Stelle auf ernstliche Hindernisse gestoßen sind.

Ein Brief aus Konstantinopel vorn 5. Dezember, wel­cher der Wiener Presse zugegangen ist, erzählt von einem Schreiben OSman Paschas, das an die Pforte gelangte I und das geeignet ist, auf den Fall von Plewna ein in- I tereffantes Licht zu werfen. Dies Schreiben Osmans soll durch zwei Tscherkessen, die sich unbemerkt durch die russi- I scheu Linien geschlichen hatten, nach Konstantinopel gebracht worden sein. Es ist von Anklagen und Vorwürfen gegen die Regierung erfüllt, die darin direkt der Verrätherei be­schuldigt wird. Osman erinnert daran, daß er Mitte I Oktober in Konstantinopel angefragt, ob er sicher darauf I rechnen könne, daß die Straße nach Orkhanie unter allen I Umständen werde frei erhalten werden und ob er darauf I rechnen könne, daß in Sofia ejne Reservearmee zu seiner I Unterstützung bereit sein werte, weil er im andern Falle nach Orkhanie sich zurückziehen wolle, um dort die Balkan- I pässe zu vertheidigen. Die Antwort aus Konstantinopel I habe gelautet: Er soll ausharren. Trotz seines Drängens I sei jedoch die Straße nach Orkhanie nicht frei geblieben und I sei keine genügende Reserve in Sofia bereit gehalten. Er I labe unter diesen Umständen die Schuld seiner Cernirung auf die Regierung, mit der er nichts weiter zu thun haben wolle. Er werte, um feine militärische Ehre und die seiner Soldaten zu retten, sich halten, so lange er könne. Die I Verantwortung für das Unglück des Vaterlandes falle einzig t>en verräterischen Rathgebern des Sultans zu. Trotz aller

I Vorsicht soll der Sultan von diesem Briefe Kenntniß er­halten haben. Um aber die Wirkung desselben zu paraly- I fiten, redete die verleumderische Clique Abdul Hamid ein, Osman Pascha convirire mit den Russen.

I Neueste Kriegsnachrichten:

: Wien, 15. Dec. Die „Presse" meldet aus Bukarest:

i Aus dem Schipka-Paß wird berichtet, daß die Truppen

Achmed Ejub Pascha's ihre dortigen Positionen thellweise

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L« nimmt entgegen: Bitten b.Blatte«,

K5nnoncen-®uteaui , LH. Dietrich & Eo. in u tnO Hannover; LH. ^Liu Frankfurt a-M.; KXin & Bögler in Bfart a M., Berlin, E, Köln ic.; Rudolf Fin Berlin, Frank-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition ».Blatte», sowie dAnnoncen-Bureauk von ®. L. Daube & Co- in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermai»c;che Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; ». Thienes in «berfeld; L. Schlotte in

rauen und Widerwillen des wcarfcyaus zu v-*-- S Rtt diesem Hemmschuh an den Fersen werden auchdie " Minister bald der Deputtrtenkammer mcht mehr genügen, 1 8m unüberlegte Tagesordnung wirb den Planen brtMax_ isrt Halls Mac Mähen zu Hülfe kommen. Es mußte denn liker' i», oaß die Franzosen in den letzten Monaten gelernt

laben, mit Dem Marschall Mac Mahon zu rechne"- ?

« republika,tische Mehrheit der Kammer sich damit be­rgen würbe, dn solches Ministerium an der SPttze der i Geschäfte zu haben, und sich bestrebte, auch dte kleutsten . .Schwierigkeiten zu besdtigen, btt geeignet sind, dem Mu 7 Ä üftcrium schädlich zu werden, dann wurde em definitives

Npltblikanisches Regime am sichersten h^bereitet vordem Die Regentschaft Mac Mahon's wurde tm Jahre 1880 zu l«. Wbe gehen, Ohne daß er einen Vorwand zu einem Staats.

1 fceid^erbieite/ Diese Nothwendigkeit sollten bie Repubtt- laner beherzigen, und ein zweiter 1b. Mat wäre im un- itreffe Frankreichs wie seiner 'Nachbarvölker zu vermeiden.

verliehen. — Rustschuk wirt seit dem 13. December von beiden Donau-Ufern beschossen. — Aus Tiflis wird dem nämlichen Blatte gemeldet: Die Russen beschießen die türki­schen Positionen bei Tsichedsire. Dort und in Batttm stehen 10,000 Mann mit 7 Kriegsschiffen. Die übrigen Truppen sind bereits nach Trapezunt und Samum über­schifft worden.

Bukarest, 15. Decbr. Der Zar verläßt Bukarest schon am Montag Abend, nicht erst am Dienstag. Die neue Bahnlinie Symnitza - Frateschti wirb von ihm vorher eingeweiht werben. Heute hat sich ber Kaiser in das Hauptquartier bes Großfürsten Thronfolgers begeben, um sich von ihm zu verabschieben. Der Letztere hat sich bd betn Kampfe um Metschka derartig exponirt, daß er von einer Kugel am Kopfe gestreift wurde. — Die Fürstin von Rurnänieii überreichte persönlich dem Fürsten Gortfcha- koff bas Großkreuz bes rumänischen Stern-Orbens.

Bukarest, 15. Dec. Der Kaiser Alexanber hat den Unterrichtsminister burch bett Fürsten Gortschakoff auffor­dern lassen, bett Studenten ber Universität Bukarest für ihr Glückwunsch-Telegramm seinen Dank auszusprechen. — Osman Pascha telegraphirte an bk Pforte, ba er Weber Lebensmittel noch Verstärkungen erhielt, habe er so lange als es möglich war, wiberstanben unb, auf's Aeußerste ge­bracht, eilten Durchbruch versucht, welcher trotz ber Tapfer­keit ber Truppen, mit Gefangennahme enbete.

Konstantinopel, 15. Decbr. Auf Ersuchen bes Sultans, hat ber britische Botschafter Layard an Lord Derby telegraphirt, er möge nach Bukarest telegraphiren, um Osman Pascha bie Sympathien des Sultans auSzu- drücken. — Die Pforte protestirte in einer Note an bie Großmächte gegen bie Kriegs-Erklärung Serbiens. und wiberlegte bie in ber Note von Christic angeführten Motive Serbiens.

Petersburg, 12. Dec. Officiell wirt aus Bogot gemelbet: Die Tücken räumten gestern Elena, nachdem sie dasselbe in Brand gesteckt hatten. Der Ort wurde von der zu ihrer Verfolgung vorgeschickten russischen Vorhut besetzt.

Petersburg, 15.Dec. Officiell. Bogot, 14.d.M. Am 11. December, am Vorabend des türkischen Angriffs auf die Positionen des 12. Corps, wurden auf der ganzen östlichen russischen Fronte mehrere Recognoscirungen aus-

I geführt. Wie schon gemeldet, stellte eine derselben heraus, daß die Türken bei Krasna begannen, über den Lorn zu gehen. Eine andere bei Omurkioi und Karagatsch misge-

| führte Recognoscirung verwandelte sich in einem Kampf, welcher für uns glücklich ausfiel. Die Recognoscirungs- Abtheilung bestand aus 13 Compagnien des Kurski'schen Regiments, dem Lubni'schen Husaren-Regiment und 2 Bat­terien unter General Gorschkoff. Gegen Morgen um 9 Uhr begegnete bie Abtheilung 14 Tabors Türken mit 4 Geschützen. Als ber Kamps sich entspann, befahl General Gorschkoff, einen Hinterhalt vvrzubereiten unb begann, bie Türken gegen benselben lockend, sich zurückzuziehen. Die Türken, welche General Gorschkoff hieraus verfolgten, stießen auf den Hinterhalt, welcher plötzlich die Offensive ergriff, die Türken aufrollte und bis Omukioi zurücktrieb. Der Feind hinterlieh auf dem Kampfplätze über 200 Tobte. Russischerseits würben 4 Cfficiere unb 230 Soldaten ver­wundet; 34 Soldaten blieben tobt. — Der russische Ver­lust am 12. b. bei Trestenik unb Metschka ist »noch nicht entgülttg festgestellt. Annähernb war ber Verlust folgender: 25 Officiere tobt ober verwundet; gegen 90 Soldaten tobt unb circa 600 verwundet. Der Verlust ber Türken war sehr bebeutenb, besonders bei dem Rückzüge über den

I Lorn. Vor unseren Posittonen sind vorläufig über 600 Türkenleichen aufgesammelt; das Sammeln ist aber bei Weitem noch nicht beendigt. Unter den gefangenen Türken sind 150 Verwundete und 1 Stabs-Officier. Am 13. d. tarnen an der östlichen Front blos unbedeutende Vorpofteu- Gefechte statt. — Seitens der Batterie in Giurgewo wurde Rustschuk beschossen, wobei ein Geschütz und eine Batterie beschädigt wurden. Am 12. wurde auf den Straßen von Slatitza nach Sophia und Etropol ein Detachement von den Türken aus Slatitza angegriffen, welche gegen 3000 Mann Verstärkungen erhielten. Der Kamps dauerte vom Morgen bis zur Dämmerung und wurden alle Angriffe des Feindes zurückgeschlagen. Da aber die Türken auf den Höhen nächtigten, welche unsere vorderm Posittonen bei Tschelopelscheni und Kiliffa beherrschten, so räumten wir

I diese Positionen; nufer Verlust ist nicht bekannt, aber nicht : I groß. Die übrigen russischen Truppen haben ihre frühe ; I ren Positionen in Sicht von Karabkonak besetzt und be- : I wachen Lutikowo. Die Türken fahren fort, ihre Posittonen.

« J Die Art und Weise, wie es dem „Marschall-Präsiden- a a £ i* gelungen ist, seine Stellung zu „joutenircW durfte rSiS «dich den Beifall des Herrn Winbthorst-Meppen sin- I wTowiWtfaitiirte Reale

T«ge-bericht.

Dem türkischm Mediattonszesuche, sowdt rt im Wort- i<tut über London bekannt geworden ist, wirt tn -oerun *tur ein geringer Werth beigelegt, da es in Betreff ^erfe- Hgcn Punkte, die zu Dem Kriege geführt haben, nicht die zenngsten Zugeständnisse enthält. Wir dürfen behaupten tag mindestens die beiden neutralen Kaisermachte davon ibietxn werten, auf Grund des vorliegenden Mediattons- zksuche» in irgend welche Verhandlungen einzutreten. Es ffl wobl anzunehmen, daß die Pforte an ihr Gesuch keine ßrvßen Erwartungen knüpfen kann und scheint es wahr­scheinlich, daß der Zweck des Mediattonsgefuches ein ganz »«derer ist, als der zum Frieden zu gelangen.

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' . Frankreich hak nun wieder eine republikanische Regie-

SL wie vor dem 16. Mai. Herr Windlhorst hat freilich C gewußt, daß auf Herrn Mac Mahon kein Verlaß F6enn er sagte am 22. November im preußischen Ab- Wietenhause: „Sicherheit hat man ja in Bezug auf Eüiae Dinge nicht. Es kann wohl fein, daß bte Ideen, EL von diesen Leuten (wie Gambetta) getrageu werten, wellig zum Durchbruch gelangen. Es wirt bann aller- ' viel Unglück, viel Thränen unb viel Blut bringen, - tm sdn, daß die Vorfehung uns durch solche Prü- Ä Mai geben lassen will, um uns endlich wieder zu Ver- 7 - mm bringen." Diesesmal sind nun wieder bet unseren

1 inen Nachbarn die Ideen der Republikaner thatsächttch fit«, t Herrschaft gelangt, nachdem es dem Marschall Acac Ul5 aton unmöglich war, ein Ministerium nach seinem

- nm iu bilden. Das neue Cabinet ist wie folgt zusam- mgefefct: Dufaure, Präsident und Minister der Justiz;

" ? teere, Minister des Innern; Waddington, Minister Auswärttgen; Bardoux, UnterrichtsmiNister^ Borel, Wieqsininister; Pothuan, Marineminister ; Leon Say, i>r- -minister; Teisserenc de Bort, HandelSmiuister; Freyctnet, inister für öffenttiche Arteiten. Die Liste enthält wohl- Lililte Nametl; zwei derselben, Say unb Teisserenc de t gehörten dem am 16. Mai gestürzten Ministerium , Dufaure, Marcsre unb Waddington gehörten dem misterium an, welches durch Jules Simon verdrängt ndeu ist ES sind dies wohl die Männer, deren Namen feste Bürgschaft gegen bie Unternehmungen des Je- ismus ist. Aber — '—! Wie lange wirb das Mi- jem Ä Suber bterten? Es ist sehr zu fürchten, daß «sckall Mac Mahon das neue Cabinet Dufaure nur Jein „Budget - Ministerium" anficht, das er unter fn- ekn Vorwänden fortjagt, sobald bk Kammer baSjöubgd tat bat Es scheint an diese 'Möglichkeit bisher noch .„.and gedacht zu haben. Man wird unfehlbar und ohne S'Mißtrauen daS Budget, so wie es liegt, Ehmen, seiner Freude gegen bte Siimesändemng des Marschalls c Mahon Ausdruck zu geben. Was es mit der S^n- ndernng des Marschalls für eine Bavandttnß hat, Mrden die neuen Minister am besten wlffen. Wahrend 18 .c Mahon die ihm von Broglie und Fourtou vorge- niH Den Decrete blindlings unterzeichnete werden d» Herren dufaure und Marcsre Schritt für Schritt mit dem Miß- . . cvr»?«. _-vy__nt kkimvren haben.