XII. Jahrgang.
Markurg, Koimtag. t6. Dcccmbek io77-
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Pslilische Wvchev-Ueberficht.
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<icbe Polittk.
Lnfeben, Vertrauen und Wohlstand kostet, in steigender . higkeit fort. Der Ausgleich, der in den letzten acht yn die Herzen in starker Spannung hielt, führte schließ- j
haste Bestätigung gefunden.
Der lange envartete Fall von Plewna, das bedeutendste Ereigniß des gegenwärtigen Krieges, ist jetzt endlich zur Thatsache geworden. Ohne Unterstützung von außen und durch den Mangel an Lebensmitteln, Bremcholz und Kleidern zum Aeußerften gedrängt, unternahm Osman Pascha am Morgen des 10. d. in nordwestlicher Richtung einen verzweifelten Angriff gegen die Stellungen der Rumänen und der ruffifchen Grenadiere. Rach fünfftündigem Kampfe von allen Seiten umzingelt und selbst schwer verwundet
lich noch zu einer Reihe hockst unerquicklicher Zwischenfälle, die mit der allgemeinen Ueberzeugung abschlossen, daß auf diesem Wege die „Beschwichtigung" nicht zu finden sei, welche das Elysee durch die Bildung des Geschäfts - Ministeriums angebahnt haben wollte. Zm Senat schwankt die Mehrheit in Bezug auf die Frage, ob eine zweite Auflösung nock zeitgemäß und räthlich sei: die Bonapartisten sind für dieselbe und arbeiten, falls dieselbe vom Senate verweigert würde, auf ein Plebiscit hin, wonach das Volk über Bleiben und Gehen des Marschalls und über die Geltung des Budgets von 1877 auch für 1878 mit Ja und Rein antworten soll; die Elericalen, die in allen Gruppen der Reckten in beiden Häusern wie im. Elysee ein gewichtiges Wort reden, schüren den Widerstand bis aufs Messer; die Legitimisten sind getheilt, aber das Dutzend der Royalisten von strenger Observanz fordert nach dem StickwoNe des Frobsdorfer Hofes erst Bürgschaften gegen die Bonaparttsten, ehe man sich für die Auflösung verpflichte; die Constitutivnellen endlich mühen sich nach wie vor um den Ausgleich, sie kamen aber durch die letzten Versuche der „Beschwichtigung" dahin, daß der erstere Theil sich mit Audiffret - Pasquier gegen den Widerstand des Elvsee's cntsckieden ausgesprocken hat, während der ängstlichere Theil sich unter Batbie's Führung eifriger als je um sie Bildung eines Cabinets bemühte, das nicht Fisch und nickt Fleisck war und daher allen Parteien fade erschien. Unter diesen Verhältnissen stockt nicht bloß die 'Arbeit der Kammern intb die Arbeit des Volkes, sondern auck die der Verwaltung, und in der auswärtigen Politik, in der Frankreich grade'jetzt Stellung nehmen müßte, fehlt nicht bloß die kundige Hand eines Decazes, sondern überhaupt jede Klarheit der Entschlüsse und Ziele.
Der spanische Ministerrath hat zu der Verlobung des Königs mit der Prinzessin Mercedes seine Zustimmung gegeben. Sobald die Einwilligung des Herzogs von Mont- pensier eingetroffen sein wird, sollen auch sie fremde» Höfe von der Verlobung in Kenntnitz gesetzt werden. _
In der verflossenen Woche tauchten in England wieder Gerückte über einen bevorstehenden Rücktritt Lord Beaconfield'S auf, doch haben dieselben bis jetzt keine glaub-
treckte Osman Pascha mit angeblich noch 40,000 Mann die Waffen. Der Kaiser, der am 15. d nach Petersburg zurückkehren will, bestickte ihit am folgenden Tage und gab ihm in gebührettder Anerkennung seiner Tapferkeit den Degen zurück. Zehntausend Türken feilen bei diesem Durchbruchsversuche getödtet oder verwundet und attßerdent eine beträcktlicke Anzahl Verwundeter in Plewna vorgefunden worden sein. Von den freiwerdenden Truppen wird ei» Theil zur Bildung einer neuen großen Balkan-Armee nach Timowa entsandt, ein Theil aber den Armeen Gur- ko's und des Großfiirstett Thronfolgers zugewiesen werden. Bei diesen war es in der verflossetten Woche verhälmiß- mäßig still. Sttleiman behauptet sich im Besitze von Elena, vermochte aber nicht weiter vorzudringen, während sich Me- hemed Ali und Gurko bei Kamarli und Arab Koirak mit nahezu gleichett Kräften den Besitz der Bavkinpässe bestritten. Von Friedens- oder Waffeitstillftands-Verhandlungett hat noch nichts Bestimmtes verlautet, es scheint vielnrehr, daß die Pforte der Höhe der russischen Forderungen gegenüber noch immer am Widerstande festhält. In Asien erwartet man den Angriff der Ruflen aus Erzemm.
Tagesbericht.
Dem Abgeordnetenhause ist der mit Waldeck untenn 24. November d. I. abgeschlossene Vertrag betreffend Hw Fortführung der Verwaltung der Fürsteuthümec Waldeck unb Pyrmont durch Preußen gesterti zugegangett. In dem Anschreiben heißt es: „Nachdem der Vertrag am 11. b. M. von bei- Waldeck'scken Landesvertretung in erster Abstimmung mit großer Mehrheit angcnomnien worden ist, ersuchen wir Eure Hochwohlgeboren ganz ergebeuft, die Be- rathung dessetben durch das Haus der Abgeordueteu gefälligst recht bald auf die Tagesordnuug setzen zu wollen, da für die Feffftellung deS preußischen StaatshaitShaltS- etats, in welchem auch der Zuschuß für Waldeck ausgesetzt ist, eine baldige Beschlußfassung über den Vertrag wüufchens- werth erscheint." In dem Vertrage ist bekanntlich die srüher bestandene Beitragspsticht des fürstlichen Domaniums zu den Landesausgaben tvieber hergestellt. Aus der Denkschrift dürste nur folgende Stelle hervorzuheben sein: „Die Gründe nm derentwillen eine Einverleibung der Fürsten-, thümer Waldeck unb Pyrmont in Preußen nicht rathsam erschien, finb bei ber Berathung des früheren Vertrages im Landtage ausführlich erörtert und bestehen unverändert fort. Auch jetzt würde Waldeck, tveun dasselbe sich selbst überlassen bliebe, unter den gegebenen Verhältnissen, selbst bei Anspannung aller Kräfte, nicht im Stande sein, den finanziellen Ansorderungen des Reiches, sowie den eigenen unabweisbaren Bedürfnissen gerecht zu werden. Unter diesen
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'in Frankreich dauert der zäh« Ringkampf zwischen drei Staatsgewalten, der dem Lande so schwereZupfer
nenflüchtigen (Gepäckträgers, welcher ihnen zurief: „Komme gleich!" hängende dicke Reisetasche.
„Glückliche Reise!" sprach die alte Dame achselzuckend, und die hübsche Tochter in einer einfachen, geschmackvollen Reisetoilette rief, dem Paare kopfschüttelnd nachschend: „Deshalb wollte sie durchaus nicht in's Damencoups — diese Personen grassiren doch eben allüberall.
Der ahnungslos Anton fuhr unterdeffen mit seiner „Dame" wohlbehalten nach einem Hotel auf dem Neumarkt, und da er das etwas malitiöse Lächeln des Oberkellners bei dem graciösen Sprung, mit welchem die Begleiterin seine Hülfe verschmähend das Gefährt verließ, nicht bemerkte — vermochte er mit großer Gemüthsruhe für sich und seine Schwester zwei hübsche Zimmer — nicht zu hoch — zu verlangen.
Die Kleine hatte ihren „Bruder" zwar gebeten, ihr ein halbes Stündchen zu gönnen, um Toilette zu machen; dock erschien sie nach Verlauf derselben in eben dem Coftütn unb hatte nur in ber Geschwindigkeit frische Manschetten und Kragen — von Papier — wie der Kellner sackkundig für sich bemerkte — angelegt.
Dafür war sie aber bei der tabl * d’böte so munt r und guter Dinge, daß Anton sich wirklich allen Ernstes beglückwünschte, eine so liebenswürdige Reffegefährtin ge- sttnden zu haben. Unb wenn es ihm auch ausfiel, baß über Tische unb später bei einer Ausfahrt nach dem großen Gailen die Blicke der Leute und besonders die der Herrenwelt — sich ost und mit einer gewissen Vertraulichkeit auf sie richteten, so konnte er doch trotz aufmerksamer Beob- ackttmg nicht das geringste Unpassende oder Auffallende in Dem Benehmen seiner Begleiterin entdecken. Die Toilette mutzte also wohl sckuld sein; denn das leuchtete ihm nachgerade ein, daß es' weder üblich noch guter Geschmack zu
nimmt entgegen: it.on d.Blatte-, nnenceii-Bureaux Dietrich & Co. v.>. imb Hannover: Th.
Jranffuri a M.;
ii 4 Vogler in a. M.. Berlin, Wn rc.; Rudolf ui Berlin, Frank-
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feilt schien, im Hochsommer einen Sammetpaletot unb ander Straße eine hellblaue Aklasrobe zu tragen.
Im Theater, wohin zu gehen die Kleine einen schüchternen Wunsch geäußert, fiel dies weniger auf unb es berührte baher Anton fast peinlich, daß ein elegant gekleideter Herr mit großem vorgehalteuen Opernglase unaushörlick zu ihnen aus einer Loge des ersten Rangeö herabstarrte.
Endlich im Zwischenakte verschwand das unangenehme Gesicht, dessen herausforderudes Lächeln etwas Beleidigendes gehabt, und Anton wollte sich eben zu ferner Dame wenden, um ihr Urtheil über die Darstellung zu vernehmen, als er ein kurzes Lachen hinter sich hörte unb darauf die im näselnden Tone gesprochenen Worte:
„In der Thal, Sie sind es, Finette! — darf man fragen" —
Schnell wandte Anton den Kopf und erblickte zu seinem unangenehmen Erstaunen den blonden Herni aus der Prosceniumsloge, welcher verlier so eifrig nach ihnen geblickt hatte.
Noch unangenehmer schien diese Begegnung ber Künstlerin zu fein; benn sie war tief erröthet, hatte aber so viel Geistesgegenwart, sich gleich barans zu fassen und mit einer etwas theatralischen Würbe zu ettoibent:
„Sie sinb im Jrrthum, mein Herr, ich habe nicht bie Ehre, Sie zu kennen, kenne überhaupt Niemand hier unb b.n nur mit meinem Bruber" — sie betonte dieses Wort sehr stark — „auf der Durchreise begriffen."
Der Fremde verbeugte sich sehr artig. „So — so — nun, wie Sie wünschen, mein-Fräulein — dann bleibt mir allerdings weiter nichts übrig, als eine recht glückliche Reise zu wünschen." — Damit begab er sich, ohne, wie es schien, den „Bruder" seiner Beachtung zu würdigen, ruhig nach seinem Platze.
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üer schweizerische Nationalrath befchästigte sich an- nngt mit Herstellung des finanziellen Gleichgewichts im Msbanshalte der Eibgenossenschaft unb beschloß dabei «batte Abstriche beim Militär-Etat.
ille Bischöfe ber Welt sind angeivtesen, besonbere Ge- tsür die vollständige Genesung und das Wohl des Papstes «ordnen. Das Consistorium ist auf den 21. d. Mts.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaur von L. Daube X Co in Frantfurt a. M.; Zäger'scke Buchbondtun g daselbst;
Herma,..» i^e Buchdandt. ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; Ä. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte ui
Bremen.
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Novelle von Ernst v. Waldow
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i ^Dresden; meine Herrschaften", ries der sreundliche Haffner, dessen geröthetes Gesicht Zeuginß davon ablegte, | er die erhaltenen Liebesgaben gut venvendet hatte
1 fr auch schlecht — wie man's nimmt. ,
Sie stiegen aus, der Schriftsteller zuletzt, mit vergnügter
-- ifne bie Andern grüßend.
tzs saub sich bald ein Träger, welcher Antons dicke Aafcke, wie bas Gepäck ber Künstlerin m Empfang hm; Fräulein Veronika X., bie stolz lebe Hülfe vernähte, ging ihre einsame Bahn mit bem Anstanbe einer Fronten Königin — während die kleine Lchausptelerm Kons Arm vergnüglich plaudentd den Perron mtt^threr tzrn blauen Schleppe fegte und jedesmal kindlich austachte, ' ttn ihr einer ber anderen Herren auf een aufgctranzten
»Mu des Gewandes trat.
Ter Schaffner aber, welcher sich vorgenommen hatte etfntfjai« bei den Beiden zu spicleich schaute ihnen käs' klnd nack und freute sick seines, wie er glaubte wohlge- mjenen Werkes, ohne philosophische Betrachtungen über X t Uubanfbarfcit ber Menschen anzustelleu, bie doch S- ip.; Qucin ihm ihr Glück verdankten und mm nicht einmal
Blick für ihn hatten. . „
BI Weniger freundlich blickten zwei Damen bem Paare ■Ki, tie eben dem Damen-Eoups entstiegen waren nnb Welchen Anton, ebne, es zu ahnen, den von ihnen Jtreitb anttentferten (Gepäckträger schnöde entzogm hatte. $ Mit spöttisckem Lackeln musterten sie die fleckige ge- Mchtc Aklasrobe der kleinen Schauspielerin, und als sie
-Wstig vorrübergerauscht war, auch die am Arme des sah-
Jür in der (Expedition zu ertheilende flu-slunft und Ännahme von *lbrcffcn werden 85 oerechu t
Abgeordnetenhaus wurden die Budgetberathungen »etzt wobei der Finanzminister der Ausnahine der Foren der Anleibevorlage in bie betreffenden Etats zu- unb bie Vorlage im Namen ber Regierung zurück- würbe eine Abendfitzung schon abgebalten unb wiche in Aussicht genomeu, um ber Justizkommission igflellung ber unaufickieblichen GerichtSverfaffuugs- mehr Zeit zu schaffen. Seitens ber beutschen stkeichs- rm ist "der von Oesterreich - Ungant gemachte Vor- 3t' , einet- secksmvnatlichen Verlängerung des bestehenden Mvertrages (bis Ende Juni 1878) angenommen . w. Die eben versammelten deutschen Landtage be- ** i ta sich fast sämmtlich auch mit ihren staatlichen Aus- & Msgesetzen zu den Reichs-Justizgefehen. Arn vorigen tniM ist ber Lanbesausschnß für Elsaß - Lothringen in J «bürg durch ben Oberprästbenten v. Möller eröffnet Ui i 6tu mit ber Hervorhebung, baß derselbe diesmal, gemäß v s Hisetz vom 2. Mai d. I., tage als „wirklicher Fattor
Gesetzgebung" nnb nicht mehr als eine bloß begut- . jibe Versammlung. Es ist bies „bie Frucht ber ersten . i tat Mitwirkung der elsaß-lothringischen Abgeordneten i -Kickstage unb ein hulbvolles Zeichen bes landesvater- - «Wohlgefallens an ber sortschreitenben politischen Ent- Rg Elsaß -Lothriiigens." _
Kaiser von Oesterreich hat am (. December cgationen beiber Reichshälften empfangen. Zn ber «denliig auf bie an ihn gerichteten Ansprachen brückte Monarch sein Bebauern über den Ausbruch des russisch- 4 scheu Krieges aus unb betonte insbesondere bie erfolg- ■1 m Bemühungen ber Regienmg, ben Krieg zu locali- . l tunb dem Reiche den Frieden zu erhalten, wobei alle kirnen Zuteressen Oesterreichs gewahrt seien. Außer m Worten deS Kaisers brachte bie verflossene Woche Ette Aenßerungeu beS Grafen Anbraffy über bie öfter-