Nachdem vor Kurzem so mancherlei über die Ernennung des Herrn C. R. Ingersoll zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Berlin geschrieben worden ist, mag es von Interesse sein, das gewiß unparteiische Urtheil der ^California Zeitung" nachzutragen. Das Blatt schreibt: „Für den deutschen Gesandtschaftsposten ist jetzt Col. Robert Ingersoll in Ausstcht genommen. Diese Wahl wäre nicht übel. Col. Jngersell ist einer der gescheutesten und belesensten der Amerikaner, der stch durch seine epochemachenden politischen Reden sowohl, wie durch seine populär-wisseu- schaftlichen und freisinnig religiösen Borträge einen benei. derSwerthen Ruf erworben hat. Ec ist insofern ein Märtyrer seines Glaub.ns (oder vielmehr Unglaubens), al- hauptsächlich seine in seinem Buche ,,The Gods“ mederge- l egten Grundsätze — die in der These gipfelten „an honest god ia the noblest work of man“ —> schuld daran stad, daß er von der Staatsgesetzgebung von Illinois nicht in den Bundesstaat gewählt wurde. Da Ingersoll außerdem auch ein sehr zuverlässiger, ehrenfester Charakter ist, so würde er seinem Posten keine Unehre machen.
DaS in London erscheinende „Eastern Budget", Organ deS Grasen Beust, schreibt: „Unsere Berichte auS Konstantinopel theilen einstimmig mit, daß die größte Verwirrung und Bestürzung unter den kaiserlichen Rathzebern herrscht. Der Sultan würde Rußland sofort Frieden-- Vorschläge machen, wenn er nicht durch die Furcht, seinen Thron zu »edleren, an einem solchen Schritt verhindert würde. Die Bevölkerung ist sehr aufgebracht gegen die Regierung, daß wenn Plewna fallen sollte, ein Aufstand in der türkischen Hauptstadt fast unvermeidlich sein wird. Die allgemeine Aufregung nimmt sehr zu durch die zahl- rcichen Flüchtlinge, die aus den von den Russen besetzten Distrikten in Konstantinopel angekommen find."
Ja russischen Militärkretsen wird die Frage, was nach dem Fall von Plewna zu thun, vielfach erörtert. Nach der Pol. Corr, scheint e-, daß man sich dann einerseits gegen Rufts i.uk, anderseits gegen den Balkan wenden wird u ii, wenn möglich, noch in diesem Jahre nach Rumelien hiliabzusteigen. AlS Hauptgründe dieser Operationen werden die durch die finanziellen Verhältnisse motivirte Noch Wendigkeit einer baldigen Beendigung des Kriegs und der Vorcheil eine» raschen Vorgehen- angeführt, welches der Türkei keine Zeit zur Vorbereitung einer letzten verzweifelten Abwehr in Rumeliea ließe. U >ter dem Eindrücke des Falle- von Kar- und Plewna würde ein mit 80— 100.000 Mann ausgeführter Balkan llebergang die Türket fast wehrlos finden und man würde ohne zu große Schwierigkeiten bis vor die Thore Konstantinrp ls gelangen.
Marburg, Dienstag, 4. December 1877.
xii. Zahrggsg
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Die britischen Jnlerefseu
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Lord Derby'- Rede hat in der Londoner türkenfreund.
Jkn Presse etn Gefühl der Enttäuschung verursacht. Der Spell Handard", welcher za der englischen Regierung etwa in
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k inen größeren Trost geben konnte, als die „abgenutzte" Berstcherung, Konstantinopel solle nicht in russischen Besitz g langen Die „Morning Post" fürchtet, die Regierung habe die kritische Lage gar nicht begriffen, in die England buch die russischen Erfolge in Armenien versetzt worden sei. Die „Times" und „Daily RewS" find dagegen der Ansicht, daß die Auslastungen Lord Derby'S der groß'N Mehrheit der Nation völlige Befriedigung gewähren werden. DaS letztere Blatt sagt außerdem: Lord Derby'- Rede er scheint in einem kritischen Augenblicke und wird helfen, ge- w'ste alarmiiende Gerüchte zu zerstreuen, die neulich im Jolande wie im Auslande curstrten.
Das ist getan richtig, die Rede Lord Derby- kann gegenüber der Aufregung, die nach dem Falle von KarS entstand, nur beruhigend wirken. Die Jnteresten Englands mögen gestaltet fein, wie sie wolle», jedenfalls kann England den Rusten nicht die Verpflichtung auferlegen, sich besiegen zu lasten. Wenn England nicht ohne Unruhe der Entwickelung des Krieges zusehen kann, dann hätte es diesen Krieg verhindern wüsten, als eS Zeit war, oder eS hätte die militärische Vertretung seiner Jnteresten in die eigene Hand nehmen müssen I
Lw-erbsricht.
Die den Tapetenfabriken 1854 unter Vorbehalt de» Widerruf- versuchsweise ertheilte Ermächtigung zur Verwendung ars.ntkhaitiger Farben beim Färben, Drucken und Bemalen der Tapeten ist jetzt durch E laß deS Medicinal- uub H indelSmintsterS zurückgenommen und den Regierungen aufgegeden worden, die ertheilte Erlaubniß unverzüglich zurückzunehmen und die Fabrikation so beaufsichtigen zu lass n, daß keine derartigen Farben irgendwie gebraucht werden. — Die in vo izer Session der Regierung zur Berücksichtigung empfohlenen Petitionen auS allen LaudeStheilen um Einführung der Bestimmung nach Lebendgewicht auf Vieh- Märkten zu handeln, hat zu eingehenden Erörterungen geführt, deren Ergebniß die Ablehnung jener Wüuf he ist; namentlich sind sie für die Märkte Berlin, Breslau, Hufum, Itzehoe, Frankfurt a M. und Köln, also für b‘e wichtigsten, un ausführbar. Der Vorganz Hamburg-, Wiens, Pesths und Stuttgarts, wo nach Lebendgewicht gehandelt wirb, warb als nicht maßzebeno bezeichnet. Alle Sachverständige find somit gegen ZwanzSeinführung jener Anordnung; doch «uterhaudelt der LandwirthschaftS-Minister mit dem des Handels wegen zeitgemäßer PreiSnotirungeu. — Von Reich» wegen ist ein Verzeichn^ der Eichämter und deren Auf stchtSstelleu im Reiche auSs-lieblich Baiern-, der ihnen geführten Stempelzeichen nnd des Umfangs ihrer Zuständigkeit veröffentlicht Die Aemterzahl beträgt 1194, durchschnittlich kommen 62974 Eiowohner auf ein Ami.
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i Verhälwiß steht wie die „Norddeutsche Allg. Ztz." der deutschen, bedauert, daß Lord Derby dem Lande
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fferleiti xstrkenfreunde in England haben wieder einmal . raub erhalten mit ihrer Regierung unzufrieden zu sein, -sie gegenüber den Ereignissen im Otient ein anerkennen-
- He- Maß von Kaltblütigkeit bewahrt. Am 28. Nov.
«e vämlich Lord Derby die Freude die Vetireter einiger len M ikofreunbsicher oder mindeste,rS ruffenfeindlicher Vereine ackdtl i »aswärtigeu Amte zu empfangen. Die Deputation
gr nur den Wunsch, dem Lord Derby nah zulegen, daß Regierung thitige Schritte zur Beendigung des gegen- KrtegS thun und Rußland kund und zu wisteu wüste, daß e» nun weit genug gegangen fei.
gotb Derby legte in seiner Antwort eine sehr kluge au den Tag. Er wie» zuvörderst auf die Schwie- en seiner Stellung hin, die eS ihm zur Pfl-cht mach- mit Vorsicht und Zurückhaltung zu spreche«, da eine unüberlegte, übereilte Phrase oder ein Mißverständ- auSgesetzter Meinungsausdruck Unheil, ja selbst Ge
en erzeugen dürste. Der Minister sagte dann weiter: »eines TheilS kann nicht glauben, daß bie eigentliche mdunzSltnie zwischen Englanb und Indien das Thal Euphrat- bilde. So lange unsere Linie via den Suez- ununterbrochen »nd ungestört ist, besitzen wir eine alle Zw cke hinlängliche und ausreichende Verbindung, die Behauptung betrifft, daß der Suezkanal gefährdet würde, wenn die Russen nach Trapezunt gelangen , so dürste e- schwer fallen, Beweise dafür beizu- . . . Konstanttnopel schwebt nicht in sofortiger . Ich glaube, man unterstützt sehr bie Sch »irrig, mit welchen Rußland kämpfte unb noch zu kämpfen Bon der beim Beginn be« Kriegs geführten Sprache sichtigen wir nicht Im mindesten Grabe, weder ans 6tt Seite noch auf der anderen abzuweichen. Wenn wir eine vernünftige Aussicht sehen sollt n, die uns in Stand setzt, dem Kriege ein Ende setzen zu helfen, so wir nnS derselben mit größter Bereitwilligkett be«
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Nach diesen Worten stand Daneel auf und schickte stch i Fortgehen an und unter dem Versprechen recht bald
Dyk schwarze Etter.
Erzählung von Rudolph Wellnau.
(Fortsetzung.)
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Muß so etwas fein," antwortete Daneel, der mit den Augen der Rede des Pächters zugehört hatte, mich auch schon gewundert, daß der Höllen kerl jetzt einmal so lammfromm soll geworden fein. DaS muß Haken haben, dabei bleibe ich."
Denl'S auch," meinte der Pächter, „unb gebt Acht, oder später hat bet schwarze Waldteufel wieder ein cklein anSg führt, davon noch unsere Enkel erzählen
„Wäre so ein Futter für den schwarzen Stier," schloß lyk«? i PLchtxr lächelnd seinen Bericht, „doch der scheint ja, 10 v sei Dank, sein verflachtes Handwerk an dm Nagel
1 Com 8 an einen Baum gehängt zu hab«, benn man hört ur-i kein Sterbenswörtchen mehr von ihm unb seinen schauer-
R Der hätte sich gut zum Prophet« gepaßt, benn er hat •“ ,«i 1 in bet Seele gelesen, buchte Daneel; laut aber sagte i&e -Di: Egjr wollen auf unserer Hut fein, baß er nicht etwa
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srotnn ber zu kommen, verabschiedete er stch von dem bieder« chter und seiner gulmüthigen Ehefrau. Gertrud aber der EWsttte ihn wieder ein Stück Weges, und als sie jetzt nten, hielten sie stch lange umschlungm und Daneel e ben ersten Kuß der Liebe aus die frischen würzige« n der tief erröthendeu Jungfrau. Dann ging dies sam unb von Zeit zu Zett sich umschanenb, zur Woh- ihrer Eltern zurück, «ährmb Daneel stch ebenfalls
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ösier uws hend, dem dunkeln Walde zuschritt, wo ihn bald seine wilse Felsenwohnuvg aufnahm.
Wiederum war eine längere Zeit vergangen, al- Daneel eine- Tages aus einem Dorfe znrückkehrie und nicht» eisigeres zn thun hatte, als feine Doppelbüchse, Pistolen unb seinen Haubegen zu prüfen unb in Staub zu setzen.
„Noch einmal", sprach er dabei, „sollt ihr mir dienen noch einmal — dann möcht ihr für immer ruhen I — ES muß sein; ich kam» nicht anders; und da es keinen Einzelnen betrifft, so ist diese letzte Thal wohl die reellste meines ganzen ungesetzlichen Treibens Und nicht für mich begehr' ich sie, für Gertrud, für sie, die mich menschlich fühlen, mich lieben lehrte! — Und wenn ich um diesen Preis meiner blutigen Laufbahn das Ziel stecke, so sind die Berbrechm und schwarzen Thaten, die ich noch begehm tonnte nicht zu theuer e»tauft, der Himmel macht noch tarnt t feinen guten Profiit dabei!--Darum noch
einmal — und dann ist'S vorbei für immer I —"
Die Prüfung der Waffen mußte zu feinem Vortheii ausgefallen fein. „Alles gut" murmelte er, und legte sie auf den erstm Griff bereit. Dann befah er feine Stierhaut, ging in ben Stall unb besprach sich lange mit feinem Rappen nnb legte sich bann mit zufriedener Miene auf fein Moosbett unter der Eiche, wo er lange Zeit sinnend lag.
E» wußte etwas großes von dem Räuber befchloffeu fein, da er feiten so große und ernste Vorbereitungen traf denn jeden Tag untersuchte er jetzt auch seine Drahtlinien und besserte schnell au-, wo etwas schadhaft geworden «ar Eines Tages, als Daneel eben in feiner Wohnung be« schäftigt war, klingelte das Giöcklein in derselben stärker unb andauernder, als gewöhnlich, ein Zeichen, daß mehr als eine Person die Waldstraße pasfire. „Endlich I" ries Daneel, unb fein Auge funkelte von wilbrr Lust, fein ganzes Gesicht nah« ten Ausdruck eine» teuflischen,
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drohende» Charakters an. — Schnell st.ck.e er stch in feine Stierhaut, hing ben Haudegen um, steckte bie Pistol n ein, nahm die Doppelbüchse zur Hand, eilte hinan» in den Stoll, bestieg f in Roß unb jagte in sufendem Galopp, wie eia Gespenst der Nacht, bet Hauptstraße des Waldes zu. Al» er dieser ziemlich nahe gekommen war, hielt er fein Pferd an und horchte einige Augenblicke aufmerksam, Eine dämonische Freude blitzte aus seinen Augen, als et in einiger Entfernung das Fahren eines Wagens und P erdegetrappel vernahm. Behutsam lenkte er sein Pferd vorwäitS, so daß er immer von ben Bäumen unb Sträuchern verdeckt blieb.
Bald hatte er die Reisenden so weit erreicht, daß er unterscheiden konnte, was et vor sich hatte. Es schien ein herrschaftlicher Wagen zu sein, den vier bewaffnete, stämmige Bauerburschen eS cor litten. Allem Anschein nach enthielt der Wagen Gegenstände von bedeutendem Werth, unb Daneel zweifelte keinen Augenblick, baß er ben GeidtranSporl, von betn ihm der Pächter erzählt, vor sich habe.
Man war j-tzt vielleicht in bet Mitie deS Walde», al» Daneel tarnet noch unbemerkt bet kleinen Ka-awane auf Schußwette nahe gekommen war; et nahm deßhalb feine Büchse, zielte auf einen ber Hintern Begleiter, ein Schuß fiel, ba» Pf-rb be» Hintern Reiters machte einen gewaltigen Sprung, warf ben Retter ob, bet tödtltch getroffen zur Erbe sank und nach wenigen Minuten verschied Ein zwettet Sckuß war gleich auf ben ersten gefolgt, hatte aber sein Ziel verfehlt. Ehe bie übrigen Drei noch recht wußten, woher ber Angriff kam, war Daneel betest» unter sie gety-engt unb hieb gewaltig auf btefelben ein.
„Gott sei un» gnädig, ber schwatze Stier! * scholl e» jetzt von den Angegriffenen.
„Halt I" donnerte e» au« dem Wagen; dieser hielt an, ein riesiger Militär stieg au» und noch vier Ändere, Alle