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Marburg, Dienstag, 20. November 1877.

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- «ade de- o»manischen Reiche-.

(Eine militär-politische Betrachtung.)

der Krieg zwischen der Tü-kei und Rußland begann, tu dm militärischen Kreisen, la d-nm man el-e „t fachmännische Kenntniß von der kriegerischen Mgkeit der beiden kämpienden Staaten besaß, der Ansicht, daß der Sieg den Rufs n zwar nicht würde, daß er ihnen aber schließlich unfehlbar müsse. Diese Meinung schim sich in der erste« de» Kriege» insofern nicht al« richtig erweisen zu al« die russischen Heere, nachdem fle in Asten die Armenien« überschritt« und nachdem fie an der ittn strategischen Aufmarsch .ollendet hatten, Mm der Offensive kaum einen Widerstand sanden, fiel Bajafid, um welche« im Jahre 1853 furcht- t Kämpfe stattgefuuden hatten, ohne Schwert- die Hände der Ruffn; in der Donau wurden m strategisch wichtigen Punkten Brücken grschlazen Truppm W nordischen Reiches zogen in langen hinüber, unausgehalten «ad unbehindert von den ... Defmfivvcrsuchea der Türken; bald kam die Rach Kar» sei cernirt, und nicht lange nachher hieß i«, sei in dm Händen der Raffen. E« schienen diese a auf einen leichten Sieg der einen Macht, auf WiderstandSunsähizkeit des anderen Reiche» zu So schwach hatte sich die Türkei Niemand gedacht;

schon an, au einen baldigen Frteden-schivb zu , zumal ein russisches Heer den Balkan üb-tst eg «fhaltsam nach Adistwopel Vordringen zu wolle« der Pforte schon einmal vom Petersburger Ka-

vermittelst scharfer Instrumente beide Arme in Wahrheit zerfleischt und außerdem ihm noch einige bedmtende Wunden am Kopse beigebracht; bewußtlos und in seinem Blute liegend hatte ihn dann eine Patrouille aufgefunden und in ein Lazareth gebracht. Die muthmaßlichm Thäter, natürlich Fabrikarbeiter aus der berüchtigten Vorstadt St. Nicolas, würben am andern Morgen dingfest gemacht und später vor ein Kriegsgericht gestellt; doch ist es mir nicht mehr erinnerlich, was es mit ihnm gegeben hat.

Dieser empörende Vorfall bewog unser Divisionseom- mando die Stadt Meaur in Belagerungszustand zu erklären. Alle Wachen wurden verdoppelt, das Zusammenstehen von mehr als drei Civllisten auf der Straße war verbot« und jeder Einwohner von Meaux, der abends nach neun Uhr ohne Legitimationskarte auf der Straße betroffen wurde, wurde arreürt.

Diese und andere scharfe Maßregeln, welche über die Bewohner von Meaux verhängt wurden, reichten hin, der Bevölkerung endlich mit voller Klarheit zu Eemüthe zu führen, daß wir die Gewalt hätten und sie gehorchen müßtm. Sie begriffen es auch nach und nach so ziemlich, wodurch sich denn die Verhältniffe etwas erträglicher gestalteten, so daß die Klag« über offene Feindseligkeiten oder gar Bru- talüäten ganz aufhörten.

Gerade als es anfing in Meaur etwas gemüthlicher zu werden und unser Aufenthalt daselbst uns zu gefallm be­gann, mußten wir mit dem Füsilierbataillon unseres Regi- mmts die Cantonnements wechseln. Am 20. August morgens um fünf Uhr marschirten wir von Meaux ab und witder auf Paris los; in Livry fand unsere zweite Compagnie, in le Bert galant die erste, dritte und vierte Quartter.

Dieser Rückmarsch war ein kalter Wasserstrahl auf die heiße Sehnsucht nach der fernen Heimath, die uns alle erfüllte. —

olchen Umständen kann da« Ende des osmanischen Reich«« eigentlich nur als eine Frage der Zeit angesehen werden.

Man wird gegen diese Bemerkung vielleicht einwenden wollen, daß die Geschichte zahlreiche Beispiele kennt, in denen große Reiche durch schwere Unglückssälle dem Unter wnae nahe gebracht sind und sich dennoch wieder empor- reraffi hrben. Kein Mensch wird die« in Abrede stellen, aber für die Türkei ist daran« keine Folgerung zu ziehen. Hier wirken ja nicht einzelne schwere Unglückssälle, hier fällt nicht der einzelne Krieg in'« Gewicht, fondern wa» wir an der Türkei gegenwärtig erleben, da« ist ein Glied, vielleicht das letzte Glied in der Kette von Ereigniflen, die sich feit etwa zwei Jahrhunderten abspielen. Der Nieder­gang des osmanischen Reiche« hat sich schon du sechzehnten Jahrhundert vorbereitet, mit dem ^Beginne de« fiebzchnten Jahrhundert« (Frieden von Eitwatorok 1606) begann die Periode de« staatlichen Stillstände«; die Türkei machte von da an keine Eroberungen wehr und im Innern der­selben zeigten sich die ersten Eya>p!ome einer schweren po­litischen Krankheit. Der Sultan Ahmed I. (1603—1617) hatte sieben Söhne; davon kamen drei zur Regierung und von tiefen wurden zwei entthront und ermordet, der dritte war ein entsetzlicher Tyrann, endlich die Übrigen vier fielen al« Opfer ihrer regierenden Brüder". Seit dem letzten Drittel de« siebzehnten Jahrhundert« ist der offenbare Ver­fall dec Türkei für alle Welt sichtbar geworden. Innere Unruhen, Gebietsverluste, Empörungen und Abfall von Vasallen, Palastrevolutionen u. s. f. folgten einander Schlag aus Schlag. Dazu kam n auswärtige Kriege, die zum Theil recht unglücklich geführt wurden, endlich das allmähliche Vcrflegen der finanziellen Hülssqmllen und steigende Ver­armung der Bevölkerung bei Überschwenglicher Pracht und Verschwendung der Großen und Reichen, verbunden mtt unglaublicher Corruptton tn allen öffentlichen Angelegen­heiten. ,, .

Eia Staat, deffen Kern in dieser Weise seit lange zer- freffen ist, finkt schließlich von selbst dahin und efl ist für ihn schon eine große Leistung, wenn er sich, gewiffermaßen im Todeskawpfe, noch einmal feinem alten Gegner furcht­bar zeigt. Aber die« letzte Auiflackern der Krasr dient viel­leicht nur dazu den Tov zu beschleunigen; jedenfalls »en- bet e« denselben nicht ab. So konnten die Siege, welche von der türkischen Arme bei Pllwna und in Armenien er­fochten wurden, zwar den Ruffen momentan Halt gebieten, aber da« große Verhäng iß von der Türkei nicht abwenden. Da« Resu'tttt de« gegenwärtigen Kriege« wird daher unter allen Umstäadeu sein, daß da« osmanische Reich am Schluffe desselben seinem gänzlichen Untergänge nm einen bedeuten­den Schritt näher gerückt sein wird.

ein & Vogler

1 a. M., Berlin, Ma rc.; Rudolf e Berlin, Frank-

nimmt migegen.

^stion d.Blatte«, kaoncen-Bureaur ____Dietrich & Co. in ialz- N> Hannover; Th.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerff che Buchhandlung daselbst; Herman,t'lch« Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Stieben dtktirt worden war.

_ bte Sache verhielt sich doch ander«. Die Türken lmr chre Kräfte gefammelt; sie dachte« gar nicht stch widerstandslos besiegen zu lafien. Plötzlich fie in der Defensiv- zur kräftigen Offensive über zeigte tf stch, daß fie noch immer hö tzft gefähr waren. Sie bereiteten den Ruffn eine Reihe erlagen, die zum Theil so blutig und folgenschwer daß eS beinahe den Eindruck machte, als ob we­der diesjährige Felvzug ganz zu Gunsten dr« o«.

ReicheS endigen wette. In Asten wurden die Heere ganz über die Grenze Kaukastens zurück

«, in Bulgarien wurden dieselben bei Plewna wie- Rouafta großen Schlachten geschlagen. Die Türkensreunde ' Hnpa jubelten und prophezei,en Rußland eine schlim- hrtbtiDemWfiung, als dasselbe im Krimkriege erlitten. ^TmÄ&en Fachschriftsteller des Abendlandes bei ihrer alten Ansicht, indem fie erklätten: »Wir von vorn herein gesagt, daß den Ruffen der Sieg

Aor fi-öe« Iayre«.

eine» Dreirritt achtzig er» anspem »entfch - fnm= Mfchen »rie«e 187-/71.

(Fortsetzung.)

Pöbel und namentlich die biederen Fabrikarbeiter __r ließen natürlich, besonders im Anfang unseres ins Kind Gelegmhett unbenützt, sondern erfaßten sie

i'ebe, um uns gegenüber ihren Preußenhaß zu do- itren und sich, was ihnen übrigens keiner von uns "7"..'t, sondern mit Freude und gutem Gewrssm et- , das Zeugnis zu erwerben, daß sie die verrottetste, steste und unbändigste Bande seien, die wir wentgstens „reich jemals getroffen.

etts Sonntag den 16. Juli kam es, nachdem erne PattoiMen drei Pisangs d. h. Bauern mtt Waffen e attrapirt und natürlich arretttt hatte, vor bet ache auf der Mairie zu einem förmlichen Bolksauf- indem die Civllisten zuerst sich zusammenrotteten, umuer eine bedrohliche Haltung annahmen und dann aus einen Soldaten, die zufälligerweise unter sie getiethen, en Daraufhin blieben natürlich bei unseren Leuten itmaewehre auch nicht in dm Scheiden stecken und den nicht ungebraucht — und es setzte an dem Abmd „artigeNation vollwichtiger Keile wie sie die Kun- tvn Meaux wohl seit langer Zeit mcht bezogen hatten, zeitwellige Repetition aber sicher dem Bolle nichts könnte. i ..

folge dieses Vorfalles rückte am anderen Tage bte Lompagnie unseres Regimentes und eine Gscadton . Ulanenregimentes in Meaux ein und die erste Com- : unseres Regimentes wurde auf ein benachbartes verlegt. >

nicht leicht werden würde, aber mögen sie jetzt nun auch geschlagen Worten sein, so bleibt eS doch eine unverrückbare । Losik der Thalsachen, daß sie schließlich die Sieger bleiben müffn."

Gerade in vorurtheilslosen und unparteiischen fachmän­nischen Kreisen war man aber trotz dieser Auficht doch je- derzeit bereit, ar,zuerkennen, daß der Umschwung bet Dinge nur bnrch eine aa z gemalt ge Kraftanstr. ngung auf Seiten bet Türken wögttch geworben. Der Energie, die dabei enwickelt war, mußte man um so mehr Achtung zollen, als es ja Jedermann bekannt war, welche Schwierigkeiten der Pforte fortwährend au« ihrer bedrängten Finanzlage erwuchsen. Indessen das Uebermaß einer ftraftanftrengu'-g wird auf die Dauer immer zu einem Nachtheil für den stch Anstrengenden. Und wie stch die Dinge gestalteten, wurde in diesem Kriege ganz besonder« von den Türken Ausdauer verlangt. Rußland ist nicht annähernd in solcher finanziellen Noch, wie die Pforte; in seinem weiten Reiche besitzt es ferner so große Menschenmaffen, daß e« bie Ver­luste auf den Schlachtfelbern immer wieder durch Nach­schübe decken kann. Die Pforte müßte also, selbst siegreich, auöbauern können und dann durch die Ausdauer siegreich bleiben.

DgS ist eine Bedingung, welche das osmanische Reich nicht zu ersüllea vermag; an dicht Bedingung scheitert fein SriegSglück. Die Ruff n bringen immer nur Heere auf ben Kamp platz, fle haben nicht allein in diesem Augm- bikfe das numerische Uebergea-icht, sondern fie sind auch bereit« wieder siegreich gewesen. Andererseits hat die Pforte schon längst den fttrn ihrer wehrfähigen Bevölkerung ins Feld gefanbt und immer von neuem tritt die Aufgabe an fie herein, frische Armeen zu schaffen. Schon begirnt stch ein bedenklicher Mangel an Männern zu zeigen. Seit einiger Zeit wird au« verschiedenen Provinzen der Türkei die Klage laut, daß, wenn bie Kriegsrüstungen in bet bi« herigen Weise sottgehen, ba« islamitische Element bald nur noch Sputen seiner früheren Exlstenz zutück.aflm wird. Dies ist namentlich überall da der Fall, wo die Bevöcke- tung gemischt ist; vor allm Dingen in der europäischen Türkei, in Bosnien, Runelien re. Die Pforte stampft wirttich Armeen aus d-m Bosen, dabei ist fle j-doch zu gleich auf dem besten 83 ege, die letzten Reste der OSmanen zu vertilgen. Männer der mittleren AlterSkaffe gibt eS in ben erwähnten Provinzen nut noch relativ wenige, denn wa« noch jung und rüstig wat, wurde den RedifS und Mustehafiz eingereiht, und was zu Haufe blieb, entsprach nicht den Anforderungen de« Waffendienstes. Jetzt nimmt man es in letzterer Beziehung nicht »ehr genau, ja man ruft selbst Greise und knabenhafte Jünglinge zu den Waffen, um die Lücken auf den Kriegsschauplätzen auszufüllen. Utter

20, IM. Heute traf unser Regimentscommanbeur Oberst von Oettinger in Meaux ein, um bas Bataillon zu besichtigen. Mittags vereinigte ein Festessm bas Osficier- corps im Hotel.

Der Dienst in ber Compagnie hatte natürlich immer mehr ben Charakter bes Garnisonslebms angenommen; fast jeben Tag wurde exercirt oder Schießübungen vorgenornrnm. — Ende Juli trafen die Ersatzmannschasten resp. Rekruten für unser Regiment ein, wofür die letzten Rcfervistm (bie Jahrgänge 1861 und 1862 waren schon seit Enbe Juni entlassen) in bie Heimath abgingen, während für uns noch wenig Hoffnung vorhanben war, sobalb bas liebe, deutsche Vaterland wiederzusehen, ja, wir machten uns so ziemlich darauf gefaßt noch ein Mal Winterquartiere in Frankreich beziehen zu muffen.

Das Wetter war im Juli sehr warm und die Wärme steigerte sich an einigen Tagen zu einer fast unerträglichen Hitze; es entluben sich über unserer Gegend zwar ein paar Mal recht tüchtige Gewütet, aber anstatt der gehofften Kühle folgte ihnen nur drückendere Hitze und Schwüle. Ein Glück war es, daß uns das schöne, klare Wasser der Marne die schönste Gelegenheit zum Baden und Abkühlen darbot.

In freundlichem Gedächtnis steht mir und sicher auch Bielen meiner Kameraden so manche schöne Kahnfahrt, bie wir auf ber Marne machten, unb so mancher fidele Aus­flug nach Lagny, wo es so prächtiges, bairisches Bier gab.

In ben ersten Tagen des Augusts zeigte sich einmal Witter bet liebenswürbige Charakter des Pöbels von Meaux in einer recht deutlichen Art und zwar darin, baß eines Abends zwei unserer Leute von sechs Civllisten üb erfaßen unb in wahrhaft kannibalischer Weise zugerichtet unb zer­schlagen wurden. Bei dem einen waren freilich die Vev- lefeungen leichterer Art, dem andern aber hatten die Kerls

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