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Marburg, Mittwoch, 14. November 1877.
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OrfAdnt tialick außer ben Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis fit da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ARnßMrt« GVUUtaUöölatt" durch die Espebitton (Kochsche ' Buchdrucker ei) bezogen U Wett, durch die PostLmter d«S Deutsche, Reiches 1 Ritt 5# Pf,. (e$L Bestellgebühr). - JusertionSaebühr für die gespaltene Seile !• Pf,.
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11| Beigen nimmt entgegen: Wtdttion d.BlatteS, .jedAnnoncen-Bureaur । Lh. Diettich & Co. in iflt» «ei und Hannover; LH. ICf ürich in Frankfurt a.M.;
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Sait«i«schiofseneu HandelSverttag verwerfen werde, umsomehr, »'S voah mehrere französische Handelskammern sich gegen den
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Di« Rusieu habm im Südwesten von Plewna, westlich der Straße nach Orchanie, Wratza erobert; es liegt vom JSker-Fluß, südlich von den Qu.lleo de« lusteS, nordwestlich von Orchanie. Man steht, daß Rüsten in immer weiterem Umkreise von Plewna vor- n, um OSman Pascha gänzlich zu isoliren. Die meldet au« Bogot, 4. November: Neber 3000 der nach Eopha sührendm Straße gefangene Tärkm eben hier durchgezoge«. Da« macht ihrer 7000 seit Woche. Die letzte Truppe war wohl gekleidet, befind« fich noch 500 Ausreißer au« Plewna auf Wege von Gorni Dubnik hierher. Durch die Ein- von Tetewen ist der nördliche Schläflel de« Paste« den der Wid vom Balkan herabfließt, in die Hände Rosten gelangt. Sie wiederholten dabei die im Schipka- angrwandte Taktik, indem fie in Fronte und Rücken türkischen Befestigung« erschimen, woraus die Mo«. , um ihr- Rückzugslinie besorgt, die Flucht ergriff« die den Paß vertheidigeoden Verschanzungen im Stich
In Jtalim herrsch« lebhafte Besorgniste wegen der mit eich und anderen Staat« abzuschließmdm Handels- ge. Von Pouyer Quertirr weiß man, daß er völlig llnerischea Ideen ergeb« ist, und glaubt daher von Eintritt in da« französische Ministerium nicht« Gute« zu dürfen. Außerdem fürchtet mau, daß die n«e ttenkammer dm mit der Regierung vom 16. Mai
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Die vom Reichskanzleramt berufene Kommission, welche Statut für lokale UntersuchungSstationm für LebenS- rc. zu beraihm hat, ist im RcichSgefundheit« - Amte getreten und vom Direktor Dr. Struck eröffnet dm.
Der erste Biceprästdmt de« Reichstage«, Freiherr Schenk Etauffmberg, welcher fich zur Zeit in Berlin befindet, „S der bayerischen Abgeordnetenkammer auSgetretm. Freiherr v. Stauffeuberg häufig verhindert ist, ^Sitzungen der bayerischen Abgeordnetenkammer beizu- und die« bei der Parteistärke und den Zahlenver- ffm der Kammer sehr mißlich ist, weil eine oder zwei ktic ■ m hinsichtlich der Annahme oder Ablehnung von Bor-
. ' enischeidmd sind, sah sich diese« bedeutende Mitglied
) ft Sbgeordneteukammer veranlaßt, von etuem zeitweilig« ' Wmbr abzusehen und sofort seinen Austritt zu erklär«.
Um «i« Amt.
Humoristische Novelle von A. OSkar Klausmann.
(Fortsetzung.)
Aach diesem, «He man sieht, an Jnjuri« ebenso al« tiefer Reue reich« Monologe, stieg Dr. Müller fast isch nach der WirthSpube de« „goldenen Lamm* ter, um womöglich sein« Harm in chühlem Biere zu m.
hier aber harrte eine Ueberraschung seiner. Genau dem Platze, auf dem er gestem gesestw, faß im Sonn- at der Herr Bürgermeister, der sonst um diese Zeit allerwmigstm an einem Sonntage im „Lamm* zu pflegte. _
Es gibt aber Mmschm, die so konstrnirt sind, daß fie ihre eigm« Lüg« glaub«. Der Bürgermeister ge- zu dies« Originalen und al« er gestern dem Käm- mitgetheilt, daß der Fremde der erwartete Regie- kommiffariu« sein könne, fing er selbst schon zu m an, daß der Fremde Niemand Andere« sei; durch igkeiten wurde er in seiner Ansicht bestärkt und al« Sonntagmorgen erwachte und die ganze Angelegra- noch einmal überlegte, war e« ihm gar nicht mehr oft, daß der Fremde Niemand ander« al« der Äom« sei. E« lag ihm viel, sehr viel daran, die schäft diese« für ihn höchst wichtige« Manne« zu en, d«n da« bürgermeisterliche Gcwiffen war so belastet, daß e« fich vor dem Gedanken entsetzte, Herr Äommiffariu« könne ihm feindlich gesinnt oder dem Kimerer beschwatzt werd«, der «tschiedm, um Fehler zu verdeck«, dm Bürgermeister anzuschwärzen würde.
Ute Dr. Müller nun in trüben Gedanken versnnöra
ließen, ohne daß die Ruffen dabei mehr al« 20 Mann veelor« hätten. Da« Ergebniß diese« Erfolge« besteht nach der Ansicht de« hiesigen Hauptquartier« in der Flan- kirung de« Orchanie- und Trajan.Passe« nach dem Thale von Sophia hin, und wofern da« Wid-Thal für Artillerie- zugänglich gemacht werden kann, erscheint diese Voraussetzung nicht unbegründet. Nachdem OSman Pascha umringt ist, sichern die Ruffen sich die Balkanübergänge. Dem nächsten Schachzug anf dem Kriegsschauplatz wird mit großer Spannung entgegengesehen.
Ueber die Chancen eine« DurchbruchSversuche« urtheilt ein Korrespondent der „Daily New«* in Bogot (unterm 4. November) folgendermaßen: Sollte OSman Pascha durch- zubrechen versuchen, so muß der Versuch unheilvoll auS- fallen. Seine Effektivstärke wird jetzt aus 45,000 geschätzt. Verluste und Kranke abgerechnet, würde er im Glücksfalle 20,000 Mann nach Sofia bringen. Denn die Ruffen halten die ganze Straße bis Orchaujr besetzt und der Paß dort scheint für eine Armee gangbar zu fein. Er wird drei VerschanzuugSliuien zu durchbrechen habm, und obgleich feine Truppen gut zur Vertheidiguug von Verschanzungen sind, leisten sie nicht viel im Angriff auf sie. Die russischen Linien sind völlig durch ein Telegraphennetz verbunden, so daß die Belagerer auf jedem bedrohten Punkte augenblicklich Truppen concmtriren können. In Folge der günstige« Bodenbüdung kann von den russischen Stellungen au« noch dazu jeder Punkt der türkischm überblickt werden. OSman kann also seine Truppen nur Nachts concentriren und auf die feindlichen Stellung« werf«. Wahrscheinlich wird er ans der Widdinstraße durchzubrechen versuch«, wo die Russin am schwächsten sind. Aber dort würde ein Durchbruch von wenig Nutzen sein, da ein Theil der Ruffen ihn verfolgen, der andere Schefket Paschas geringe Macht bei Orchanje überwältigen könnte. — Das Wetter ist ziemlich gut. Regen und Sonnenschein gibt e« alle Tage, der Himmel ist Nacht« klar, die Luft warm, die Wege find ziemlich gangbar. Drei Tage Regen oder drei Tage Sonnenschein würben fie entweder sehr schlecht oder sehr gut machen.
Neueste KriegSnachrichten:
Petersburg, 12. Nov. Amtlich wird aus Bogot vom 11. d. gemeldet: Heute Nacht versuchten die Türken mit 5—7 TaborS einen UebetfaD der Position des Generals Ekobeleff's zu unternehmen. Letzterer, welcher die Nacht in den Tranche« zubrachte, wurde jedoch durch Mannschaft« au« einem russischerfcitS gelegten Hinterhalt rechtzeitig benachrichtigt und befahl den Truppen, sich bereit zu halten. Darauf ließ er die vormarschirenden Türken bi« 100 Schritt heranrücken und mit einer Salve empfang«,
die WirthSstube zum „goldenen Lamm* betrat, kam ihm der Bürgermeister mit ausgesuchter Höflichkeit entgegen.
Müller «ar verblüfft über diese Behandlung, er »ar fich bewußt, sich gestern gewißermaß« rüde bmonnn« zu hab« und nun diese Freundlichkeit noch dazu feiten« de« Bürgermeisters? Ganz betret« nahm er neben dem Bürgermeister, der ihm selbst ein« Stuhl zurechtschob, Platz.
„Geehrter Herr!* sagte da« Stadtoberhaupt. „Sie sagten gestern, e« läge in Ihrer werthen Absicht, incognito zu bleiben. Weit entfernt davon, Ihnen durch Nmgierde listig zu fallm, wollte ich mir nur die ergebenste und ge- horsamste Bitte gestatten zu frag«: wann gedenken Sie Ihr werthe« Jncogntto abzulegen?*
„Ich wollte mich gestern IHv« nicht vorstellm, weil die« für meinen etwaig« späteren amtlich« Verkehr —'
„Amtlich« Verkehr!' unterbrach ihn der Bürgermeister, „ich verstehe vollkommm, Herr Kommiffariu«!'
„Sie irren, ich bin nicht Kommiffariu«, Herr Bürgermeister!'
„Verstehe schon, verstehe schon, selbstverständlich werde ich da« tiefste Stillschweigm darüber bewahren, daß ich die Ehre gehabt, ben Schleier be« Incognito nut ein ganz Nein wenig zu lüft«, hä! hä! Können fich auf meine DiScrtttou verlast«, Herr Kommistariu«!*
„Ich versichere Sie nochmals, ich bin nicht Kommiffariu- und heiße Müller, Franz Müller.'
„Ich verstehe sehr wohl', sagte der Bürgermeister, indem er in einer Art und Weise lächelte, die verschmitzt auSsehm sollte, „ich verstehe; also Herr Müller, wmn Sie e« wünschen, Herr Kommi •
Der Bürgermeister schwieg plötzlich und sah Müller pfiffig lächelnd an.
Diesem fing e« an Kar zu werd«, daß ihn der Bürgermeister für eine andere Persönlichkeit halte. Da« In-
letztere flohen, setzten stch aber wieder fest und unterhielten ein heftige« Feuer bi« 2 Uhr Nacht«. Der russische Hinterhalt verblieb in der bisherigen Posttton. Die Russen hatten 120 Todte und Verwundete.
Konstantinopel, 12. Nov. Suleiman Pascha meldet telegraphisch, daß nach Aussage eine« bei Pyrgo« gefangenen Rusten bei Batin von den Rusten eine neue Donau-Brücke errichtet werde. Da« Bombardement von Rustschuk dauert fort.
Konstantinopel, 12. Nov. Die hiesige „Agmce HavaS* meldet: Schakir Pascha wurde zum Oberkommandant« von Orkhanie ernannt, Schefket Pascha wird denselben in der Balkan-Armee ersetzen.
Da« „Büreau Hirsch' bringt folgmde Depesche:
Poradim, 11. Nov. In der verflosten« Nacht macht« die Türk« zum dritten Mal den Versuch, den Grün« Berg bei Krischin südlich von Plewna zurückzuerobern, wurden, jedoch auch diese« Mal mit groß« Verlusten zurückgeschlagen.
»«tschl «ritz.
h Berit«, 12. Nov. Während die Aussichten für die Wegeordnung stch in der Comisston weniger ungünstig gestatt«, al« es nach den erst« Lesung« im Plenum dm Anschein hatte, wird jetzt in einem Theil der liberal« Preffe plötzlich der Erlaß einer Landgemeindeorbnung al« Vorbedingung auch de« Unterrichtsgesetze« aufgestellt. ES ist da« in hohem Grade Überraschend, nachdem die gejammte liberale Partei die Vorlage de« UuterrichtSgesetze« in der gegenwärtigen Session und da« Zustandebringen dess-lbm während der jetzigen Legislaturperiode bi« vor Kurzem noch als eine hochdriugliche Forderung angegeben. Niemanden ist e« eingefallen, für die jetzige Session etwa die Vorlage einer nraen Landgemeindeorbnung in Aussicht zu nehmen, vielmehr würben al« Vorlagen auf ben Gebiet bet Ver- waltung-reform nichts andere« erwartet al« die Städteordnung und die Ausdehnung der Kreis- und Provinzalord- uung auf Schleswig-Holstein. Erst nach bei Erklärung des Dr. Friebenthal, baß bie Regierung eine neue Lanb- gemeindeordnung nicht als integrirenben Theil ber Selbstverwaltungsreform betrachte, wirb plötzlich bie Reform ber Lanbgemeinb« zu einer unaufschiebbaren Forbernng gewacht. Der LultuSminister hatte in unzweifelhaftem Einverstänbniß mit hervorragenben Vertretern bet liberalen Partei bie seither geschaffen« nraen Grundlagen der Communalgesetzgebung für ausreichend gehalten, um feinen Unterricht-gesetzentwurf aufzustellen. Die liberale Preffe verlangte die baldmögltchste Einbringung be ff eiben. Nun soll mit einem Male ba« UnterrichtSgesetz nicht möglich sein ohne eine grunbsStzliche
...... " 1 BBS 2=g——mmbm——g kognitv, ba« ihm ber Bürgermeister aufzwang, fing an ihn ungeheuer zu belustigen, er beschloß, auf Alle« einzugehen. Wa« konnte benn Schlimme« daraus entstehen?
„Geehrter Herr Kommifl — Herr Müller, wollte ich fagen —*, begann ber Bürgermeister wieder, „ich habe eine Bitte. ES ist heut Sonntag, meine Frau ist darauf vorbereitet, mtt dem GasthauSefs« ist doch nicht« lo«, würben Sie mir bie große Ehre erweisen, heut bei mir einen Löffel Suppe zu effeu. Bitte sehr Herr Kommiff —'
Müller versuchte e« vergebens sich gegen btefe Einladung zu sträuben, er gab schließlich nach.
„Mag daraus entstehen wa« ba will,* dachte er, alfl er in Begleitung des Bürgermeisters das „Lamm' verließ, „ich bin unschuldig an dieser Verwechselung l Schicksal Du hast es gewollt, nun nimm Deinen Laus!'
6.
ES war Abends kurz nach 10 Uhr und die gesamrnte Einwohnerschaft des Städtchen« in dem unsere Geschichte spielt, lag schon in den Federn, ober wat im Begriff, in bieselben zu steigen.
Da tönten in ben Straßen langgezogene klagende Horarufe und bald auch der Ruf: „Feuer, Feuer!*
Mau muß selbst in einer kleinen Stadt Unglücke durch FraerSgefahr durchgemacht hab«, um zu verstehen, welch« Eindruck der Alarmruf aus bie Nerven und ba« Gemüth ber Bürgerschaft ausübm kann.
In ben Sttaßen würbe eS lebendig, man hörte Rufen, Schrei«, da« Geräusch laufenber Menschen dazu bie Horn- stgoale, jetzt fing« auch noch bie Glocken Sturm zu läut« an, e« war ein infernalischer Skandal.
„Wo brennt e«*, wat bie allgemeine Frage.
„Beim Kämmerer!* lautete bie hastige Antwort, und nach dem Hause in dem ber Kämmerer wohnte, ging e«
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