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Marburg, Dienstag, 6. November 1877. DM W- MW*

dies zu verhindern? Nur die militärische Intervention, die doch den Brand nur verstärken f6nnte Eigland wird ebensowohl dem Streite ruhig zusehen wüsten, wie andere Rationen. ES hat eine Z it gegeben, wo der orientalische Krieg vermeidlich war, — wir erinnern nur an das Ber­liner Memorandum — England hat sich damals von dm übrigen Großmächten getrennt und das Vorgehen der letzteren durch Gegenvorstellungen bei der P'orte Hintertrieben. DaS hat in der Türkei den Glauben an die Bundesgenossenschaft Englands erweck- und der Pforte die moralische Kraft ge­geben, dem ganzen Europa Trotz zu bieten. Hätte damals England auf der anderen Seite gestanden, so würden heute seine Interessen nicht in Griahr stehen, ohne Blutvergießen und mit geringen Kosten wäre die Pforte gezwungen worden, vernünftige Reformen im Lande einzuführen. Heute wird England in der Tü,k i empfindlich getroff n, ohne daß eS auch nur einen Finger regen kann!

Von Neuilly mußten wir dann noch ungefähr eine Stunde weiter, bis Villemomble marschiren, wo die 1. Compagnie detachirt im Quarüere lag, während die 2. Compagnie in Rosny sous bois Quartier gefunden hatte.

Villemomble ist zwar ein bedeutender, regelmäßig gebauter Ort mit mehreren schönen Villen, war aber damals auch gehörig verwüstet, weßhalb die Quartiere herzlich schlecht waren. Die meisten Einwohner befanden sich noch in Paris, kehrten aber, da es nun bei dm Onkels in Paris anfing höchst unangenehm zu werdm, wieder in ihre verlassmm Häuser zurück. Mit Schrecken und Entsetzen haben wohl die Meisten von ihnen ihr sonst so trautes Heimwescn wieder gesehen und betreten; die Thüren vieler Häuser waren zer­trümmert und verbrannt, die Fenster hatten kein besseres Schicksal gehabt, ja selbst manche Fußböden waren aufge­rissen und die Dielen halten als Brennmaterial gedient, während die hie und da ganz kostbaren Tapetm in Fetzen von dm Wänden herabhingen.

Nachdmi die Hauseigenthümer durch die nöthigen Lamen- tattonen und Exclamaüonm über den jämmerlichm Zustand der Häuser ihre Herzen etwas erleichtert hattm, machtm sie sich emsig daran, die zum größtm Theile von ihrm eigenen Landsleuten angerichteten Schäden auszubesiem, so daß nach und nach noch in den letzten Tagm des Monats der Ort Villemomble ein besseres Aussehen gewann.

Unsere Verpflegung fanden wir in einer damals bereits eingerichteten Restauration, wo das Mittagsesten ganz gut war, aber auch fünf Francs kostete.

22. März. Heute Morgen um 10 Uhr fand aus Anlaß des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers auf Fort Rosny ein feierlicher Feldgottesdienst statt. Von jedem der von uns besetzten Forts donnerte zu Ehrm dieses Tages 101 Kanonenschuß; nachmittags (wie fast selbstverständlich herrschte das prächtigste Kaiserwetter) vereinigte uns ein

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Tagesbericht.

An den Kriegsminister ist folgende Allerhöchste K rbinetS« ordre ergangen: Ich bestimme hierdurch, um das Andenken deS gestern verstorbenen hochverdienten General - Feldmar- schallS Gräfin von Wrangel zu ehren, daß 1. säwmtliche Offiziere der Armee für ihn die Trauer-Flor am Unken Unterarm — aus acht Tage anlegen, 2. die Ofi ziere de« Brandenburgischen FüstlierregimentS Nr. 35 — besten Chef der verewigte Feldmarsckall war — diese Trauer auf 12 Tage anl gen, 3 dir Offiziere des Oflp-mßischea Kürassier regimentS Nr. 3 — dessen Chef der Feldma^schall 32 Jahre war und in besten Geschichte er sth schon früher ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat, — 14 Tage trauern, 4. das Ostpreußische Kürassierregtmmt Nr. 3 den Namen „Graf Wangel* beibehält. DaS Kriegsministerium hat hiernach das Erforderliche bekumt za machen; in Be treff der Bestimmung ad 4 habe Ich an das Gmeral Commando des 1. Armeekorps verfügt. Berlin, den 2 Rovbr. 1877. W lhelm.

Lmt Bekanntmachung deS ReichSkanzleramtS ist nun mehr in Geisenheim die Tödtung sämmtlicher Wiederkäuer in dem durch die Rinderpest h imgesuchten Stabtthetle be­endigt worden. E? sind daselbst bisher im Ganzen getödtet worden: 129 Stück Rindvieh, 37 Ziegen und 2 Schafe. In Elbingen ist in Folge de» neuen Ausbruchs der Seuche in 2 G Höften die Tödtung de- gefam arten Vi hb'standeS ve» Ortes an Wiederkäuern — 75 Stück Rindvieh, 104 Ziegen, 2 Schafe — angeordnet worden.

Dem Vernehmen nach ist die Regierung bestrebt, auf

«ftflhtlirtMt für die Monate Nov em« C|irUUU|jill her und Deeemver wer- noch fortwährend entgegengenommen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Aor sieben Aahre«.

eine» Dreiu«»acht;i,erS au» le* deutsch - frau- »östscheu Kriege 1870 71.

lFortsetzmlg.)

mtiaen nimmt entgegen: ^ebUiond.vlatte», ^dÄnnoncen-Bureauk . xh, Dietrich & Eo. in und Hannover; Th.

wnh'nSranHrta-M; Mfenfletn & Bögler m Ztfurt a- M., Berlin, S Cöln ic.; Rudolf A, in Berlin, Frank- ™ furt °. M. ic.

Grund deS ihr nunmehr vorliegenden Materials die KreiS- ordnung süc tie Provinz Schleswig - Holstein innerhalb einiger Wochen fertig zu st llen und dann sofort dem Land­tage vorzulegen. Die Vorlage wird mit um so größerer Spannung erwartet, als sie erk.nneu lasten wird, ob dir Klagen über das „Rückwärts R v'diren* in Thatsachen be« gründet sind.

Nach der vom Kultusminister dem Hause der Abgeord­neten vorgelegten Nachweisung der in Folge deS Gesetze» vom 22. April 1875 po 1 Q lartai 1877 eing'st Uten L tstungen aus Staa'smitt In für römisch-katholische Bis- thümer und Geistliche sind nachstehende Summen zur Aus­zahlung gelangt ( ie in Klammern beigesctz'm Zahlen re präsentiren die einb haltmen Zahlung-m) : AuS Kap. 118 deS Etat«: „BiSthümer und Die zu denf lben gehörenden Institute 62,83138 M. (242195 25 M.) Au» Kap. 120 Katholisch' Geistliche und Kirchen. T't. 1 Besoldungen und Zuschüst- 45,151.13 M. (273,354 63 M.). AuS Kap 127 Ku'tus und Unterricht gemeinsam. Tit. 3 Zur Verbeflerung der äußerer. Lage der Geistlichen aller Bekennt- niste 41,200.68 M. (5,156 54 M.).

Im Abgeordnetenhause fand am Sonnabend eine Be­sprechung der Budget Commtssioa statt Man wollte am Montag die Arbeiten beginnen, urb zwar sich zuerst mit der Anl ih frage beschäftige-'. All m Anschein nach wird die Anfl ht durchdringen, welche das Bedürfniß der StaarSbauten, wie sie die Vorlage aufzählt, in vollem Umfange anerkennt und auch die Mittel unverkürzt bewilligen, jedo h die Be­willigung nur auf ein Jahr aussprechen und dann alljährlich im Extra-Ocdinarium w eder bewilligen will.

W e der „Pol. Äon.* unter dem 31. Oktober aus Rom geschrieben wird, klagt der Papst in Folge de» p'ötz lichen Witterun; »Umschlages seit einigen Tagen über Zu­nahme der rheumatischen Schmerzen. Der Haupisitz deS Leidens ist in den Nieren. Die Aerzte, die Se. H.tttgkeit behandeln, verlasten kaum mehr den Vatikan. Der Papst ist sehr f rwach und verbringt den T g üb r in einem eigens konstruirtcn, durchaus weich gepolsterten Fauteuil.

Der „Politischen Korrespondenz* wird aus Belgrad im Widerspruche mit anderweitigen Meldungen, welche von einer Sistttung der russischen Subfl rien an Serbien wist n rollten, mitutheilt, daß dec dortige G.neral-Consul, Staat»- rath von Perflani, gestern der serbischen Regierung die - dritte Million Rubel auSzefolgt ha'. Gleichsam wie zur Rechtfertigung dieses neuen Subfrien Empfanges haben wieder einige mil iärische Bewegungen in Serbien begonnen,

Lnzeigen nimmt entgegen: die Expedition b .Blatte», sowie dAnnoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co- in Frankfurt a.M.; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermau.rytze Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

i . Wie unsere Leser w-sten, hat fich die Lage der Dinge ■ f den »rtentaltschen Krte. Sfck a plätz -n erheblich zu Gunsten _ t Rusten geändert. Die Rust n gl übten b i Beginn deS ♦U tkate einen gemüthlichen Spaziergang rack Ko strntinop l ichen zu können- Sie haben diesen Jrrthum mit furcht- itm Opfern an Gut und Blut bezahlt und sie mußten ! beste Jahreszeit nutzlos vorüber streichen sehen. Mancher jhler ist verbestert Uno nun erst Gründlichkeit in die Unter jCEaung gekommen. So large die Türken im Vortheil ffirntn, herrschte in England eine innige Befriedigung; man , Stapfte tie Ueberzeugung, daß Rußland in militärischer g Miehung unfähig und unschädlich sei, und die Polit-k der * mm Salisbury und Northcote gewann wehr und m-hr tjj Länger. Mit einem wahren Hochgefühl geiseltrn die Re ff nmgSblätter die Erbärmlichkeit und die Fehler der russt- § en Heerführung. Seit sich ab-r das K-tegSglück wieder n «endet hat und die Türken mehrmalige — wenn gleich 6 ht entscheidende — Miß rsolge zu verzeichnen hatten, ist Stet Stimmung Englands ein starker Rückschlag einge

Im. Die Organ: deS Premierministers Lord BeacorrSfi-ft, 8 Standard* und „Daily Telegraph* nehmen ganz wieder » Ton au, welchen sie ursprünglich angeschlagen, dann .<to n nach den Mißerfolgen der Rusten so stark heraufze ' gart hatten. Wir sehen dazu eigentlich noch keinen Grund, ; e »igsteuS nicht, so lange nicht die Entscheidung bei Plewaa 8 füllen ist. Judeß ist ja auch die S'.immuug der engli S n Regierungsblätter noch kein Gewitter, sondern erst ein oe rtote desselben. Aber auch in dieser Eigenschaft dürfen " d ü Auslassungen unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. ’ ! 8 „Daily Telegraph* schreibt: „Die militärischen Er- t Sisf: in Armenien sind noch immer ungünstig für die schicke der Türkri und Englands. England würde un- ■ kßltch io der Achtung einer jeden Race und eines jeden hH» vmneS östlich vom Meerbusen von Suez fallen, an v.m , sollte derselbe jemals erscheinen, an welchem ein Ber- dem Czareu Armenien giebt. Sollte dies von der Herstellung der moScovitischen Suprematie im schwarzen begleitet werden, so würde der politische und mili- Werth der E oberung mehr als verdopp lt werdm.* „Standard* spricht davon, daß man nicht erlaubm , daß der Streit bi» zu seinem natürlichen Ende aus- t-n werde — Abe, was für Mittel bl iben dann, um

ifefieust täglich außer ben Werktagen nach 6oun- und Ieiu:ra^en. Herrs fftt oue Quartal mit der wdcheMlichen Beilage ,,31M|hrhrtr» ••MÄtagiUett" durch tie och'fche

WWBg*»ce«erei) bezogen M Blatt, durch die Bnftfimtet des Deutschen Reiches t Wett 5» ff«, texl. Bestellgebühr). - JnsertronSgedüdr fit dir gespaltene Zecke 1» ff«.

Für in der erpehittou »u ertbeÜend« Auskunft und Annahme von Adressen werden «5 ff 1. »ete*net.

solennes Festessen, bei welchem wir bis spät in den Abend hinein zusammen blieben.

26. März. Heute erhielt ich zu meiner größten Freude das eiserne Kreuz II. Klasse.

Aus den letzten Tagen des Monats März ist nichts besonders Bemerkenswerches zu verzeichnen. Am 31. März wurde unsere Compagnie zum Gottesdienst auf Fort Rosny geführt — und ich an demselben Abend zur 2. Compagnie versetzt, welche damals in Rosny im Cantonnemmt lag.

1. April. Morgens um 10 Uhr fuhr ich nach Rosny und meldete mich bei dem Compagnieführer Lieutenant von Frankenberg. Dann suchte ich mein Quartier auf, das in einem auf das Trostloseste verwüsteten Zimmer bestand, in welchem sich als Bett nur eine schmutzige Matratze vvrfand.

Das Dorf Rosny selbst liegt an einem Berge, von dessen Gipfel aus das Fort Rosny einen weiten Rayon beherrscht.

(Fortsetzung folgt.)

Um ei« Amt.

Humoristische Novelle von A. Oskar Klausmann.

(Fortsetzung.)

„Die Gö ter aber,* sagte Suttner, „bk Dir hold ge­sinnt stnv und Dein Verderben nicht wollen, haben Dich graben We e? mir, D inem Freunde, in die Hörne laufen lasten, damit ich Dir warnmd jvnrfe: Stehe ab von De nem Vorhaben g b den Gerank n aitt, Dich in dieser Stadt nieder zu lasten.* —

„Uck wetzhalb denn das? Du machst mich flauten!

„Laß Dich warnen, laß ®:r zureden! Gehe zu den Lotokudm, gehe zi den mensckenf^ff-ndcn Karaibcu, gehe n:ch dem Innern von Afrika. Du wirst üb rall bester -»ufgehoben sein, al» hier, Du wirst auch in den schlimm-

Stz. März. Wie im September v. I., so trug es mir heute wieder die Reihe, auf Commando nach Meaux zu begeben, freilich nicht auf Requisitions-Commando, das Requiriren hatte mittlerweile aufgehört, sondern mit Vicefeldwebel L. aus der Gmeral-Kriegskasse in 8000 Dhaler zu empfangen und dieselben an das

WNtaiUon in Neuilly zu transportiren.

' ^.^iir nahmen uns natürlich einen Wagen; das Geldge- "‘t wickelte sich in Meaux rascher ab, als damals unser iifinonsgeschäft, als wir aber abends mit unserer Bar- in Nmllly ankamen, fanden wir zu unserem größten en unser Bataillon dortselbst nicht mehr vor.

In Folge der in Paris ausgebrochenen Unruhen durch beginnmde Communewirthschaft war das Bataillon näher Paris heran marschirt; wo wir es aber noch so spät Abend finden könnten, wußte uns niemand in Nmilly lagen. Da es uns nun hier für die Nacht nicht ganz sicher so fuhren wir lieber nach Chelles zurück, wo eine feilung Pioniere lag, bei dmen wir doch Sicherung den uns anverttaulen Schatz sanden. Die m Chelles diese Nacht uns angewiesmen Quarüere warm erttäglich. 21. Mstrz. In Chelles traf uns die vom Bataillon gesandte Benachrichügung, daß dasselbe ün Laufe der Mit wieder in Neuilly eingerückt sei; daraushrn machten uns denn mit unserem Kassenbestand sofort wieder auf Weg, trafen um 10 Uhr in Neuilly ein, lieferten unser ab und waren froh, daß wir der nicht geringen Ver- riltchkeit über eine solche Summe damit mthobm waren.