sich gehen könne, darüber waren die Meinungen zur Zeit zwar noch getheilt, indessen wurde einstweilen fröhlich "auf baldige Heimkehr angestoßen und ein Glas geleert.
Derartige Sehnsuchtsgedanken und deren Kundge- ungen waren gewiß keinem von uns, uns Reserveleuten am allerwenigsten, zu verübeln. Sieben Monate. und mehr waren verflossen, seit wir dem lieben, fernen Heimathlandc mit bewegtem Herzen Lebewohl gesagt; wie manchen Kilometer hatten wir unterdessen auf Frankreichs Boden zurückgelegt, in wie manch' blutigem Treffen hatten wir gestanden und in alter Hessentreue und Tapferkeit uns bewährt; welch eine lange Reihe von Mühseligkeiten hatten wir ertrageu — und wenn nun ach solchen Tagen jetzt, da von uns keinem Feinde mehr entgegen getreten zu werden brauchte, da das große Werk gethan und auch mit unserer Mithülfe durch Gottes Gnade zu einem günstigen Abschluß gekommen war, der weit über das Ziel aller zu Anfang des Krieges gehegten Hoffnungen und Erwartungen hinaus ging, die Herzen mächtig sich nach der Heimath sehntm und Tag und Stunde bis zur fröhlichen Heimkehr berechneten, so wird das wohl jedermann begreiflich finden.
Indessen zog sich doch, wie aus Nachfolgendem ersichtlich sein wird, die Zeit bis zu unserer Heimkehr ganz bedeutend in die Länge, und wenn anfangs uns sechs Wochen bis zum erwarteten Rückmarsch eine unendlich lange Zeit dünktm — in den beinahe sieben Monaten, die wirklich zwischen jenem Tage und unserer Rückkehr in die Heimath lagen, hatten wir Zeit genug, uns in der Geduld zu üben.
Doch davon hatten wir an diesem Abend noch keine Ahnung; die Zukunft lag ja rosig und helle vor uns und der Kasseler Bahnhof und die Königsstraße als via trnmi' phalis und der Friedrichsplatz, aus welchem natürlich nach dem Siegeseinzuge die Parade stattfand, waren die im ben-
xii. Iahrgug
Marburg, Sonnabend, 3. November 1877
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Erscheint täglich außer den Werktagen »ach 6om» «nb Feiertagen. Preis fftr das Quartal mit der wöchentlichen Leckage ,,31»WrtH E»»ttta,4»latt durch die ®n,ebitje”(R 0 * »uchdrackerei) bezogen t\ «text, durch die Postämter d«S Deutschen Reiches st «Mtk 5» Pf,. (t$L Bestellgebühr). - Jnfertion^ebühr für die gespalten« «eile 1» Pf,.
Für in der -xp^itio» zu ertheileade Auskunft und Annahme von Adressen «erde» 15 Pfl. berechnet. ,
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IA atschland. Und doch hätten wir Ursache genug, in diesem XV vkte anderen Rationen voranzugehen. BIS jetzt stid
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t im Ganz« 430.227 Franc-. Zn Bordeaux haben fi/2 Jahren die Ecsparniffe von 4521 Schulkindern Höhe von 50,000 Franc« erreicht. Nach zweijährigem ade dieser Einrichtung besaß Frankreich bereits 2300 mit Sparkassen. Wie in Belgien und Frankreich, ist auch in anderen Ländern (, B. in England, wo erding- die Erleichterung der Postsparkaffen besteht) da- starw^en auf einer viel höheren Stufe als bei uns in
möchten allen Communen und einflußreichen Mitbürgern unseres Vaterlandes diese hochwichtige und bedeutungsvolle Angelegenheit mit aller Dringlichkeit ans Herz legen Nicht allein der Wohlstand, sondern auch das sittliche Leben wird durch Einrichtungen dieser Art, falls sie durch Belehrung richtig geleitet werden, in fühlbarer Weise gehoben.
Feststellung einer Tagesordnung und zu einer parlamentarischen Geschäftsführung nicht gestatten.
Bom Kriegsschauplatz ist zu berichten: Mukhtar hat sih von Haffankaleh nach Erzerum zurückgezogen und nimmt auf den Höhen östlich von der Stadt eine Defenflv- position ein. Die Korps der Generale Heiman und Tergu- kaffow befinden sich in Köpriköi und Haffankaleh. Zufolge einer Depesche des Daily Telegraph aus Erzerum vom 29 Oktober hatte Mukhtar, welcher seine Stellung bet Kapriköi durch rasch andringende Ruffen bedroht sah, alle seine Truppen Montags früh auf einer Hügelkette zwischen Köpriköi und Haffankaleh eoncentrtrt. Mittlerweile avanrirte die russische Reiterei gegen Haffankaleh in der türkischen Flanke. Ihr Hauptkorps besetzte Köpriköi und ihre Vorposten waren sogar in Sicht von Erzerum, Später drängte Mukhtar die Ruffen hinter Köpriköi zurück und besetzte selber, vereint mit Ismail, eine feste Stellung bei Haffankaleh. Nach den neuesten Nachrichten hat er nun diese Stellung verlaffen müss n. — Das nächste Operation« Objekt der beiden sich gegenüberstehenden Armeen ist Erzerum, die Hauptstadt de- hocharmevischen BilajetS, mit einer Bevölkerung von ungefähr 60,000 Seelen. Die fortifikatorischen VertheidigungSmittel bestehen, der „Presse" zufolge, in detachirten Forts, der eigentlichen Festung und der Citadelle. Die Fort- sind auf den zur Bertheidignng sehr geeigneten Höhen des Kap-Dag und des Keremen Dag gelegen; einige dieser Fort- besitzen gewölbte Kasematten. '
Neueste Krirg-nachrichteu:
** Konstantinopel, 31. Oft. ES verlautet, daß die hiesige Garnison nach dem Kriegsschauplätze entsendet und durch eine Bürgergarde ersetzt werden sollte. — Kein offb ciclle- Kriegstelegramm wurde veröffentlicht.
Konstantinopel, 30. Oft. Suleiman Pascha meldet vom 29. d.: Die russische Abtheilung auf der Znfel gegenüber Slobozia ist zurückgewiesm worden. — Da- Feuer auf Rustschuk thut keinen Schaden. — Russische Cavallerie und Infanterie besetzte Dourza, za ei andere Regimenter Eulchwo bei Solentk. — Reuf Pascha telegraphirt au- Schipka: Am 24. d. griffen etwa 1000 Bulgaren die Befestigungen bei Maraguekix an, wurden aber zurückgewiesen. Ein tscherkessischer Reitertrupp, zur RecoznoScirung des Turpaa- PaffeS auSgefchickc, schlug 1500 Bulgaren unter Tschkaovasfi. Die Bulgaren verloren 600 Mann, die Tscheckeflen erbeuteten 1120 Stück Vieh.
London, 31. Okt. Die „Time-" meldet aus Po- radim: An der Schlacht auf der Straße nach Sofia am 23. d. haben 12,000 bis 14000 Ruffen, meistens den
r«ge»bericht.
Im Ausschüsse des BundeSrathS für Zölle und Steuern wird gegenwärtig eine Vorlage über die zollpolitischen Be< z'ehungen Deutschlands zu Oesterreich ausgearbeitet. Dieselbe ist durch das Scheitern der HandelSvertragSverhand- langen veranlaßt und wird seiner Zeit auch dem Reichstage zugeheu. ____________
Im ReichsgesundheitSamte wird an der Aufstellung eine» Normalstatuts betreffend die Errichtung lokaler Unters uchungSstationen für Zwecke der Gesundheitspflege gearbeitet. Mit der Feststellung des Statuts ist eine Kom- misston von Fachwännern beauftragt, die am 12. November hier zufammentreten wird. Das fragliche Statut wird zur Annahme empfohlen, wo e» wünschenswert erscheint, solch« Untersuchungsstationen zu errichten.
Die „Provinzial Korrespvndmz" wirft einen Rückblick auf die Verhandlungen drS Abgeordnetenhauses vom 26. und 27. d, betreffend die Beurlaubung der Minister. Der betreffende Artikel schließt folgendermaßen: Die Regierung darf hiernach die Hoffnung hegen, daß die an die jüngsten Vorgänge im Staatsministerium geknüpften Irrungen und Mißdeutungen nunmehr ihre Erledigung gesunden haben und der Regierung bet dem weiteren praktischen Vorgehen zur Durchführung deS für dir Entwickelung des Vaterlandes hochwichttzen Werkes die patriotische Mitwirkung der Lan- deSvertretung nicht fehlen werde.
In der Versammlung am 31. v M. der vereinigten Berliner Kreissynoden wurden Prediger Hoßbach, Stadt- rath Techow, Direktor Kempf und Ehrenbürger Kochhann in den Vorstand ter Versammlung gewählt, welcher neben dem General - Superintendenten aus 4 Assessoren besteht; als stellvertretender Beisitzer wurde Prediger LiSco gewählt und beschloß hiernach die Niedersetzung einer GeschiftSord- nungS - Commission und Vertagung der Verhandlung bis zur Vorlegung des Geschäftsordnungs-Entwurfs. ES wurde ferner die Festsetzung einer neuen Tagesordnung sür die nächste Versammlung beschloffen, trotz deS Proteste- Heff. lerS und KnakS und gegen den Widerspruch deS Präsidenten des ConststoriumS, Hegel, welcher erklärte, da- Kirchen- | regiment werde der Versammlung das Recht zu beliebiger
der Stadt hinter uns hatten und bei dem Bois de Boulogne eine längere Rast machten, weil Se. Majestät der Kaiser auf Longchamp eine größere Inspektion über das Gardecorps abhielt.
Es war eigentlich vorgesehen, daß heute uns dieses Corps in Paris ablösen sollte, um dort nach zwei Tagen von den Sachsen, Württembergern und dem 1. Bayerischen Corps abgelöst zu werden.
Diese Kaiserparade auf Longchamp, welche übrigens für das Gardecorps gewiffermaßen eine Enffchädigung für die ihm durch die Rattficaüon der Friedenspräliminarien verwehrten Einzuges in Paris sein sollte, soll den Berichten der Augenzeugen zufolge eine der großarttgsten und präch- ttgsten militärischen Schaustellungen gewesen sein, die man nur sehen konnte.
Nachdem wir l'/r Stunden lang gerastet, wurde der Marsch wieder angetreten; derselbe führte uns zunächst eine Strecke wett der Seine entlang, bis wir bei Sevres diese auf einer Pontonbrücke überschritten, da die dort stehende feste Brücke, wtt dies ja nicht anders sein konnte, gesprengt war.
Gegen , 4 Uhr nachmittags rückten wtt dann staubbedeckt und sehr müde in Versailles wieder ein und bezogen unsere alten Quartiere, wo ein jeder so rasch als möglich etwas Tollette machte, um dann dem Orte zuzuellen, wo man mit Sicherheit auf Erquickung der lechzenden, staubig zewordmen Kehlm und -Sättigung der knurrenden Magen rechnen konnte?
In dem von den Officierm unseres Regiments gewöhnlich besuchten Restaurationslocale hatte sich bald eine ziemliche Anzahl derselben zusammen gefunden und natürlich wurde auch in dieser Gesellschaft kein anderes Thema als das unserer baldigen Heimkehr — dieses aber heute mit besonderer Lebhaftigkeit — behandelt. Ob noch in diesem Monate ober erst im kommende» unser Siegeseinzug in Kassel vor
IltaHüttrtMt für die Monate Novem- her und Deeember wer- noch fortwährend entgegengenommen.
Die Sxped. d. Oberh. Zeitung.
Auszüge, gerade wie beim Einzuge, eine vollkommene hche Ruhe und tiefes Stillschweigm entgegen, nur einem "derbem anderen der Kerls, der gar zu fürchterlich sich ereiferte, Elften wir lachend zu, was dann bei dem so Begrüßten dieselbe ^uhigntde Wirkung hervorzubringen pflegte, wie bei einem ,.89,i senden Kettenhund, dm man mit einer Bohnenstange kitzelt. Obgleich wir keine besondere Gefahr während unseres -Mfcnchaltes in Paris zu bestehm hatten, so wurde uns .-■ -Sä) das Herz erst recht leicht, als wtt die Festungswerke
Aor sieve« Jahren.
mH eieH Dreiundachtziger» nn» bau »rutsch - freu« z-fische» Shriege 1876/71.
(Fortsetzung.)
Bald nach der Reveille nämlich ertönten, währmd in dem sich dasselbe muntere, fröhliche Lebm wie gestem zu regen Sann, von sämmtlichm Musikcorps gespielt entfte, feier« Ehoralmelodien und als die Musik schwieg, tönte von zu Mund dtt frohe Kunde, daß der Friede gesichert i, da die provisorische Regierung zu Bordeaux die Friedms- iminarien mit Stimmenmehrheit retificirt habe.
Es war für uns alle eine überaus wonnige Stunde, i mitten in der feindlichen Hauptstadt Unter uns die sboffchast ertönte. Damit war aber auch unserem eren Verweilen in dem ungastlichen Paris ein Ziel ge= , und es wurde unser baldiger Ausmarsch befohlen, um 10 Uhr morgens dann auch, natürlich mit voller ' mtsmusik, nicht minder aber auch unter dem Johlen ■6> Toben der wahnsinnigen Bastde von Paris, die, wie ’ bekannter Staatsmann sich ausgedrückt habm soll, am len in ihrer eigenen Brühe gar gekocht werdm könnte, treten wurde. Dem Brüllen und höhnischen Vengeance* der verkommenen und verblendeten Masse setztm wir bei
tt in Württemberg Anfänge gemacht, um die Schulspar- fa zur Einführung zu bringen. Zn Bayern ist die » ftt Schulsparkaffe in Stein, dem Stze der berühmten 8-ber'fchen vleististfabriken, gegründet worden. Dieselbe ; " tt am 1. Juli dieses Jahre« ins Lebm und hat alle von r gehegten Erwartungen wett fibertioffen. Bereits im chen Vierteljahr wurdm 1729 Mark Einlagen gemacht. » doch existirt in dem kleinen, nur durch durch feine Eriken bedmtenden Orte auch eine Fabriksparkaffe. Wir
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermalt.i'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
* Gchulsparkafseu.
Wer die Frauen für sich hat, der hat die Gegmwart fich, wer die Kinder für fich hat, der Hai die Zukunft fich. So sagte einst ein Mann, der die Welt kannte, Jefuitenpater. Wir »ollen zu dem letzierm Ausspruch e n td vorführm. Im Jahre 1866 erklärte Professor zu ®ent, er wolle dm Kindern da- Sparen lehren.
Kind von Reben Jahren, das wöchentlich 10 Centimes re, befindet sich, mündig geworden, im Besitze von ungefähr Francs und e» habe außerdem einen sittlichen Gewinn cht, indem sein Wille gestärkt worden und es gelernt , auf eiugebildete Bedürfnisse zu verzichten. Die ve- mg über das Spann im »leinen fei äußerst zweck- g ffir Kinder aller Stände, namentlich für die Armen, auf diesem Wege einmal ihre Existenz gründm können.
f wurden in Gent Schulsparkaffen gegründet und . Laurent erhielt für eine Schrift über diese Kaffen Preis von 10,000 Francs. Die überaus günstigen te, welche die Schulsparkaff?» in kurzer Zeit in erzielten, habm auch Frankreich, Englar.d und zur Einführung dersdbeu bestimmt. In I alten die Einrichtung durch Gesetz, in Frankreich durch geregelt. Das Capital welche- in Gent vom Jahre bi- 1872 in dm Schulspm kaffen angelegt wurde,
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