XII. Mkg«g.
Marburg, Sonntag, 14. Oktober 1877
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(Fottsetzung folgt.)
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9, Januar. Der heutige Befehl wies uns an, den Marsch gegen le Mans sortzusetzen und wurde derselbe morgens von dem ganzen Armee-Corps mit klingendem Spiele angetreten.
Während der Nacht hatte der Regen aufgehört und war dafür Frost eingetreten. Durch denselben hatte sich aber auf den Straßen schon jetzt bei Antritt des Marsches Glatteis gebildet und wurde dasselbe, da es nachher nochmals regnete und dann wieder fror, so arg, daß Artillerie und Cavallerie absitzen und die Pferde führen mußten, um sich so höchst mühsam fortzubewegen; auch bei uns ging der Marsch nur sehr langsam vorwärts.
Nachmittags — und fast alle Gefechte dieser Kriegs- Epoche begannen erst um diese Zeit, da man den ganzen Vormittag dazu brauchte, um wieder näher an den ausreißenden Feind zu kommen — hatte die 17. Division den Feind bei Sceaux wieder glücklich gepackt und entbrannte ein Gefecht, bei welchem wir jedoch in Reserve blieben. Das 9ö. Regiment trennte sich im Laufe des Gefechtes von uns, um in die feindliche Flanke, nach St. Hilaire, zu mar- schiren, während wir in dem immer dichter den Boden bedeckenden Schnee stehen blieben. Endlich erhielten wir dm Befehl, in die Quartiere einzurückm, die wir uns in und hinter Sceaux an der Straße suchen sollten. Damit aber war uns eine nicht leicht zu lösende Aufgabe gestellt. Die Aussicht auf Quartiere war zwar verlockmd, aber wie dieselben finden? Die Dunkelheit brach schnell herein, alle Wege waren zugeschneit und nirgends sah man ein ordentliches, zu unserer Aufnahme geeignetes Dorf.
Nach langem, vergeblichem Hinundhersuchm fand unsere Compagnie im Walde in ein paar ärmlichen, verlasienen Häusern ein nothdürftiges Unterkommen. So kläglich die Quartiere von außen sich ansahm, ebenso schrecklich waren sie auch im Innern. Sie hattm kurz vorher Francttreursab-
theilungen zum Aufenthalte gebient — und das sagt schon genug! Fenster und Thüren waren überhaupt nicht mehr vorhanden, den Bodm bedeckte nasies, ekelhaftes Lagerftroh, so daß man vor dem Versuche nur, sich aus dasselbe niederzulafsen, zurückschreckte. Feuer konnte wohl angezündet werden, aber an Wasser zum Kochen fehlte es; doch schmolzen wir Schnee und bereiteten uns eine unseren Hunger einigermaßen stillende Erbswurstsuppe. — Im Uebrigen war eö eine grauenvolle Nacht, diese Nacht in der Hütte im Walde bei Sceaux! >
Wor sieben Jahren.
kutiud eine« Dreiunbachtziger» nu6 «ent deutsch - französischen Kriege 1876/71.
(Fortsetzung.!
Operationen in Konstantinopel nicht, wie e» zuerst hieß, nur a!6 eine geschickte Konzentrirung, jonocrn als ein wirklicher Rückzug auigesaßl worden sind. Es scheint nun, daß Suleiman Pascha, der im Balkan allerdings eine rastlose, wenn auch unfruchtbare Energie btthätigt hat, in Konstantinopel als der rechte Mann angesehen wird, um die Operationen am Lom mit aller Kraft wieder aufzunehmen. Einstweilen freilich hat die russische Armee unter dem Befehl des Großfüisten Thronfolger die von Mehemed Ali Pascha geräumten Stellungen zrischen der Jantra und dem L m besetzt und scheint sich ihrersei S zu Angriffsoperation n anzusch cken. Aus beiden ©eiten aber stad die B.wegungen einstweilen durch die Ungunst drS kalten und naffen Wetters in hohem Grade gelähmt. — Vor Plewna sind seit dem Eintritt des Generals v. Todtleben in der Leitung der dortigen Operationen die Belageru' gS- arbeiten seitens der Ruffen und der Rumänen mit großem Eifer fortgesetzt norden. Die Türken machen keine erheblichen Versuche zur Störung, angeblich weil OSman Pascha in Folge einer Verwundung an der Hand am Wundfieber darniederliege, doch werden gewiß noch andere Gründe dabei obwallen. Inzwischen wird auf russtfcher Sette Alles vorbereitet, um die Ueberwinterung der Armeen in Bulgarien zu sich rn; doch findet die Herbeischaffang deS nölhigen Materials durch den hohen und reißrnoen Waffergang der Donau b reiiS erhebliche Htnderniffe. — Nach längerer Zett der Ruhe treffen jetzt wieder Mitthetluagm von lebhaften Kämpfen auf dem kleinaflatifchen Kriegsschauplätze ein, die aber nicht mit Sicherheit erkennen lassen, auf welcher Seile der Vortheil gewesen ist. Vorzugsweise wurde in der Gegend von Kars gekämpft, wo Loris Melikcff und Mukhtar Pascha einander gegenüberstehen. Am 2 und 3. Oktober scheinen die Ruffen die Stellungen der Türken genommen, am 4. aber, angeblich wegen Mangels' an Wasser wieder verlassen zu haben.
und gegen die Klerikalen mit Keulenschlägen fDöging. Grövh ist als Thiers' Nachfolger im 9 «rrondiffement gesichert, über den künftigen Candidaten der Republikaner für den Pristdentenstuh! wird die Zukunft entscheiden Wenigstens denkt Mac Mahon jetzi noch nicht daran, sich zu fügen oder zu ückzuireten. Der Wahlkampf nimmt mehr und m-hr den Charakter einer EntscheidungSschlocht zwischen den offiziellen Candidaten, den „Kandidaten des Papstes," und zwischen den alten und neuen Anhängern der R.publik und deS Fortschritts an. Frankreich befi >d t sich in einer rück * läufigen Bewegung: Mac Mahon und der EpiScopat wollen die Zustände von 1829 Herstellen, die L.beralen die Ent Wickelung, die 1830 unter der Juli Monarchie begann und durch Fehler von allen Seiten 1848 unterbrochen wurde, aber j tzt nicht mehr unter dem Rumen der constitionellen Monarchie als der besten Republik, sondern wirklich als Republik.
Das gesummte englische Cabinet hat am 5. Oktober einen CabinetSrath ab gehalten, welcher sich nach den darüber vorliegenden Nachrichten vorzugsweise mit der Berathung der Frage beschäftigte, ob der indifchen HungerSnoth aus Staatsmitteln abgeholfen werden solle. Die Sammlungen für Indien erreichten bis j.tzt eine Höhe von 340,000 L.
Der König von Griechenland hat im Einvernehmen mit dem Ministerium beschlossen, die Kammer zum 22. Oct. einzuberufen. Zugleich hat er den Wunsch ausgesprochen, das Ministerium solle unverändert in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung die Geschäfte forrsühren.
Vom Kriegsschauplätze ist in bet verflossenen Woche zwar keine Nachricht von eingreifenden KriegSthaten und Erfolgen, aber eine Thutsache von erheblicher Bedeutung io Bezug auf die weitere Führung der türkischen Armeen gemeldet worden. Während dem Oberkommandirenden in Armenien, Mukhtar Pascha, u.d dem Befehlshaber der Armee bet Plewna, Osman Pafa a, durch Verleihung deS Titel» „et Ghaci" (e#t ®iegteu$e> die höchste Anerkennung de» Sultans zu Thetl geworden ist, ist dagegen der Höchst- tommanbirenbe der Ostarmee, Mehemed Alt Pascha, von diesem Commando nach Konstantinopel abberufen und an seine Stelle der bisherige Bef-hlshaber im Balkan, Snlei man Pufch, zum Führer der Armee am Lom ernannt worden. Das Kommando im Balkan ist dem Marimminister Raous Pascha übertragen worden, welcher nach dem Uebetgang der Ruff n über den Balkan sich d m Marsch derselben nach Adrianopel zuerst entgegenwarf unv sie dann im Verein mit Suleiman Pascha in den Schipkapaß zurück- drängte. Die Abberufung Mehewid Alt'S, an dessen Vorgehen am Lom sich noch vor Kurzem die größten Hoffnungen und @iWartungen auf türkischer Seite knüpften, darf wohl al» ein entschieden-» An,eichen gelten, daß feine letzten
Egen nimmt entgegen: e Expedition d.Blattes, dÄnnoncen-Bureaux |n Th. Dietrich & Co. in »fiel und Hannover; Th. iettich in Frankfurt a.M.; aaienstein & Vogler in „jjttfurt a. M., Berlin, ii»rg, Cöln ic.; Rudolf ufT in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
M» zerstörtes «liit.
Erzählung von Carl Kessel.
(Fottsetzung.)
Den unausgesetzten Bemühungen deffelben wat eS in» zwischen gelungen, nach unv nach alle Htnderniffe zu beseitigen, welche sich einer Verbindung seines Neffen mit Donna Elvira entgegenstellien. Nachdem er daS junge Mädchen persönlich kennen gelernt und sich von besten Schönheit und den Vorzügen seines Herzens und Geistes überzeugt hatte, erblickte er in dieser Liebe nichts Phantastisches mehr, sondern betrachtete fie als die natürliche Folge jenes Zauber», welcher Elvira umfl ß und ste zu einer außergewöhnlichen E-scheinuig machte. Indem er an seine eigene Jugendliebe dachte und dabei die tiefen Wunden in Betracht zog, welche dieselbe seinem Herzen geschlagen hatte, wollte er bett Sohn Emmelinen« nicht dieselben Bttterkeiten kosten lasten; er sollte wenigsten» nach dieser Seite hin nicht der Covvenimz zum Opfer fallen, sondern im ungeschmälerten B-sitz jenes heiligen Rechte» bleiben. Diejenige stch an» eigener Entschließung
LttGeSbrricht.
Die „National ßeitung* enthält folgende Mittheilung: „Es ist bekannt, daß der Minister des Innern, und zwar mit Rücksicht aus seinen wirklich angegriffenen Gesund- he tSzustand, dem Fürsten Bismarck den Wunsch vorgetragen hat, aus dem Amte zu scheiden. Der Fürst hat bem Grafen zu Eulenburg anheimgegeben, mit seinem Gesuche an den Kaffer zu gehen. Wir hören heute mit Be- stimmtheit, daß der Minister deS Innern, offiziell dem Kaiser seine Entlastung eingereicht hat." Die „Nordd. Allg. Ztg." fügt dieser Mittheilung hinzu: In den unzugänglichen Kreisen wird die vorstehende Mittheilung für richtig gehalten.
Politische W»chkN»Ueierstchl
i Der Landtag der preußischen Monarchie ist durch kgl. «otbnung aus Baden-Baden zum Sonntag den 21. ittobet nach Berlin zusammenberufen worden. Fürst ismark Hot nach kurzem Aufenthalt in Berlin, während ffen die Vorlagen für den Landtag seitens der StaatSre- ewng festgestellt worden, am Montag Morgen stch nach »rzin begeben, um dort noch bis Ende deS Jahres zu «veilen. Der BundeSrath hat am Montag unter Vorsitz g R ichSkanzleramtS Prästsenten Hofmann die erste Pie- »rsitzang seiner neuen Session abgeyallen, in welcher bk /ubepeUung siiner Ausschüsse erfolgt ist Zu seinen fan wichtigem Berathungen wird der preußische Stemp l- «erantrag gehören, übet welchen ihm der Bericht der owmisston übrigen» noch nicht zugegangen ist. Der Kron- ch» de» deutschen Reiche» vollzog am DinStag im Auf» age seine» kaiserlichen Vaters in Marienburg die Ent- lllung d'S hier errichteten Denkmals dl» großen Königs ciedrich II. Am Montag wurde bei St.ttin der Stapel- «f einer Corvette vollzogen, welche den E fatz für die Sazelle" zu bilden bestimmt ist und den Nomen „Stosch*
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'scheu [2052
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Dle langen Berathungen im cisleithanischen eichSrath über die Steuervorlage des Ministeriums haben reu Abschluß gefunden, indem der Antrag der Gentingen tung der PersonalE nkommeusteuer vor der Einschätzung naenommen rouroe. Im ungarischen Abg o dnetenhause hielt die Debatte über die Orientpolnik der Regierung B eigenthümlicheS Nachspiel. D r «bgeorbnde Helfy be- Mit sich darüber, daß er polizeilich beaufsichtigt werde, ir dehwegen, weil er sich nicht frei fühlte, von einer I - Hatton fioer den stebenbürgtschen Putsch abstehen wüste. Ministerpräsident TiSza machte darauf die Mitthei- >U, daß von der Regierung k-iuerlei Maßnahmm zur »lizeilichen Bewachung Heljy's angcordvel fritn, ttrfcbtr iligelegenheit vielmehr auf einem Mißverständnisse beruhe, ende mehrere von einem untergeordneten Polizeibeamten kpirirte Dienstwänner in die KiSfaludigaste, in welcher Abgeordnete Hel y wohnt, beordert gewesen seien, um । dort zu erwarten, und trrthümlich sich in die Wohnung elfy'S selbst begeben hätten. Der Sz fier Putsch kann « vollständig gescheitert betrachtet werden.
In Frankreich ist am 8. October die Periode, in telcher öffentliche Wahlversammlungen gestattet sind, abge- >553 tafen Im Allgemeinen ging eS in diesen Versammlungen miich ruhig und einnächtig zu. Am 9 wurde eine Peivat- *W effamwlung in Pari» gehalten, in der Gambetta eine ein hveidende Rede hielt, GrSvy zum Nachfolger auf dem ». «räsid-ntenstuhl empfahl, seine eigene Stellung ardeutete
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Sers ?rfte
ifrfdbeint täglich außer den Werktagen nach 6onn» und Feiertagen. PceiS sktr da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3»nJtTirtt» lintiflllitt' durch die Expeditton (Koch sche BuchdruckeeO) bezo^nAH Wait, durch die Postämter de» Deutschen Reiches 4 Wert 5» ff». (ejL Bestellgebühr). - Zmsertion^ebühr ftr die gehaltene Seile 1» Pf». Für in der Expedition zu ettheikende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf» berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermanusche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Merfeld; C. Schlotte in Bremen.
8. Januar. Schon während der Nacht erhieltm wir ien Befehl, daß morgen unsere ganze Division gegen la fette Bcrnard vorrücken solle und traten wir morgens km 8 Uhr diesen Marsch auf der großen Hauptstraße an. liigestört gelangten wir bis auf die Linie le Theil-Ceton, f so- »o die Huisue die Sttaße kreuzt; dort aber stießen unsere kavallerie-Patrouillen auf verschiedene Franctircurhausen, deiche Salven abgaben, dann aber, ohne sich in eine wei- M ’tte Discussion einzulaffen, sich in eiliger Flucht salvirten, jedoch
richt ohne eine Anzahl ihrer Kampfgenossen in den Händm dnserer Cavallerie als Gefangene zu lassen.
Je näher wir gegen la Ferte Bernard kamen, desto vhr wurde unser Vormarsch durch die von dem Feinde ___- ewirkte Demolirung und Verbartikaditung der Straße ge- inbert; ein tüchtiger Regenguß von oben herab machte tn Weg auch nicht angenehmer^ und als wir endlich ziem- ich müde den Flecken erreichten und uns schon auf die * hüten Quartiere freuten, gabs wieder eine bedeutende Ge- Htsverlängerung bei uns: Die 17. Infanterie - Division st-tte sich bereits vor uns in dm Besitz von la Ferte gesetzt tob mit ihr mußte nun unsere Division sich in die Quarte theilen. Da ginge natürlich wieder enge und knapp in; glücklich war der, der ein nur einigermaßen gutes Plätzchen zum Ausruhen seines müden Körpers fand.
. 9, Gegen Abend vernahmen wir von Norden J)er deutlich Kanonendonner, der und verrieth, daß dort der Feind ernsthafteren Widerstand leistete; bei Belleme war unsere Caval- fdric-Division mit ihm zusammengeraihm.