Utarßucg, Donnerstag, 11. October 1877.
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sich dahin verständigt: Die Regierung fährt fort of auszuwählen, aber der heilige Stuhl hat die iß, die Wahl der Regierung nicht zu bestätigen,
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Plisentation eine- neuen Kandibaten zu verlangen, wenn Borgeschlagene -bem Vatikan nicht zusagt. * — Man t nur eine geringe Keontniß bet einschlägigen Berste zu besitzen, um zu wiffen, baß bie Behauptungen italienischen Blattes völlig unbegründet sind. Die
Regierung hat ein auf die Bez'eh ungen der BI - bezügliches Gesetz weder vorgeschlagen noch „dpcch acht*. Der heilige Stuhl hat e» nicht gewagt, Bischöfe Latem zu ernennen, ohne das Ernennungsrecht des izS zu berücksichtigen. Diese Thatsachen sind völlig n. Das Konkordat zwischen Baiern und dem päpst Stuhl mthält klare und genaue Vereinbarungen über Ernennung von Bischöfen, welche keiner Interpretation en. Somit dürfte die ganze Mutheiluag des Halle* n Blattes bet thatsächlichen Begründung gänzlich ent
RtchtSbestoweniger müffn wir erwarten, sie h Reihe deutscher Blätter bona fide abgedruckt zu sehen.
Gegenüber den Auslastungen der Opposiilonspikffe in en hinsichtlich der Beziehungen zum Auslanve bringt „Jtalte* einen längeren Artikel, der offenbar au» ojfi
Feder gifioflen ist. Die Blätter der Opposition behauptet, daß Italien ganz ifolirt sei, höchstens Deutschland bestehe ein Einvernehmen, aber dasselbe
sei um den Preis der Würde und moralischen Unabhängigkeit Jta'ienS erkauft. Hierauf antwortet nun das Blatt: „Was unsere guten Beziehungen zu Deutschland betrifft, so wird man nnS hoffentlich gefälligst erlauben, daß wir unS darüber und über Alles, wog zu ihrer ferneren Befestigung dienen kann, herzlich freuen. Wir sehen in diesen Beziehungen ein Element des Friedens, eine Garantie gegen die Gefahren, welche die E rnngmschaften der Civilisatton bedrohen könnten. Der Feind, den Deutschland, Italien und auch Frankreich bekämpfen muffen, ist die europäische Klerisei im Bunde mit der ganzen politischen Reaktion. Und das ist eS, was unsere Polttk erk.ärt, welche nur die Feinde unserer Einheit beunruhigen kann.
«i» zerstörtes Slulk.
Erzählung von Carl Kessel.
(Sortierung.)
Georg mochte, nachdem der verhängntßvolle Schuß gefallen war, etwa fünf Minuten in einer an Bewußtloßig- Mt grenzenden Betäubung geblieben sein. Als er die Augen wieder öffnete, erblickte er Zulie, die sich bemühte, mit ihrem Taschentuch das Blut zu stillen, welches aus einer ziemlich breiten Wunde, die sich über seine Brust hinzog hervorquoll. Sie war leichenblaß, ihre Hände zitterten und drcke Thränen rollten über ihre Wangen, aber dennoch hatte bei alledem da« muthige und verständige Mädchen in diesem schrecklichen Augenblick die Besonnenheit nicht verloren und statt sich ihrem Schmerz and ihrer
rageSdericht.
Die „Italienischen Nachrichten* bringen heute einen ikel über angebliche Sireitigketten zwischen der baierischen tiung Ui d d.m Vatikan wegen der Konkordatsbestim« über die Ernennung von Bischöfen. ES heißt In
r Auslastung: „AIS die baierische Regierung vor zwei ren einen Gesetzentwurf durchbrachte, welcher die Bern der Bischöfe zu der Regiemng abänderte, glaubte die Hand BiSmarck» darin zu erkennen. Der heilige notificirte der baiertschm Regierung, daß er die Abgen nicht anzuerkennm vermöge, weil sie die Grund- deS Konkordats veränderten. Die Regierung that keinen Schritt zurück und wendete das neue Gesetz Der RuntiuS proiestirte von Neuem unb erklärte, ber Stuhl werde die Konkordatsbestimmung nicht mehr chtigen, wonach die baierische Regierung das Recht , dem Papst Bifchofskandidaten votzufchlagen. Rach Drohung liegen die Thatsachen nicht lange auf sich , denn der Vatikan ernannte in der Folge m-hrere
So war denn der letzte Abend des scheidenden, an weltbewegenden Ereignissen so reichen Jahres für uns alle noch einmal ein recht lichter und fröhlicher, und die Glückwünsche, die wir uns schlag 12 Uhr unter den feierlichen Klängen eines von unserer Musik gespielten Chorales darbrachten, waren etwas mehr als blos ceremonielle. Wie bald konnte es geschehen — und geschah ja auch in Wirklichkeit — daß wir weg mußten von dem Orte, wo wir, fast noch umtobt vom Kriegeswetter, ein so stilles, feierliches Weihnachtsund Neujahrsfest feierten, — und hinaus gings wieder auf die rastlosen, weiten Märsche, mit der Waffe in der Hand dem Feinde entgegen oder ihm nach und hinein in oen Schlachtendonner.
Der Blick auf die Vergangenheit', auf das, was hinter uns lag in dem allen Jahre und die Umschau auf die heute so fröhlichen Gesichter in der hell erleuchteten Tafelrunde — welch eine mächtige und zugleich so schmerzliche Sprache redeten sie zu dem Herzen! Ach, wie mancher, der damals in Jugendschöne voll Muth und Kraft aus Kaffel ausge- gezogen war, fehlte in den Reihen der Mannschaften sowohl, wie im Kreise der Osficicre. Wohl war einer oder der andere, dem unter treuer Pflege die vom feindlichen Blei gerissene Wunde geheilt war, wieder unter uns, oder es war doch wenigstens Hoffnung vorhanden, ihn bald wieder
fe in Baiern, ohne baS Präsentationsrecht bet Regie zu berücksichtigen, bie nun ihrerseits protestirte Ernennungen nicht anerkennen wollte. Endlich
1877.
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In Bulgarien hat sich nichts von Bedeutung zugetragen, lieber bie Kämpfe in Kleinasien verbreitet ein T legramm ber „Presse* aus Tiflis etwas Licht; eS konstatirt den Rückzug Moukhtar Pascha'S nach Kars. Hiermit ist beut* sich gesagt, daß ber Angriff ber Russen, welcher den Zw-ck hatte, Mukhtar Pascha von KarS abzudrängen, mißglückt ist. — Dem „Golos* berichtet man über die Kämpfe am 2. 3. unb 4 Oktober aus Karajal, 4. Oktober Folgendes: „Der dreitägige Kampf ist kaum beendigt unb bie Truppen sind in ihr Lager zurückgek-hrt. Während aller drei Tage führte bet Oöerkommandltenbe ber kaukasischen Armee, Großfürst Michael Nikolajewisch in bet Schlacht ben Oberbefehl. Am Dienstag 2. Oktober bei Tagesanbruch begann der allgemeine Angriff unserer Hauptmacht, welche im Lager bei Karajal zusammengezogen worben war. Der Angr ff war gegen bie Kommunikationslinie beS Feindes gerichtet unb wurde von drei Kolonnen auSgesührt. Der Ober# bist hl über dieselben war ben Generalen Schetmetje«, Ripp unb Schako anvertraut. Utr8 Uhr Morgen» nahm schon bie Kolonne des Generals Scherrmeijew ben Berg Groß-Jagvy mit Sturm. Leiber blieben alle Anstrengungen beS Generals Rcpp, welche gegen ben Berg Klein-Jagny gerichtet waren, erfolglos. Die Kolonne des Generals Schako wat bemüht, anfangs durch Artillerie- unb -hernach durch Klelngewcht-Feuet, welches gegen ben bei Chabshi wall stehenden Feind gerichtet wat, bie Türken zu verhindern, durch Zuzug frischer Truppen ihre Positionen bei Awlijart und Wlstnkew zu verstä ken. Es muß bemerkt werden, daß ber der Disposition entsprechende Befehl des Korpskommandanten, General Lieutenants Lotis-Melikow, diese Punkte zu besetzen, nicht erfüllt worden war, unb daß es ben Türken schon am Mittag gelungen wat, bebtu- tenbe Verstärkungen an biefen beiden Haupipunkten, bem Schlüssel ihrer ganzen Position, zusammenzuziehen. Mittler# weile war gegen die Höhen von Kisil Tapa zum Zweck einer Diversion Artillerie unb Kleingewehr-Feuet eröffnet und Herzensfreunde sonst, die über einen „Zappelhannes" (eine der bekannten Papierpuppen, deren Glieder mit Fäden in Bewegung gesetzt werden), den einer dem anderen be- scheert und welchem gerade der Geschenkgeber durch zu starkes Zupfen die Strippe abgerissen und so das für bejahrte Kriegsleute recht passende Spielzeug momentan unbrauchbar gemacht hatte, derart in Streit geriethen, daß Mord und Todtschlag nur durch energische Intervention ihrer Kameraden verhütet wurde.
scheint täglich außer ben Werttagen nach 6otm- unb Feiertagen. Preis für bas Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „JIifrtrtH durch bie Expedition (Koch'fche
«uchbruckerei) bezogen »1 Wert, durch die Postämter de» Deutschen Reiches 8 Wert 5» Pf,, (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebtthr ftr bie gespaltene Zeile 10 Psg. Für in ber Expedition zu ertbexlenbe Auskunft und Annahme »en Adressen werden 15 Psg. berechnet.
wotbrn. Die Abtheilung beS Generals Schelkownikow, welche bie schwächste war und ben Feinb über ben Kumbin- Posten umgehen sollte, nahm bie türkischen Laufgräben auf ben Höhen von Alabshi. Dank den rechtzeitig getroffenen Maßregeln, suchten bte Türken vergeblich ole kleine Abthei- lung Schelkowuikow'S zu umzingeln unb sie kehrte glücklich am Dienstag ins Lager zurück, nachdem sie erfolgreich durch die feindlichm Truppen vurchgefchlüpft war. Alle anderen Regimenter nächtigten auf dem Schlachtfelde, auf den Positionen, welche sie beim Hetkinbrechen der Dämmerung eingenommen hatten. — Mittwoch, 3. Oktober, blieb nufere rechte Flanke vollständig unthät'g, theils weil die Truppen sich in äußerster Ersqöpfung befanden, theils wegen der Nothwendigkelt, die Abtheilung vorläufig mit Waffer zu versorgen, woran ein großer Mangel sich fühlbar gemacht hattt. Sm selben Tage begruben wir die Tobten unb schafften bie Verwundeten weg. Am Abend führten die Türken in der Absicht, unsere Hauptmacht ans ihrer KommunikationSlinie zu verdrängen, eine Attake auf unsere linke Flanke au6, welche vor Subotaa stand. Hier entspann sich ein erbitterter Kampf, in welchem schließlich die Türken zmückgeworsen wurden. Uaterbefien birigirten die Türken hinter der Schlachtlinie ihre Streitmaffen vom Berge Kisil Tapa nach «wlijard. Dieser Kau ps bei Sn botan unb die wahrgenommene Bewegung der türkischen Streilklüfte nach Awlijart zwangen uns, die Kolonne beS Generals Scheremeijew abzurufen, welche auf diese Weise bei Nacht ben Berg Groß-Jagny räumte, ben sie erst am Vorabend mit Sturm genommen. — H uie, ben 4. Oktober, machten bie Truppen unserer rechten Flanke sich schon am Morgen zum Berge Kabachtspa auf. Die Türken suchten diese Bewegung zu verhsturr» und schritten zweimal zum Angriff, wurden aber zurückgeschlagen.
Neueste KriegSnachrichten:
Petersburg,- 9. Ott. Die Meldung eines Wiener Blattes von ber Redueirung de» Metall - Capital« der Eisenbahnen .beruht auf absichtlicher Entstellung. Die fragliche Maßregel betrifft ausschließlich die Actien einiger Compagnien und wurde seiner Zeit durch MiaisterialauSschrei- bcn an Berliner Bankhäuser mltgetheilt, dieses Schreiben auch veröffentlicht. Die garantirten Obligationen bleiben von dieser Maßregel unberührt.
Petersburg, 9. Olt. Offizielle Meldung au« Gorni Stuben vom 8. d.: Von unserer auf der Straße nach Osman-Bazar stehenden Abtheilung wurde am 5. d. eine fliegende Solenne südlich von KeSrowo gegen bas Dorf KoSlubeg entsandt, um die Lascht Bozuks für ihre Räubereien und Mordtgaten zu befi.afen. D e Türken wurden unvermuthet Überfallen, erlitten bedeutende Verluste bei uns zu sehen, aber wie so viele konnten nimmermehr wiederkommen! Bei Wörth und Sedan, bei Orleans und Poupry, bei Bretoncelles und Cravant oder auch daheim im deutschen Lande hatte über ihren Heldenleichen ein frühes Grab sich geschlossen.
Und morgen vielleicht schon konnte mir oder dem Kameraden, dem ich eben die Hand drückte, dasselbe Loos fallen, wie denen, deren wir in stiller Trauer gedachten. Doch warum, auch ohne gerade leichtsinnig zu sein, die sonst so fröhlichen Stunden, wie sie uns ja so selten beschiedeu waren, mit dem Gedanken, an das was da kommen könnte, »erbittern? In Gottes Hand liegt die Zukunft, diese Stunde aber hatte^er uns geschenkt und ihrer galt es sich zu freuen: die erfte Stunde eines neuen Jahres war es, von dem wir uns (die gegenseitig wünschten, daß es einem jeden von uns ein fröhliches und glückseliges werden möge!
(Sortierung folgt.)
(Forlseyung.-
81. Deccmber. Der Sylvesterabend wurde natürlich i uns fröhlich und guten Muihes, ja fast unbekümmert
ltiaen nimmt entgegen: Expedition d.vlatteS, .je d-Snnoncen-Bureaux i Th. Dietrich & Co. in M und Hannover; Th. Trichin Frankfurt a.M.; -Lienstein & Vogler in ----~ inkfurl a. M., Berlin, (UUt «zig, Cöln k. ; Rudolf Ctt» if« 'n Berlin, Frank- e s! ^lurl a. M. rc.
—- Wor sieben Jahren.
f lrtuch einet DreiunbachtzigerS aus »em Deutsch - fran-
i zöfifcheu Kriege 1870/71.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herma»,»iche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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[ bie vielleicht wieder blutige Zukunft gefeiert.
DaS Officierkorps holte im Cheval blanc die am Weih- - habend unterbliebene Christbescheerung nach. Natürlich - le nicht das Symbol deutscher Weihnacht, der im Hellen terschmucke prangmde Tannenbaum, und bei seinen ® «mdm Kerzen mürben von den Offi eieren sich gegen- 9 8 kleine Geschenke bescheert, scherzhafte und praktische, 10 eben die Laune oder das Glück im Ankäufe es dem 6 Henkgeber räthlich und möglich gemacht hatte.
’ Ueberall, unsere Truppen an diesem und den beibeti j ttwen Weihnachtsfestm in Frankreich im Quartier lagen, S kn ja die Weihnachtsbäume geleuchtet, wenn es nur i Dermaßen sich machen ließ, und ihre Lichter haben in * kllades- und Feindesherzen einen Ton angeschlagm, der . 8» noch nachgeklungen ist.
. Mit vollem Recht schrieb darüber damals ein Bericht- Ü ®ter: „Ich habe einmal aus französischem Munde die ische Weihnachtsfeier bespötteln und sie etwas Kindisches hören. Kindisch ffk sie nicht, gewiß aber recht kind- i wohl unserem Volke, wenn es niemals diesen kindlichen stt.S' ^.verliert, der Weihnachten recht feiern lehrt! Auch :b,88* Kindern im Soldatenrock ist das Himmelreich!"
Daß solche Kinder im Soldatenrock übrigens auch hie da recht kindisch gewesen sein mögen, ist wohl anzu- schrieb mir doch bald nachher mein Bruder von Landwehrleuten seiner Garnison, beide Familienväter
v.
hei«
laot, etfr