Mr. 233.
Marburg, Freitag, 5. October 1877.
XII. Jafrtaif.
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la,eigen nimmt entgegen: z, Expedition d.Bluttes, owie d.Annoncen-Bureaux l0n Th- Dietrich & Co. in »affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt ; laafcnftcin & Vogler in taidfurt a. M., Berlin, einzig, Cöln rc.; Rudolf goffe in Berlin, Frank- furt a. M. rc.
(Oliriiifffifdir Jritimg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlutteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Herma«>nche Buchhandl- daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich anßer de» Werktagen nach Sonn- und Feiertage». Preis für das Quartal mit der »»Lchentlichen Beilage „Vl»ftrirt»S durch die Expedition («och'fche
Buchdruckerri) bezöge» U Mart, durch die Postämter des Deutsche» Reiches i Mart 50 Pf», (exl. Bestellgebühr). - JusertionSgebühr für di« gespickte»- Zeile lt Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Sdreffe» werde» S5 Pf», berechnet.
- Evangelische Taufen und Trauungen.
B«t der Einführung der neuen Gesetze über die Civil
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Äwebuch eine# DreiundachtzigerS aus dem -rutsch - sran- zöstschen Krieg« 1870/71.
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tbt und die Beurkundung deS Personenstandes war in den irchltch gesinnten Kreisen der evangelischen Bevölkerung die vcsorgnitz weit verbreitet, daß durch die Aushebung des t«ulichen Zwanges in Bezug auf die kirchlichen Akte der Lause und ver Trauung die Beziehungen des Volke« zur Suche in weiten «reisen erschüttert und gelöst werden wür «a: man meinte, daß ein erheblicher Theil der Ehen nur ~ tot dem Standesamt«, nicht mehr unter dem S->gen der
Kirche geschlossen, daß eine große Zahl von Kindern nur bürgerlich angemeldet, aber nicht mehr durch die h-tlige taufe der Kirche zugesührt werden würden, — daß mthin der Zusammenhang des Volkslebens mit der Kirche gerade l» ven wichtigsten Punkten mehr und mehr aufgehoben
— gcaährt «ar.
Glücklicher Weife hat sich die Erwartung derjenigen ichirigt, welche im Allgemeinen der christlichen Sitte des Jo keS vertrauten.
Eine zuverlässige Feststellung in Betreff der Taufen tob Trauungen in den evangelischen Gemeinden Preußens fit das Jahr 1876, welche von dem Preußischen Sla fischen Amte veröffentlicht worden ist, weist nach, daß ia der ganzen Monarchie unter je 100 ehrlichen Kindern,
Würde.
Bon anderen Setten wurde von vorn herein die Zu
»aficht festgehalten, daß das christliche GlaubenSlcben und & christliche Volkssitte in den bei Weitem überwiegenden feilen des Landes stark genug sein würden, um der christ. lichm Taufe und Trauung ihre segensreiche Stellung und Wirksamkeit fast überall zu erhalten, und daß vorausst cht- stch nur in den dem kirchlichen Sinn und Leben innerlich dSllig entsremdetea Volksschichten der größten Städte auch ihre äußere Abwendung von dem bisher nur auf bürger- er lichkM Zwange beruhenden Zusammenhänge in größerem / llmsauge «folgen würde. So bedauerlich eS unzweiselhast , P, daß für diese immerhin zahlreiche Schichten auch jene 1 e itzien Gelegenheiten verloren gegangen st 16, wo wenigstens bann und wann ein befruchtender Sonneustiahl des Glau- 'st"ng brnS in ein sonst unzugänglrches Herz (ollen konnte, so äugte gegenüber der staatlichen Nothwmdtgkeit der neuen -es tzgebung umsomehr die Hoff rung aufrecht erhalten wer dm, daß e« der evangelischen Kirche selbst durch kräftige Siederausrichtung ihres eigenen inneren Leben- und durch «llmälige Wiederbelebung der in ihr schlummernden Kräfte züingen werde, auch jene ihr eniftembeten Kreise wieder p kirchlicher Sitte heranzuziehen ut b mit ihren eigenen ivlichen Mitteln den Einfluß in höherem Maß.- wieder I» gewinnen, der ihr bisher durch die Hülfe des Staates
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11. Deeember. Sonntag. Wir rückten heute mit der jage vor und kamen über die Schlachtfelder vom 9. mtb lü. Deeember, auf denen es noch schauderhaft aussah. Die Tobten lagen noch zu Hundertm unbegraben auf dem selbe, bic nachstgelegenen Ortschaften hatten burch unser tob feinbliches Granatenfeucr sehr zu leiben gehabt unb » allen Richtungen sah man qualmende Trümmer.
12. Deeember. Zu unserer größten Zufriedenheit Mlrden wir heute auf dem Marsche von einer Compagnie bti 95. Regiments von der Bagagestbegleitung abgelöst und freuten uns noch mehr, als wir Abends unser 1. Bataillon in der Stadt Oucques wieder antrafen. (Oucques liegt ton Orleans westlich, jenseit des Marchenoirwaldes und litor 45 Kilometer von Chateaudun entfernt)
Wir bezogen in Oucques ganz erträgliche Quartiere M konnten in denselben doch endlich einmal unsere Kleiber trocknen; bei bem unaufhörlichen Regen bet letzten Tage hallen wir vom 10. Deeember an keinen trockenen gaben Hehr auf bem Leibe.
f 13. Deeember. Heute war Ruhetag anbefohlen unb »utbe derselbe auch redlich gehalten. Da die Stadt mit Trupps zu überfüllt war, wurden wir heute in der Art einquartiert, unsere Compagnie ihre Quartiere in einer nahe gelesenen Ortschaft nehmen mußte. Ich kam mit der Regiments- Hilsik auf eine große Ferme ins Quartier, und da hier Noch — ich kann sagen — vollauf Lebensmittel vorhanden ®aren, so machten wir uns fämmtlich das lange nicht ge- tafient Vergnügen, uns einmal „rund herum" satt zu essen.
welche aus rein evangelischen Ehe» geboren sind, durchschnittlich je 94 die evangelische Taufe erhalten haben Die Gesanmtzahl würde sich noch höher stellen, wenn neben Provinzen, wie Westfalen, wo sämmtliche Kinder aus rein evangelischen Ehen getauft sind, Schlesien und Rheinland, wo 99 von 100, Hkffen-Naffau, wo 98 von 100, Hannover, Pommern und Posen, wo 97 von 100 ehelich geborenen Kindern getauft wurden, nicht beim Gesammtdurchschnitt die Provinz Brandenburg in'S Gewicht fiele, in welcher verwöge der Einwirkung der traurigen Verhältnisse von Berlin nur 86 getaufte Kinder aus 100 ehelich geborene kommen.
Der thatsächliche Ausfall an Taufen ist übrigens noch nicht so erheblich, wie eS nach vorstehenden Zahlen erscheint, da von den Neugeborenen viele schon in der ersten Lebenszeit vor der Tauft durch dm Tod fortgerafft werden.
Geringer ist die Zahl der Taufm bei unehelichen Kindern evangelischer Mütter, — nämlich 80 auf 100 für die ganze Monarchie, noch weit ungünstiger stellt sich die Zahl bei evangelisden Mischehen, unter welchen die Zahl bis auf 20 evangelische Taufen unter 100 Kindern herabgeht.
Was die Trauungen betrifft, so sind in der ganzen Monarchie von je 100 rein evangelischen Egen über je 85 kirchlich getraut wo:den. Auch hier wird der Durchschnitt dadurch herabgezogen, daß neben P ovinzen, wie Hannover und Rheinland mit über 97, Westfalen mit nahezu 97, Posen und Schleswig-Holstein mit 93, Hcffen- Raffau mit 92 und Pommern mit 91 von 100, dagegen Brandenburg h Folge der Verhältnisse von Berlin mit 66 von 100 in Betracht kommt. Im Allgemeinen ist wah-zu iehm n, daß eineStheilS da, wo die evangelischen Gemeinden in unmittelbarer Berührung mit katholischen wohnen, andecncheilS da, wo die evangelische Kirche schon seit längerer Zeit eine seibststäadige Organisation besitzt, wie in Hannover, SchleSwig-Halstein, MeABMib «nd Westfalen, die Beehältnißzahl der evangelischen Trauungen, wie der Taufen eine Höhere ist.
Eine beachtungSwerthe Thatsache ift endlich, daß die Verhälinißzahl der Taufen vom Jahre 1875 zum Jahre 1876 bereits eine wenn auch geringe Erhöhung nachweist.
Jedenfalls ergibt sich aus den vorliegenden Thatsache», daß kein Grund zu kleinmüthigen oder gar verzweifelten Auffassungen der in Rede stehenden Verhältniffe vorhanden ist.
Wenn die evangelische Kirche aus Grund der geschaffenen Einrichtungen eines selbstständigen Gemeinde- und Syno dallebenS, nach den Hoffnungen des Königlichen Schirmherrn, wieder innerlich erstarkt, so wird sie, wenn auch «st
14. und 15. Deeember. Diese beiden Tage wurden uns nochmals zu der uns so nöthigen Ruhe vergönnt; wir ließen es uns auf unserer Ferme, so weit der Heinere Dienst es gestaltete, recht wohl sein. In diesen Tagen herrschte bei uns, namentlich von Seiten der Infanterie an die Ca- vallerie, starke Nachfrage nach Fußbekleidungen, da die un- serm in einem jämmerlichen Zustande sich befanden — und viele von unseren Leuten, wie bereit# gemeldet, in Holzschuhen marschirten.
16. Deeember. Morgens um 6 Uhr marschirten wir von Oucques aus in westlicher Richtung bis Freteval, um dort die Vorposten der 17. Infanterie-Division abzulösen. Freteval liegt, von Oucques 10 Kilometer entfernt, am Loirfluß (nicht zu verwechseln mit der Loire!). Die Franzosen hatten den Fluß, auf dessen jenseitiger Seite sie standen, aus Dertheidigungsmaßregeln bei Freteval gestaut, so daß das Thal, durch welches der Loir fließt, einem See glich; gleichzeitig hatten sie auch die Brücke bei Freteval gesprmgt.
So war denn durch Jnundatio^ und Brückensprengung zur Genüge dafür gesorgt, daß wir aeb die Franzosen hübsch auseinander blieben und uns nicht wieder in die Haare geriethen, und unsere Position war, wenn auch nicht Alles so dabei herging wie damals, ungefähr dieselbe, wie sie jener alte hessische Veteran in vornapoleonifcher Zeit erlebt hatte und schilderte: #
„Die Franzuhse staune jenseits vom Rhein ou mer ftanne diesseits; also schuhst die nu rüroroer, on mer schuhst als emol enüwwer. Sälwigrnol kohrn nu der Gros Oels: Kinder! fäh're, es ist Alles verloren! Rette sich, wer kann! Aewwer do goabs Feuer, do hieß sich's gebommelt! die Fliünte eweck! die Säwiln eweck! die Bad- darundäsche weckgeschmässe! die Karnäsche ststgekneppt! die Brudbeul'n behille m« — on da gelohfe, säichs on dräißig
allmälig auch die Kraft finden, die Mißstände und Gefahren auf den erwähnten Gebieten zu überwinden. (P.-C.)
Tagesbericht,
Die „Prov.-Corr." enthält eine Hinweisung auf die tnthümlichen Auffassungen der Ultramontanen und deren Selbsttäuschungen hinsichtlich der augenblicklichen Stellung der Regierung und ihrer Anhänger zu den kirchen-politischen Gesetzen, namentlich zu einer etwaigen Revision der letzteren; zur Widerlegung dieser Illusionen reproduc rt die (Sorte» spondenz den Leitartikel der „Norbd. Allq. Ztz * vom 2. Oct. — Dass Ibe Organ thellt mit, die Eröffnung des Landtages werde voraussichtlich am 21. Oktober im königlichen Schlöffe zu Berlin stattfiuden.
Während e« ursprünglich in der Absicht de« Reichs- kanzlerS lag, Ende der vorigen Woche nach Beilin zurückzukommen, hat er feinen Aufenthalt in Friedrichsruhe noch bis Ende dtestr Woche verlängert. Die Frau Fürstin Bismarck dürste bis Mitte Oktober in Tölz verweilen. Wahrscheinlich wird Fürst Bisma ck noch bis zur Eröffnung der Landtagssesston, welche nach der „Prov.-Corr." am 21. d. stattfiuden wird, in Berlin bleiben. LegationS- Bucher wird den Reichskanzler nach Varzin begleiten.
Wie wir hören, dürfte der Rückcritt des Hande!Smini- sterS Dr. Achenbach als ein Anzeichen dafür betrachtet werden, daß die Pläne des Fürsten Bismarck wegen Errichtung eint« ReichShandelSamteS ihrer Verwirklichung bedeutend genähert sind. In wie weit die Joee, ba« Handels- unb VerkhrSwefen des Reichs in einer ReichSbehörbe zu centralifiten, Eigenthum des H-rrn May bach ist, haben wir nicht zu untnsuchen. Aber eS ist eine Thatsache, daß das Projekt der Reichseifenbahnen in Herrn Maybach ihren Urheber hat. — ES ist ferner eine Thatsache, daß das Projekt d« ReichSeismbahn-Jdee zu dem Gedanken an btt Errichtung eines Reichs - Handelsamtes führte. He« Maybach wird vermuthtich d« Nachfolger Achenbachs werden und die Angelegenheit, welche den Beifall des Letzteren nicht vollst Lndig besaß, mit der größten Energie betreiben.
Gegenwärtig finden nach Mittheilung der „Köln. Ztg." Verhandlungen wegen Abänderung mefcmec Bestimmungen b« Maß- und GewichtSordnung vom 17. August 1868 statt. Aus den dem Reichskanzler deshalb vorgetragenen Wunsch des ReichSnormaleichungSamtS find die Einzelregierungen «sucht worden, durch ihre zuständigen LandeSbchör- den Gutachten etnzuholcn. Zunächst wird danach beabstch-
Stonn eän cm Steck, des mer noch Meenz kohme; do worrn mer da eän.Seächerheet!"
Die Franzosen unterließen es übrigens nicht, an ihre Anwesenheit uns zu erinnern und sandten uns von Zeit zu Zeit vorn jenseitigen Ufer aus eine Granate h«über, ohne uns jedoch Schaden damit zuzufügen; von uns wurde dagegen ihr Feuer in keiner Weife erwidert.
Heute war ein regnerischer, unfreundlicher Tag.
17. Deeember. Gegen Mittag bemerkten wir, daß der Feind die uns gegenüber liegenden Höhen räume unb konnten nun unsere Pioniere baran gehen, bie zerstörte unb noch brennenbe Brücke zum Uebergange nach Freteval wieder herzustellen. Innerhalb anderthalb Stunden hatten sie ihr Werk vollendet und marschirten wir nun über den Loir in das von seinen Einwohnern gänzlich verlassene Freteval. Die Quartiere daselbst warm übrigens gut.
(Fortsetzung folgt.)
Ei» zerstörtes Stück.
Erzählung von Carl Kessel.
(Fortsetzung.)
Und hiermit war diese Komödie auSgespielt, welche noch täglich in der Wrlt vorkömmt und die sich, so lange eS noch menschliche Leidenschaften, StandeSbegriffe und Stan- deSunt-rfchiede giebt, noch oft genug wiederholen wird. Graf Wilhelm, das künftige Haupt der Familie, hatte ba» Recht einen Willen zu Laße n, auf welchen Rücksicht genommen werden mußte und « fand es nöthig, daß fein Bruder für einige Zeit auf Reifen ging. Seitens bet Letzteren wurden habet keine Einwendungen erhoben, eine einzige Stunde hatte ihn zum Fremdling in feiner Hrimath gemacht; n fühlte jetzt ba» Bedürsniß betten aus dem