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Marburg, Dienstag, 2. October 1877.
XII; Jahrgang.
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Der Abzug Mehemed Ali'» von der russischen Angriffs- front Mid sein Zurückgehen in eine eigene befestigte Position auf dem rechten, das linke überhöhende Lomufer ist jeten- fallS daS Hauptereigniß der Woche. Nach dem siegreich bestandenen Gefechte von Sinankoi am 14. September war Mehemed Ali auf dem rechten Ufer de» Banicka Lom langsam stromaufwärts gezogen, lieferte sieben Tage später, am 21., von Tscherkowna und Vibowka au« ein gegen Tschairkot gerichtetes RccognoScirungSgesecht (Sinankoi und Tschairkoi sind drei Meilen von einander entfernt I) um nach der gewonnen Ueberzeugung von den bei der russischen Armee eingetroffenen Verstärkungen drei Tage später um fünf Meilen in östlicher Richtung zurückzugehen. Diesen Kreuz - und Querzügen dcS türkischen Felvherrn kann nur die Absicht zu Grunde gelegen haben, die russische Front an der schwächsten Stelle zu durchbrechen, und nachdem eine solche nicht aufzufinden gewesen, hat der Serdar Ekrem stch wieder seiner OperationSbastS und mehr noch — seinen Magazinen genähert. Nach einem Telegramm aus Gornii-Studen (f. Neueste Kriegsnachrichten) ist bei diesem Rückzüge der Feto, telegraph Mehemed Aii'S in russische Hände gefallen.
Die Situativ» bei Plewna ist im Wesentlichen unverändert. Nach einer der „Pol. Corr." vorliegenden Meldung auS Bukarest vom gestrigen Tage machen die Rumänen in ihren Erdarbeiter! gegen die große Redoute bei Grivitza erhebliche Fortschritte, ohne hierbei irgend welche Verluste an Mannschaft zu erleiden.
Der „Preffe" zufolge befanden stch am 25. zwei Garderegimenter bereits bei Plewna, zwei andere sollten an diesem Tage von Gornii - Stuben, wo ste vom Kaiser be- stchtigt worden, nach Plewna abrücken. Durch Bukarest passtrten am 26. staike russische Kavallerieabtheilungen; für jedes der im Felde stehenden russischen Infanterie Regimenter ist eia viertes Bataillon bestimmt.
Neueste Krieg-nachrichten:
Petersburg, 28. Septbr. Auf Befehl de« Großfürsten Nikolaus wurde der Correspondeut des „Standard", Frederik Botl, au» der Armee und Rumänien entfernt, weil derselbe am 5. ds. auS Poradim Nachrichten über die Dislokation der russischen Truppen und die Befestigungen mit- lheiÜe. — Eine Depesche deS „Golos" auS Jzdyr vorn 28. meldet: Die ganze Nacht am 27. d. war oaS Weiter äußerst stürmisch und wüthcte am Morgen ein wahrer Orkan. Deffen ungeachtet eröffneten die Türken um 8 Uhr Morgen- einen Angriff auf unseren rechten Flügel. Der Angriff war zuerst gegen den Karavauserai-Paß gerichtet, wo 5 Compagnien von verschiedenen Regimentern der 39 Division unter Gerat Lieutenant Dewall standen
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«--eigen nimmt entgegen: Ze Expedition d.Blatte», Eie dAnnoncen-Bureauk icfl Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. z^rich in Frankfurt a.M.; sEsenstein & Bögler in Irtmtfurt a. M., Berlin. Ltxzig, Cöln rc.; Rudolf «offe in Berlin, Frant» furt a. M- rc.
heit folgenden Artikel, den wir felbstverständlich mit jeglichem Vorbehalt reproduciren: „Der deutsche Militärattach« in Wien hatte sich alle die Fabrikation der UchatiuSkanoue betrtffenden Notizen zu verschaffen gewußt und wollte ste feinem italienischen Collegen mittheilen. Dieser nahm natürlich daS Anerbieten dankbar an, ohne darnach zu fragen, wie der College in den Besitz deS so sorgfältig verwahrten Geheimnifs.S gekommen war. Da viele Zeichnungen zu kopiren waren, so beauftragte er einen hn italienischen Con fulat beschäftigten Schreiber damit, und dieser wendete sich, da er die Zeichnungen, wie er dem Major Mainoni ganz offen g standen hatte, nicht selbst kcplren konnte, an einen Oesterreicher seiner Bekanntschaft. Dieser nahm die Zeichnungen mit stch nach Hause und machte stch sofort an die Arbeit. Da ihn aber sein Bruder darauf aufmerksam machte, daß diese Arbeit vrrbotm sein möchte und ihm Uu- gelegenheiten zuziehen könnte, so erschrak der gute Oester- reicher und lief ohne stch lange zu besinnen aus'S Kriegs, mtnistertum und fragte, ob er diese Zeichnungen kopiren dürfe oder nicht. Man kann stch die Ueberraschung der Beamten deS KriegSmintsteriumS vorstellen. Der weitere Verlauf der Angelegenheit ist bekannt."
ES hat, wie die Berliner „Börsenzelttmg" erzählt, Jemand stch die Mühe genommen, die verschiedenen KriegS- bulletinS Wiener Blätter, die sich nachträglich als Humbug erwiesen, zusammenzustellen. Darnach wurden von Schlachten, von denen, wie sich später herauSstelltr, keine der kriegführenden Mächte etwa» weiß, geschlagen: In der „Neuen Freien Presse" 3, in der „Deutschen Zettung" 7, im „Fremdenblatt" 1, im „Neuen Wiener Tagblatt" 19, im „Extrablatt" 17, in der „Morgenpost" 5, in der „Vorstadt Zeitung" 9, in der „Tagespresse" 2, in der „Wiener Abenvpost" 1. In diesen Schlachten sollen gefallen sein: Nach der „Reuen Freien Presse" 390,000 Russen, nach der „Preffe" 12,000 Ruffen, nach der „Deutschen Zeitung" 176,000 Ruffeu und 5000 Rumänen (außerdem berichtet die „Deutsche Zeitung", daß ein russisches Infanterieregiment in die Donau getrieben wurde), nach dem „Neuen Wiener Tagblatt" 210,000 Ruffeu, nach dem „Extrablatt" 380,000 Russen, rach der „Morgenpost" 140,000 Ruffen, nach dem „Fremdenblatt" 27,000 Russen, nah dec „Vorstadtzeitung" 100,000 Ruffen, nach der „TageSpreffe" 4000 Ruffen. Den Sqipkapaß haben die Russ n geräumt: Nach der „Reuen Freien Preffe" 7mal, nach vem „Neuen Wiener Tagblatt" llrnal, nach der „Preffe" 4mal, nach dem „Extrablatt" 7mal, nach der „Vorstadt-Zeitung" 3mal, nach der „TageSpreffc" Imal, nach dem „Fremdenblatt" tmal, nach der „Wiener Abendpost" 2mal.
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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis fit das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „giuftrirtH LanntasSdlatt" durch die Expedition (Kochfche Buchdruckerer) bezogen LH Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches L Utext 5» Pfg. (eil. Bestellgebühr). - JusertionSgebühr für bie gespaltene Zeile II Ufa ” Für in bet Expedition ,u ertheilenbe Auskunft und Annahme von Abtefieu werben U ff», berechnet/
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Das Londoner „Eastern Budget", Organ deS Grafen ftuß, bemerkt nachträglich über die Salzburger Minister egegnung: „ES fanden keinerlei Unterhandlungen währ-nd « Salzburger Enlrevue statt, doch war dieselbe ein Zwischen ifl von beträchtlichem Werth sowohl für Oesterreich Ungarn iS auch für Deutschland, denn bie von den zwei leitenden 8aatSmännern dieser Länder in ihrem Verkehr bei dieser Selkgenheit bekundete-herzliche Befriedigung zeigte, daß sie i Hinblick aus die großen Katastrophen, welche durch den flieg noch herbeigebracht werden mögen, der Ansicht feien, I würbe die beste Politik für Deutschland wie für Oester eich-Ungarn sein, die Einigkeit zwischen denselben noch leitet zu befestigen."
Die brafilianische Regierung hat die Bestimmung ge- rrffeu, die in Europa neuerdings angeworbenen AuSwan- erer wieder zu entlaßen, weil die bereits in Brasilien bi- »blichen Auswanderer erst zweckmäßig untergebracht Werts müffen. Diese Entschließung ist den Regierungen der mrrpäischen Staaten aus dem diplomatischen Wege mltge- feilt worben. Obwohl nun die Regierung und die Preffe Mwährend die Warnung wiederholt, den Vorfpieg-langen et AuS axmderungSagenten keinen Glauben zu schenken, so eben die letzteren doch immer noch ihre Opfer. So kamen ■ 26. d. Mts. wieder 6 Familien, im Ganzen 40 Per- cnen, die auS dem Regierungsbezirk Oppeln und aus drr egcud von Raugard stammten, durch Berlin, um über dtiveipeu nach Brasilien auSzuwandern und dort natürlich ^terzugehen! Man wird stch schließlich nach wirksam n Kitteln umsehen müffen, um die betreten AuSwanderungS- chigen vor ihrem ficherru SBerteiben zu bewahren.
Die „Liberi L" veröffentlicht über die UchattuSangelegeu-
Auf das mit dem 1. Oktober beginnende litrir Cnartal ersuchen wir die Bestellungen Ulf die
Bberhessische Zeitung
nebst deren Gratisbeilage
Zllustrirtes Sonntagsblatt
iei den Postanstalten baldigst machen zu wollen.
Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Sestellungen entgegen.
Die Exped. der Oberh. Zeitung.
<ü« zerstörtes Glück.
Erzählung von Carl Kessel.
(Fortsetzung.)
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Diese erröthete. Frau Köhler war nach langer Zeit Über die erste Frau, welae ihr Achtung und Vertrauen istößte. DaS arme Kind sühlte das Bedürfniß, an einem dicklichen Herzen eine Zuflucht zu suchen, aber noch l&te sie ja nicht, welche Ausnahme ihr zu Theil werden fcbe. Indessen auch dieser Zweifel verschwand bald. Eia - tätet prüfender Blick ihrer Beschützerin traf sie, dann >igte ein freundliche« befriedigendes Lächeln derselben und iießlich schloß ste da« junge Mädchen voll Innigkeit in tt Arme und strich demselben da« schöne schwarze Haar N sichtbarer Theilnehme aus den Schläfen.
L Das Herz Elvira« wallte über und sich fest au Frau Mer anjchmiegend, brach ste in lautes Schluchzen aus.
Letztere konnte ebenfalls ihre Bewegung nicht verbergen M drückte eiuen mütterlichen Kuß auf die Stirn ihrer Mvehrigen Adrptivtochter.
r.OH, ich fühle mich so wohl in Ihrer Nähe," tief W, „ich könnte wünschen ewig bei Ihnen zu bleiben. M dankbar wird Ihnen mein guter Vater sür Zhr liebe- ^sis Entgegenkommen sein!"
Frau Köhler wechselte mit dem Grafen einen Blick sagte der Letztere tief bewegt:
Auch ich danke aufrichtig sür Ihr sreundlicheS Eingehen *1 meine Wünsche. Gott lohne st- für Ihren Eselmuth; i kann mich doch nun völlig beruhigt entfernet,! — *r«it verbeugte er stch und verschwand, während er noch ^Fortgehen auf da« junge Mädchen itebivoll seine Augen vete.
In welchem Berhältniß die Dame, welche wir den Lesern
hier vorgesü^rt haben, zu dem Grasen stand, werden dieselben später erfahren. Für jetzt erscheint eS noihweudig, auf andere, mit dieser Erzählung im engen Zusammenhang stehende Verhältnisse zurückzukommen.
Ueberlaffen wir daher bie junge Sennora der Liebe und Sorgfalt ihrer neuen Beschützerin; wir werden ste später wieder aufsuchen. Natürlich konnte ihr der Tod ihres Vater« nicht lange verborgen bleiben; ste beweinte denselben, wie dies jedes gute Kind gethan haben würde, aber e« war dies auch zugleich ein Grund ihren neuen Freunden nur noch mehr Vertrauen und Dankbarkeit zu schenken. Den Bemühungen des Grafen gelang e« durch Vermittlung der spanischen Gesaudschaft die mit Beschlag belegten Papiere de» Don Philippo de Armero zurückzuerhalten. Er hatte sich ein beleidigendes Wort gegen einen sehr hochgestellten und mächtigen Marn in feinem Vaterlande erlaubt und mußte fl ehen, um dessen Rache zu entgehen. Krank und von Mmeln emblößt, kam er in Pari« mit seiner Tochter und einer Person an, auf deren Treue er stch glaubte, verlassen zu tonnen. Diese P-rson war jene« alte Weib, welches wir bereits kennen gelernt haben.
WaS den Baron von Rosenau anbelangt, so erhielt er die von dem Grafen von Haller geforderte Genugthuung und kam mit einem Stich in den rechten Oberarm davon. Nach seiner Genesung war er plötzlich verschwunden, seine Freunde sagten, er sei nach England abgereist um der Rache eines beleidigten Ehemannes zu entgehen. Auch ihm werden wir später wieder begegnen.-----
In der Hauptstadt eine! kleinen süd deutschen Staates bildete zu der Zeit, in welche unsere Erzählung fällt, aus einem der Hauplätze ein in ausgedehnten Dimensionen erbautet Palast eine der vorzüglichsten Zierden derselben Eine breite Rampe führte zu dem stattlichen, von Säulen getrogenen Portal hinaus und wenn man durch daffelbe
trat, befand man stch in einer geräumigen Vorhalle, eie mit FreScomalereien versehen und mit antiken Figuren aus f.inem Marmor geschmückt war. Breite gewundene und und mit weichen Teppichen belegte Treppen führten zu den oberen Stockwerken hinauf und Diener in reichen Livreen kreuzten stch in den oberen und unteren Gängen dieser eleganten geräumigen und herrschaftlichen Wohnung. Aber ftotz der Pracht, welche überall hervorblickte, machte doch das ganze keinen freundlichen Eindruck und der Besucher fühlte stch unangenehm berührt, wenn er über diesen glatten Steinboden schritt und sein Ohr, bei der Stille, welche überall herrschte, nichts als den Schall der eigenen Schritte berührte, ober wenn die Diener mit gesenktem Kopfe und ernstem Geficht lautlos und schweigend an ihm vorübergingen.
Diese» Haus, wo Pracht und Luxus mit düsterer Abgeschlossenheit Hand in Hand gingen, gehörte dem Grasen von Haller, welcher an der Spitze des fürstlichen Cabinets stand. Der Graf gehörte einem der ältesten Geschlechter Deutschland» an und sein Vermögen war groß genug, den Namen, den er führte, in würdiger Weise zu repräsentirm selbst wenn er nicht die Stellung eingenommen hätte, die er inne hatte. Er war ein strenger und finsterer Mann stolz und von fast eifersüchtigem Ehrgeiz erfüllt, in Betreff d « Platze», welchen er in fast unmittelbarer Nähe de« Throne» einnahm. MUde Regung kannte sein Herz nicht zeigte er stch denselben jedoch ausnahmsweise einmal zugänglich, so lag demselben sicher irgend eine zwingende Uifad)e zum Grunde, deren Gewicht er sich nicht zu entziehen vermocht hatte. Ein solcher Chargier, der bet feinen Urteilen nur immer die äußeren Verhältnisse in» Auge faßte und hiernach den Maßstab für fein Benehmen a »legte konnte keinen hohen Begriff von Menschenwürde hegen und unmöglich geneigt fein, dem Werthe derselben