r. 229
JHütßurg, Sonntag, 30. September 1877.
xii. Za-rgarg-
WMW^eitW
1
I
187
Die Exped. der Oberh. Zeitung.
Uelttifche Wiche«»Ueterficht.
Ö4Q
Preis
af
t
baldigst machen zu wollen, nehmen die Landpostboten
er die tn en el. er« er» !o- It» ti«
n-
wählen, die vom Minister de» Innern auf den 14. Oktober ausgeschrieben wurden. Das Elyfse stellt officielle Codi daten des Marschalls Mac Mahon auf, deren Liste am 2b. September im Ministerrath endgültig beschlossen wurde, und läßt dieselben durch Maueranschlag verkündigen. Die Justiz- und BecwaltungSbeamten haben von den betreffenden Ministern Weisung, keine Kritik des 16. Mai zu dulden, und die Staatsbehörden, die republikanische Preffe noch schäi fer als bisher aus'S Korn zu nehmen; die monarchistischen O gane dürfen fich dagegen alles ertauben und ungestraft vom Nieder kartätschen der 363, falls dieselben wieder gewählt werden, reden. Die Verfechter des 16. Mai arbeiten so ohne alle Achtung vor dem Gesetz, daß, wenn die 363 siegen, die sämntiichen Wahlen der osficiellen Candtdaten kasstrt werden dürften. DaS Eceigniß der Wsche, um nicht zu sagen der ganzen Wahlperiode, ist ThierS' politisches Testament, daS am 25. S ptember veröffentlicht wurde und wie in Paris, so in der Provinz einen tiefen Eindruck machte, auch im Äuslande mit besonderer Aufmerkiamkeit gelesen wird. Die Vertheidigung der konservativen Republik, der Grundsätze von 1789 und die Ve-urlheilung des 16. Mai konnte keiner kundigeren Feder anvertraut werden, und der .greise', jetzt der „große Staatsmann' genannt, spricht aus dem Grabe; solche Stimmen aber pflegen den Franzosen besonders tief zu ergreifen.
In Spanien ist der Admiral Pavia an Stelle An- trquera's zum Marineminister ernannt worden.
Das innere politische Leben in England ruht während der Ferien des Parlament« fast vollständig; alle Kreise der Bevölkerung blicken mit gespanntester Aufmerksamkeit auf die Ereigniffe auf dem bulgarischen Kriegsschauplatz; die Bewunderung, welche man vielfach für die russisch« Armee gehegt hatte, ist völlig geschwunden, und die überwiegende Mehrheit des Volkes bekundet mit jedem Tage deutlicher in Wort und Schrift und durch Gelbdeitiäge ihre Sympathie für die Türken. In Regierungskreisen hat sich die Stimmung für Ausrechttryaltuug der bisherigen Neutra- litätspolitik mehr und mehr befestigt.
S.it den großen Kämpfen in der ersten Hä.fte des September ist in der russisch-türkischen Kriegführung eine Art von Ermattung etngetreten, die, zumal da die russischen Verstärk» igm j.tzl endlich cinzutreffen scheinen, wohl kaum ander- denn als eine Borläafertn der letzten uad für dieses Jahr entscheidenden Schläge ausgefaßt werden darf, denen alsdann im nolhwendigen Anschluß an die Witterung entweder die gänzliche Einstellung der Feindselig ketten oder aber ihre Beschränkung auf den Festung-krieg folgen würde.
Auf das mit dem 1. Oktober beginnende rtt Quartal ersuchen wir die Bestellungen die
_ exTagesbericht.
Der Reichs- und Staats Anzeiger veröffentlicht eint Kaiserliche Verordnung, durch welche der BundeSrath auf den 8. Oktober einberufen wird.
Die Germania hatte den Staats-Anz4ger wiederholt aufgefordert, ihr nachzuweisen, wo dieselbe, wie das amtliche Blatt behauptet hatte, für die LoSreißunz Preußisch- Polens und die Wiederherstellung eines national polnischen RricheS agitirt habe. Der Staats-Anzeiger antwortet tu feiner neuesten Nummer darauf durch den Abdruck eine» Artikels der Germania, welcher einen detaillirten Plan zur Wiederherstellung eines polnischen Reiches enthielt. In der Einleitung zu dieser Reproduktion sagt der Staats Anzeiger: in den der Germania nahestehenden Kreisen werde es nicht unbekannt sein, daß der in dem ultramontanen Blatte „ent- w ckckie, detaillirte Plan zur Wiederherstellung eines polnischen Reiches nicht iu dem Rrdackionsbu eau der .Germania' entstanden ist, und welche Bewandtniß eS mit dem Vorschläge hat, an die Spitze eines der projrk.irten polni- schen Bundesstaaten einen preußischen oder (uad darauf würde eS wohl abgesehen sein, da kein preußischer Prinz eine von Preußen loSgeriflene Provinz wird bcheri schen «ollen) „einen dem preußischen Königshaus« nahe stehenden (mol) Prinzen' zu stellen.'
Der soeben publizirten Statistik der deutschen ReichSpost- und Telegraphen Verwaltung für 1876 zufolge umfaßt das deutsche ReichSpost- und Telegraphen Gebiet 445,2621/2 Quadrat-Kilometer. Aw Ende des Jahres 1876 betrug die Gesummt;ahl der Postanstalten 6664, der Telegraphen- Anstalten 2532, der Verkaufsstellen für Postwerthzetchen 5152, der Poftbriefkasten 38,422, der bet der geoachten Verwaltung beschäftigten Personen 60 330. An Postsendungen wmdeu inSgesammt befördert 1,103,299 853 Stück, an Telegrammen 10.649 944 Stück. Der Gesammtwerth der durch die Post übermittelten Gelssendunaeu belief stch auf 14 237,220,943 Mk., das Gesammtgewicht der Paketsendungen auf 228,629,750 Kilogramm, die Gesammtrin- nähme auf 116,967,739 Mark, die GesammtauSaabe auf 109,414,845 Mk., der Überschuß auf 7,552,894 Mk.
Neueste KriegSnachrichten:
Konßanttnopel, 27 S pt. Der Tommaudant von Bazardjtk meldet vom 26. Sept.: Aegypttsche und sicher- kefstfche Reiterschaaren schlugen 100 Mann russische Ca- vallerie bet Mossiou. — Suleiman Pascha berichtet vom 25. Sept.: Angesichts de« vom Seraskierat an Mehemed «li Pascha ergangenen Befehls zum Angriff auf Bjela wurde Seadaik.rai (?) Pascha von Suleiman Pascha angewiesen
ei den Postanstalten
Auf dem Lande eftellungen entgegen.
Die Aufregung, welche in Oesterreich-Ungarn ch die Salzburger Zusammenkunft hervorgerufen worden, ! einer ruhigeren Erwägung Platz gemacht; nam ntlich s «gyarischen Kreisen ist man von der seltsamen Lesürch i iz, daß Fürst Bismarck den Grafen Andraffy drängen I Ak, zu Gunsten Rußlands im Orient mit den Waffen I iaterveniren, zurückgekommen; man erkennt vielmehr, der deutsche Reichskanzler lediglich feinen Einfluß — sia ausübt, Oesterreich in seiner neutralen Stellung, in de' lcher es ruhig den kommenden Ereigniffen entgegensetzen uh, zu befestigen.
Vie Kräfte PiuS DL sollen fortwährend abnchmen,
Laser Kaiser hat nunmehr seine diesjährigen Truppen aen beendet und sich zum Herbstaufentha't rach Baden Kn begeben, um dort am 30. d. M. in gewohnter Weise G-bunStag der Kaiserin zu feiern. Fürst BiSmarck, hSsA am Freitag Mittag aus Salzburg in Berlin eintraf, gfin t nach einigen Besprechungen mit den übrigen Staat« - bfbin Wern in Betreff der dringenden Vorbereitungen zu den unt, Headen parlamentarischen Sessionen sich bereits am Sonn tehi $ I11 einige Tage aus sein lauenburgischeS W-ldgut be- "2407 dm- von welchem er in diesen Tagen zurückerwartet wird, t----i Betreff der vertraulichen Besprechungen deS Fürsten mit
R Grafen Androssy in Salzburg vernimmt man bis jetzt t ganz im Allgemeine , daß beide Kanzler durch d.esech-n * \ f beiderseitiges fortdauerndes Einverständniß über die lei- idm Gesichtspunkte der gemeinsamen Politik von Neu-m skstigt gefunden haben.
inteigen nimmt entgegen: le Expedition d.BlatteS, loi e d-Annoncen-Bureaux jn Th. Dietrich & Co. in ^ffel und Hannover; Th. üerrich in Frankfurt a.M.; mafenftein & Vogler in rankfurt a. M., Berlin, kipzig, Eöln ic.; Rudolf joffe in Berlin, Frank
furt a. M. ic.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaur von @. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herma«.>tche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
scheint tilalich außer den Werktag« nach Soun- und Feiertagen. Preis ftc das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „3t*trtxtH CamttuMIatt" hurt tu, ZZüZZ E""»bru<kerei) bezogen M-tt dur» die Postämter deS Deutschen Reiches 3 M ff," (erL $ gÄ SW *1*
S»r in der «xpedttion zu ertheileude Auskunft und Annahme von Adressen werden »5 Pf«, betonet B öeue ” VT1,
t- H auch von einer eigentlichen Krankh.it nicht die R de äcken 1 iann. Die siebente Jahresfeier der Einnahme Roms |g A die Truppen Victor Emanuel'S ist am 20. d. unter t üblichen Betheiligung festlich begangen worden.
f2387 Frankreich lauscht dem Vorspiel zu den D-putirien-
W Dsierhessische Zeitung
meint nebst deren Gratisbeilage
holp sllustrirteS Sonntagsblatt
’v
[2
I,
-vkj. nonat1 8 pr
wohnt mein Vater; oh kommen Sie, daß wir ihn der Angst, in welcher er sich meinetwegen befindet, be
Nur noch einige Augenblicke Geduld, Mademoiselle," der Gras, welcher plötzlich einen Gedanken zu ver- schien, „lassen Sie mich vorauseilen und Don Al aus Ihr Erscheinen vorberAten. Sic sagte», er sei i in solche» Fällen ist eS immer gut, einer plötzlich a
Ein zerstörtes Stück.
Erzählung von Carl Kessel.
(Fortsetzung.)
Sind »fr am Ziel-" frag«"die juckgeDlÄM!',' fich von ihrem Sitz erhebend und mit Ungeduld nmher-
ck, mein Gcdächtniß verläßt mich mitunter. Don de Armero? . . Ja, ganz richtig, jetzt erinnere
'S* der hat hier im vierten Stock gewohnt.'
tlf
SW.
II.
itt
teruug vorzubeugen."
-Sie haben Recht. Aber zögern Sie nicht länger.
-- welche Freud» wird sein Herz empfinden, wenn er in Se > wieder in seine Arme schließen tannl"
das junge Mädchen lchntc sich in eine Ecke des fchstn hws und fuhr in ihrem Selbstgespräch fort, indem es it dtl d, zu welchem eS zurückzukehrra im Begriffe stand, untcmwd Schmeichelnamen gab.
tdiM naser Bekannter war inzwischen auSgestiegen und hatte —"f^t Loge deS Portiers genähert. Er redete denselben an. 177- l »tonnen Sie mir Jagen, ob hier ein Herr wohnt, der r ~on Philippo de Armero nennt?"
4 JL’r®“ Philippo de Armero? — Warten Sie einen
liia .
betest»3®, dieses alte Haus mit seinem weiten buttfltn Thor ist eS — ich erkenne es wieber — dort im vierten
„Er ist also auSgezogen?'
„Nein, mein Herr, er ist gestorben."
„Mein Gott! . . ." rief der Gras erschrocken.
„Ja, mein Herr, so ist es. Er scheint arm gewesen zu sein, wenigstens reichte das Geld, das man bei ihm fand, kaum hin, um ihn einigermaßen anständig zu beer- bigen."
„34 danke Ihnen," sagte Herr von Haller, indem er dem Pottier eine Krone in die Hand drückte.
„Befehlen Sie noch sonst eine Auskunft?" fragte dieser sich vei beugend.
„Hatte der Verstorbene keine Angehörigen?"
„Anfänglich befand sich ein junges Mädchen und eint ältliche Frau bei ihm. Beide verschwanden aber einige Tage vor seinem Tode."
„Arme Elvira," murmelte der junge Mann.
„Sie scheinen diesem Gegenstand viele Theilnahme zu schenken, mein Herr. In der That ist es auch sonderbar. Ich verrnuthe fast, daß ein politisches Geheimniß dahinter steckt.' —
„Ein politisches Geheirnniß?'
„Ja. Kaurn hatte Don Armero nämlich die Augen geschloffen, al< auch schon der Königliche Prvkurator erschien und fich sämmtlicher Papiere deS Verstorbenen bemächtigte.'
„Wie, der Königliche Prokuratoi?'
„Ja, mein Herr, der Königliche Prokurator. — Ich habe die Ehre, Ihnen einen guten Morgen zu wünschen.' Und hiermit schloß der Portier das Fenster seiner Loge und überließ eS dem Grafen, sich in dieser Sache weiter zurecht zu finden.
„WaS ist hier zu machen?' dachte dieser, indem er noch einen Augenblick sinnend stehen blieb.
„Die Dinge verwirren fich immer mehr. Wenn ich
mich dennoch getäuscht hätte! . .' Aber sogleich verwarf sein edles Herz einen solchen Gedanken, denn schon lieble "daS junge Mädchen stärker, als er fich dessen viellttcht selbst bewußt war,
„Sie darf bitfen neuen Schlag, der stc getroffen hat, fetzt nicht erfahren," fuhr er in seinem Selbstgespräch fort, „«S wird noch Zett genug fein fit hiermit bekannt zu machen, wenn sie fich in einem ruhigen Zustande befindet. Aber wohin nunm-hr? Welchen Händen übergebe lch sie? Wo findet sie ein anständiges, ihrer Lage angemeffenes Asyl?'
Plötzlich schien sich seiner ein Gedanke zu bemächtigen. „Gut, vortrefflich — das wird gehen!" Und schon im nächsten Augenblick saß er au der Seile seines SchützlinaS und rief dem Kutscher zu:
„Rue du Temple Nummer vierundsechszig.'
„Mein Herr, ich beschwöre Sie,' tief das junge Mädchen händeringend, während der Wagen fortrollte, „seien Sie edel und großmülhig!" —
„Beruhigen Sir sich Donna, Sie befinden sich unter dein Schutze meiner Ehre."
„Aber mein Vater l Weshalb bringen Sie wich nicht zu meinem Vater?'
„et hat feine Wohnung verlassen. Ich «erde mir Mühe geben, seinen neuen Aufenthalt zu ermitteln. In- zwßschen ist es nothwendig, daß Sie vorläufig ein ansiän- diges Unterkommen finden.'
Elvira sank in eine Ecke des Wagens und begann von Rarem in Thränen auSzubrechen,
AÜstchttn?""' ft6t” ®ie 3®dfel in die Redlichkeit meinet
*n dntm iu« Herzen sprechenden, mtt sanfter Stimme hervorgebrachten Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.
«Ich halte Sir für einen edlen Mann,' lispelte das