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JRarßurg, Sonntag, Z3. September 1877.
xii. Jahrgang.
WMW Jritmiß
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BtatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermm.ufche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
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ist- Politische Woche», Uetersicht.
Kaiser Wilhelm hat sich vorigen Sonnabend, nachdem Truppenschau über des 8. (rheinische) Armeekorps am rg.) »rgen beendet worden, Abend- nach Cobkenz begeben » sodann am Sonntag von dort auf den Niederwaid Ä um Mittag die Feier der Grundsteinlegung zu dem ^^rbsichtigten großen Germania Denkmal statt fand. Sonn.
Abend reiste der Kaiser von RüdeSheim weiter nach «l-ruhe, wo er seit Montag Paraden und Manr över I 14 Armer corpS besichtigt. Das Befinden des Kaisers t bet ollen Anstrengungen ein ununterbrochen vortreffliches »esen und der begeisterte Empfang Seitens der Bevölke tag hat, wie die veröffentliche« kaiserlichen Dankes werte umgrn, sein Herz erfreut al- „alle berechtigten Erwar- g| ngen übertreffend". Am Mittwoch hat die schon lange VMkündigte Begegnung zwischm dem Fürsten Bismarck «b dem Grafen Andraffy in Salzburg wirklich stattge- vden. Daß man sich für eine alsbaldige Friedensver- velung verständigen sollte wird in Mutschland nicht für shrsch^in ich gehalten. Die Minister Gras Eulenburg und Dr. fiedcnthal find von ihren Ferien in Berlin wieder ein getroffen, »die Vorarbeiten für den Landtag nunmehr möglichst zu be- lmnigen, und auch Fürst Bismarck, der Ende dieser loche in Berlin erwartet wird, soll behufs Feststellung gen| Reichstags- und Landtagsvorlagen mehrere Tage in g J Hauptstadt verweilen wollen.
° Die beiden parlamentarischen Kö-perschaftm Oester- ich-UngarnS haben ihre Thätigkeit wieder begonnen »ächst werden die Regierungen sowohl in Wien wir in mehrere Interpellationen, welche von Mitgliedern der kiterschiedenstrn P,rieten bezüglich der Stellung der öfter- kanrchischen Politik zur orientalischen Verwicklung gestellt gege», zu beantworten haben. Besondere Aufregung erregte )t dbuogarischen Reichs! athe die Anfrage Appo y'-, ob dir 232tzierung die Aktion Serbien- verhindern wolle.
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Wor sieöen Jahren.
877.
177.
Es war eine blutige, gräßliche Viertelstunde, die wir t durchmachen mußten, aber:
„wenn es nun soll gestorben sein, so geb ich willig mich darein und denk in meiner letzten Noch an meinen lieben HErren Gott,
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und im Gebet ja immerzu ich JEsu Namen rufen thu', und meine Seele schreit in mir: HErr JEsu hol mein'n Geist zu Dir!" , war der Gedanke, der, wie vorher so manchmal, auch "al mich und gewiß so manchen anderen Kameraden ___. lte und mit heiligem Muth erfüllte.
Der Feind wollte und wollte nicht weichen, endlich aber e . er doch und zwar so langsam seinen Rückzug aus »Prr, an, daß manche seiner Leute von den Unseren auf "77 bis 30 Schritte Entfernung niedergeschossen wurden, erst Der Tod forderte bei diesem Kampfe zahlreiche Opfer, "ders am südlichen Dorfausgange, wo die Todten buch- lich in Haufen lagen, wie ich es in diesem Kriege nur
—> kl und zwar in dem Hohlwege bei Sedan gesehen. !77. Ein weiterer Vorstoß gegen den Feind als über die
ke des Dorfes hinaus, welcher von dem 94. und 95. t 9 ""ent ausgeführt wurde, bei welcher Gelegenheit der •®3' !»de - Commandeur Oberst von Kontzky den Heldentod
’r schien nicht räthlich, da von Arlenay aus immer kre feindliche Colonnen heranrückten und die feindliche ziemlich zahlreiche Artillerie ein gewaltiges Feuer auf
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. m »buch eines Dreiundachtztgers aus Bem deutsch - fran-
’ | jöfischen Kriege 1879/7 l.
(Fortsetzung.!
All ellm eye [23
D. W ittci
Die neuesten Waffenerfolge der Türken haben in England ebenso große Bewunderung wie Befriedigung hervorgerufen. Die Anhänger der russischen Politik sind fast völlig verstummt, während nur Gladstone sich noch von Zeit zu Zeit durch seltsame Ansprachen an ihn besuchende F«uade und noch seltsamere Zuschriften an die Redaktionen eirz-lner Blätter bemerkbar macht.
Der italienische Ministerpräsident weilt in seinem Wahlbezirk Stradella und jNicotera wird sich demnächst behufs Maßregeln zur Unterdrückung der Maffia nach Sic-lien begeben. Der Papst hat sich zwar von seinen jüngsten KrarkheitSanfällen wieder erholt, seine frühere Rüstigkeit dagegen noch immer nicht ganz wieder ge. wonnnen, so daß mehr denn je wegen einer Beeir.fluffuna der nächsten Papstwahl intriguirt wird.
Frankreich ist ganz in Wahlvorbereitung. Der Präsident der Republik hat auf seiner letzten Rundreise da- Wort Republik, das er wie die Sünde meidet, oft genug hören müssen, da eS zum Stichworte der Republikaner im jetzigen Parteikampfe geworden ist. Von Bordeaux bis Toms wurde Mac Mahon immer stiller von „feiner" Politik; in Portiers, der „Gottesstadt", wurde er j doch wie der Bischof Pius als Mann Gottes und der Kirche pomphaft begrüßt. Dem Wahlmanifest des Marschalls, das am 19. September erschien, soll da- EinberufungS- decret, das gleichzeitig erwartet wurde, nun erst am 22. Sept, folgen, wie denn überhaupt in den RegierungSbe- fchlüffen eine gewisse Unsicherheit nicht zu verkennen ist. Ueber die Führerschaft der republikanischen Partei herrscht noch immer eine gewisse Unklarheit: Grsvy ist augenscheinlich ängstlicher, als er scheinen will; die wüthenden Angriffe der CoalitionSblätter gegen ihn blieben offenbar nicht ohne Wirkung. Dazu kommt die Stellung zu Gam- betta, die ungleich fchwterige^für einen Grövy ist, der ein braver Mann, aber kein großes politisches Licht ist, al« für den überlegenen, gereiften Geist eines Thiers. Der Herzog von Aumale scheint nicht übel aufgelegt zu sein, auf die Führerschaft zu speculiren.
Die letzte Woche ist die blutigste im ganzen seitherigen Verlauf deS Krieges gewesen. Anstatt aber den Russen die langersehnten Erfolge zu verleihen, hat sie nur noch deutlicher a!S bisher die Unfähigleit der russischen Heeresleitung und die todeSmuthige Tapferkeit der gemeinen türkischen Selbaten an den Tag gelegt. Nachdem die Beschießung von Plewna seit dem 7. d. ununterbrochen fortgesetzt worden war, wurde am 11 d., dem Namenstag des Kaisers, ein allgemeiner Sturmangriff unternommen, der, trotz der ungeheuren Verluste, bis zum Abend noch nicht das geringste Ergebniß geliefert hatte. AIS sich aber der Kaiser enttäuscht und ermüdet vom Schlachtfeld zurückzog, gelang eS auf
dem rechten Flügel den mit russischen Bataillonen untermischten Rumän n, die große Redoute von Grivitza durch Ueberraschung zu nehmen, und auf dem linken Flügel dem General Ekcbeleff, sich in zwei kleinen Erdwerken zu behaupten, welche die RückzugSlinie Osman Pafcha'S empfindlich bedrohten. Zn der folgenden Nacht versuchten die Türken vergeblich, die verlorenen Stellungen zurückzuerobern, am 12. aber gelang es ihnen, die zwei südlich von Plewna gelegenen Redouten wiederzunehmen, wobei die Abtheilung des General- Skobeleff wegen Mangel an Unterstützung nahezu emgerieben wurde. Ein am 14. auf die verlorene Retoute von Grivitza unternommener Sturm der Türken scheiterte zwar, doch ist euch der russische Angriff seitdem wegen der ungeheuren Ziffer der Verluste in-Stocken gerathen. Bis zum Nachmittag de- 14. bezifferten nämlich die amtlichen Telegramme den russisch-rumänischen Verlust auf 16,000 Tobte und Verwundete, «ährend die Türken beim Aufenthalt in ihren gedeckten Stellungen nur geringe, bei ihren ver» schiedenen Sturmangriffen dagegen ebenfalls große Verluste erlitten. Osman Pascha hat sich somit mehr aus eigener Kraft gehalten, als weil die Hülfe Mehemed Ali'S sich bereits fühlbar gerächt hatte. Dieser Feldherr ist von seinen Stützpunkten Rustschuk, Esktdjuma, Osmanbazar und Schumla mit äußerster Vorsicht zwar andauernd, aber doch nur sehr langsam vorgerückt. Er hat keine einzige Schlappe erlitten, und zwar eine Reihe kleinerer, aber keinen entscheidenden Sieg erfochten. Noch hat er die Jantra an keiner Stelle überschritten, seine Vorpostenkette erstreckt sich vielmehr längs den Ufern des Banicka Lom, trotzdem aber hat fein Vorrücken im russischen Hauptquartier eine keineswegs geringe Aufregung hervorgerusen. Zunächst wurde die ganze Lomlinie von dm Russen geräumt und dann auch der größte Theil deS seither bei Timowa stehenden 11. ArmeccorpS nach Bjela herangezogm, bei welcher Bewegung eS zu einem für di« Türken siegreichen Treffen bei Sinan- ktöi kam. Bei Bjela und Jaly Ablanava stehen jetzt unter dem Großfürsten Thronfolger drei ruistsche ArmeccorpS vereinigt, deren äußerste Vorposten sich bis Mecka, Trstmic, Cernica und Sinankiöi erstrecken. Am nördlichen Fuße des Balkan« bei Tirnowa, Gabrowa und am Schipkapaß stehen nur noch das 9. Armeecorps unter Radetzky und die 4. Schützenbrigade, wozu aber jüngst noch eine weitere Brigade hinzugekommen sein soll. Zwar haben sich die Reiterscharen einer durch die östlichen Balkanpäffe vorge- gangenen Abtheilung Suleiman's b.reitö bei Elena gezeigt, doch halten die Russen östlich vom Schipkapaß die Orte Elena und Bebrowa und in westlicher Richtung Trojan und Lowatz noch immer besetzt, um durch diese weite räumliche Ausdehnung einen Verkehr Suleiman Pascha's mit einer der beiden onbeten Armeen unmöglich zu machen.
uns eröffnete. Wir mußten uns damit begnügen, wenigstens Poupry zu halten.
Rechts von uns standen unsere Batterieen einem heftigen Kleingewehr- und Mitrailleusenfeuer ausgesetzt und erlitt hier unser Füsilierbataillon, das als Bedeckung diente, enorme Verluste; von Allen, die ihn kannten, tief bedauert^ fiel hier der brave Bataillons - Commandeur v. Lengerke von mehreren Kugeln durchbohrt; erst wmige Tage zuvor war er mit Ersatz-Mannschaften von Kassel au§ beim Regi- mente eingetroffen. Ob wirklich darin historisches Factum zu Grunde liegt, weiß ich nicht, aber weil es für das Ansehen spricht, in welchem das Verhalten des FüsilierbataillonS an diesem Tage bei den beiden anderen Bataillonen stand, will ich es nicht unerwähnt lassen, daß bei uns von Mund zu Mund erzählt wurde, die Bataillonssahne habe eine Zeit lang gefehlt und sei von einem verwundeten Füsilier, der an einem Stock zu seiner Stütze suchte, mit ihrem Schafte aus einem Haufen von Todten und Verwundeten des Bataillons hervorragend gefunden, von ihm hervorgezogen und so wieder dem Bataillon überbracht worden.
So arg als bei Poupry ist meines Erachtens unser Regiment in keinem Treffen während des ganzen Feldzuges im Feuer gewesen. — ,
Das Getöse und Donnern auf der ganzen, etwa-drei Stunden langen Schlachtlinie war entsetzlich; immer stärker wogte der Kampf hin und her, immer gewaltigere Truppenmassen brachte der Feind, der augenscheinlich unseren linken Flügel umgehen wollte, in das Gefecht; dort am linken Flügel litt hauptsächlich das 94. Regiment sehr stark (Regiments- Commandeur und 16 Osficiere verwundet), so daß ihm unser 1. und 2. Bataillon zur Hülse eilen mußte. Als wir zur Unterstützung der 94er an den linken Flügel, gegen den nun der Hauptangriff des Feindes sich richtete, geeilt waren, empfing uns ein überaus heftiges Mitrailleusenfeuer, das uns indessen
wenig Schaden zufügte. — Wenn ich nicht sehr irre, war es bei dieser Gelegenheit, wo Unterofficier Heller unsere Bataillonsfahne aus t>en Händen des verwundeten Fahnenträgers nahm — und sie, begleitet von dem Bataillonsführer, Hauptmann v. Gröling, uns mit den Worten vorantrug: Kein Dreiundachtziger geht zurück! —
Der früh hereinbrechende Abend machte endlich dem Kämpfen und Morden ein Ende; der Feind begann sich auf Artenay zurückzuziehen und konnten wir, von ihm ungesehen und unbehelligt, unseren Rückmarsch zu dem hinter Poupry stehenden Gros antreten.
Es war ein heißer Tag gewesen, dieser Tag von Poupry, und wer am Abend desselben noch seine gesunden Glieder hatte, konnte mit vollem Fug und Recht sagen: Gott sei Dank, daß der Tag zu Ende ist!
Dem schrecklichen, wenn auch für uns günstigen Tage folgte eine nicht minder schreckliche Nacht. Wir mußten im freien Felde bei Poupry bei grimmiger Kälte bivouakiren und durften kein Feuer anzünden; der Hunger war groß und der Durst peinigte uns, denn von früher Morgenstunde an war kein Pissen oder Trunk über unsere Lippen gekommen.
Abends um 10 Uhr erhieltm wir Befehl, Vorposten zu beziehen, ich kam auf Feldwache und mußte mit meinen Leuten mitten im Felde ohne irgend welchen Schutz bivouakiren; nnr einige Bunde Stroh dienten uns zur Unterlage. Zum Glück durfte hier Feuer angemacht werden, zu allem Unglück aber fing eö auch noch tüchtig an zu schneien: für uns hätte das am Ende weniger zu bedeuten gehabt — aber die armen Verwundeten!
(Fortsetzung folgt.)