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JRarßurg, Donnerstag, 20. September 1877.

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»uieigen nimmt entgegen: tie Erpedttion ».Blatte«, jomie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in xaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

ObchkUchk jcitiniii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermau.t'fche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

frf&eint tlalick außer den Werktagen nach Soun- und Feiettagen. Preist für dast Quattal mit der wöchentlichen Beilage „SlnKrirtest «nRntaststölRtt" durch die «rpeditton («°ch'sche Buchdruckerei) bezogen 31 Wext, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Wext 5# Pf». (e$l. Bestellgebühr). - JnsertionHebübr für die gespaltene Seile 10 Pf», gttt in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.

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i Die Exped. der Oberh. Zeitung.

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Tagesbericht.

Der deutsche Botschafter in London, Graf Münster, der vor einigen Tagen dem Minister der auswärtigen An- gelegeoheiten, Lord Derby, in KnowSley einen Besuch machte, ist gestera'von London abgereist, um sich nach Salz­burg zu begeben. Der Umstand, daß Graf Münster eigene von London nach Salzburg reist, dürste denn doch ein Beweis sein, daß die Kanzlerbegegnung nicht so ganz privater Natur oder eine Sache reiner Höst chkeit sein kann, als uameritlich österreichische Blätter melden. Graf Münster wird den R-ichSkanzler auf dem Rückwege nach Bersin de gleiten und zum Freitag daselbst eintreffen.

Auch in Gastein hat der Reichskanzler von seinem Ur­laube insofern wenig profitirt, als er foriwährend mit Ge- schästen überladen war. Zu einer eigentlichen Ruhe hat er demnach nicht gelangen können. Indessen soll der Auf. enthalt in Gastein dem Fürsten sehr zuträglich gewesen sein. In Bestätigung einer früheren Meldung erfahren wir, daß der Aufenthalt des Reichskanzlers in Berlin nur wenige Tage dauern wird.

Ueber die Affaire des italienischen MajorS Mainoni bezüglich deS Geheimnisses der UchatiuS - Kanone bemerkt der „Courrier d'Jmlie": .Wir sind in der Lage zu be­haupten, daß Major Mainoni niemals dm geringsten Schritt gethan hat, weder bei einem Angestellten deS öster­reichischen Arsenals noch bei anderen Personen, um daS Seheimniß der UchatiuS-Kanone zu erlangen. Die ganze Welt weiß, daß in Italien der General Rosset dazu ge­langt ist, Kanonen auS tonbenfirter Bronte zu sabriciren, welche die gleichen Eigenschaften der Widerstandsfähigkeit und Elasticität besitzt, wie die UchatiuS - Bconce. Es er­scheint d.rnnach seltsam, daß unser Militär Aitars in Wien

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Aor sieben Zähren.

Tagebuch eine» DreiundachtzigerS aus dem deutsch - sran- zöfischen Striege 1870/71.

(gortfegung.;

Die augenscheinlich geringe Zahl des Feindes und die ungünstige Witterung mochten wohl den Commandirenden bestimmt haben, uns den Befehl zu ertheilen, Vas Gefecht »bzudrechen. Wir wurden also aus dem Walde auf die Hauptstraße nach Chateauneuf dirigirt, auf welcher wir vorwärts marschirten, bis wir Abends um 8 Uhr bei voll­ständiger Dunkelheit in Chateauneuf ankamen und sehr enge und dürftige Quartiere bezogen; die 1. Compagnie lag in der Ferme neuve. (Chateauneuf mag ungefähr 25—39 Kilometer von Chartres, in nordwestlicher Richtung, entfer.it fein.)

IV. November. Für heute war Ruhetag angeordnet, der uns auch nach den Strapatzen der letzten Tage wahr­haftig noch that. Ganz war es freilich kein Ruhetag, denn das Jnstandsetzen unserer Waffen und Monürungsstücke, das heute vorgenommen wurde — (und wir sahen jetzt lange nicht mehr so propre aus, als die Franzosen zu Anfang des Feldzuges von Ms gerühmt hattm) — kostete einige Arbeit.

20. November. Heute Morgen gabs wieder einen frühen Aufbruch I Schon um 3 Uhr mußten wir von Chateauneuf in südwestlicher Richtung aus Digny und la Lvupe abrücken. Beim Abmarsche regnete es, später klarte sich indessen der Himmel etwas aus. In der^Nähe von la Lvupe (ca. 40 Kilometer westlich von Chartres) streßen unsere Pattouillen auf den Feind, der mit ihnen einige Schüsse wechselte und sich dann längs des Eisenbahndammes jurückzog.

den Versuch gemacht haben soll, mit Geld die Entdeckung eines GeheimniffcS zu erkaufen, welche» für unsere Regie rung keinen sehr großen praktischen Wetth haben kann."

„Wo der Gedanke fehlt — da stellt zur rechten Zeit daS Wort sich ein." Sehnlich scheint es sich mit der Kriegs­berichte» stattung eines großen ThrileS der Preffe zu ver­halten: Wo die Thatsacheu fehlen, — da stellt zur rechten Zeit daS Gerücht sich ein. Es ist schon oft darauf hin gewi ßen worden, daß Wiener und Londoner Blätter, von den ersteren namentlich die „N. Fr. Preffe," daS „N. W. Tagbl." und die „Deutsche Zeitung" an sogenannten „Privat- Telegrammen" vaS Unglaublichste leisten. So läßt die „N. Fr. Pcesst" sich auS Bukarest, 15 Skptember, wörtlich Folg n^es „telegraphiren": -Die Türken haben am 13. d. alle Stellungen, die Redoute bei Gnvitza inbegriffen, wieder genommen und die Ruffen selbst auS den Postiionen, die sie früher vor dem Angriffe inne hatten, zurückgeworfen, so daß die gegenwärtigen Stellungen bet Ruffen um 13 Kilo­meter weiter von Plewna entfernt sind, als am 11., dem Tage deS ersten «Sturme». Man behauptet, daß die russische Heeresleitung weitere Angriffe aus Plewna ausgeben wolle." Dicht daneben, eine Spalte zuvor, veröffentlicht daS nämliche Blatt die amtliche russische Meldung, worin Großfürst Niko laus mitiheilt, daß die Türken am 14. AbendS einen Angriff auf die Grivitza Redoute versuchten, aber mit Verlust abge- roiefen wurden 1 In ähnlicher Weise bedient der Londoner „Observer" sein Publikum.

Eine den seitherigen Nachrichten widersprechende Meldung bringt jetzt „Wolfs telegraphisches Bureau", auf die wir hier besonders verweisen wollen, da dieselbe einen Anspruch auf Zuverlässigkeit haben dürste:

Konstantinopel, 18. Scptbr. Nach den neuesten h er vorliegenden Naa richten hatten die Ruffen die Posi­tionen um Plewna noch ringsum besetzt. Die dem englischen Vertreter Layard vom Grvßvezier gestern mitgetheitte De­pesche betraf nur ein partielles Gefecht, keinen allgemeinen Sturmangriff, eine entscheidende Schlacht steht noch bevor.

Ferner wird telegraphisch gemeldet:

Wien, 18. S pt. DaS „Wiener Tagbl." meldet auS Belgrad vom 17. d.: Die bisher in BoSukn gegen die Ausftändffchen verwendeten türkischen Truppen unter Ismet Pafcha sind nach Serajewo uns Sjenitza beordert. Der serbische Agent ChristieS hat Konstantinopel noch nicht »er» lasten.

Wien, 18. Sept. Die „Neue fr. Prefle" meldet au» Konstantinopel vom 17. 68.: Nach dreitägigen Kämpfen wurde der Schipk.paß von den Rusten vollkommen »er luflen und von den Türken besetzt.

Wie«, 18. S<pt. Die „Preffe" meldet aus Tflis

Die uns dann gestellte Aufgabe, das meist waldige Terrain nach dem Feinde abzusuchen, wurde, wenn auch mit vieler Ansttengung gelöst, und traten wir dann gegen Abend unseren Weitermarsch nach dem Dorfe Vaupillon an (5 Kilometer von la Lvupe), wo wir Allarmquartiere bezogen. Die nun folgende Nacht war für uns, bei der Nähe des Feindes, selbstverständlich eine sehr unruhige; wir mußten fast fortwährend aus den Beinen fein.

21. November. Morgens gegen 2 Uhr besetzte unsere Compagnie ein kleines, ungefähr 15 Minuten von Vaupillon entferntes Dorf. Von dort aus mußte ich mit 15 Mann und 2 Husaren eine Recognosrirungspattouille, etwa eine Stunde weit ins Vorterrain machen; dunkel wars, wie wir Alle meinten: „wie in einer Kuh 1" keine Hand konnte man vor den Augen sehen, überall schlechte Wege, morastige Stellen und Gräben — und dabei als Direettonspunkt irgend eine Stelle an dem Eisenbahndamm nach Bretoneelles zu, wo ich mit Lieutenant Mayer von der 2. Compagnie mich treffen sollte. Es waren somit keine geringen Schwierig­keiten und Marschhinderniffe, die wir überwinden mußten, durchfragen konnten wir uns auch nicht, und doch flies Alles glücklich ab. Lieutenant Mayer wurde von uns an der bezeichneten Stelle aufgefunden und führte uns derselbe noch eine Strecke weiter vor, ohne daß wir von dem Feinde etwas gewahr wurden. So wurde denn der Rückmarsch angetreten und auch glücklich vollendet und nachdem ich mich bei unserem Hauptmann als „von der Patrouille zurück I" gemeldet, offerirten mächtige brave Kameraden einen extra für uns gekochten und bereitgehaltenen Kaffee, der uns ausgezeichnet mundete und unferen durch den be­schwerlichen Nachtmarsch ermübeten Gliedern wieder neue Kräfte gab.

Es wurde uns noch bis 8 Uhr Ruhe gestattet und cann der Marsch, bei welchem unser Bataillon die rechte

vom 17. b.: Die Meldung Mukhtar Pascha's, daß Ardahan von den Ruffen geräumt sei, ist unwahr. Ardahan ist von 12 Bataillonen Infanterie und 6 Eöcadronen Kavallerie unter dem Fürsten Eristaco bes.tzt.

Petersburg, 18. S<pk. Der „Golos" meldet: Der General Adjutant des Kaisers, General Totleben, reist heute nach dem Hauptquartier der Südarmee ob. Am 17. d. ist ein neuer Sanitäts-Train nach Ktscheneff abgegengen.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Sept. Es ist völlig unbegründet, daß die Einberufung der Rekruten für das 3. Armeekorps schon in diesem Monat stattfinven soll. Bekanntlich wird alljähr­lich durch eine auf den Vortrag des Kriegsministers erge hende kaiserliche Verordnung bte Einstellung der Rrituren geregelt. In diesem Jahre ist die Einst llung für die Zeit vom 3. bis 10. November verfügt worden. — Nach­dem am 1. Oktober die Verwaltung der Angelegenheiten der evangelischen Landeskirche, soweit solche oisher von oen Regierungen geübt worden ist, auf die Konsistorien über­geht, werden gleichzeitig die Stellen der geistlichen Räthe bei den Provinzial-Regiernng fortfallen. Alle in den Stellen der geistlichen Räthe bisher beschäftigten Beamten treten außer Funktion. Diejenigen Beamten, welche als geistliche Räthe definitiv angestellt find, treten in den Genuß des ordnungsmäßigen WartegetdeS — Ueber die Eröffnung des Landtags dürften in der nächsten Zeit noch keine be­stimmten Beschlüffe gefaßt werden. Vor Allem handelt eS sich um die Fertigstellung des StaalshaushaltSetatS. So­bald eS sich überfehen läßt, bis wann d e bezüglichen Ar­beiten zum Schluffe gelangen können, wird mit der Ein­berufung des Landtags nicht länger gezögert werden. Die Vorlagen, welche den Landtag neben dem Etat her beschäf­tigen sollen, bereiten keine solchen Schwierigkeiten, als daß sie bei Fixirung des Zeitpunktes irgend tn Berechnung gezogen zu werden brauchten. Jedenfalls ist der Wieder­zusammentritt des Landtags bald nach Mitte October zu erwarten.

Karlsruhe, 17. Sept. Heute früh holten die Truppen die Fahnen vom Schloß. Der Kaiser trat an das Fenster, als fein Enkel, der Erbgroßherzog, vor dem elften Z tge des ersten Badischen Leib Grenadier Regiments Dienst »hak. Zur Parade nach Neu Malsch begeben sich die Allerhöchsten Herrschaften mittelst Extrazuges. — Die große Kaiseiparade über daS 14 Armeekorps ist in Anwesenheit der höchsten Herrschaften, vieler fremden Offiziere und eine« ungemein zahlreichen Publikums glänzenv m d ohne Unfall verlaufen. DaS Wetter war leidlich. In der Parade standen 6 ba­dische und 2 preußische In amerie R gimenter, 3 badische

Flankendeckung der Avantgarde bildete, angetreten; zunächst ging es eine Strecke weit der Bahn entlang und dann bei Mvulin neuf gegen die rechts gelegene und bewaldete An­höhe. Kaum waren wir ungefähr 10 Minuten weit vor­gegangen, als wir aus einem gegenüberliegenden Gehölze lebhaftes Kleingewehrfeuer erhielten, das wir indessen bei unserem Avaneiren wenig erwiderten. Die vor uns stehen­den Vottruppen des Feindes hielten nicht lange Stand, sondern zogen sich zurück; dagegen wurde links von uns, wo unsere beiden anderen Bataillone und das 94. Regiment vorgingen, das Gewehrfeuer lebhafter. Wir gewahrten, daß einige vor diesen Truppen gelegenen Häuser vom Feinde stark besetzt waren.

Von unserem Bataillon gingen nun zwei Compagnieen über einen hie und da bewaldeten Berg, die zwei anderen, darunter auch die erste, am Fuße desselben gegen den Bahn­hof von Bretoneelles vor; der Feind suchte unseren Anmarsch, wiewohl vergeblich, mit heftigem Kleingewehrfeuer zu hin­dern. Am Bahnhof hatte er auch vier Geschütze placirt, deren Geschoffe unö freilich wenig Schaden brachten, da­gegen bet ben etwas rückwärts von uns in einem waldigen Thale haltenden Pionieren, nebst dem Hauptmann v. Holly mehrere Leute verwundeten und durch ihr Einschlagen und Crepiren in nächster Nähe der dort haltenden Munitions­wagen, dieselben in große Gefahr brachten.

Unsere Artillerie konnte »egen des höchst ungünstigen Terrains auf unserer Seite nur zwei Geschütze in Posttion bringen, mit welchen sie gegen das vor uns liegende Breton­eelles feuerte. Nachdem wir eine Zeit lang den feindlichen Kugelregen — und zwar ohne besonders günstige Deckung, jedoch auch ohne besonderen Verlust- — ausgehallen, erhielten wir Befehl gegen den Bahnhof von Bretoneelles, welchen französische Marine-Infanterie besetzt hielt, vorzn- gehen. Trotz des hier vom Feinde geleisteten hartnäckigen