Wr. 219.
Marburg, Mittwoch, 19. September 1877.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtajfel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf ytoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
(Olirrlirffifilir ZkitW.
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Die Exped. der Oberh. Zeitung.
Lage-bericht.
Der internationale Postvertrag vom 9. Oktober 1874 bestimmt, daß alle drei Jahre ein Postcongreß zusammen treten soll. Ja Folge dieser Bestimmung war abgemacht worden, den rächsten Congreß in Paris abzuhrlten. Auf den Wunsch der französischen Regierung ist indeß der Zusammentritt deS PostcongrefleS auf den Frühling 1878 verschoben worden.
Das Organ des Grafen Beust In London (daS „Eastern Budget") schreibt hinsichtlich der Minister - Begegnung in Salzburg: „Der Zusammenkunft wird in Wien von dem allgimeinen Publikum mit viel weniger Aufregung entgegen- gesehen, als vieS gewöhnlich der Fall in solchen Umständen ist, da sie augenscheinlich nichts weiter als ein unvermeidlicher Akt der Höflichkeit aus Seilen der österreichisch-ungarischen Regierung gegen den deutschen Kanzler ist. ES ist in diesem Augenblick kaum nothwendig, zu irgend einer neuen Verständigung über die große Frage deS TageS zu gelangen."
Die päpstlich - offizöse „Voce della Berits" behauptet, daß sich eine Botschaft In Rom, aber nicht die französische, eine Abschrift deS zwischen Italien und Deutschland kürzlich abgeschlcss neu Allianzvertrages (1) zu verschaffen gewußt habe. Hoffentlich bleibt dieses „Aktenstück" der Oef eatlichkeit nicht vorenthalten.
Wie dem Londoner „Standard" aus Konstantinopel gemeldet wird, fahren die türkischen Zeitungen im Einklänge mit erhaltenen Instruktionen fort, Deutschland und die deutsche Regierung mit großer Bitterkeit anzugreifen.
Wie die bonapartistische „Corresp. Monsard" erörtert,
B»m tanzende» Knochenmann.
Eine Rittergeschichte.
(Schluß).
„Ich sollte noch aus'S Schloß." sagte Philibert, „be- et ich zum Rathhaus gehe. Muß fragen, ob der Jun et Fugger nicht bald von Straßburg zurückkcmmt, wo- iu er schon vor acht Tagen geritten, und keine Briefe em Muöcatelli da find? Gut' Nacht mitsammen."
Fiöhlichen Herzens ging er von dannen.
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Im Finstern war Engelbert» zu ihrer Kammer geschlt- i kn und halte sich weinend aus'S Lager geworfen. Sie : itte Licht haben sollen; nicht in der Kammer, um zu lern, was mit Kreide geschrieben auf der Thür stand, sollen im Herzen, um den rechten Sinn zu faffen. Die Sötte lauteten ganz einfach:
„Vielleicht daß eh' du auSgeweint,
Dir Gott mit seiner Hüls' erscheint."
Sie dachte ihrer Zähren kein Ende als ben Tod, sie »ußte in ihrer Seele keine Hoffnung, als die schon jenseits «Bleite.
Nicht anders als der schlummerlosen Braut ging eS tit der Hoffnung den ketteaklirrenden Bräutigam, da er u finsterer Mitternacht zum RathhauS gebracht wurde, »m Red' und Antwott zu geben vor seinen Feinden, die Weich Ankläger und Richter waren. — Der Amimann »urde zur selben Frist ebenfalls vorgesührt, und stau» in «icht minder schlimmen Schuhen; er sah Follerpein und >ewaltsamen Tod vor sich, und verlangte vom Himmel schier nicht- anderes wehr, als „eine selige Urständ." I Zur selben Frist, da die unrichtigen Richter und der ptobe Amtmann ihr nächtliches Werk vorbereiteten unb
sind die Art. 16 und 27 deS französischen Dekrets vom 2. Februar 1852, in Anwendung deren Gambetta wahlunfähig ist durch daS Wahlgesetz vom 30. November 1875 keineswegs beseitigt. Der Art. 22 dieses Gesetzes beläßt ausdrücklich die Art. 16 und 27 des Dekrets vom 2. Febr. 1852 in Kraft, wonach diejenigen Individuen, welche wegen Beleidigung der Repräsentanten der Obrigkeit zu mehr als einem Monat Gefängnißsttafe verurtheilt sind, auf fünf Jahre ihrer ^bürgerlichen und politischen Rechte beraubt sind. In Berichtigung verschiedener Anmerkungen deutscher Blätter können wir demnach hinzusügen, daß in dem gerichtlichen Erkenmniß die Wahlunsähigkeit nicht ausgesprochen zu werden braucht.
Der „Whitehall Review" zufolge stehen im britischen diplomatischen Dienst demnächst einige wichtige Veränderungen bevor. Str Andrew Buchenan, der britische Botschafter in Wien, wird wahrscheinlich iw Oktober seinen Abschied nehmen und durch Sir Henry Cllivl den früheren Botschafter in Konstantinopel ersetzt werden. Admiral Harris, der englische Gesandte am Haag, gedenkt nächsten Monat in den Ruhestand zu treten und wird Mr. W. Stuart, den gegenwärtigen Vertreter Großbritanniens am Hofe in Athen, zum Nachfolger erhalten. Mr. Sackoille W st, der diplomatische Vertreter in Buenos AyreS, wird höchst wahrscheinlich Mr. Stuart ersetzen. Wenn diese erwarteten Veränderungen eintreten wird die Regierung einen neuen Gesandten für Griechenland und die Argentinische Republik zu ernennen haben.
Ueber die Vorgänge vor Plewna und namentlich über die dem General Skobeleff nicht rechtzeitig zu Theil ge- wo.dene Unterstützung schreibt die „Wiener Pr«sse": „AIS General Skobeleff am 12. von der ganzen Macht Osman Paschas bedrängt, fünf Angriffe der Türken abschlug, (en- bete er in seiner Noch und Bedrängniß an den SouSchef des russischen Generalstabes, General Lewizkij, einen Boten um den anderen, der Unterstützung bringen sollte. General Lewizkij, als Arrangeur der Petersburger Friedensmanöver und Profeffor der Kriegsschule, in den hohen militärtschen Kreisen Rußlands wohlbekannt, versagte Skobeleff die Unterstützung. Endlich besann er sich etmS Besseren und als die Unterstützung bei Skobeleff eintraf, waren dessen Truppen dem sechsten feindlichen Angriffe unterlegen und einer der tüchtigsten Generale der russischen Armee mußte sich mit dem Verluste der Hälfte seiner Truppen aus Positionen zurückziehen, welche er Tags vorher mit so großen Opfern erobert hatte. Wir heben diese vielleicht unscheinbare That- sache darum hervor, weil sie ungemein charakteristisch ist für die Unfähigkeit und Leichtfertigkeit, mit welcher der
zum Theil begannen, ries beim Thor neben der Herberge zum Hi.sch ein Reiter um Einlaß. Der Thorwärtel wollte lange nicht hören, doch der späte Gast gab nicht nach.
„Hättest auch in OoS bleiben können bis zum nächsten Morgen," brummte der schlaftrunkene Wächter, indem er die Brücke fallen ließ, und mit der Laterne hinauSleuchtend entdeckte, daß vom Ankömmling kein Trinkgeld zu erwarten stand; er sah nicht wie ein Junker aus, und pfiff, unter dem Thorbogen zurückgewendet, durch die Finger wie ein Gauoieb.
„Sei gut' Männle," sagte der Bursch, „ich muß thun, waS mein gnädiger Herr befiehlt, der hinter mir nachkommt. Wo bleibt er nur?"
Bei welchen Worten er scheinbar ohne Absicht sich vor die Brückenwinde drängte.
„Ich höre traben," entgegnete argloS der Thorwärtel, schon freundlicher gestimmt, da er von einem gnädigen Herrn etwas vernommen, „es müffen der Gäule viele fein."
„Nicht halb so arg," beschiel» der Knecht, der Hufschlag thut nur so laut, w.il'S Nacht ist."
Drei Reiter tarnen im vollen Rennen, hinter ihnen vier ober fünf, bann immer mehr unb mehr, unb wie der Wächter recht hinschaute, waren'S lauter Kriegsleute.
„Blitz unb Hagel, waS ist baS?" rief er, „ich bin ein geschlagener Mann, verrathen unb verkauft."
„Nur übertölpelt" lachte eine Stimme, „doch zum Besten der ganzen Stadt. Ober kennst bu mich etwa nicht, Hanns Peter?"
Der Wächter leuchtete am Reiter hinauf, unb fanb über bet stattlichen Gestüt ein bekanntes Gesicht. Der Herr Wolf Dietrich von G-mmingen, Hauptmann über das KriegSvolk beS Markgrafen Ernst Frtebrich, war zu Baden keine fremde Erscheinung.
Der Krieger erzählte in kurzen Worten dem anshorchen-
russische Generalstab die Operationen der Armee leitet. Die Hartnäckigkeit Lewizkij'S zeigt nämlich, daß er gar keine Ahnung von der Wichtigkeit der Positionen hatte, welche Skobeleff so glücklich und so tapfer war, am 11. zu erobern. Nur von der Südseite PiewnaS her konnte Osman Pascha den eigentlichen Todesstoß erhalten und von seiner Rückzugslinie abgeschnitten werden. Zudem war der Angriff von der Südseite her längs der Straße von Lowtscha augenscheinlich ziemlich leicht zu führen und Skobeleff trifft nur der Vorwurf, daß er am 11. zum Sturm schritt, bevor die Türken durch das Artilleriefeuer erschüttert waren. Aber wie dem auch sei, Skobeleff hatte Redouten genommen, welche zusammengenommen gewiß ebenso wichtig waren, als die Griwiza - Redonte. Nach unserer Meinung hätte nun der russische Generalstab mit dem Aufwande jeder nur möglichen Uebermacht die weiteren Angriffe in der Richtung fortsetzen sollen, welche Skobeleff glücklicherweise einge- schlagen hatte. Der letzte Mann mußte am 12. gegen die Positionen bei Krschine und westlich Plewna aufgeboten werden und bann konnte an bitfem Tage bas Schicksal OSman Paschas bestegelt, wenn auch nicht gänzlich ent« schieben fein. Wie wir sehen, geschah nichts von allebem, vielmehr das gerade Gegentheil. Nicht nur, daß der Hauptangriff überhaupt unterblieb, man versagte Skobeleff auch die unerläßliche Unterstützung, um zu beweisen, daß die Taktiker und Strategen der russischen Operationskanzlet die Erfahrungen der Feldzüge ans den letzten dreißig Jahren gründlich verschlafen haben. Man kann den Paschas wirklich nicht vorwerfen, daß sie wüßten, was Strategie ist und wie man den Krieg im großen Style führt, aber OSman Pascha, der einfache Haudegen, erkannte sofort, daß ihm Skobeleff weit gefährlicher sei als die vereinigten Ruffen und Rumänen in der Griwiza Redonte zusammen- genommen. Noch in der Nacht raffte er seine hungrigen, in Lumpen gekleideten Schaaren zusammen, warf sich am frühen Morgen de« 12. mit aller Gewalt auf Skobeleff und nach dem sechsten Sturm hatte er die verlorenen Positionen wieder genommen. Beschämt steht der Profeffor der russischen Kriegsschule vor dem ungebildeten Pascha, der von der französischen Sprache — dem ottentalischen BildungSmeffer — ebensoviel verstehen dürste, als General Lewizkij von der praktischen — Kriegskunst."
Neueste KrzegSnachrichten:
Petersburg, 16. Sept., Abends. Ofstciell. Karajal, 16. Sept. Am 13. d. recognoSdrte Generalmajor Loris- Melikvff mit drei Bataillonen Infanterie, vier Schwadronen unb vier Sotnien Reiterei unb zwölf Geschützen, um de» rechten Flügel von Mukhtar Pascha's Position eingehend zu besichtigen. In der Nacht »uSrückend, besetzten unsere
den Wächter, wie er von seinem Herrn Beseht erhalten, die Städte Ettlingen, Kuppenheim, Stollhofen, Baden unb onbere Ortschaften durch einen Handstreich zu besetzen, um die obere Markgrast dem unwürdigen Fürsten wegzunehm« unb für bie Kinder desselben zu verwalten.
In der nächsten Viertelstunde schmetterte gellender Drvmmetenklang durch die erstaunte Nacht, bannte Heller Fackelschein die Finfterniß, riefen klangvolle Männerstimmen den Markgrafen Wilhelm als Herrn des Landes, Ernst Friedrich aber als Gerhab unb Verwalter aus. An Widerspruch dachte keine Seele. Die Reiter mit den grimmigen Schnauzbärten und ben blanken Waffen sahen nicht barnach aus, als würden fie auf Einreden sonderlich viel geben, und der von Gemmingen war auch nicht seiner Nachgiebigkeit halber berühmt, Der neugewählte Rath stob beim ersten Lärm auseinander wie Spreu im Hauch des Windes, unb die früheren Rathsherrn beeilten sich, den Gewaltsboten von Durlach willkommen zu heißen . . . —
— Doch, was kümmern nnS zur Stunde die Staatshändel? Die stehen im großen Hauptbuch der Geschichte verzeichnet. Alle Welt weiß oder könnte wiffen, wie Ernst Friedrich sich als Verwalter deö Landes huldigen ließ, und welche Fährlichkeiten ihm daraus erwuchsen; wie MuScatelli Erst für ihn bereitete, und durch einen derben Eidgenossen, den Graubündner Pestalozzi, eS ihm beinahe beigebracht hätte, unb wie sich nach und nach die Geschicke deS Lande« weiter entwickelten, bevor auS den zerstückelten Besttzthümern der Zähringer von Baven sich das unteilbare Ganze ge< staltere, das heutzutage unter dem Namen deS Großherzog- thumS Baden mit Recht als eins der schönsten und glücklichsten Länder gepriesen wird.--
Ja ScharbauerS Ladenstübchen umfing sich ein glückliches Paar. Meister Wunderwitz erhob keinen Widerspruch; ersten« hatte er nicht die ausgestellten Bedingungen